Technisch angestaubter Strategiespielklassiker

Eins vorneweg: Age of Mythology ist ein Rückschritt im Vergleich zum Quasi-Vorgänger Age of Empires 2. Anstatt weiter in der historischen Reihenfolge zu bleiben...

von - Gast - am: 02.04.2009

Eins vorneweg: Age of Mythology ist ein Rückschritt im Vergleich zum Quasi-Vorgänger Age of Empires 2. Anstatt weiter in der historischen Reihenfolge zu bleiben und die Zeit nach dem 16. Jahrhundert abzuhandeln (die später als Szenario für AoE 3 diente), sondern die antike Mythologie von Griechen, Ägyptern und Wikingern bieten den Schauplatz für das Echtzeitstrategiespiel der Ensemble Studios. Jedoch bleibt das einer der wenigen „Rückschritte“.

Evolution

Augenscheinlichste Neuerung: Die runderneuerte Grafik ist nun dreidimensional im Gegensatz zum Vorgänger. Aus heutiger Sicht ist das Spiel dennoch komplett veraltet. Die Figuren sind sehr grob, die Texturen unscharf, das Wasser ist unrealistisch und und und. Das kommt vor allem in den Zwischensequenzen in Ingame-Grafik schwer zu tragen. Für damalige Verhältnisse dennoch ein wegweisender Schritt.
Veraltet kann man auch über den Sound sagen, denn die Tonqualität ist alles andere als gut und die Sprecher wirken ein bisschen bemüht, auch wenn sie passend zu den Charakteren der Kampagne gewählt sind. Außerdem ist die (sich wiederholende) Hintergrundmusik wie auch im Vorgänger sehr stimmungsvoll und verändert sich sogar, wenn es zum Kampf kommt.

Konservierung

Dennoch schmeißt Age of Mythology nicht alle Tugenden der Serie um. So ist der Aufbaupart des Spiels immer noch recht hoch. Durch die drei Rohstoffe Nahrung, Holz und Gold müssen Sie immer dafür sorgen, dass Sie genügend Nachschub bekommen um Truppen auszubilden und Gebäude zu bauen. Zwar gibt müssen keine Steine mehr abgebaut werden, stattdessen gibt es aber einen neuen „Rohstoff“: die göttliche Gunst, die Sie für bestimmte (meist besonders mächtige) Gebäude und Einheiten benötigen.
Außerdem müssen Age of Mythology in Zeitaltern aufsteigen. Nur dadurch lassen sich Einheiten freischalten und die größten Gebäude bauen. Deshalb sollten Sie auch möglichst schnell in den Zeitaltern voranschreiten, damit der Gegner Sie nicht mit mächtigen Einheiten überrennt.

Entschlackung?

Wie technisch, so hat sich auch spielerisch einiges getan. Erste Neuerung: Es gibt nur noch 3 verschiedene Völker. Das klingt auf dem ersten Anschein nach wenig, ist es aber nicht, denn jedes Volk kann aus drei Hauptgöttern wählen, die sich durch verschiedene Einheiten und Weiterentwicklungen unterscheiden. Außerdem können Sie bei jedem Aufstieg im Zeitalter wählen, mit der Hilfe welchen Nebengottes Sie aufsteigen. Dadurch variieren wiederum Einheiten und bestimmte Fähigkeiten.
Des Weiteren spielen sich die verschiedenen Völker recht unterschiedlich: Während die Griechen für Rohstoffe und Gebäude ihre Arbeiter benutzen, können bei den Wikingern nur die Infanterieeinheiten Gebäude bauen und zudem gibt es normale Sammler und Zwerge, die besonders gut Gold abbauen. Außerdem haben diese statt bestimmte Lager einen Karren, zu dem die Rohstoffe gebracht werden. Zu guter letzt erhalten die Wikinger ihre Gunst im Kampf gegen Feinde anstatt in einem Tempel.
Die Ägypter hingegen haben einen Pharao als besondere Einheit, der Gebäude unterstützen kann oder als besonders starke Kampfeinheit dient. Ihre Göttergunst bekommen sie durch Monumente, die unabhängig von den Tempeln gebaut werden.

Mythologie

Age of Mythology bietet aber noch mehr. Die große Besonderheit sind die mythischen Einheiten, meist besonders starke Einheiten, die Sie mit vielen Rohstoffen und Gunst bezahlen müssen. Diese schlagen meist besonders heftig zu und werden im Tempel produziert. Glücklicherweise sind sie aber nicht übermächtig und können durch andere Einheiten gekontert werden. Wie in vielen anderen Strategiespielen gilt das Schere-Stein-Papier-Prinzip.
Einen weiteren besonderen Kniff in die Partien bringen die göttlichen Zauber. Dabei handelt es sich um einmalige Fähigkeiten, die Sie durch Aufstiege ins nächste Zeitalter bekommen. Dabei kann es sich um sehr viele verschieden Fähigkeiten handeln, z.B. eine Schatzkammer, die ihnen immer mehr Gold gutschreibt, ein Meteoriteneinschlag oder die Belebung von Bäumen. Wer darauf nicht gefasst ist, kann schnell in die Bredouille kommen.
Des Weiteren: Wie im Vorgänger sind Reliquien über die Karten verteilt, die Ihnen hier aber Boni bringen, z.B. einen höheren Sichtraudius oder schnellere Einheitenproduktion.

Historie

Zur Geschichte: Ihr Held Arkantos wird losgeschickt und soll den Zyklopen Gargarensis aufhalten, der will nämlich in die Unterwelt und sich dort Einheiten besorgen um einen Krieg gegen die Menschheit anzuzetteln. Dabei werden Sie von Ihrer Heimat Atlantis nach Griechenland, Ägypten und in die Nordlande geschickt und spielen jede Fraktion für etwa 10 Szenarien.
Jedoch ist Geschichte ziemlich unspannend präsentiert, was vor allem an der bereits erwähnten mauen Optik und dem mäßigen Sound zu tun hat. Dennoch eine Weiterentwicklung im Vergleich zu den Standbildern mit Texten aus dem Vorgänger.
Die Missionen selbst hingegen sind deutlich spannender, auch wenn Sie oft nur ein bestimmtes Gebäude zerstören müssen oder einen bestimmten Ort erreichen muss und Ihrr erster Auftrag auch oft der letzte in der Mission ist. Trotzdem gibt es abwechslungsreichere Missionen, in Ägypten zum Beispiel müssen Sie in einer Mission einen bestimmten Karren erobern und diesen in Ihre Basis bringen, bevor der Gegner ihn zurückerobern kann und ihn selbst an den Rand der Karte bringt.

Krieg

Eine große Stärke von Age of Mythology ist die Balance: Die Kampagne ist in drei Stufen einstellbar, sodass sowohl Einsteiger als auch Profis genügend gefordert sind. Auch in den Skirmish-Gefechten ist man nie überfordert oder unterfordert, da die Völker gut ausbalanciert sind und die KI-Gegner zwar eine ordentliche Herausforderung sind, aber nicht unschlagbar.
Da sind wir dann auch bei der KI. In den Gefechten ist sie stark: Die Gegner bauen schnell Wälle auf, erkunden schnell die Karte und versuchen auch schnell sich die Siedlungen unter den Nagel zu reißen. Auch in der Kampagne werden Sie gut gefordert werden, da die KI sich nicht scheut seine göttlichen Zauber auszuführen oder Sie an empfindlichen Stellen anzugreifen. Nur schade, dass die KI in vielen Missionen keine weiteren Gebäude baut.
Ein Wort noch zur Bedienung: Die entspricht dem Echtzeit-Strategie-Standard, auch wenn die Kamera nicht frei beweglich ist.

Fazit

Age of Mythology ist in reinster Form ein Echtzeitstrategiespiel, das vor allem mit seiner guten Balance und den interessanten Einheiten auftrumpft. Auch der Umfang stimmt mit einer langen Kampagne und den Zufallskarten. Jedoch zieht es mit moderneren Strategiespielen teilweise den Kürzeren, vor allem im Punkto Missionsdesign und der veralteten Grafik. Trotzdem: Wer einen älteren Rechner zu Hause stehen hat und Echtzeitstrategiespiele mag, sollte sich das Spiel holen, zumal im Moment zum Budgetpreis mit Erweiterung oder auf der DVD einer beliebten Computerspielezeitschrift.

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Wertung
Pro und Kontra
  • Grafik: 3D-Grafik, unterschiedliche Regionen
  • Sound: gute Hintergrundmusik...
  • Balance: 3 Schwierigkeitsgrade, gut ausbalancierte Völker
  • Atmosphäre: spannende, unvorhersehbare Schlachten
  • Bedienung: Echtzeitstrategie-Standard
  • Umfang: lange, umfangreiche Kampagne, Zufallskarten
  • Missionsdesign / Startpositionen: teilweise abwechslungsreiche Missionen...
  • KI: nutzt ihr Repertoire an Einheiten und Gebäuden
  • Einheiten: interessante mythische Einheiten, alle nützlich
  • Kampagnen / Endlos-Spiel: gut umgesetztes Mythologieszenario
  • Grafik: veraltet, matschige Texturen, klobige Figuren
  • Sound: ...die sich wiederholt, mäßige Sprecher
  • Balance: -
  • Atmosphäre: mäßig präsentierte Geschichte
  • Bedienung: feste Kameraposition
  • Umfang: -
  • Missionsdesign / Startpositionen: ...teilweise Standardmissionen
  • KI: baut nicht in der Kampagne
  • Einheiten: -
  • Kampagnen / Endlos-Spiel: etwas unspannende Geschichte

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

genau richtig

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 20, weniger als 40 Stunden



Kommentare(5)

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