Test: Mafia III - kein würdiger Nachfolger

Nach dem fantastischen Mafia II war ich gespannt wie ein Flitzebogen, als Mafia III angekündigt wurde. Geile Story UND eine Open World à la...

von Apfelmus am: 02.05.2017

Nach dem fantastischen Mafia II war ich gespannt wie ein Flitzebogen, als Mafia III angekündigt wurde. Geile Story UND eine Open World à la GTA? Das kann doch nur gut werden oder? Leider nein, Mafia III enttäuscht in vielerlei Hinsicht und in diesem Test erfahrt ihr wieso! Gespielt wurde von mir die PC-Version.

Starker Einstieg

1968. Lincoln Clay, ein großer und stämmiger Afroamerikaner, kehrt als Veteran aus dem Vietnamkrieg zurück. Kaum zuhause angekommen, wird für Lincoln eine große Party geschmissen und ausgiebig gefeiert. Doch leider scheint nicht alles im "Hollow" (Lincolns Viertel) glatt zu laufen. Lincolns Ziehvater Sammy steckt in einem Bandenkrieg mit den Haitianern und hat sich deswegen Geld von einem Mafioso namens Sal Marcano geliehen. Um diese Schulden zu begleichen, raubt Lincoln zusammen mit Marcanos Männern die Louisiana Federal Reserve Bank aus und trotz aller Widrigkeiten schaffen wir es den Coup erfolgreich durchzuziehen.

Mafia 3 - Bar

Doch anstatt den abgesprochenen Deal einzuhalten und Sammy die Schulden zu erlassen, verraten uns Sal Marcano und sein Sohn Giorgi. Sammy und alle, die uns beim Überfall geholfen haben, werden erschossen und auch Lincoln geht nach einem Kopfschuss zu Boden. Sal und Giorgi setzen unseren Unterschlupf in Brand und machen sich mit der Beute aus dem Staub.

Rache!

Doch so leicht ist Lincoln nicht kleinzukriegen. Durch eine gehörige Portion Glück überlebt er den Kopfschuss und wird von Pater James aus dem flammenden Inferno gerettet. Nach einer einmonatigen Zwangspause, kommt Lincoln langsam wieder zu Kräften und wird von da an nur noch von einem einzigen Gedanken getrieben - Rache!

Zusammen mit seinem ehemaligen Kameraden Donovan überlegt sich Lincoln einen Plan, um Marcanos Kontrolle über New Bordeaux zu lösen und ihn zusammen mit Giorgi unter die Erde zu bringen. Nach und nach soll Lincoln Marcanos engste Gefolgsleute ausschalten, um seine Einflussnahme zu schwächen. Doch alleine könnte das schwierig werden. Deswegen verbündet sich Lincoln mit drei weiteren Bandenführern in New Bordeaux: Cassandra, die Anführerin der Haitianer, Burke, seines Zeichens dauerbetrunkener Ire, und Vito Scaletta, Mafioso der alten Schule. Und ab diesem Punkt beginnt die Langweile...

Mafia 3 - 3 Bosse


Fahren, Ballern, und wieder von vorn'...

Nachdem die ersten zwei - drei Stunden von Mafia III wirklich schön inszeniert waren und eine Hauptmission die nächste jagte, kommt nun der Open World-Aspekt zu tragen. Um Marcanos Gefolgsleute aus ihren Verstecken zu locken, müssen wir ihre Geschäfte stören. Das erledigen wir, indem wir innerhalb ihres Viertels wichtige Hintermänner ausschalten, Lieferungen zerstören und ihre Einnahmen klauen.
Man merkt schon, viel Abwechslung gibt es hier nicht. Wir fahren zu einem der Symbole, erledigen innerhalb von 3 Minuten alle Gegner, zerstören die Ware bzw. klauen das Geld und düsen weiter. Während das Gameplay am Anfang noch wirklich motiviert und auch Spaß macht, wird es nach etwa 12 Stunden zu repetitiv. Das liegt nicht letztlich auch daran, dass es absolut keine Abwechslung bei den Gegnern gibt. Diese unterscheiden sich zwar durchaus in ihrem Aussehen, aber keiner von ihnen hat spezielle Fähigkeiten oder Waffen am Start und da die KI zusätzlich nicht gerade die schlauste ist, artet das ganze meistens in einem simplen Tontaubenschießen aus.

Aber das muss ja nicht sein. Als Kriegsveteran ist Lincoln auch darin geschult worden seine Gegner lautlos auszuschalten. Wenn ihr es also schafft euch unbemerkt an die Feinde anzuschleichen (was wirklich nie ein Problem darstellt), dann könnt ihr diese mit einer zugegebenermaßen sehr schicken Takedown-Sequenz töten. Wenn ihr euch dabei nicht gerade im Sichtkegel von weiteren Feinden befindet, kriegen diese das auch nicht mit. So könnt ihr euch nach und nach seelenruhig durch ein Meer aus Gegnern meucheln, ohne, dass euch jemals wirklich Gefahr droht. Sollte einer der Feinde dann doch einmal eine Leiche erspähen, so ist das eigentlich auch kein Problem. Diese laufen dann nämlich seelenruhig in die exakt gleiche Position des kürzlich Verschiedenen und betteln so förmlich darum euer nächstes Opfer sein zu dürfen - wie eine Motte, die zielgerichtet in einen Insektenbrutzler fliegt. Nettes Detail übrigens, ihr könnt in den Optionen zwischen brutalen und nicht tödlichen Takedowns hin- und herschalten.

"Wie funktioniert das denn?"

Der eigentliche Feind sind nicht die Gegner, sondern die Standard-Tastenbelegung. Wer auch immer auf die geniale Idee kam Schleichen auf "x" zu legen, hat nicht mehr alle Tassen im Schrank! Oder Pfeifen auf "Pos1"...wie soll ich da bitte mit der linken Hand rankommen? Das Zielvisier eines Scharfschützengewehres schaltet man übrigens mit "F" auf. Zwar kann man sich die Tasten umbelegen, aber das Problem ist, dass Mafia III so viele Aktionen hat, dass irgendwann die Tasten, die wirklich in Reichweite sind, alle belegt sind. Und wer jetzt denkt, dass er doch einfach seine zusätzlichen Tasten an der Maus belegen kann, der irrt. Die werden nämlich gar nicht erst erkannt...

Ein weiteres Problem ist, dass dass Spiel manche seiner Mechaniken untererklärt oder gar nicht erst auf die Idee kommt sie einem nahe zu bringen. Ein kurzes Beispiel: Wenn ihr ein Viertel übernehmt, könnt ihr auch entscheiden, ob ihr den ehemaligen Leiter des Viertels töten wollt oder ihn für euch arbeiten lasst. Wenn ihr ihn sofort tötet, erhaltet ihr etwas Geld bar auf die Hand. Entscheidet ihr euch dafür ihn am Leben zu lassen, dann verdient euer Geschäft in dem Viertel mehr Geld. Bevor ihr aber überhaupt die Option erhaltet den Leiter zu rekrutieren, müsst ihr ein Abhörgerät in der Nähe seines Unterschlupfes platziert haben. Das sagt einem das Spiel nur leider nicht. Und so stand ich des Öfteren im Büro eines Leiters, hielt ihm mein Messer an die Kehle, wollte ihn überzeugen für mich zu arbeiten, konnte aber die Option nicht auswählen. Also blieb mir nichts anderes übrig, als ihn umzubringen.

Wenn ihr eines der Viertel komplett "befreit" habt, wird eine weitere Storymission freigeschaltet, in der ihr einen von Marcanos Männern ausschalten sollt. Diese Missionen sind die Highlights des Spiels, machen aber leider die geringste Spielzeit aus. Sie bieten ein wenig Abwechslung zum schnöden Open-World-Alltag, da sie euch meist an sehr interessante Schauplätze führen. Davon hätte ich gerne mehr gehabt.

mafia 3 - park

Teilen ist nicht leicht...

Haben wir dann einmal ein Viertel komplett übernommen und einen von Marcanos engsten Vertrauten ausgeschaltet, treffen wir uns mit Cassandra, Burke und Vito, um zu entscheiden wer von ihnen das Viertel bekommt. Je nachdem für wen wir uns entscheiden, erhalten wir dadurch Upgrades für Fahrzeuge oder unsere Waffen oder Geld. Ihr solltet eure Auswahl jedoch nicht nur von den möglichen Verbesserungen abhängig machen. Geht einer der drei zu oft leer aus, kann es durchaus sein, dass er euch in den Rücken fällt.

Die zu Grunde liegende Idee ist wirklich nett, aber echten Einfluss auf die Geschichte bzw. die Spielwelt nehmen wir dadurch nicht. Auch hier wurde leider wieder viel Potenzial verschenkt. Dieses Problem zieht sich durch Mafia III wie ein roter Faden. Das Spiel hat durchaus nette Ideen, nur leider nicht den Schneid oder die Möglichkeiten diese auch konsequent umzusetzen.

Von dem Rassismusproblem etwa ist nur etwas in den Zwischensequenzen zu spüren. Im Spiel werden wir zwar auch ab und an auf der Straße als "Nigger" angesprochen, aber dann hauen wir dem Typen halt auf's Maul und gehen weiter. Außer natürlich einer der umstehenden Passanten kommt auf die grandiose Idee das Verbrechen bei der Polizei zu melden. Dann heißt es hinterherrennen und ebenso umhauen. Bedauerlicherweise kann es dann zu einer Art Kreislauf kommen: Lincoln haut einen Zeugen um, ein weiterer Passant entschließt sich die Sache der Polizei zu melden, den hauen wir auch wieder um, usw. Lustig nur, dass anscheinend immer nur ein Passant gleichzeitig auf die Idee kommt das Verbrechen zu melden... KI as it's best!

Sollte es dann doch mal einer der Passanten schaffen zum Hörer zu greifen und 911 zu wählen, dann wird es schnell nervig. Wenn wir es nicht schaffen möglichst schnell unbemerkt aus dem Suchradius zu verschwinden, verfolgt uns die Polizei. Und die haben anscheinend Raketenautos, die ohne Probleme den schnellsten Sportwagen einholen können. Und so entbrennt meist eine kleine Verfolgungsjagd, in der wir versuchen die Reifen der Polizei zu zerschießen, bevor sie unsere zerschießen kann...kleiner Tipp! Die KI scheint nur darauf ausgelegt zu sein auf den Straßen zu fahren. Solltet ihr also eine Bahnstrecke sehen, so versucht einfach auf den Gleisen weiterzufahren. So werdet ihr die Cops dann doch halbwegs zügig los. Oder ihr fahrt einfach mal durch das Bayou/Sumpfgebiet, dann hat das mindestens auch mal eine Verwendung. Bis auf 2-3 Missionen passiert da kaum was - trotzdem macht das Gebiet so um die 50% der Karte aus.

Mafia 3 - Karte


Von Anfang an Superman

Wenn es etwas in dem Spiel gibt, was ihr wirklich kaum gebrauchen könnt, dann ist das Kohle. Klar könnt ihr das Geld benutzen, um euch neue Knarren und Munition beim Waffenhändler zu kaufen, aber damit macht ihr euch das Spiel meist nur noch einfacher. Ich habe den Großteil des Spiels mit zwei Waffen bewältigt - der AK und einer schallgedämpften Pistole. Ihr seid euren Gegnern von Anfang an überlegen und so lange ihr euch kein offenes Feuergefecht ohne Deckung mit den Cops und Marcanos Männern liefert, kommt ihr auch so gut zu Rande.

Wer Lincoln trotzdem noch unbesiegbarer machen will, der kann sein Erspartes nach einigen Missionen auch in den Ausbau von Lebensbalken oder in zusätzliche Adrenalinspritzen investieren, mit denen ihr eure Gesundheit auffrischen könnt. Auf diese Weise mutiert ihr im Verlauf des Spiels von der Ein-Mann Armee zur Ein-Mann Panzerdivision, die ihre Gegner niederwalzt.

Story und Charaktere bleiben flach


Obwohl die Idee die komplette Erzählung als Dokumentation zu verpacken echt cool ist, bleibt Story dafür umso flacher. Wir haben es hier mit einer 08/15 - Rachestory zu tun, deren Ausgang man von Anfang an absehen kann. Oder besser gesagt, Ausgänge. Kurz vor dem Abschluss der letzten Mission kann man sich nämlich zwischen drei unterschiedlichen Enden entscheiden. Warum jetzt zum Ende noch einmal die Möglichkeit geboten werden muss eine Entscheidung zu treffen, während die Erzählung der Story vorher komplett linear ablief, muss man da wohl nicht verstehen.

Auch die Charaktere sind simple Abziehbildchen, denen keinerlei Tiefgang beigemessen werden kann. Hier hätte es vielleicht auch geholfen die Charaktere mehr ins Gameplay zu integrieren. Da wir aber eigentlich nur innerhalb der kurzen Storysequenzen und den "Stammtischen" was mit Cassandra, Vito und Burke zu tun haben, wachsen sie einem nie ans Herz.

Mafia 3 - Sit down

Bugs und Performanceprobleme

Man merkt Mafia III deutlich an, dass das Spiel ein simpler Konsolenport ist. Das fing schon direkt nach dem Release an, als die Bildwiederholrate bei 30 begrenzt wurde. Wie fast alle Open-World-Titel verlangt auch Mafia III so Einiges von eurer CPU ab. Nachladeruckler gibt es nach einigen Patches zwar keine mehr, dafür hat das Spiel immer noch keine Option, die es mir erlaubt diesen verdammten Weichzeichner zu deaktivieren. Der sorgt dafür, dass wirklich alles auf eurem Bildschirm konstant verwaschen aussieht. Auch einige Grafikfehler wurden noch immer nicht gefixt. Diese äußern sich meistens in kurz erscheinenden schwarzen oder grünen Streifen.

Mit der deutschen Synchronisation haben sich die Entwickler leider auch nicht mit Ruhm bekleckert - zumindest was die Lippensynchronisation angeht. Die Tatsache, dass den Stimmen jedwede Dynamik fehlt, kommt hier noch erschwerend hinzu.

Fazit - kein würdiger Nachfolger

Kurz vor der Ankündigung von Mafia III habe ich noch einmal Mafia II durchgespielt und war absolut begeistert von dem Spiel. Hier jagte eine Hauptmission die nächste, man entwickelte eine Beziehung zu den Charakteren und das Setting wurde in meinen Augen sehr gut rübergebracht. Mafia III hingegen scheint sich seinen Wurzeln nicht bewusst zu sein und verpasst damit die Chance die Stärken des Vorgängers auszubauen. Stattdessen  versucht man auf den Open-World Hypetrain aufzuspringen. Leider geht dieser Sprung voll ins Leere und so bleibt New Bordeaux eine Stadt ohne Gesicht, mit langweiligen Charakteren, wenig Abwechslung und viel verschenktem Potenzial...

Mafia III bekommt ihr für den PC inzwischen für etwas mehr als 10€. Wer sich das Spiel trotz meines Tests auf der XBOX One oder der PS4 holen will, der muss zwischen 15 - 20€ berappen.

 


Wertung
Pro und Kontra
  • interessante Art der Storyerzählung
  • Grundmechaniken machen Spaß
  • Hauptmissionen bieten etwas Abwechslung
  • zu leicht
  • flache Charaktere
  • Bugs ohne Ende
  • Gameplay zu repetetiv
  • verschenktes Potenzial beim Setting
  • schlechte deutsche Synchronisation

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher leicht

Bugs:

Ständig

Spielzeit:

Mehr als 20, weniger als 40 Stunden



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