Thief - Viel besser als sein Ruf

Mittlerweile habe ich viele Kritiken von Thief gelesen und ich habe fast den Eindruck, dass sich die Geister bei kaum einem Spiel so uneinig waren. Viele reden...

von Minkitink am: 17.03.2014

Mittlerweile habe ich viele Kritiken von Thief gelesen und ich habe fast den Eindruck, dass sich die Geister bei kaum einem Spiel so uneinig waren. Viele reden vom größten Schrott, den sie je gespielt haben, motzen an allem herum, vergleichen viel mit Dishonored (das im Übrigen auch seine Schwächen hatte), andere fühlen sich trotz der Unzulänglichkeiten gut aufgehoben und schleichen sich mit Garrett begeistert durch Stonemarket. Ich gehöre übrigens zur zweiten Kategorie :-)

Thief ist sicher kein perfektes Spiel. Irgendwie merkt man ihm an, dass es gleichzeitig mehrere Zielgruppen ansprechen wollte. Trotzdem mag ich es irgendwie und da die Perlen auf dem Schleichspiel-Markt ja sowieso ziemlich rar sind, kann ich gut mit den Unzulänglichkeiten leben. Thief-Fans empfehle ich, nahezu den ganzen HUD und unbedingt den Fokus zu deaktivieren. Wenn man dann noch auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad spielt, hat man jede Menge Spaß.

Story (9/10)

Für mich die Story, das muss ich zu meiner Schande gestehen,  in den meisten Spielen Nebensache. Es geht hier für mich mehr um den Nervenkitzel, wie ich es schaffe, mich an meinen Gegnern vorbeizuschleichen, denen ich kräftemäßig haushoch unterlegen bin, um ungesehen alle Preziosen aus Schubladen, Tresoren und Schränken zu klauen. Ein Spiel für Kleptomanen sozusagen. Was interessiert uns denn da die Story … alles nur Ablenkung :-)

Allerdings hätte ich mir einen kleinen Hinweis gewünscht, was mit Garrett während des letzten Jahres passiert ist, an das er keine Erinnerung mehr hat.

Handlung (7/10)

Alles in allem ist die Handlung vorhersehbar, trotzdem gibt es ein paar überraschende Wendungen. Schlösserknacken oder Fensteraufhebeln war allerdings nach dem 20. Mal doch eher öde … und warum bleiben eigentlich die blöden Fenster nicht einfach offen stehen.

Natürlich gibt es immer wieder Fallen zu entschärfen, Wege in Gebäude zu suchen, Wachen zu überlisten und kleinere Rätsel zu lösen. Die Rätsel hätten aber nach meinem Geschmack etwas kniffliger und vor allem mehr sein dürfen.

Atmosphäre (10/10)

Für mich wird die bedrückende Stimmung in der von Krankheit gezeichneten und unterdrückten Stadt gut getroffen und besonders schön gelungen fand ich die Spielmechanik, obwohl es hier auch viel Kritik gehagelt hat. Nach einiger Übung hat man heraus, an welchen Stellen man klettern oder springen kann, wo es sich gut von Schatten zu Schatten huschen lässt und welche Stellen die beste Deckung bieten. Die huschenden Bewegungen passten für mich gut in dieses Schleichspiel.

Grafik (9/10)

Die Grafik finde ich sehr gelungen. Das Spiel mit Licht und Schatten, das ja Grundlage eines jeden Schleichspiels ist, wurde schön in Szene gesetzt. Feuer, Wasser, Rauch und viele weitere Effekte kamen realitätsnah rüber. Vielen Texturen sah man an, dass sie mit Liebe zum Detail ausgearbeitet wurden.

Weiter entfernte Objekte oder Gebäude wurden aber manchmal nur ungenau dargestellt. Manchmal erschienen auch Blutlachen oder andere Texturen auf dem Boden erst, wenn man näher kam. Feature oder Bug?

Sound  (6/10)

Böse Soundabmischenung. Hier gab es nur einen losen bis gar keinen Zusammenhang zwischen Spiel und Soundeffekten. Das hat jetzt nicht wirklich beim Spielen unterstützt sondern teilweise richtig irritiert.

Dafür haben sie mal einen sympathischen Sprecher für Garrett ausgewählt. Leider war die Stimme manchmal, weil schlecht abgemischt, kaum aus dem Hintergrundsound herauszuhören.

Einstellmöglichkeiten und Bedienung (10/10)

Hier kann sich wirklich jeder austoben. Grundsätzlich gibt es drei Schwierigkeitsgrade, die sich aber noch durch viele zusätzliche Einstellmöglichkeiten verschärfen lassen. Dies sollte man auch nutzen, wenn man eine richtige Herausforderung haben möchte. Für einen geübten Steath- und Thief-Spieler empfehle ich, den HUD fast komplett abzuschalten, kein Fokus, keine Minikarte, keine Wegpunkte ... dann macht es richtig Spaß.

Automatische Speicherung, manuelle Speicherung oder Schnellspeichern … alles da. Auch hier bleiben keine Wünsche offen.

Spielumfang (10/10)

Mit 8 Kapiteln die ich jeweils in ca. 1 bis 2 Stunden, je nach Anzahl der zu umgehenden Wachen, durchgespielt habe, ist das Hauptspiel jetzt nicht übermäßig lang. Allerdings habe ich auch nicht jede Ecke nach verborgenen Schätzen und Sammelobjekten abgesucht. Dann kann man sich natürlich hier noch viel länger austoben. Schön finde ich auch, dass man einzelne Kapitel später noch einmal spielen kann.

Die Nebenmissionen sollte man auch auf keinen Fall versäumen. Hier lauern noch ein paar witzige und zum Teil kniffelige Herausforderungen.

Leveldesign (8/10)

Thief ist zwar kein Open-World-Spiel, aber bietet dennoch viele Freiheitsgrade und Lösungsansätze für verschiedene Aufgaben. Es gibt oft mehrere Wege in ein Gebäude oder auch verschiedene Möglichkeiten Wachen abzulenken. Hier ist teilweise längeres Experimentieren gefragt. Manchmal hätte ich mir allerdings noch zusätzliche alternative Wege gewünscht.

Schön fand ich eich die Zusammenfassungen am Ende jedes Kapitels, das mir zeigt, wie gut oder schlecht ich mich da durchgeschlichen habe.

Sonstige Ausrüstung (10/10)

Fokus habe ich gar nicht verwendet, Leder- oder Bogenupgrades habe ich ebenfalls nicht gebraucht. Die Seilpfeile fand ich allerdings cool und habe deshalb immer ein paar mit mir rumgeschleppt. Die sind auch sehr hilfreich um sich über den Köpfen der Wache irgendwie ungesehen vorbeizumogeln.

Wasserpfeile hätte ich manchmal gerne verwendet, aber da gibt’s oft Punktabzug, wenn man im Phantomstil durch den Level kommen möchte. Deshalb habe ich meistens, wirklich schweren Herzens,  darauf verzichtet.

Dann noch ein paar stumpfe Pfeile zur Ablenkung oder um Flaschenzüge in Bewegung zu setzen sowie ein paar Erstickungspfeile (zur Sicherheit) und meine Ausrüstung ist komplett.

Wer’s aber dramatischer mag, kann hier aber auch aus dem Vollen schöpfen.

KI der Gegner (8/10)

Zumindest auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad waren die Gegner äußerst aufmerksam und sollten nicht unterschätzt werden. Ich konnte mich nicht immer darauf verlassen, dass ein Schatten auch 100% Schutz bietet.

Zusätzlich zu menschlichen Gegnern hat man es auch noch mit Hunden und Vögeln zu tun. Besonders Hunde reagieren sofort, wenn man auch nur die Nasenspitze aus der Deckung streckt.

Punktabzug gibt’s hier nur, weil die Gegner nicht klettern können und Gebäude eigentlich fast immer menschenleer sind.

Mein Fazit

Ich finde das Spiel trotz ein paar Schwächen gut gemacht und mit den richtigen Einstellungen auch herausfordernd. Mir hat es auf jeden Fall viel Spaß gemacht und ich werde sicher das eine oder andere Kapitel noch einmal spielen. Mit den richtigen Einstellungen ist das Spiel herausfordernd und man hat auf jeden Fall länger zu tun.

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Wertung
Pro und Kontra
  • Schöne, teilweise steampunkige Atmosphäre
  • Gleitende, harmonische Bewegungsabläufe
  • Kapitel können erneut gespielt werden
  • Viele Nebenmissionen
  • Viele Einstellmöglichkeiten
  • Schlechte Soundabmischung
  • Manchmal einengende Umgebungsgestaltung

Zusätzliche Angaben

Schwierigkeitsgrad:

eher leicht

Bugs:

Nur sehr wenige

Spielzeit:

Mehr als 20, weniger als 40 Stunden



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