Armored Warfare - Insider erhebt schwere Vorwürfe gegen Publisher Mail.ru

Nach Obsidians Abgabe der Entwicklung von Armored Warfare an My.com werden neue Details bekannt. Ein Insider behauptet, dass der Publisher Mail.ru das Projekt zum Scheitern verdammt hätte.

von Stefan Köhler,
14.02.2017 15:44 Uhr

Armored Warfare war nicht das Panzerspiel, das Obsidian eigentlich geplant hatte.Armored Warfare war nicht das Panzerspiel, das Obsidian eigentlich geplant hatte.

»Armored Warfare: What Went Wrong«. Unter dieser Überschrift hat ein Insider Details aus der Entwicklung des Panzer-Actionspiels via Reddit veröffentlicht. In erster Linie wird dem Publisher Mail.ru Versagen vorgeworfen, er habe zu sehr auf die Konkurrenz in Form von World of Tanks und auf den russischen Markt geschielt.

Der Eintrag stammt vom Community-Mitglied Gatortribe, der als Moderator im Subreddit für Armored Warfare auftritt und sich als Design Consultant an der Entwicklung beteiligt hat. Gatortribe ist und war kein offizieller Mitarbeiter von Obsidian oder Mail.ru, hatte aber Zugang zu Informationen, die Verschwiegenheit voraussetzten. Auf unsere Anfrage wollte Obsidian keine offizielle Stellungnahme abgeben. Eine Gegendarstellung gibt es allerdings nicht.

Klon statt eigener Idee

Laut dem Insider habe Obsidian beim Erhalt des Auftrags von Mail.ru eine ganz andere Vision für das Panzerspiel gehabt, die bis auf das Thema nicht mehr viel mit World of Tanks zu tun gehabt hätte. Das russische Unternehmen habe die Pläne aber vom Tisch gewischt: Ein Klon für das immens erfolgreiche Multiplayer-Actionspiel sollte her, man wolle vom Kuchen etwas abhaben.

Nach dem Feedback zur technischen Alpha habe man gemerkt, dass ein Klon dann doch etwas zu viel sei - Obsidian habe danach zumindest etwas Freiheit erhalten und konnte eigene Ideen wie PvE und Rollenspiel-Elemente einbauen. Eigentlich hatte das Studio Dinge wie eine Kampagne und Söldner-Management geplant, was zu den RPG-Spezialisten auch eher gepasst hätte.

Nur ein Markt vor Augen

Gatortribe erklärt weiter, dass Mail.ru nur auf den heimischen Markt der GUS-Länder geschielt habe. Dort ist nicht nur Mail.ru zu Hause, auch World of Tanks ist vor allem im Osten erfolgreich. Nordamerika und Europa seien bei Entscheidungen nicht berücksichtigt worden. Das habe beispielsweise dazu geführt, dass die Preview-Variante der ausbaubaren Basis nie verbessert wurde.

Das Feedback aus Russland für das unfertige Feature soll ausgezeichnet gewesen sein, Mail.ru wollte angeblich keine Veränderungen mehr und erklärte die Preview-Variante zur finalen Version. Dass Obsidian sehr gerne die Basis umgekrempelt hätte, hatten wir ebenfalls in mehreren Entwickler-Gesprächen immer mal wieder erfahren.

Laut Gatortribe war man in der Community irgendwann extrem entnervt, weil man hunderte Seiten Feedback an Obsidian geliefert habe, ohne dass das Entwicklerteam auf die Änderungswünsche in irgendeiner Form einging. Schließlich öffnete sich Obsidian gegenüber den Design Consultants: Mail.ru sei angeblich glücklich mit dem derzeitigen Zustand des Spiels, große Änderungen dürfe man nicht vornehmen.

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Was passiert nun?

Schließlich habe Mail.ru den Vertrag mit Obsidian gekündigt - das kalifornische Entwicklerstudio hätte noch gerne weiter am Spiel gearbeitet, konnte aber den russischen Geldgeber nicht mehr von der eigenen Arbeit überzeugen. Ein Wechsel bei der Entwicklung wurde bereits vor einigen Wochen angekündigt.

Auch My.com, der zwischengeschaltete Publishing-Arm von Mail.ru, sei von den Änderungen betroffen: Viele Mitarbeiter haben dem Insider nach gehen müssen, Mail.ru habe die nun offenen Stellen mit eigenem Personal ersetzt.

Das neue Entwicklungsstudio arbeite angeblich an Konsolen-Versionen für PS4 und Xbox One. Obsidian habe einen Release via Steam bereits vor langer Zeit vorbereitet, um mehr westliche PC-Spieler anzusprechen. Bisher wurde Armored Warfare aber nur über den My.com-Launcher ausgeliefert, trotz einer bereits existierenden Integration der Steamworks-Plattform.

Auch Obsidian in der Verantwortung

Laut Gatortribe sei aber auch Obsidian selbst schuld an der Misere: Man habe zwar das Geld aus dem Auftrag dringend gebraucht. Trotzdem hätte das Entwicklerstudio hinter Projekten wie Pillars of Eternity und Fallout: New Vegas Mail.ru klarmachen müssen, dass sie die Videospielspezialisten mit langjähriger Branchenerfahrung sind. Zu lange habe man eigene Ideen verworfen und nur der Auftragsarbeit nachgegangen, weil man keine Konfrontation mit dem Geldgeber wollte.

Bei Obsidian wurden einige Stellen gestrichen, viele Mitarbeiter konnten aber auf andere Projektteams verteilt werden. Mehr dazu in unserer ersten Meldung zum Thema, die wir unterhalb verlinkt haben. Laut Geschäftsführer Feargus Urquhart werde man wohl nicht noch einmal ein Projekt wie Armored Warfare angehen.

Mehr: Kündigungen bei Obsidian, Entwicklung von Armored Warfare abgegeben

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