Das Ende der Diablo-3-Auktionshäuser :

Zum Thema » Diablo 3 - News Abschaltung des Auktionshauses im März 2014, Blizzard beantwortet Fragen (Update) » Diablo 3: Reaper of Souls -Vorschau Tod und Teufel Es gibt Neuigkeiten, die gar keine sind. Apple enthüllt ein neues iPhone? Ach was. Electronic Arts schließt ein traditionsreiches Studio? Big Whoop. Und dann gibt es Neuigkeiten, die meine Kinnlade im Eiltempo Richtung Keller befördern. Als mich mein Bruder gestern Abend per SMS wissen ließ, dass Blizzard die Auktionshäuser von Diablo 3 schließen wird, lautete meine Antwort bündig: »Was?!« Tatsächlich: Auf der Diablo-Homepage erschien gestern Abend die entsprechende Ankündigung, am 18. März 2014 ist Schluss mit den Item-Versteigerungen. Das kommt überraschend, selbst wenn Blizzard bereits im März einräumte, dass die Auktionshäuser dem Spiel schaden könnten. Dennoch wirkt die Schließung nun übereilt. Denn wenn die Auktionshäuser wegfallen – wie sollen die Spieler dann handeln?

Viele Diablo-3-Spieler bejubeln die Abschaltung und vertreten den Standpunkt, dass sich Blizzard mit den Auktionshäusern eh keine Freunde gemacht hat. »Und mit einem letzten Schlag wurde das Böse namens Jay Wilson endgültig aus Sanktuario verbannt«, witzelt ein Foren-Diskutant in Anspielung auf den in der Community unbeliebten Ex-Chefentwickler. Dieser Grundstimmung muss ich in Teilen widersprechen. Denn die Kalifornier haben sich nicht mit »den Auktionshäusern« in die Nesseln gesetzt, sondern einzig und allein mit dem Echtgeld-Auktionshaus.

Das Ende der Diablo-3-Auktionshäuser : Michael Graf Michael Graf Die Versteigerungen gegen Realwährung waren es, die Blizzard den hässlichen Ruf des nimmersatten Kapitalisten einbrachten. Vorwürfe, das geizige Beutesystem und der knallharte Schwierigkeitsgrad »Inferno« seien darauf gemünzt, die Spieler in das Echtgeld-Auktionshaus zu treiben, konnten die Entwickler nie widerlegen. Auch wenn sie natürlich beteuerten, dies sei niemals ihre Absicht gewesen und man könne ja Ausrüstung auch gegen Gold ersteigern. Der Image-Schaden ließ sich nicht mehr abwenden, Beschwerden in Foren verselbständigten sich. Blizzard stand als Buhmann da - etwas, das der beliebte Entwickler so noch nie erlebt hatte.

Dass Blizzard die Echtgeld-Auktionen abschafft, ist aus Imagegründen also nachvollziehbar. Und auch die Spielgold-Auktionshäuser entwickelten nach dem Release ein wirtschaftliches Eigenleben, das die Entwickler wohl nicht vorhergesehen hatten: Brauchbare Items kosten locker sechs- bis achtstellige Goldbeträge. Wer sich neue Ausrüstung leisten will, muss also farmen, farmen, farmen - und selbst Gegenstände versteigern, um Münzen anzuhäufen. Mit Spaß am Monstermetzeln hat das nur noch wenig zu tun.

Das Ende der Diablo-3-Auktionshäuser : Die Auktionshäuser, so Blizzard, widersprechen dem Kern von Diablo. Stimmt. Die Auktionshäuser, so Blizzard, widersprechen dem Kern von Diablo. Stimmt.

Entsprechend begründet der neue Chefentwickler Josh Mosquiera die Schließung in einem Video. Die Auktionshäuser, so Mosquiera, widersprechen dem Kerngedanken von Diablo, dass man Ungeheuer jagt und damit neue Ausrüstung verdient. Stimmt. Aber die Auktionshäuser waren auch eine sichere Handelsplattform. Wer Diablo 2 online gespielt hat, erinnert sich an Hinterhof-Transaktionen über Ebay oder gar dubiose Drittseiten, denen Blizzard in Diablo 3 Einhalt gebieten wollte. Und das haben sie auch geschafft.

Wenn alle Auktionshäuser vom Netz gehen, kann dieser Untergrund-Handel wieder aufleben, mit all seinen Nachteilen: Bekomme ich tatsächlich das Item, für das ich bezahlt habe? Ist der Verkäufer »FakeTrad0r1« wirklich vertrauenswürdig? Natürlich werden dann weniger Spieler ins Handelsgeschäft einsteigen als heute, zumal Blizzard ja im Zuge der Erweiterung Reaper of Souls mit dem »Loot 2.0«-Patch auch die Beutemechanik umstrickt: Wie in der Konsolenversion von Diablo 3 soll man künftig auch auf dem PC bessere Gegenstände erbeuten. Da muss man dann auch nicht mehr so viel handeln.

Das Ende der Diablo-3-Auktionshäuser : In Diablo 2 konnten die Spieler noch eigene Partien erstellen. In Diablo 2 konnten die Spieler noch eigene Partien erstellen. So würden allerdings auch die Preise im Gold-Auktionshaus wieder auf ein vertretbareres Niveau sinken: weniger Kunden, weniger Wucher. Der Königsweg wäre für mich gewesen, nur das unselige Echtgeld-Auktionshaus zu schließen und Gold-Auktionen auch nach »Loot 2.0« zu erlauben, als komfortable Alternative zu Drittseiten- oder Chat-Geschäften.

Zumal ein früher gebräuchlicher Handelskanal in Diablo 3 wegfällt: In Diablo 2 war es üblich, Online-Partien namens »Trading« zu erstellen, wenn man handeln wollte. Doch das entfällt, da Diablo 3 keinen Serverbrowser für von Spieler erstellte Partien mehr bietet - zumindest den sollte Blizzard nun wieder einbauen. Doch davon war bislang nichts zu hören, vielleicht kündigen die Entwickler ja auf der Blizzcon neue Handelswege an. Nötig wären sie.

Derzeit jedenfalls hinterlässt die Schließung der Auktionshäuser den faden Beigeschmack des Aktionismus'. Blizzard möchte offenbar lieber seinen Ruf aufpolieren und so die Vorfreude auf Reaper of Souls schüren, als tatsächlich überdenken, wo das Auktionshaus-Konzept gehakt hat und was man nun besser machen könnte. Bitte nicht falsch verstehen: »Loot 2.0« ist ein absolut richtiger und begrüßenswerter Schritt. Ein Gold-Auktionshaus wäre aber auch danach noch eine praktische Ergänzung und Komfortfunktion - schade, dass es nun aus Imagegründen vorschnell entfällt.