Artikel

Die Artikel-Übersicht auf GameStar.de mit Previews, Hintergrund-Berichten, Reports, Kolumnen, Interviews, Kinofilm-Kritiken und mehr.

Kolumne: Das Ende der Diablo-3-Auktionshäuser

Aktionismus gegen Auktionen

Blizzard hat angekündigt, alle Auktionshäuser von Diablo 3 zu schließen. Unser stellvertretender Chefredakteur Michael Graf hält das für übereilt.

Von Michael Graf |

Datum: 18.09.2013


Das Ende der Diablo-3-Auktionshäuser :

Zum Thema » Diablo 3 - News Abschaltung des Auktionshauses im März 2014, Blizzard beantwortet Fragen (Update) » Diablo 3: Reaper of Souls -Vorschau Tod und Teufel Titanfall ab 8,88 € bei Amazon.de Es gibt Neuigkeiten, die gar keine sind. Apple enthüllt ein neues iPhone? Ach was. Electronic Arts schließt ein traditionsreiches Studio? Big Whoop. Und dann gibt es Neuigkeiten, die meine Kinnlade im Eiltempo Richtung Keller befördern. Als mich mein Bruder gestern Abend per SMS wissen ließ, dass Blizzard die Auktionshäuser von Diablo 3 schließen wird, lautete meine Antwort bündig: »Was?!« Tatsächlich: Auf der Diablo-Homepage erschien gestern Abend die entsprechende Ankündigung, am 18. März 2014 ist Schluss mit den Item-Versteigerungen. Das kommt überraschend, selbst wenn Blizzard bereits im März einräumte, dass die Auktionshäuser dem Spiel schaden könnten. Dennoch wirkt die Schließung nun übereilt. Denn wenn die Auktionshäuser wegfallen – wie sollen die Spieler dann handeln?

Viele Diablo-3-Spieler bejubeln die Abschaltung und vertreten den Standpunkt, dass sich Blizzard mit den Auktionshäusern eh keine Freunde gemacht hat. »Und mit einem letzten Schlag wurde das Böse namens Jay Wilson endgültig aus Sanktuario verbannt«, witzelt ein Foren-Diskutant in Anspielung auf den in der Community unbeliebten Ex-Chefentwickler. Dieser Grundstimmung muss ich in Teilen widersprechen. Denn die Kalifornier haben sich nicht mit »den Auktionshäusern« in die Nesseln gesetzt, sondern einzig und allein mit dem Echtgeld-Auktionshaus.

Das Ende der Diablo-3-Auktionshäuser : Michael Graf Michael Graf Die Versteigerungen gegen Realwährung waren es, die Blizzard den hässlichen Ruf des nimmersatten Kapitalisten einbrachten. Vorwürfe, das geizige Beutesystem und der knallharte Schwierigkeitsgrad »Inferno« seien darauf gemünzt, die Spieler in das Echtgeld-Auktionshaus zu treiben, konnten die Entwickler nie widerlegen. Auch wenn sie natürlich beteuerten, dies sei niemals ihre Absicht gewesen und man könne ja Ausrüstung auch gegen Gold ersteigern. Der Image-Schaden ließ sich nicht mehr abwenden, Beschwerden in Foren verselbständigten sich. Blizzard stand als Buhmann da - etwas, das der beliebte Entwickler so noch nie erlebt hatte.

Dass Blizzard die Echtgeld-Auktionen abschafft, ist aus Imagegründen also nachvollziehbar. Und auch die Spielgold-Auktionshäuser entwickelten nach dem Release ein wirtschaftliches Eigenleben, das die Entwickler wohl nicht vorhergesehen hatten: Brauchbare Items kosten locker sechs- bis achtstellige Goldbeträge. Wer sich neue Ausrüstung leisten will, muss also farmen, farmen, farmen - und selbst Gegenstände versteigern, um Münzen anzuhäufen. Mit Spaß am Monstermetzeln hat das nur noch wenig zu tun.

Das Ende der Diablo-3-Auktionshäuser : Die Auktionshäuser, so Blizzard, widersprechen dem Kern von Diablo. Stimmt. Die Auktionshäuser, so Blizzard, widersprechen dem Kern von Diablo. Stimmt.

Entsprechend begründet der neue Chefentwickler Josh Mosquiera die Schließung in einem Video. Die Auktionshäuser, so Mosquiera, widersprechen dem Kerngedanken von Diablo, dass man Ungeheuer jagt und damit neue Ausrüstung verdient. Stimmt. Aber die Auktionshäuser waren auch eine sichere Handelsplattform. Wer Diablo 2 online gespielt hat, erinnert sich an Hinterhof-Transaktionen über Ebay oder gar dubiose Drittseiten, denen Blizzard in Diablo 3 Einhalt gebieten wollte. Und das haben sie auch geschafft.

Wenn alle Auktionshäuser vom Netz gehen, kann dieser Untergrund-Handel wieder aufleben, mit all seinen Nachteilen: Bekomme ich tatsächlich das Item, für das ich bezahlt habe? Ist der Verkäufer »FakeTrad0r1« wirklich vertrauenswürdig? Natürlich werden dann weniger Spieler ins Handelsgeschäft einsteigen als heute, zumal Blizzard ja im Zuge der Erweiterung Reaper of Souls mit dem »Loot 2.0«-Patch auch die Beutemechanik umstrickt: Wie in der Konsolenversion von Diablo 3 soll man künftig auch auf dem PC bessere Gegenstände erbeuten. Da muss man dann auch nicht mehr so viel handeln.

Das Ende der Diablo-3-Auktionshäuser : In Diablo 2 konnten die Spieler noch eigene Partien erstellen. In Diablo 2 konnten die Spieler noch eigene Partien erstellen. So würden allerdings auch die Preise im Gold-Auktionshaus wieder auf ein vertretbareres Niveau sinken: weniger Kunden, weniger Wucher. Der Königsweg wäre für mich gewesen, nur das unselige Echtgeld-Auktionshaus zu schließen und Gold-Auktionen auch nach »Loot 2.0« zu erlauben, als komfortable Alternative zu Drittseiten- oder Chat-Geschäften.

Zumal ein früher gebräuchlicher Handelskanal in Diablo 3 wegfällt: In Diablo 2 war es üblich, Online-Partien namens »Trading« zu erstellen, wenn man handeln wollte. Doch das entfällt, da Diablo 3 keinen Serverbrowser für von Spieler erstellte Partien mehr bietet - zumindest den sollte Blizzard nun wieder einbauen. Doch davon war bislang nichts zu hören, vielleicht kündigen die Entwickler ja auf der Blizzcon neue Handelswege an. Nötig wären sie.

Derzeit jedenfalls hinterlässt die Schließung der Auktionshäuser den faden Beigeschmack des Aktionismus'. Blizzard möchte offenbar lieber seinen Ruf aufpolieren und so die Vorfreude auf Reaper of Souls schüren, als tatsächlich überdenken, wo das Auktionshaus-Konzept gehakt hat und was man nun besser machen könnte. Bitte nicht falsch verstehen: »Loot 2.0« ist ein absolut richtiger und begrüßenswerter Schritt. Ein Gold-Auktionshaus wäre aber auch danach noch eine praktische Ergänzung und Komfortfunktion - schade, dass es nun aus Imagegründen vorschnell entfällt.

Diesen Artikel:   Kommentieren (118) | Drucken | E-Mail
Sagen Sie Ihre Meinung (» alle Kommentare)
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten!
» Zum Login

Sie sind noch nicht in der GameStar-Community angemeldet?
» Zur kostenlosen Anmeldung
Erster Beitrag  |  » Neuester Beitrag
1 2 3 ... 12 weiter »
Avatar LooP
LooP
#1 | 18. Sep 2013, 15:10
Gute Kolumne!

Ich habe das Gold-AH allerdings kaum genutzt, da man mittelmäßige Items sowieso nicht loskriegt und gute Items so viel kosten, dass sich das nur Spieler leisten können, die sonst nichts anderes spielen und/oder zu viel Zeit haben.

Ich freue mich also, mit meiner beschränkten Zeit und ohne viel Gold auf dem Konto gute Items zu finden.
rate (41)  |  rate (8)
Avatar JTB44
JTB44
#2 | 18. Sep 2013, 15:12
Sehr guter Artikel, der die Problematik aus meiner Sicht perfekt auf den Punkt bringt.
Solange nicht alle Items Accountgebunden sind und man sie somit traden kann, macht es absolut keinen Sinn, die derzeit einzige Ingame-Tradingmöglichkeit zu schließen. Hier wollte man den zahlreichen "Das AH hat das Spiel ruiniert" Kritiken aus meiner Sicht ZU sehr gerecht werden.
Wenn Blizzard keine Alternative zum Gold-AH erfindet, werden diejenigen, die Spaß am Handel haben, in Reaper of Souls bald ihre Items 3rd Party Websites anbieten und den Ingame Trading Chat vollspammen.
rate (9)  |  rate (4)
Avatar Rem Tilak
Rem Tilak
#3 | 18. Sep 2013, 15:12
Ich finde, dass das ein Schritt in die richtige Richtung ist bei der PC-Version. Jetzt muss nur noch der Offline-Modus her und Blizzard hat sehr viele Kunden glücklich gemacht. ;-)
rate (36)  |  rate (4)
Avatar ThreeL
ThreeL
#4 | 18. Sep 2013, 15:13
Oh ja Gott ein Blizzard Spiel direkt wieder ne Kolumne oO
Übertreibt wieder -_-
rate (5)  |  rate (105)
Avatar IceTom
IceTom
#5 | 18. Sep 2013, 15:15
Mutige Aussage aber so sehe ich es auch wie auch vorhin vor Erscheinen dieser Kolumne kommentiert hatte.

Wäre deine Kolumne ein Kommentar hier, würdest du von den Blizzard fanboys allerdings eine Menge rote Daumen ernten.

Der Schritt von Blizzard kommt viel zu spät, außer hardcore Spielern spielt das Spiel keiner mehr (das sage ich als jemand der D2 jahrelang gespielt hat). Man versucht nur durch einen vermeintlich radikalen Schnitt die Leute davon zu überzeugen, dass Blizzard nicht geldgierig ist. Das wäre überzeugend gewesen hätten sie es viel früher umgesetzt. Doch jetzt haben sie schon genug Kohle abgesahnt als dass es noch ins Gewicht fällt.
rate (11)  |  rate (18)
Avatar Feschpa-Willi
Feschpa-Willi
#6 | 18. Sep 2013, 15:15
netter artikel. ich bin auch total erstaunt über die info. habs im bettlenet gesehen als ich ne runde hearthstone gespielt habe.
mich stört auch dass sie es komplett abschaffen. man hätte es doch irgend wie beschneiden können oder sowas, aber jetzt stell ich mir das handeln total schwer vor. eben wie früher und das muss doch nciht sein.
rate (2)  |  rate (12)
Avatar Takas
Takas
#7 | 18. Sep 2013, 15:16
Es sollte klar sein, dass nun ein anderes System folgen muss, um innerhalb des Spieles genau den Trade zu finden, den man haben möchte.

Custom game namens wären recht simpel und haben auch in Diablo 2 funktioniert. Vielleicht das Ganze etwas erweitern, vor allem die Chat-Funktionen mit speziellen Trade-Chats, in denen man direkt handeln kann und dergleichen.

Aber ich denke, dass Blizzard auf der Blizzcon eben ein genau solches System, vielleicht >>Trading 2.0<< vorstellen wird.
rate (5)  |  rate (1)
Avatar Comtek
Comtek
#8 | 18. Sep 2013, 15:16
Sry aber wenn ich das lese merke ich dass das wegfallen des Auktionshauses umso besser ist. Selbst wenn man damit sicher handeln kann, HANDELN sollte nie das Hauptattribut in einem Diablo spiel sein. Ich farme fast täglich 2-3 Stunden und kriege fast nie ein gutes item daraus. Ich habe locker Milliarden Gold in meine Rüstung gesteckt und bin immernoch nicht zufrieden. Diablo 3 sollte mit dem Loot 2.0 seine Alten Wege einschlagen und ganz ehrlich, wer sich über ebay Geld / Items kauft, ist selber schuld. Da gibt es durchaus andere vertrauenswürdige Seiten. Und ebenso ist nicht gesichert dass die neuen Items auch wieder für 2 Milliarden Beträge rausgehauen werden aus dem Gold-Auktionshaus, weil manche echt meinen man hat ja nichts anderes zu tun als 2 Milliarden Gold auszugeben.

EDIT: Ich muss dazu noch sagen ich Farme täglich auf MP10 und kriege auch Legendarys aber nicht 1 davon ist annähernd so gut wie im AH zu finden ist. Dafür muss man zu 4. Multiplayer in MP10 stunden Farmen um mal vllt 1 gutes Item zu kriegen, ne danke. Ich farme zurzeit nur für mein paragon level
rate (35)  |  rate (3)
Avatar El3ss4R
El3ss4R
#9 | 18. Sep 2013, 15:17
Im Endeffekt hast du recht Micha, aber:

Die untergrundverkäufer müssen von Blizzard (anders als das Ingame AH) nicht ins Balancing einbezogen werden. Die dropraten und Itemqualitäten können also massiv nach oben gehen, und die allermeisten werden Selffound spielen, oder sich halt in "normalen" Foren austauschen und Items gegen Gold verkaufen.

klar, die E-Bay/Untergrudnhändler wird es immer geben, gibts aber jetzt auchschon...

@JTB44: Es gibt immernoch den handel direkt in einer Partie. Du kannst dich also mit XY verabreden, n Spiel aufmachen und mit ihm direkt handeln (wie auch jetzt schon).
rate (16)  |  rate (1)
Avatar Gericom1974
Gericom1974
#10 | 18. Sep 2013, 15:17
Ich denke, es ist klar verfrüht, Blizz hier für die Schliessung der AH schon abzuurteilen. Grundsätzlich finde ich die Schliessung sehr gut und wird D3 ganz klar weiterbringen. Blizz hat sich ziemlich sicher weitere Gedanken zum Handel gemacht und wird auf der Blizzcon Details dazu veröffentlichen.
rate (13)  |  rate (0)

PROMOTION
 
top Top
Werde Fan von GameStar auf FacebookFacebook Aboniere den YouTube-Kanal von GamestarYouTube Besuche Gamestar auf Google+Google+ GameStar auf Twitter folgenTwitter Alle RSS-Feeds von GameStar.deRSS-Feeds Jetzt GameStar-Newsletter bestellenNewsletter
© IDG Entertainment Media GmbH - alle Rechte vorbehalten