Schon im Test von Civilization 6 entpuppte sich die Künstliche Intelligenz als Pferdefuß des ansonsten hervorragenden Strategiespiels. Nun ist der »Fall 2016«-Patch für Civ 6 erschienen, der auch diverse KI-Verbesserungen bringt. Gut so, die sind dringend nötig. Denn vor allem im Krieg agierten die KI-Gegner oft konfus, rüsteten ihre Truppen nicht und schafften es teils nicht mal, Städte einzunehmen, obwohl sie deutlich überlegen waren. Die Gretchenfrage lautet nun: Sind die Konkurrenten schlauer geworden?

KI, Interface, Multiplayer: Die Änderungen des Herbst-Updates im Überblick

Wir haben Civ 6 mit Patch ein Wochenende lang gespielt und dank Herbst-Update durchaus einige Fortschritte bemerkt, die aber erst mal nichts mit der KI zu tun haben. So sind strategische Ressourcen auf der Karte nun leichter zu erkennnen, weil Firaxis die Icons umgefärbt hat - früher gingen Kohle, Öl & Co. im Wirrwarr zugebauter Reiche schnell unter. Und endlich dürfen wir Städte wieder umbenennen! Sehr hilfreich ist auch die neue Anzeige, auf welches Geländefeld sich der Stadtradius als nächstes ausbreitet, und wie lange das noch dauert.

Civilization 6 : Dass wir das noch erleben dürfen: Die KI eskortiert einen Siedler. Dass wir das noch erleben dürfen: Die KI eskortiert einen Siedler. Wenig hilfreich ist hingegen die Auflistung, welche Städte von welchen Luxusressourcen profitieren. Denn die schmucklose Tabelle erweist sich zwar als informativ, aber nicht als intuitiv - auch hier müssen wir uns Informationen mühsam zusammensuchen. Für Einsteiger ist das Luxus- und Annehmlichkeitssystem nach wie vor schwer durchschaubar.

Die KI hat sich tatsächlich dahingehend gebessert, dass sie Einheiten konsequenter aufrüstet - aber noch nicht so konsequent, wie es nötig wäre. Nach wie vor bekommen wir's selbst im Atomzeitalter noch mit Reiterei und Speerträgern zu tun. Auch Stadtstaaten kriegen zwar hin und wieder Truppen-Upgrades hin, aber eben nicht immer und nicht in dem Maße, wie's nötig wäre.

Immerhin schaffen es die Gegner nun, ihre Siedler zu eskortieren! Und auch im Krieg haben wir KI-Geistesblitze erlebt, zumindest gelegentlich. Als wir etwa eine brasilianische Metropole belagerten, schafften es die Verteidiger, in einer angrenzenden Küstenstadt ein Kriegsschiff zu bauen und unsere Belagerer zu bombardieren. Das markierte tatsächlich das vorläufige Ende unserer Offensive, wir mussten uns zurückziehen. Warum nicht häufiger, KI?

Lernende Gegner für Civilization: Wie Forscher an der KI-Revolution arbeiten (Plus)

Civilization 6 : Bogenschützen sind in der Frühphase einer Partie die mächtigste Einheit, weil die KI sie kaum ausschalten kann. Denn sie zieht verwundete Truppen viel zu früh zurück. Bogenschützen sind in der Frühphase einer Partie die mächtigste Einheit, weil die KI sie kaum ausschalten kann. Denn sie zieht verwundete Truppen viel zu früh zurück.

Wer schießt da?

Generell agieren die Computergegner von Civ 6 in Kriegen allerdings immer noch konfus - selbst auf »Unsterblicher«, dem siebten von acht Schwierigkeitsgraden. Beispielsweise erklärten uns gleich in der Frühphase der Partie die Brasilianer und Chinesen fast gleichzeitig den Krieg. Doch Erstere ließen sich leicht abwehren und griffen dann jahrhundertelang nicht mehr an, sodass wir problemlos die Chinesen zurückschlagen und sogar ihr komplettes Reich einnehmen konnten.

Das Zünglein an der Waage - zumindest in frühen Kriegen - sind immer noch die sehr mächtigen Bogenschützen, mit Fernkämpfern kommt die KI noch immer nicht vernünftig klar. So manövrierten die Brasilianer auch in einem späteren Krieg brav eine ihrer Einheiten nach der anderen in unser Kanonenfeuer. Hätten sie gebündelt angegriffen, hätten wir keine Chance gehabt.

Civilization 6 : Mensch, Roosevelt! Nachdem wir Los Angeles erobert haben, schenkt uns der amerikanische Herrscher vier (!) unbesetzte Städte für einen Friedensvertrag. Mensch, Roosevelt! Nachdem wir Los Angeles erobert haben, schenkt uns der amerikanische Herrscher vier (!) unbesetzte Städte für einen Friedensvertrag.

Apropos keine Chance: Wenn uns ein überlegener Gegner angreift und kurz vor der Eroberung einer unserer Städte steht, können wir ihm immer noch einen Friedensvertrag aufschwatzen, sobald wir auch nur eine seiner Einheiten verwundet haben. Selbst wenn er uns mit dem Rest seiner Armee locker überrennen könnte! Zudem kommt es weiterhin vor, dass uns Gegner den Krieg erklären, dann aber nur mit einer Handvoll Einheiten angreifen - oder gar nicht - und dann regelrecht um Frieden betteln.

Krone mit Kratzer: Civilization 6 im Test

Die gesenkte Kriegstreiber-Strafe fällt da kaum ins Gewicht - weil die KI kein ebenbürtiger Gegner ist, sind wir geradezu zum Erobern gezwungen und folgerichtig enorm unbeliebt. Was wir erobern, ist immerhin etwas besser ausgebaut: Beispielsweise schafft es die KI, konsequenter auf Kultur zu spielen, ihre Grenzen zu erweitern und Seebäder zu bauen. Außerdem platziert sie Distrikte nun etwas klüger und pflanzt etwa einen Forschungscampus zwischen mehrere Berge, um den höchstmöglichen Wissenschaftsbonus abzugreifen.

Civilization 6 : Im Krieg sind die Feinde immer noch zu konfus, sowohl in Angriff als auch Abwehr. Hier erobern wir quasi ohne Gegenwehr das norwegische Kernland. Im Krieg sind die Feinde immer noch zu konfus, sowohl in Angriff als auch Abwehr. Hier erobern wir quasi ohne Gegenwehr das norwegische Kernland.

Weil die Konkurrenten im Krieg zu chaotisch vorgehen und Konflikte damit weiterhin zu einfach sind, haben wir uns jedoch entschieden, Civilization 6 für das »Fall 2016«-Update nicht aufzuwerten. Es ist zwar löblich, dass Firaxis die KI- und Interface-Probleme angeht, noch gehen die Fortschritte aber nicht weit genug.

Zumal das Update sogar eine technische Verschlimmbesserung gebracht: Im neuen DirectX-12-Modus haben wir erstmals Abstürze erlebt - allerdings nur insgesamt zwei in zwölf Stunden, das ist noch verschmerzbar. Wenn man Autosaves aktiviert hat.