Stalker: Shadow of Chernobyl - PC

Ego-Shooter  |  Release: 23. März 2007  |   Publisher: THQ Entertainment
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Report: Die Zone der Erinnerung

Zeugen der Zeitgeschichte

Können Computerspiele Zeugen der Geschichte sein? Die Stalker-Reihe versucht es zumindest. Eine Einschätzung – und zugleich ein Abgesang auf einen Entwickler, dessen Ambitionen zu ungewöhnlich waren, um Bestand zu haben.

Von Christof Zurschmitten |

Datum: 25.01.2012


Zum Thema » Test zu Shadow of Chernobyl Ungewöhnlicher und spektakulärer Shooter » Stalker: Clear Sky im Test Tolle Atmosphäre, aber viele Bugs » Test zu Stalker: Call of Pripyat Kompakt, clever, ausgereift Genau 25 Jahre sind vergangen, seit sich südlich der Stadt Pripyat eine Explosion ereignete, die den Namen der Siedlung und des nahe gelegenen Kernkraftwerks auf einen Schlag berühmt machen sollte: Die Zerstörung des Reaktors in Block 4 von Tschernobyl kann exakt auf einen Tag datiert werden, den 26. April 1986, doch der Abbau der dabei freigesetzten Radioaktivität wird Tausende von Jahren dauern. Eine unfassbar lange Zeit. Da ist diese andere Zahl der Vorstellungskraft schon zugänglicher: 25 Jahre, ein Vierteljahrhundert – das klingt nach Vergangenheit, nach einem Sicherheitsabstand, von dem aus sich feststellen lässt: Tschernobyl ist Geschichte.

Selbst in der Ukraine, dem Land, das noch mehrere Generationen lang mit den Folgen des Unfalls leben muss, scheint man dies so zu empfinden: »Tschernobyl ist kein brennend aktuelles Thema mehr«, meint Oleg Yavorski, der die Katastrophe als Kind mitterlebt und zum Thema seines (Berufs-)Lebens gemacht hat. Yavorski arbeitet in der ukrainischen Hauptstadt Kiew für das Entwicklerstudio GSC Game World, dessen Stalker-Reihe an die Ereignisse von 1986 gekoppelt ist. Die mittlerweile drei Spiele, Shadow of Chernobyl , Clear Sky und Call of Pripyat sind in einer Welt angesiedelt, die von Monstern und tödlichen Anomalien heimgesucht wird, aber unschwer zu erkennen ist als eine Spiegelung der realen »Zone«, die Tschernobyl umgibt und dem menschlichen Zutritt versperrt bleibt. Einzig einige Arbeiter und Plünderer verirren sich dorthin – und eine Handvoll Katastrophentouristen, die unter strengen Auflagen Touren zur Kraftwerksruine unternehmen.

Die Zone der Erinnerung : Am 23. März 2007, rund einen Monat vor dem 21. Jahrestag der Katastrophe, erscheint der Shooter, der sich zuvor wieder und wieder verschoben hatte. Die Endzeit- Atmosphäre verleitet den heutigen Game- Star-Chefredakteur Michael Trier zur Aussage, er fühle sich im virtuellen Tschernobyl »wie der erste Mensch auf dem Mond«.

Stalker: Shadows of Chernobyl (2007)
Am 23. März 2007, rund einen Monat vor dem 21. Jahrestag der Katastrophe, erscheint der Shooter, der sich zuvor wieder und wieder verschoben hatte. Die Endzeit- Atmosphäre verleitet den heutigen Game- Star-Chefredakteur Michael Trier zur Aussage, er fühle sich im virtuellen Tschernobyl »wie der erste Mensch auf dem Mond«.

Ein Computerspiel als Mahnmal

Die »Zone« in den Stalker-Spielen ist einer der eigenartigsten und furchteinflößendsten Spielräume, die das Medium bislang gesehen hat. Und nachdem kürzlich bekannt wurde, dass GSC Game World schließen muss und die Zukunft der Serie ungewiss ist, scheint es, als würde sie auch das Vermächtnis des Studios werden. Eine passende Hinterlassenschaft, schließlich war die postapokalyptische Landschaft für die Entwickler stets mehr als ein origineller Abenteuerspielplatz: Von Anfang an erklärten sie ihr Ziel, mit Stalker auch eine Warnung auszusprechen, ein Mahnmal errichten zu wollen, das die Erinnerung an den GAU am Leben erhalten soll.

Die Zone der Erinnerung : Der Reaktor von Tschernobyl im Spiel. Der Reaktor von Tschernobyl im Spiel. Ein Computerprogramm als Denkmal? Ein Spielraum als Raum der Erinnerung? Was ist im Rückblick von dieser »Mission« zu halten, 25 Jahre nach der Katastrophe und unmittelbar nach dem Aus des ukrainischen Studios? »Angesichts dessen, was jüngst in Fukushima passiert ist, scheinen alle Warnungen umsonst gewesen zu sein«, resigniert Anton Bolshakov, der Projektleiter der ersten Stalker-Spiele. Doch er findet Trost in einem anderen Gedanken: »Immerhin sehen wir, dass das Bewusstsein für die Gefahr der Radioaktivität und die historischen Ereignisse um Tschernobyl bei den Stalker-Spielern gestiegen ist.« Oleg Yavorski präzisiert: »Wir bekommen regelmäßig Briefe von jungen Menschen, die mehr über die Katastrophe erfahren möchten. Und in den Fan-Foren werden Neuigkeiten zum echten Tschernobyl ebenso aufmerksam verfolgt wie Meldungen zu den Spielen. So gesehen denke ich, dass unsere Mission erfolgreich war.«

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Avatar outofcontrol84
outofcontrol84
#1 | 25. Jan 2012, 17:33
S.T.A.L.K.E.R ist so nahe an der Realität wie Star Wars am momentanen Stand der Raumfahrt

Also bitte!
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Avatar Ephialtes
Ephialtes
#2 | 25. Jan 2012, 17:35
Sehr guter, interessanter und vor allem kritischer Report!
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Avatar Maxl
Maxl
#3 | 25. Jan 2012, 17:40
Zitat von outofcontrol84:
S.T.A.L.K.E.R ist so nahe an der Realität wie Star Wars am momentanen Stand der Raumfahrt

Also bitte!


Wenn dann wohl Star Trek, Star Wars ist Krieg, nicht Raumfahrt
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Avatar EchnaTron
EchnaTron
#4 | 25. Jan 2012, 17:44
Die Frage ist nicht, wie sehr Spiele die Realität wiedergeben, sondern vor allem, wie gut man an ihnen den öffentlichen Diskurs ihrer Zeit ablesen kann. Das wird natürlich noch ein bisschen dauern, weil sie noch so sehr jung sind, aber das ist wahrscheinlich die spannendere Frage.
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Avatar CaptainK.
CaptainK.
#5 | 25. Jan 2012, 17:45
Sehr Guter Report, ist das der gleiche, wie in der letzten(?) Gamestar-Ausgabe?
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Avatar sonata
sonata
#6 | 25. Jan 2012, 17:49
Sehr guter Artikel.

Aber langsam frage ich mich, warum ich eure Zeitschrift überhaupt noch abonniert habe. So gut wie jeder Test, jedes Video, jeder Report, usw. aus dem Heft taucht früher oder später hier auf.
Da kommt man sich schon irgendiwe veräppelt vor.
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Avatar Dagobert89
Dagobert89
#7 | 25. Jan 2012, 17:52
Sehr guter Report sowas könnte öfters auf Gamestar erscheinen

Und ja auch bei mir hat Stalker das Interrese an Tschernobyl geweckt vorallem durch die super Atmosphäre.
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Avatar achnequark
achnequark
#8 | 25. Jan 2012, 18:05
Die Blechtrommel ist auch kein Foto
Das Argument dagegen sei also wiederlegt, da Kunst generell eine Reflektion einer Zeit und das Denken in dieser darstellt. Also ist Kunst ein abstraktes Mittel des Erinnerns.
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Avatar Kugelfang
Kugelfang
#9 | 25. Jan 2012, 18:15
"Unsere Spiele klären vielleicht nicht auf, aber sie wecken das Interesse an Tschernobyl(...)"

Allerdings.

Mit dem ersten Stalker spiel bin ich echt süchtig nach Input über die Zone geworden *.*

Einfach beeindruckend, was es alles zu erfahren gibt.

Ich hoffe auf ein 2tes Stalker.
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Avatar Nbass
Nbass
#10 | 25. Jan 2012, 18:25
Zitat von Maxl:


Wenn dann wohl Star Trek, Star Wars ist Krieg, nicht Raumfahrt


Ähm? Und mit was führen sie Krieg? Mit Koggen und 3 Mastern?

Dein Kommentar ist nicht nur sinnlos, er ist auch noch vollkommen dämlich
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Details zu Stalker: Shadow of Chernobyl

Plattform: PC
Genre Action
Untergenre: Ego-Shooter
Release D: 23. März 2007
Publisher: THQ Entertainment
Entwickler: GSC Gameworld
Webseite: http://www.stalker-videogame.com
USK: Keine Jugendfreigabe
Spiele-Logo: Download
Leserinteresse:
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