Star Wars: The Old Republic im Test
Die Macht ist mit Bioware
Fazit der Redaktion
Daniel Matschijewsky: Ich war noch nie so ein MMO-Spieler, der unbedingt das mächtigste Item-Set haben oder den obersten Boss in der hintersten Hardcore-Instanz in Rekordzeit erlegen muss. Insofern ist es mir weitgehend schnuppe, dass The Old Republic für Profis momentan nur wenig Futter bietet. Ich will eine spannende Geschichte erleben. Und ich will auch dann Erfolg und Spaß haben, wenn ich mal keine Gruppe finde. Beides meistert The Old Republic mit Bravour und fesselt mich daher auch, nachdem mein Sith-Inquisitor Level 50 erreicht hat. Ich fange dann nämlich einfach eine neue Klasse an. Nur um zu sehen, was ich mit der alles erlebe. Und das ist mehr als manches Durchschnitts-MMO Marke »Asia Grinder« insgesamt bietet.
Fazits aus dem Vorab-Test
Daniel Matschijewsky: The Old Republic gibt mir als Fan genau das, was ich erwarte: Star-Wars-Atmosphäre bis zum Abwinken. Ich darf mit Lichtschwertern herumfuchteln, spektakuläre Weltraumschlachten schlagen und auf den aus der Vorlage bekannten Planeten herumstromern. Ja, die Quests sind Genre-Standard. Und ja, das Kampfsystem fällt nicht sonderlich innovativ aus. Dafür bekomme ich eine auf mich zugeschnittene Handlung, die mich dank der Dialoge, coolen KI-Begleiter und der Entscheidungsfreiheit hervorragend ins Spiel zieht - etwas, das ich in einem Online-Rollenspiel so noch nicht erlebt habe. Ich sehe mich schon, wie ich alle acht Charakterklassen auf Level 50 hochtreibe, nur um die tollen Geschichten zu erleben.
Michael Graf: Dass The Old Republic das Online-Rad nicht neu erfinden würde, war klar. Seine Quests und seine Kämpfe folgen weitgehend den MMO-Standards, die wir seit dem ersten Everquest, seit 12 Jahren also kennen. Technisch wiederum krebst der Bioware-Koloss auf dem Niveau von 2004 herum, kurzum: The Old Republic ist ein altmodisches Online-Rollenspiel, das muss man mögen. Allerdings hat das Star-Wars-Abenteuer auch eine sternenhelle Stärke: Es hat Gefühl. In diesem Universum fühlt sich nichts beliebig, nichts belanglos an. Obwohl ich nur Quests abarbeite, suggeriert mir The Old Republic, dass ich etwas bewirke - dank der Dialoge, der Entscheidungen, der Klassengeschichten. Klar, die vertonten Gespräche und Spielgrafik-Filmchen sind Lichtjahre von dem Feuerwerk entfernt, das Bioware in Mass Effect abbrennt. Dafür ist Mass Effect aber auch nach 40 Stunden vorbei. Für ein monatelang motivierendes Online-Rollenspiel sind selbst simple Erzählmittel ein enormer Fortschritt. Zumal sie schon alleine für mehr Inszenierung sorgen, als World of Warcraft jemals hatte.
Andre Horn: Eigentlich ist mir The Old Republic zu sehr wie World of Warcraft. Dennoch habe ich an einem Betatest-Wochenende unter Verdrängung aller Schlafbedürfnisse wie ein Besessener meinen Jedi-Wächter gelevelt. Warum gefällt mir dieses Spiel - trotz beschämender Ähnlichkeiten im Gamedesign - besser als der Blizzard-Platzhirsch? Die Antwort: der kleine, aber gesunde Schuss Bioware-Magie. Die schön erzählten Story-Quests, das gelungene Begleiter-System und kleine Gimmicks wie die Mehrspieler-Dialoge und das eigene Raumschiff kaschieren die fehlende Innovation im Gameplay-Kern. Das dürfte in den ersten Monaten reichen, um die Massen (mich inklusive) zu begeistern. Die Zeit muss BioWare nutzen, um etwas mutigere, eigenständige Spielelemente nachzuschieben. Auf lange Sicht ist »WoW mit Lichtschwertern« zu wenig.
Knut Gollert: Ein bisschen Enttäuschung liegt in der Luft. Was habe ich mir als langjähriger WoW-Spieler nicht alles von The Old Republic versprochen. Klar, tolle Story, tolles Setting! Aber auch neue Mechaniken, ein paar neue Ideen. Stattdessen bedient sich Bioware reichlich beim Genreprimus. Die Mechaniken sind dieselben angestaubten, die WoW schon von Everquest übernommen hat. Sicher, etwas grundlegend Neues zu bringen, ist riskant. Aber etwas moderner hätte sich das Star-Wars-MMO schon spielen können. Ich werde es trotzdem genießen, denn die Geschichten und wie sie erzählt werden, sind wirklich klasse. Fragt sich, wie das am Ende ausgeht. Wenn die Story gespielt ist. Wenn das Endgame beginnt.