Starcraft 2: Wings of Liberty im Test
Anfangs flügellahm, später der Überflieger
Fazit der Redaktion
Meinungen zu Solokampagne
Michael Graf: Kritik an Starcraft 2 bleibt Kritik auf hohem Niveau, das Blizzard-Epos ist der beste Echtzeit-Titel seit Jahren. Insbesondere die Präsentation setzt Maßstäbe, bislang hat kein Strategiespiel seine Handlung so stimmungsvoll inszeniert. Hallo, liebe Geschichtenschreiber von C&C 4: So geht das!
Perfekt ist Starcraft 2 aber nicht, vor allem wegen seines trägen Beginns: Es dauert, bis die Story und die Missionen Fahrt aufnehmen. Klar, auf den hohen Schwierigkeitsgraden bin ich von Anfang an gefordert, trotzdem hätte sich Blizzard beim Kampagnenstart mehr Mühe geben können. Gleiches gilt für die teils hakelige Wegfindung.
Der Fortschritt im Vergleich zum Vorgänger fällt in Starcraft 2 zudem viel kleiner aus als in Warcraft 3, die aufgemotzte Kampagne ist keine bahnbrechende Innovation. Denn hinter all den netten Upgrades und Technologien steckt immer noch das alte Starcraft, wie wir es seit zwölf Jahren kennen. Das muss man nicht automatisch schlecht finden. Man muss es aber auch nicht bejubeln.
Immerhin erhöht das Drumherum die Vielfalt der Kampagne, vor allem die Forschung lädt zum Experimentieren ein. Das tröstet mich zumindest ein wenig darüber hinweg, dass ich in der Kampagne nur die Terraner spielen darf – ein Ein-Parteien-System, das mich seinerzeit schon in Dawn of War aufgeregt hat. Okay, immerhin gibt's zusätzlich die vier (grandiosen) Protoss-Missionen. Und ich freue mich schon auf alle die schönen Einsätze und Mods, die die Fans mit dem funktionsgewaltigen Editor basteln werden.
Kleine Schwächen hin oder her, unterm Strich ist Starcraft 2 ein Meisterwerk, mit dem Blizzard eindrucksvoll beweist, dass auch ein vermeintliches Krisengenre wie die Echtzeit-Strategie noch packende und anspruchsvolle Titel hervorbringen kann. Zumal Wings of Liberty auch die große Stärke des Vorgängers erbt: Die ausgewogenen Einheiten erzeugen eine gewaltige Taktiktiefe. Wer einem »albernen Armeespielchen« auch nur ein Quäntchen Spielspaß abringen kann, darf Starcraft 2 keinesfalls verpassen.
Christian Schmidt: Ich darf an dieser Stelle schamlose Plattform-Politik betreiben: Starcraft 2 ist ein starkes, fulminantes Bekenntnis zum PC, ein wahres Schmuckstück in unserer Krone. Nichts gegen die Konsolen, auf denen ich selbst gern spiele, aber ein Spiel wie Starcraft 2 bleibt dort in dieser Form undenkbar.
Blizzards neues Werk ist ja nicht nur deshalb etwas Besonderes, weil es ein beispielhaft inszeniertes Unterhaltungserlebnis mit großer Komplexität verbindet, weil dieses einsteigerfreundliche Armeegerangel zugleich ein gigantisches Puzzlespiel darstellt, an dem sich in den nächsten Jahren Hunderttausende schlauer Köpfe abarbeiten werden, um sich in immer neuen Winkelzügen gegenseitig zu übertreffen.
Man darf darüber hinaus den Hut ziehen davor, wie selbstverständlich Blizzard das Gesamtpaket veredelt: mit dem kostenlosen Battlenet als gut geölte Verbindungsplattform zur Welt, mit dem kostenlosen Editor als Geschenk und Herausforderung an jeden einzelnen Fan, mit einer kostenlosen Protoss-Minikampagne, die andere Firmen ganz selbstverständlich als DLC verkaufen würden. Man muss Starcraft 2 nicht spielen, man muss es nicht mal mögen, aber über eines sollte man doch froh sein: Dass es dieses Spiel gibt.
Meinungen zum Multiplayer-Modus
Michael Graf: Im Mehrspieler-Modus lässt mir Starcraft 2 keine Ruhepause, und dafür liebe ich es. Denn das hohe Spieltempo und die taktische Vielfalt verschmelzen zum ebenso unterhaltsamen wie unverwechselbaren Schlachtenzirkus. Zudem fußt Starcraft 2 mit dem Battlenet auf der derzeit besten Online-Plattform.
Was fehlt da noch zur Perfektion? Nun, auch wenn die Balance schon jetzt besser ausfällt als in den meisten Echtzeit-Titeln, wird Blizzard sicher noch jahrelang daran feilen. Außerdem vermisse ich den Netzwerk-Modus. Schmerzlich. Davon abgesehen ist Starcraft 2 aber die neue Referenz der Multiplayer-Strategiespiele, Punkt.
René Heuser: Es ist sehr einfach, in StarCraft 2 einzusteigen, aber es dauert Monate oder gar Jahre, es wirklich in Perfektion zu beherrschen. Der Mehrspieler-Modus bietet so viel taktische Tiefe, wie ich sie zuletzt in WarCraft 3 oder Company of Heroes gesehen habe.
Obwohl ich schon in der Multiplayer-Beta unzählige Ranglisten-Partien absolviert habe, entdecke ich unentwegt neue Tricks und Taktiken. Dieses ständige Lernen und Verbessern, gepaart mit der permanenten Herausforderung durch das ausgeklügelte Matchmaking, machen StarCraft 2 einzigartig und aktuell zum besten Multiplayer-Strategiespiel auf dem Markt.
Nico Gutmann: Die vermeintliche Altbackenheit stört mich nicht im Geringsten. Für mich ist Starcraft 2 wie Schach: Der klügere Taktiker erarbeitet sich Vorteile, Fehler werden bestraft, die Konsequenzen sind immer einfach nachzuvollziehen. Überladene, realistische Funktionen stören da nur: Treffen zwei Einheiten aufeinander, gewinnt die stärkere und nicht die, die gerade in Deckung ist und von hinten attackiert. Gerade die Einfachheit ist es also, die Blizzard-Spiele zu den besten Stragiespielen macht.