China importierte jahrzehntelang Müll und hat das Vorgehen vor einigen Jahren unterbunden. Nun ist zu wenig Müll übrig, um die staatlich unterstützten Anlagen auszulasten.
Über 1.000 Müllverbrennungsanlagen haben zu wenig zu tun, weil ihnen schlicht das Brennmaterial ausgeht, wie unsere Kollegen von Xataka berichten.
Der rasante Aufbau: Von 104 auf 1.000 Anlagen
So schnell kann es gehen: 2010 gab es laut Dialogue Earth in China gerade einmal 104 Müllverbrennungsanlagen. Bis 2024 sind daraus rund 1.000 geworden. Die tägliche Verbrennungskapazität liegt mittlerweile bei über 1,16 Millionen Tonnen.
Das Problem: China hat seine Ziele für geplante Müllverbrennungsanlagen zwischen 2021 und 2025 schon im Jahr 2024 erreicht und dann noch weitergebaut. Heute, Ende 2025, liegt die Kapazität 34 Prozent über dem ursprünglichen Plan.
Warum wurde so viel gebaut? Für Betreiber war das Geschäft lukrativ: Sie erhielten garantierte Subventionen, Entsorgungsgebühren und konnten den erzeugten Strom verkaufen. Der durchschnittliche Gewinn einer Anlage auf dem Land lag bei umgerechnet rund 14 Millionen Euro pro Jahr.
Recycling bringt das System zum Kippen: 2017 führte Shanghai als erste Stadt Chinas eine verpflichtende Mülltrennung ein. Die Folgen daraus:
- In Shanghai sank die zu verbrennende Müllmenge zwischen 2018 und 2021 um 29 Prozent (via wastetodaymagazine).
- Im Mai 2023 musste allein die Shanghai Laogang Waste Disposal Company 88 Tage Stillstand bei ihren 12 Anlagen hinnehmen.
Im Jahr 2024 lief die durchschnittliche chinesische Verbrennungsanlage nur noch mit etwa 60 Prozent Auslastung, berichtet Dialogue Earth.
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Die ungewöhnliche Lösung
Um die Anlagen weiter am Laufen zu halten, gab es eine ungewöhnliche, aber einfache Lösung. Alte Deponien werden ausgegraben:
- In der Stadt Hebi (Provinz Henan) wurden 2021 rund 91.000 Tonnen »gelagerter Altmüll« ausgegraben und verbrannt.
- Die Stadt Jinhua (Provinz Zhejiang) kündigte an, über drei bis vier Jahre 260.000 Tonnen alten Müll auszugraben.
- Einige Anlagen kaufen aktiv Industrieabfälle oder Müll aus anderen Regionen zu.
- Etwa 5 Prozent aller Anlagen standen 2024 länger als sechs Monate komplett still.
Das Problem mit altem Müll: Alter Deponiemüll brennt nicht besonders gut. Er hat bereits Zersetzungsprozesse durchlaufen und enthält mehr anorganisches Material. Laut Xataka funktioniert die Verbrennung nur, wenn der alte Müll mit frischem gemischt wird – was die Effizienz weiter senkt.
Stadt gegen Land: Die ungleiche Verteilung
Während Städte unter Überkapazitäten leiden, fehlt es in ländlichen Regionen an Infrastruktur. Mehr als 75 Prozent der Landkreise haben laut Forschern des chinesischen Umweltministeriums zu wenig Verbrennungskapazität (via Dialogue Earth).
Das Problem: Dünn besiedelte Gebiete sind für Investoren unattraktiv, weil die Müllsammlung teurer ist. Viele Dörfer nutzen noch immer offene Deponien oder primitive Verbrennungsanlagen.
So geht es weiter
Die Branche kämpft mittlerweile mit großen finanziellen Problemen. Im ersten Halbjahr 2024 warteten Unternehmen der Umweltbranche auf ausstehende Zahlungen von umgerechnet 42 Milliarden Euro – das entspricht 114 Prozent ihrer Betriebseinnahmen. Die Subventionen sind mittlerweile gestrichen.
Experten fordern inzwischen weitere Schritte: Sie plädieren für einen vorsichtigeren Neubau von Anlagen und eine stärkere regionsübergreifende Kooperation bei der Müllentsorgung. Zudem müsse die Anbindung ländlicher Gebiete an städtische Systeme verbessert werden. Insgesamt rücke ein stärkerer Fokus auf Abfallvermeidung statt auf reine Entsorgung in den Mittelpunkt.
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