Das Szenario »Apokalypse« kennen wir alle aus diversen Filmen, Serien und Spielen. Doch anscheinend gab es vor vielen hunderttausenden Jahren schon einmal ein Ereignis, das unsere Vorfahren fast ausgerottet hätte.
Einer neuen Studie aus dem Wissenschaftsjournal Science nach zu urteilen, standen unsere menschlichen Vorfahren vor ungefähr 900.000 Jahren in Afrika am Rande des Aussterbens. Die Einwohnerzahl ist damals anscheinend auf die Größe eines einzelnen Dorfes geschrumpft.
98,7 Prozent verloren - durch Klimawandel
Laut Haipeng Li, Populationsgeneteiker an der Universität der Chinesischen Akademie und Mit-Leiter der Studie, gingen vor circa 900.000 Jahren »etwa 98,7 Prozent der menschlichen Vorfahren verloren«.
Er sagt, dass die fossilen Aufzeichnungen in Afrika und Eurasien von vor 650.000 bis 950.000 Jahren lückenhaft sind und dass »die Entdeckung dieses Flaschenhalses die zeitliche Lücke erklären könnte«.
Die Population ist damals drastisch gesunken, auf angeblich nur 1.300 geschlechtsreife Individuen und erholte sich erst nach 117.000 Jahren. Man könnte durchaus von einem Dorf sprechen, das die Menschheit erst ermöglicht hat.
Wie kam es zum Massensterben? Was wir sicher über diese Zeit wissen ist, dass sie Teil des Übergangs vom frühen zum mittleren Pleistozän war - eine Zeit drastischer Klimaveränderungen. In Afrika hat das zu langen Dürreperioden geführt.
Li zufolge könnte der Klimawandel die Vorfahren der Menschen ausgerottet und die Entstehung neuer Menschenarten erzwungen haben. Diese könnten sich schließlich zum letzten gemeinsamen Vorfahren des modernen Menschen und unserer ausgestorbenen Verwandten, der Denisovaner und Neandertaler, entwickelt haben.
Ein Dorf für die Menschheit?
Es mag unwahrscheinlich klingen, doch es könnte gut sein, dass sich die wenigen Individuen zu einer Art Kommune zusammengeschlossen haben, die ziemlich gut gelaufen sein muss.
Nick Ashton, ein Archäologe am Britischen Museum in London, war verwundert, als er von der kleinen Populationsgröße erfahren hat und hat sich daraufhin selbst zu Wort gemeldet (via Nature.com).
»Dies würde bedeuten, dass sie ein sehr begrenztes Gebiet mit einem guten sozialen Zusammenhalt bewohnten, um zu überleben.«
Doch seiner Meinung nach gibt es noch etwas wundersames an der Entdeckung:
»Noch überraschender ist der geschätzte Zeitraum, in dem diese kleine Gruppe überlebte. Wenn [die Studie] richtig liegt, kann man sich vorstellen, dass [die Vorfahren] ein stabiles Umfeld mit ausreichenden Ressourcen und wenig äußeren Einflüssen brauchten.«
Auswirkungen auf den modernen Mensch
Vor ungefähr 813.000 soll sich die Population wieder erholt haben. Wie das möglich war, kann uns die Forschung bisher leider nicht beantworten.
Die Forscher gehen allerdings davon aus, dass damals zwei Drittel der genetischen Vielfalt verloren gingen. Auch auf die Hirngröße des modernen Menschen könnte es Auswirkungen gehabt haben.
Wie konnten die Forscher das herausfinden?
Jüngste Fortschritte in der Genomsequenzierung haben das Verständnis der Wissenschaftler für die Größe von Populationen nach dem Auftreten des Menschen deutlich verbessert.
Um ihre Entdeckung zu machen, mussten die Forscher trotzdem komplett neue Werkzeuge entwickeln, die es ihnen ermöglicht haben, Einzelheiten über frühere menschliche Vorfahren herauszufinden und Wissenslücken zu schließen.
Die Methode der Forscher hat es ihnen ermöglicht, die Populationen der Vergangenheit auf der Grundlage genetischer Daten heutiger Menschen zu rekonstruieren. Indem sie einen komplexen Stammbaum der Gene erstellt haben, konnte das Team die feineren Verästelungen des Stammbaums genauer betrachten und wichtige evolutionäre Ereignisse identifizieren.
»[Diese Technik] brachte die Zeit vor 800.000 bis einer Million Jahren ins Rampenlicht - über die noch viel unbekannt ist - auf eine Art und Weise, die zuvor nicht möglich war«
- Stanley Ambrose, ein Anthropologe an der University of Illinois in Urbana-ChampaignSerena Tucci wiederum, eine Anthropologin an der Yale University in New Haven, Connecticut, unterstreicht die Bedeutung solcher Forschungen:
»Wir wissen immer noch sehr wenig über die Populationsdynamik früher menschlicher Vorfahren, und zwar aus mehreren Gründen, u. a. wegen der methodischen Einschränkungen und der Schwierigkeiten, alte DNA-Daten von alten Homo-Exemplaren zu erhalten«
Nicht alles ist in Stein gemeißelt
Ashton würde es begrüßen, wenn die Ergebnisse der Forscher durch weitere archäologische und fossile Belege gestützt würden. Die Autoren »legen nahe, dass der Engpass ein globaler Zusammenbruch der Population war«, sagt er, »aber die Anzahl der archäologischen Fundstellen außerhalb Afrikas lässt darauf schließen, dass dies nicht der Fall ist. Ein regionaler Engpass ist wahrscheinlicher.«
Es könnte also sein, dass die Ergebnisse der Forschung nur auf Afrika zutreffen und an anderen Orten der Welt ebenfalls kleine Gruppen oder »Dörfer« existiert haben.
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Hättet ihr gedacht, dass unsere Vorfahren vermutlich so knapp vor dem Aussterben standen? Wie groß ist die Stadt, in der ihr aufgewachsen seid? Und viel wichtiger: Wie viel höher ist die Einwohnerzahl im Vergleich zu den rund 1300 Menschen damals? Habt ihr eigene Theorien über deren Überleben? Schreibt uns eure Meinungen und Gedanken in die Kommentare!
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