Das Schöneberger Südgelände ist auf den ersten Blick alles andere als ein naheliegender Ort für Natur und Artenvielfalt.
Denn zwischen den alten Gleisen liegen Schotter und Sand, daneben stehen Wasserkräne für Dampfloks, eine Drehscheibe und ein 50 Meter hoher Wasserturm, aus dem die Kräne gespeist wurden.
Und trotzdem ist es nicht nur ein Überbleibsel aus längst vergangener Zeit. Heute summen hier Bienen zwischen Blumen und Bäumen, seltene Heuschreckenarten finden einen Rückzugsort.
Dieses Stück Natur entstand nicht nur trotz seiner Vergangenheit als Rangierbahnhof, sondern teilweise gerade wegen ihr.
Einst fuhren hier mehr als 130 Güterzüge am Tag
Nur wenig später, vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, kam es zur Teilung Deutschlands in die Bundesrepublik und die Deutsche Demokratische Republik.
Ab 1950 vermied die DDR Gütertransporte durch die ebenfalls geteilte ehemalige Hauptstadt. So wurde der in West-Berlin gelegene Rangierbahnhof bis 1952 fast vollständig stillgelegt. Nur ein paar Werkstätten und Güterverkehr in geringem Umfang blieben auf Teilen des insgesamt 25 Fußballfeldern großen Geländes noch etwas länger bestehen.
Auf den verlassenen Teilen geschah dann etwas, das so niemand geplant hatte.
Schon kurz nach der Stilllegung siedelten sich Gräser, Kräuter und nur wenig später auch Sträucher und Bäume an.
Gerade der Bahnschotter wurde zum Lebensraum
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Doch das Gelände wurde nicht einfach zu einem Stück Wald. Zwischen den Bereichen, die die Natur schnell zurückeroberte, blieben sonnige, trockene Flächen aus Sand, Kies und Schotter erhalten. Interessanterweise ist es genau die Mischung, die das Schöneberger Südgelände heute ausmacht.
Zwei ältere Gutachten aus dem Jahr 1981 zählten sogar etwa 400 Pflanzen- und 600 Tierarten.
Besonders auffällig sind jedoch die Bienen: Experten fanden bis dato 130 der 310 in Berlin vorkommenden Arten.
Die Kombination aus Blüten, trockenem Bahnschotter und kleinen Nischen bietet ihnen offenbar ideale Lebensräume. Darüber hinaus kommen dort auch seltene Arten wie der Heidegrashüpfer und die Blauflügelige Ödlandschrecke vor.
Beinahe wäre die Wildnis wieder verschwunden
Noch vor dem ersten Gutachten verhandelten West-Berliner Senat und Deutsche Reichsbahn der DDR darüber, das Gelände wieder für den Güterverkehr zu nutzen. Doch mehrere Bürgerinitiativen wehrten sich erfolgreich gegen die Rodung.
Entstanden ist der Naturpark, weil Menschen das Gelände sich selbst überließen – und es blieb nur erhalten, weil andere Menschen später schützend eingriffen.
Mehr als ein stillgelegter Bahnhof
Selbst heute liegen auf dem Gelände weiterhin Schienen. Sogar der Wasserturm ragt immer noch über die Bäume hinaus.
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Doch es steckt mehr in der Geschichte als die Erzählung von der Natur, die ein Gelände zurückerobert hat. Denn ein Teil der Artenvielfalt hängt genau damit zusammen, dass eben nicht einfach alles abgerissen wurde.
Das Schöneberger Südgelände ist deshalb weder reine Wildnis noch bloßer stillgelegter Rangierbahnhof. Es ist ein Ort, an dem aus beidem etwas Neues entstanden ist.

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