Dabei war die Stelle ursprünglich mit einem großen Schild markiert worden, das nur wenige Meter von der Straße entfernt stand.
Nur war davon so gut wie nichts mehr zu sehen.
Lianen, Sträucher und junge Bäume des tropischen Trockenwaldes
hatten es schlicht überwuchert.
Wo früher eine ökologisch stark geschädigte (degradierte
) Weidefläche lag, wuchs inzwischen dichter, neuer Sekundärwald
– ein junger Wald auf einem zuvor verödeten Gebiet.
Ein ungewöhnlicher Tausch
Begonnen hatte all das Ende der 1990er-Jahre. Damals arbeiteten die beiden auf tropische Gebiete spezialisierten Ökologen Daniel Janzen und Winnie Hallwachs an der Wiederherstellung der geschädigten Flächen des Schutzgebietes Área de Conservación Guanacaste.
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Im Dienste der Wissenschaft: Massenhaft schwarze Bälle werden in ein Wasserreservoir geschüttet
In der Region produzierte das Unternehmen Del Oro Orangensaft. Bei der Produktion fallen riesige Mengen Schalen und Fruchtfleisch an, die entsorgt werden müssen.
Die beiden Forscher schlugen deshalb einen ungewöhnlichen Handel vor: Del Oro sollte einen Teil seines bewaldeten Besitzes an das Schutzgebiet übertragen. Dafür durfte das Unternehmen seine Produktionsreste auf der früheren Rinderweide verteilen.
Damals war das Gebiet verhältnismäßig nährstoffarm, sehr kompakt und von afrikanischem Jaragua-Weidegras
überzogen, welches die Ansiedlung junger Bäume und Sträucher erschweren und Brände begünstigen kann.
1.000 Lastwagen voller Orangenreste
1998 folgte schließlich der Versuch: 12.000 Tonnen Orangenschalen und Fruchtfleisch wurden auf etwa drei Hektar Fläche verteilt – das entspricht rund vier Fußballfeldern.
Für die Menge an Orangenabfall waren ungefähr 1.000 Lastwagenladungen nötig.
Das Vorhaben endete aber schon bald. Denn der konkurrierende Saftfabrikant TicoFruit verklagte Del Oro mit dem Vorwurf, Industrieabfälle in einem Schutzgebiet zu entsorgen.
Der Oberste Gerichtshof Costa Ricas gab dem Kläger letztlich recht und stoppte den Versuch. Allerdings wurden die bereits ausgebrachten Orangenschalen nicht entfernt und zersetzten sich.
Danach geriet das Gelände weitgehend in Vergessenheit.
Aus einer Weide wurde ein Wald
Nachdem die Fläche 2013 wiederentdeckt worden war, machten sich Forschende im Jahr 2014 daran, sie systematisch zu untersuchen. Als Vergleichsmaßstab diente eine benachbarte, unbehandelte Weide.
Die Unterschiede waren unübersehbar.
Auf der früheren Rinderweidefläche fanden sie mehr Gehölzarten, ein dichteres Kronendach und einen nährstoffreicheren Boden. Allein die oberirdische Baumbiomasse lag 176 Prozent über dem Wert der benachbarten Vergleichsfläche, die spätestens ab dem Jahr 2000 nicht mehr zur Beweidung genutzt wurde.
Oder einfach ausgedrückt: Auf der mit Orangenabfällen behandelten Fläche hatte sich deutlich mehr junger Wald gebildet als auf der Weide nebenan.
Die Schalen waren nicht allein verantwortlich
Den genauen Mechanismus dahinter konnten die Forscher nicht eindeutig bestimmen. Es gilt jedoch als wahrscheinlich, dass die dicke Schicht aus Orangenschalen das Wachstum des Weidegrases unterdrückte und dem Boden zugleich Nährstoffe zuführte.
Da derartige Gräser Brände begünstigen können, könnte ihre Unterdrückung zugleich die Gefahr von Feuer gesenkt haben.
Dadurch verbesserten sich anscheinend auch die Bedingungen für Samen, die aus den umliegenden Wäldern auf die Fläche gelangten.
Nicht zu vergessen: Da es sich um ein ausgewiesenes Schutzgebiet handelte, wurde die Viehhaltung eingedämmt, und Brände wurden aktiv bekämpft.
Ohne diese Voraussetzungen wäre das Experiment womöglich anders ausgegangen.
Kein Freibrief für Biomüll im Wald
Dass die behandelte Fläche nach 15 Jahren besser dastand, bedeutet allerdings nicht, dass Lebensmittelabfälle bedenkenlos in der Natur entsorgt werden können.
Dafür war das Experiment zu speziell. Es wurde zum Beispiel nicht auf mehreren voneinander unabhängigen Flächen wiederholt. Daher ist nicht belegt, dass es auf anderen Böden, in anderen Klimazonen und mit anderen organischen Reststoffen ebenso ausgegangen wäre.
Nichtsdestotrotz ist das Ergebnis bemerkenswert.
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Was Ende der 1990er-Jahre mit umstrittenen Bioabfällen begann, führte im Laufe von eineinhalb Jahrzehnten zu einer deutlichen Regeneration. Dennoch dauerte es noch, bis der Versuch zu dem heute viel beachteten Beispiel ökologischer Wiederherstellung wurde.
Aus der nährstoffarmen Weide entstand zwar kein ausgewachsenes Stück Trockenwald, aber immerhin ein junger Wald, dessen Entwicklung die 12.000 Tonnen Orangenschalen offenbar erheblich beschleunigten.

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