Auf der Kongressmesse Anga Com 2026 in Köln geriet der Telekommunikationsanbieter 1&1 öffentlich unter Beschuss – vom Mitkonkurrenten Telefónica, was in der Form eine ungewöhnliche Vorgehensweise ist.
Der Auslöser ist ein Glasfasertarif von 1&1, der Neukunden für rund 10 Euro monatlich bei einer Downloadrate von 50 MBit/s sowie einer Uploadrate von 10 MBit/s ins Netz bringt. Telefónica-CCO Andreas Laukenmann ließ kein gutes Haar an dem Angebot (via Golem):
Ich finde, wir wollen ja eigentlich Deutschland die Infrastruktur geben, die wir verdient haben als Land. Und dann ist 50 MBit schon langsam ein bisschen wenig.
20:10
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1&1: 10 Euro als Einstieg, 35 Euro als Regelpreis
Der Listenpreis für den 1&1-Glasfaserzugang liegt bei 34,99 Euro im Monat. Wer neu zum Anbieter wechselt, bekommt den Tarif in den ersten zehn Monaten aber häufig für 9,99 Euro – ein klassischer Kundenbindungs-Einstieg.
Der Gedanke dahinter dürfte also sein, Nutzer früh ins eigene Ökosystem zu holen und sie später auf höherwertige Tarife zu migrieren.
- Für 1&1 stehe bei dem günstigen Tarif offensichtlich die Kundenbeziehung im Vordergrund, wie auch der ebenfalls am Podium anwesende 1&1-Chief Production Officer Borislav Tadić erklärte.
- Ob das Kalkül aufgeht, hängt davon ab, wie viele Neukunden nach der Aktionsphase tatsächlich im Netz bleiben – und auf welchen Tarif sie dann wechseln.
Mehr als nur Mindestangebote als Branchenpflicht?
Auch an diesem Aspekt stört sich Laukenmann: Demnach haben »Operators und Weiterverkäufer auch ein bisschen die Aufgabe dafür zu sorgen, dass gute Produkte am Markt sind und nicht so ein Minimum«.
Diese Aussage lässt sich auch als Forderung an die gesamte Branche verstehen: Glasfaserausbau allein reiche nicht – vielmehr habe man auch die Verantwortung, die Infrastruktur mit sinnvollen Angeboten zu bespielen.
Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg: Jeder fünfte Glasfaser-Anschluss liegt brach in Deutschland. Immerhin tut sich in diesem Kontext etwas.
Dabei liegt das technische Potenzial von Glasfasernetzen weit über den angebotenen 50 MBit/s. Die Infrastruktur selbst wäre zumindest in der Lage, mehrere Hundert Mbit/s oder gar Gbit/s-Bandbreiten bereitzustellen. Ob Billigtarife den Ausbau befeuern oder das Preisniveau strukturell nach unten drücken, dürfte die Branche noch länger beschäftigen.
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