Windows: Heute vor 25 Jahren erschien das vielleicht wichtigste Feature

Jeder kennt es, jeder nutzt es. Es machte zahlreiche Änderungen mit, beinahe verschwand es: Das Startmenü von Windows wird 25 Jahre.

von Michael Kister,
24.08.2020 20:44 Uhr

25 Jahre Entwicklung des Windows Startmenüs. 25 Jahre Entwicklung des Windows Startmenüs.

Das Startmenü von Windows steht wie kein anderes Feature seit seiner ersten Einführung mit Windows 95 für den PC. Es ist der zentrale Anlaufpunkt, ob wir nun ein Programm starten wollen oder einfach nur den PC herunterfahren.

Wie wichtig es tatsächlich für uns geworden ist im Alltag, zeigt sich an den Reaktionen auf jede Änderung, die jede neue Windows-Version mitgebracht hat: Beschwerden folgten, Nutzer verweigerten den Umstieg. Mit Windows 8 versuchte Microsoft sogar, das Startmenü komplett loszuwerden. Es war eine der größten Fehleinschätzungen des Konzerns.

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Die Einführung des Startmenüs war revolutionär und Microsoft war sich dessen bewusst. Drei Millionen Dollar hatte man für die Nutzungsrechte am Song »Start Me Up« von den Rolling Stones investiert, um damit die Werbetrommel für Windows 95 zu rühren.

Zum ersten Mal befandens sich alle installierten Programme übersichtlich in einem jederzeit zugänglichen Menü, geordnet nach verschiedenen Kategorien wie Multimedia-Programmen, Spielen und hilfreichen Tools, (wie oft hat man damals noch die Festplatte defragmentiert, damit Spiele schneller laden!). Nicht mehr war es nötig - wie zuvor noch bei Windows 3.1 - Programme über einen eigenen Programm-Manager oder sogar über die Kommandozeile zu starten.

Grau und schlicht war das Startmenü von Windows 95 und dennoch eine Revolution. Grau und schlicht war das Startmenü von Windows 95 und dennoch eine Revolution.

Gemeinsam mit dem Startmenü führte Microsoft die Taskleiste ein: Aktive Programme waren so jederzeit zugriffsbereit und konnten schnell wieder aufgerufen werden. Auch die Uhrzeit war immer im Blick, der Kalender konnte mit einem Doppelklick aufgerufen werden, einfache Änderungen an den Soundeinstellungen waren schnell möglich.

Windows 98 blieb im Grunde bei dem bekannten Erscheinungsbild, brachte lediglich geringe Anpassungen: Ein Ordner für Webseite-Favoriten zur besseren Integration des Internet Explorers kam hinzu. Die Taskleiste bekam das auch heute noch viel genutze Feature, häufig genutzte Programme anzupinnen.

Modernisierung mit XP

Mit Windows XP wurde alles bunter: Das vorher gewohnte Grau wich einer Mischung aus Blau und Grün, es wurde moderner, aber auch verspielter. Manchen zu verspielt. Das Menü selbst wurde in zwei Spalten geteilt, häufig genutzte Programme fanden in der linken Seite Platz, ebenso konnte man über den Punkt »Alle Programme« eine Liste der restlichen Programme aufrufen. Über die linke Spalte bekam man einen Schnellzugriff auf den Dokumentenordner, sowie Bilder, Musik und den Dateiexplorer.

Bei Windows XP bekam das Startmenü die erste größere Überarbeitung. Bei Windows XP bekam das Startmenü die erste größere Überarbeitung.

Windows Vista hatte viele Probleme, angefangen bei unverhältnismäßigen Hardwarenanforderungen, auch einige Änderungen des Startmenüs waren keine Meisterleistung: So ging es zwar wieder weg von der als kindlich empfundenen Farbgebung, ersetzte aber die Symbole für Ordner und Bereich in der rechten Menüspalte durch eine unübersichtliche Textliste.

Die aus heutiger Sicht wohl wichtigste Neuerung für das Startmenü von Vista war die integrierte Suchleiste: Einfach die Windows-Taste auf der Tastatur drücken und schon kann man in der Suchleiste eine Datei oder ein Programm suchen und auswählen.

Windows 8: Ein Albtraum aus Kacheln

All das klingt aus heutiger Sicht trivial, manches veraltet, doch wie sehr das Startmenü für viele Teil des Alltags geworden war, zeigte Windows 8: Microsoft entschied sich zu einem radikalen Schnitt und warf das gewohnte Startmenü kurzerhand raus.

Kacheln statt Menü: Microsoft wollte Windows 8 für Touchscreens fit machen. (Bildquelle: Winfuture) Kacheln statt Menü: Microsoft wollte Windows 8 für Touchscreens fit machen. (Bildquelle: Winfuture)

Microsoft legte mit Windows 8 den Fokus auf mobile Geräte mit Touchscreen und darauf optimierte Vollbild-Apps. Was bei einem Tablet oder einem Smartphone gut funktionieren mag, war auf dem klassischen Desktop für viele vor allem alteingesessene Nutzer eine Qual. Das gesamte System war auf neue sogenannte Live-Apps ausgelegt, selbst der Desktop war als App konzipiert, während der neue Startbildschirm dominierte.

In ihrer Not griffen viele Nutzer auf Programme von Drittanbietern wie Classic Shell zurück, das heute noch in Form von Open Shell existiert, um das gewohnte Startmenü zurückzubringen.

Die Kritik an Windows 8 war so groß, dass Microsoft mit dem ersten großen Update auf Windows 8.1 zwar nicht das gesamte Startmenü zurückbrachte, aber zumindest Elemente, wie die Suchleiste und den Start-Button.

Mit einem Schritt zurück wieder nach vorne

Nach der heftigen Kritik an Windows 8 und dem kleinen Zurückrudern bei 8.1, kehrte das Startmenü mit Windows 10 zurück.

Ganz verschwunden sind die Kacheln nicht, in seiner aktuellen Inkarnation hat das Startmenü sie integriert: Große, einfarbige Flächen mit kleinen Symbolen für die am meisten genutzten Apps in zwei Spalten auf der rechten Seite des Menüs, kleine Kacheln in der Liste aller Programme auf der linken Seite.

Im Startmenü von Windows 10 sind noch Überreste der Kacheln. Im Startmenü von Windows 10 sind noch Überreste der Kacheln.

Einblicke für Windows-Insider zeigen bereits, dass die Evolution des Startmenüs noch nicht abgeschlossen ist. Microsoft möchte die Kacheln wieder komplett entfernen und zurück zu leicht lesbaren Symbolen, wie unser Artikel von Anfang des Jahres zeigt:

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Wenn ihr eine Reise in die Vergangenheit wagen wollt und euch selbst ansehen wollt, wie das Startmenü von Windows 95 im Vergleich zu heute wirkt, könnt ihr auf Github eine selbstständig lauffähige Version laden. Der Download ist etwa 280 MByte groß und beinhaltet eine eingeschränkt lauffähige Version von Windows 95. Für eine nostalgische Runde Minesweeper taugt es aber allemal.

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