Gerade ist 28 Years Later in den deutschen Kinos gestartet, der dritte Teil einer Filmreihe, die 2002 ihren Anfang nahm. Vorab hatte der neue Horrorfilm bereits Schlagzeilen gemacht:
28 Years Later wurde mit iPhones gedreht – teilweise 20 Stück auf einmal!
Als Vorbereitung auf den Film habe ich mir vergangenes Wochenende 28 Days Later angeschaut – und war schockiert, wie furchtbar das Bild ist.
Ihr habt euch auch gewundert? Ich erkläre euch, warum der Streifen über weite Strecken wie pixelige Matschepampe aussieht.
Schlechtes Bild mit Ansage
Ich geb’s ja zu: Ich habe vorab gewusst, was mich erwartet. Man muss nicht tief graben, um zu erfahren, dass Regisseur Danny Boyle beim Dreh 2002 auf Camcorder gesetzt hat. Wie hundsmiserabel die Bildqualität 2025 allerdings sein würde, darauf war ich nicht vorbereitet.
28 Days Later sieht billig und matschig aus, weil der Film mit 480p gedreht wurde und das mit purer Absicht. Was die Optik für mich ein Stück weit rettet: eine extrem starke Kinematografie und Bildsprache.
- Die Einstellungen sind professionell.
- Ruhige Szenen setzen die chaotischen Infizierten als wahnsinnig gefährlich ins Bild.
- Gerade am Anfang wirkt das ausgestorbene London richtig beklemmend.
Diese Kamera hat Boyle verwendet
28 Days Later wurde nicht ausschließlich, aber hauptsächlich mit Camcordern gedreht.
Das ist ein Camcorder: Im Grunde sind sie das Filmäquivalent zu einer Fotokamera. Mithilfe von Camcordern konnte man früher schnell und einfach zu Hause Videos drehen, dank eingebautem Mikrofon, Zoomobjektiv und integriertem Speichermedium. Heute nutzen wir dazu unsere Handys.
Videokameras waren in den 90er Jahren beliebt, um Home-Videos zu drehen. Wer erinnert sich nicht mit Schrecken an die ganzen Gag-Shows im TV mit eingesendeten Heimvideos, bei denen etwas schiefgeht?
Oder die Videos von einem selbst als Kind? Noch 30 Jahre später ist »Papa, darf ich Nintendo spielen?« ein geflügeltes Wort im Hause Schwind.
Und haargenau diesen Spirit wollte Boyle einfangen, weshalb er auf die Canon XL1 gesetzt hat.
Zum Aufklappen klicken
- Kameratyp: Digitaler MiniDV-Camcorder
- Sensor: 3× 1/3-Zoll-CCD (RGB – jeweils ein CCD pro Farbkanal)
- Auflösung: Standard Definition (SD) – 720 × 576 Pixel (PAL)
- Farbraum: 4:2:0 (PAL) DV-Codec
- Aufnahmemedium: MiniDV-Kassette
- Objektiv: 16-fach optisches Zoom (austauschbar, Canon XL-Bajonett)
- Wechselobjektiv-System: Ja – modular mit diversen Zubehörteilen
- Tonaufnahme: Digital, 16 Bit / 48 kHz oder 12 Bit / 32 kHz PCM
- Videoausgang: FireWire (DV), S-Video, Composite
- Manuelle Steuerung: Fokus, Blende, Gain, Shutter, Weißabgleich
- Gewicht (einsatzbereit): ca. 2,7 kg
Im Vergleich zu einer echten Filmkamera war die Canon XL1 bedeutend handlicher. Allein deshalb waren die Aufnahmen im verwaisten London überhaupt möglich. PetaPixel zitiert einen der Produzenten des Films wie folgt:
Die Polizei war froh, uns zu unterstützen, und die Stadtverwaltungen waren froh, uns zu unterstützen, weil wir es so schnell machen konnten. Es wäre buchstäblich in wenigen Minuten drehfertig gewesen.
Drehgenehmigungen für Westminster oder den Piccadilly Circus hätte man sonst kaum bekommen. So waren die Drehs für den Beginn des Films allerdings in zehn Minuten im Kasten, ohne Menschen und Verkehr großartig aufzuhalten.
Mein Problem mit 480p
Danny Boyle wollte 28 Days Later also möglichst nahbar drehen, um dem Film eine verwaschene, zur damaligen Zeit passende Optik zu geben. Ganz so, als hätte jemand wirklich die Katastrophe mit seinem Camcorder gedreht.
Der Regisseur hat die Rechnung allerdings ohne den technischen Fortschritt gemacht.
Wenn man heutzutage kristallklares 4K gewohnt ist, stößt 28 Days Later zumindest mir vor den Kopf.
- In düsteren Szenen (und von denen gibt es sehr viele) hat man teilweise überhaupt nichts mehr erkannt.
- Die Mimik der Schauspieler ging oft verloren.
- Durch die professionelle Kinematografie und den billigen Look klaffte in meinem Kopf eine Lücke.
480p sind lediglich vier Prozent der Pixeldichte eines 4K-TVs. Das bedeutet: Jedes Pixel nimmt den Platz von 24 Pixeln auf einem Ultra-HD-Bild ein – und das sieht man einfach. Ohne KI ließe sich der Film nicht mehr auf die heutige Auflösung hochrechnen, und das ging bereits in der Vergangenheit in die Hose.
Besonders heftig fällt der Unterschied übrigens zur allerletzten Szene des Films auf. Als die Überlebenden ein Hilfe-Banner aus Kleidung nähen, um einen Düsenjet auf sich aufmerksam zu machen, wurde das mit einer echten Filmkamera gedreht. Ein Unterschied wie Tag und Nacht.
28 Years Later läuft aktuell im Kino; unsere Kritik haben wir bereits veröffentlicht. Nachstehend der Trailer:
0:30
28 Years Later zeigt im neuen Trailer die verheerenden Auswirkungen des Wut-Virus
Unterm Strich ist 28 Days Later dennoch ein guter Film. Die ruhige Herangehensweise ohne viel Hintergrundmusik steht wunderbar im Kontrast zu den chaotischen Infizierten.
Der zunehmend geistige Verfall des Protagonisten Jim (gespielt von Oscar-Preisträger Cillian Murphy) mündet in einem herrlich verstörenden Finale.
Wenn ihr über den Pixelbrei hinwegsehen könnt, lohnt sich der Horrorfilm auch 2025 noch.








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