28 Years Later ist gerade erst in den Kinos gestartet und direkt gibt’s Krach! Während Kritiker die heiß erwartete Zombie-Fortsetzung mit Lob überschütten, mehren sich gerade die enttäuschten Kommentare verblüffter Fans gemäß dem Konsens: Das ist nicht der Film, den wir erwartet haben!
Und ich verstehe es.
Tatsächlich geht es mir genauso. Auch ich habe einen anderen Film erwartet, der wie 28 Days Later den Schwerpunkt auf Horror, Paranoia und kurze, aber schonungslose Action legt. Stattdessen bekomme ich eine Geschichte über Liebe, die eigene Sterblichkeit und was es bedeutet, in einer so grausamen und erbarmungslosen Welt aufzuwachsen.
Dafür liebe ich das neueste Werk von Regisseur Danny Boyle und Drehbuchautor Alex Garland, die vor 23 Jahren das Zombie-Genre revolutionierten. Das gelingt dem Duo hinter der unterschätzten Sci-Fi-Perle zwar nicht auf ein Neues, doch übrig bleibt der fesselnde Auftakt einer neuen Filmtrilogie, deren Fortsetzungen ich jetzt kaum mehr erwarten kann.
Worum geht’s in 28 Years Later?
28 Years Later spielt sich - nun ja - 28 Jahre nach dem Zeitpunkt ab, als der Rage-Virus zum ersten Mal durch Großbritannien wütete. Der Rest der Welt lässt von den britischen Inseln nun lieber die Finger und die wenigen Überlebenden bleiben auf sich allein gestellt.
So zum Beispiel die Bewohner der kleinen Gezeiteninsel Lindisfarne, zu der auch der 12-jährige Spike (Alfie Williams) und sein Vater Jamie (Aaron Taylor-Johnson) zählen. Für den Initiationsritus der Insel muss sich Spike nun aufs Festland wagen, um Infizierte zu jagen.
Und dabei beginnt eine brandgefährliche Odyssee in die menschenfeindlichen Überreste von England, in der jeder noch so kleine Fehler den Tod bedeutet.
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Der erste Trailer zu 28 Years Later beweist: Auch die Zeit heilt keine Zombie-Apokalypse
Für wen ist 28 Years Later interessant?
Seid schon mal gewarnt: Diese Beschreibung trifft lediglich auf den ersten Akt von 28 Years Later zu. Danach schlägt der Film thematisch eine andere Richtung ein und tauscht nervenaufreibenden Zombie-Horror gegen … puh, wo fange ich an?
Solltet ihr 28 Years Later noch nicht gesehen haben, will ich euch natürlich nicht zu viel verraten. In den folgenden Zeilen versuche ich mich also so Spoiler-frei mich möglich auszudrücken, freilich muss ich aber auf die ein oder andere kreative Entscheidung etwas detaillierter eingehen.
Das Wichtigste vorweg: Was der wirklich grandiose und stimmungsvolle Trailer zu 28 Years Later verspricht, wird maximal in der ersten Hälfte von 28 Years Later eingehalten. So ist zum Beispiel nicht Aaron Taylor-Johnsons Jamie die Hauptfigur des Films. Auch geht es nicht darum, wie sich das Leben in England oder die Infizierten des Rage-Virus in 28 Jahren weiterentwickelt haben. Zumindest primär.
Hier passiert viel im Subtext und zwischen den Zeilen, was das ganze 28-Universum sehr viel lebendiger, komplexer und realistischer wirken lässt. Denn wenn ich primär nur die Überlebenden einer abgeschotteten Insel begleite, wie sollen mir sonst die großen Enthüllungen um die Ohren geknallt werden, ohne dass es erzwungen und unglaubwürdig wirkt?
Stattdessen steht der junge Spike im Mittelpunkt und letztendlich lässt sich die Handlung von 28 Years Later auf eine sehr persönliche Coming-of-Age-Geschichte herunterbrechen. Doch bevor ihr jetzt genervt mit den Augen rollt: Regisseur Boyle und Drehbuchautor Garland schaffen das vor einem recht einzigartigen Hintergrund, den ich vor 23 Jahren kennen und lieben gelernt habe.
Anstatt in die Falle üblicher Sequel-Konventionen zu tappen, wo alles immer größer, lauter, böser und bedrohlicher werden muss, setzt 28 Years Later andere Prioritäten. Ich begleite Spike dabei, wie er in einer grausamen Welt viel zu früh erwachsen werden und sich mit der Unaufhaltsamkeit des Todes konfrontieren muss. Der ist im Kontext des Films natürlich gegenwärtiger denn je und nicht nur für einen 12-jährigen Jungen absolut erschreckend.
Hier lässt Danny Boyle als Regisseur auch allerlei kreativen Spielereien freien Lauf, die 28 Years Later im Zombie-Genre positiv herausstechen lässt. Das Reinschneiden echter Kriegsaufnahmen, die eigenwilligen Kill-Cams oder der Einsatz von britischer Popmusik mögen auf den ersten Blick irritieren und vielleicht auch nicht jedem gefallen.
Als Fan von Boyles vorangegangenen Werken (wie Sunshine oder Trainspotting) stellt diese Art von Inszenierung aber schlichtweg eine logische Konsequenz und unverkennbare Handschrift einer meiner liebsten Filmemacher dar. Hier verzeihe ich 28 Years Later dann auch den mal fließenden, mal abrupten Übergang in neue Tonalitäten nicht nur, sondern weiß sie sogar noch mehr zu schätzen.
Alles in allem stellt 28 Days Later für mich ein mutiges Comeback einer altbekannten Filmreihe dar, die neue Wege zu gehen wagt, anstatt ein sträflich übersättigtes Genre weiter zu strapazieren.
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