Gelegentlich schaue ich mir Laptop-Schnäppchen bei Discountern an und ordne für euch ein, ob sich ein Kauf lohnt. Um AliExpress habe ich bisher immer einen Bogen gemacht. Meine persönlichen Erfahrungen waren dort nicht die besten, seien es ewig lange Lieferzeiten oder mangelhafte Qualität der bestellten Waren.
Doch heute mache ich mal eine Ausnahme, denn ich habe einen Laptop gefunden, der auf dem Papier wirklich interessant klingt. Die Rede ist vom Acemagic Gaming-Notebook
. Normalerweise zahlt ihr für das Gerät 387 Euro, mit dem Gutschein DESS50
kann der Preis um weitere 50 Euro reduziert werden. Dann wären wir bei insgesamt 337 Euro, doch ist das Gerät das Geld auch wert?
Das steckt im Inneren
Folgende Hardware bekommt ihr für euer Geld:
- CPU: AMD Ryzen 7 5700U mit 8 Kernen und max. 4,3 GHz
- Grafik: Radeon Graphics 512SP (iGPU)
- RAM: 16-GB-DDR4-RAM
- Display: 16,1-Zoll-IPS mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixel bei 60 Hertz
- SSD: 1x 512-GB-M.2-NVMe
- Konnektivität: WiFi 6, Bluetooth 5.2
- Akku: 4.700 mAh vermutlich 52,17 Wh
- Betriebssystem: Windows 11
- Abmessungen: 368,8 x 233,4 x 18,7 Millimeter
- Gewicht: 2,0 kg
Ist das wirklich ein Gaming-Notebook?
Im Angebot ist vollmundig von einem Gaming-Notebook die Rede, doch stimmt das? Im Folgenden nehme ich die verbaute Hardware mal unter die Lupe:
CPU: Der AMD Ryzen 7 5700U wurde bereits im Jahr 2021 vorgestellt. Das U im Namen verrät bereits, dass es sich um einen Prozessor handelt, der besonders wenig Strom verbraucht. Insgesamt sind acht physische Kerne vorhanden, die maximale Taktfrequenz liegt bei 4,3 GHz. Für den üblichen Multimedia-Konsum und leichte Office-Tätigkeiten ist der Prozessor mehr als ausreichend.
Grafik: Als Pixelbeschleuniger fungiert eine Radeon Graphics 512SP iGPU. Für Spiele wie Candy Crush oder Stardew Valley dürfte sie tatsächlich auch heute noch ausreichend sein, mehr aber nicht. Die Frage, ob das Acemagic ein echtes Gaming-Notebook ist, wäre damit auch bereits beantwortet.
Arbeitsspeicher: Verbaut sind insgesamt 16-GB-RAM, das ist für einen Budget-Laptop eine gut gewählte Größe. Beachtet aber, dass es sich um den langsameren DDR4-Standard handelt. Für reine Office-Tätigkeiten sollte das aber keine größere Rolle spielen.
Display: Bei Display kommt ein 16,1-Zoll-IPS-Panel zum Einsatz. Über die maximale Helligkeit und die Abdeckung verschiedener Farbräume macht der Hersteller keine Angaben. Ohne selbst nachgemessen zu haben, kann ich nur spekulieren, dass die Helligkeit in diesem Preissegment nicht sonderlich hoch sein dürfte. Eine besonders akkurate Farbdarstellung würde ich ebenfalls nicht erwarten.
SSD: Die eingebaute SSD weist eine Kapazität von 512 GB auf, das ist für den aufgerufenen Preis sehr ordentlich. Wenn man den Angaben des Herstellers glaubt, handelt es sich sogar um ein schnelles M.2-Modul. Ein Modell eines bekannten Herstellers würde ich hier allerdings nicht erwarten, rechnet eher mit einer unbekannten China-Marke.
Das muss nicht zwangsläufig etwas Schlechtes sein, die Zuverlässigkeit und die Geschwindigkeit eines bekannten und teureren Herstellers wie beispielsweise WD oder Samsung dürft ihr aber natürlich nicht erwarten.
Konnektivität: Das Acemagic setzt noch auf den älteren WiFi-6-Standard, was wohl für die meisten von ausreichend sein dürfte. Bluetooth 5.2 gibt es ebenfalls, um welche Version es sich genau handelt, verrät der Hersteller allerdings nicht.
Akku: Die Größe des Akkus wird mit 4.700 mAh angegeben. Um diesen Wert besser vergleichen zu können, muss eine Umrechnung in Wh erfolgen. Dafür wäre allerdings die korrekte Spannung erforderlich, die aber nicht angegeben wird. Ich lege daher die typische Spannung von 11,1 Volt bei Notebook-Akkus zugrunde.
Mit der Formel (4700mAh*11,1V)/1000 kämen wir auf 52,17 Wh. Das wäre dann eine typische Kapazität, die man bei einem besonders günstigen Laptop erwarten kann. Alles natürlich unter dem Vorbehalt, dass die Spannung bei dem Gerät auch tatsächlich 11,1 Volt beträgt.
Betriebssystem: Das Acemagic Notebook kommt bereits ab Werk mit einem vorinstallierten Windows 11 Betriebssystem. Um welche Version es sich dabei handelt, ist leider unbekannt.
Das solltet ihr noch wissen
Laut AliExpress soll das Gerät über ein Gehäuse aus Metall verfügen, was ich mir bei dem Preis irgendwie nicht so richtig vorstellen kann. Ich würde eher mal mit einer dünnen Metallplatte am Displaydeckel rechnen. Sollte es sich aber tatsächlich um ein Vollmetall-Chassis handelt, dürfte die Materialstärke wohl ziemlich schwach ausfallen.
Und dann wäre da noch die Tastatur: Das Gerät gibt es zumindest aktuell nur mit dem US-QWERTY-Layout. Eine einfarbige Hintergrundbeleuchtung soll ebenfalls mit dabei sein. Über die Qualität möchte ich mir jetzt kein Urteil erlauben, ähnlich günstige Laptops, die ich bereits in meinen Fingern hatte, konnten bei den Eingabegeräten aber in der Regel nicht überzeugen.
Acemagic hat auch einen EU-Shop, dort bekommt ihr auf die Geräte 3 Jahre Garantie, bei AliExpress ist davon allerdings nicht die Rede. Ich würde also nicht davon ausgehen, dass ihr mehr als das eine Jahr bekommt, das AliExpress gewährt.
Eine mögliche Alternative
Mit 369 Euro nur unwesentlich teurer ist das HP 250 G9. Ausstattung und Leistung liegen auf einem mit dem Acemagic vergleichbaren Niveau. Das bedeutet im Klartext, dass auch das G9 keine Bäume ausreißen wird.
Die Ausstattung im Detail:
- CPU: Intel Core i3-1215U mit 6 Kernen und max. 4,4 GHz
- Grafik: Intel UHD Graphics (iGPU)
- RAM: 8-GB-DDR4 (aufrüstbar)
- Display: 15,6-Zoll-IPS mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixel bei 60 Hertz
- SSD: 1x 512-GB-M-2-NVMe
- Konnektivität: WiFi 5, Bluetooth 5.0, 1 Gbit-LAN
- Akku: 41 Wh
- Betriebssystem: Windows 11
- Abmessungen: 358 x 242 x 19,9 Millimeter
- Gewicht: 1,74 kg
Tatsächlich ist das G9 teilweise schlechter ausgestattet als das Acemagic. Es gibt nur 8 statt 16-GB-RAM, WiFi 5 statt WiFi 6 und der Akku ist auch kleiner. Dennoch würde ich dem G9 den Vorzug geben, alleine schon wegen der Garantie, dem QWERTZ-Tastaturlayout und dem technischen Support. Man weiß ja nie, ob nicht doch mal was kaputtgeht. Weitere Alternativen könnt ihr in meinem Guide Beste Laptops unter 300 Euro
finden.
Fazit
Bei einem Laptop, der nur um 300 Euro kostet, müsst ihr zwangsläufig Kompromisse eingehen. Die Geräte sind für Leute gedacht, die einfach keine großen Ansprüche an einen Rechner haben oder die einfach nicht mehr ausgeben können oder wollen.
Gerade für die letztere Gruppe ist es dann aber auch wichtig, dass im Fall der Fälle ein technischer Support vorhanden ist und es eine vernünftige Garantie gibt. Wer möchte schon den Rechner bei einem Defekt erst nach China schicken?
Von daher rate ich euch vom China-Schnäppchen ab und empfehle ein paar Euro mehr auszugeben und ein Gerät aus dem deutschen oder zumindest europäischen Fachhandel zu kaufen.

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