»Im Auto gibt man ja auch nicht gleichzeitig Gas und tritt auf die Bremse«: 3 wichtige Tipps zum Heizen vom Experten

Wie heizt man eigentlich richtig? Wir haben einen Heizungs-Experten gefragt und verraten euch wichtige Tipps, die jeder kennen sollte.

Wie heizt man eigentlich richtig? Wir haben wichtige Tipps vom Experten bekommen. Bildquelle: Nico Mittendorf + Adobe Stock (Fabian Krueger) Wie heizt man eigentlich richtig? Wir haben wichtige Tipps vom Experten bekommen. Bildquelle: Nico Mittendorf + Adobe Stock (Fabian Krueger)

Es ist Oktober, draußen wird es früher dunkel und die Temperaturen schreien frühmorgens auf dem Weg zur Arbeit nach Sitzheizung. In der Wohnung hat man es bei lieber muckelig, während man draußen die Bäume im Wind schütteln oder die Regentropfen ans Fenster perlen sieht. Einige von euch haben sicher schon die Thermostate der Heizung aufgedreht, andere zögern das Heizen noch etwas hinaus.

Wir haben einen Experten gefragt, der schon viele Jahre Erfahrung im Thema hat.

  • Dreht man einen Thermostat am besten nur halb auf?
  • Wie viel Temperatur sollte mindestens herrschen?
  • Und warum heizt man mit Wärmepumpen nachts anders?

Wer ist der Experte? Nico Mittendorff ist Installateur- und Heizungsbaumeister aus Minden und leitet den Fachbetrieb Haustechnik Minden - Heizung, Sanitär & Solar. Seit über 15 Jahren plant und installiert er moderne Heizsysteme, begleitet Energieberatungen und setzt dabei zunehmend auf nachhaltige Lösungen wie Solarthermie und chemiefreien Kalkschutz.

Nachts heizen? Das solltet ihr beachten

Manche Leute schalten abends ihre Heizung im Schlafzimmer komplett aus, damit sie möglichst kühl schlafen. Vielleicht noch mit offenem Fenster vorher einmal gut durchlüften. Dabei sollte man aber eine Minimal-Temperatur im Blick haben. Mittendorff erklärt uns, dass man bei nahezu jeder Heizung eine Nachtabsenkung einstellen könnte (Ausnahme bei Wärmepumpen) und fügt hinzu:

Die Raumtemperatur sollte gegenüber dem Tag um drei bis fünf Grad reduziert werden. Aber nicht unter 16 Grad, weil sonst ein erhöhtes Feuchtigkeitsaufkommen in der Wohnung besteht.

Warum bei einer Wärmepumpe keine Nachtabsenkung genutzt werden sollte

Da Wärmepumpen Strom benötigen, um eure Räume zu erwärmen, sollte man am besten eine etwa gleichbleibende Temperatur damit erzielen, wenn man effizient heizen möchte. Dazu sagt Mittendorff:

Bei einer Wärmepumpenheizung sollte keine Nachtabsenkung eingestellt werden, da das Aufheizen morgens zu energieintensiv ist. Da ist es besser, die Temperatur gleichmäßig durchlaufen zu lassen. Das ist sparsamer, als wenn man immer wieder die Wände morgens aufheizen muss, bis der Raum dann die Wärme aufnimmt.

Lieber über die Heizungsanlage regeln, als über die Thermostate

In diesem Zusammenhang solltet ihr die Heizkurve der Heizungsanlage beachten. Es ist besser, weniger Temperatur ins Heizsystem zu geben und dazu die Ventile voll aufzudrehen, als die Ventile zuzudrehen, wenn einem zu warm wird. Das gilt für die Räume, in denen man sich tagsüber viel aufhält.

Räume, die man nicht so warm haben möchte, weil man sich dort zum Beispiel nur wenig aufhält, kann man weiterhin am Thermostat herunterregeln. Mittendorff vergleicht den Fall mit Autofahren:

Es fährt ja auch niemand Auto, tritt mit dem rechten Fuß aufs Gaspedal und, damit er nicht zu schnell wird, tritt er mit dem linken gleichzeitig auf die Bremse. Nichts anderes würde man in diesem Fall mit dem Thermostatventil machen.

Ein paar Quick-Tipps zum Heizen

Wir zeigen euch hier noch ein paar schnelle Tipps, die ihr kennen solltet (via Fachverband SHK-NRW.de).

Heizkörper verstehen: Achtet darauf, dass Heizkörper nicht mit Verkleidungen, Vorhängen oder Möbeln umzingelt sind - sie könnten die Wärmeverteilung im Raum verhindern. Mit eurem Thermostat-Ventil wählt ihr die Raumtemperatur aus. Ein Fühler im Inneren misst die Umgebungstemperatur und regelt durch Öffnen und Schließen des Ventils die Wärmeabgabe.

Richtig lüften: Moderne Fenster unterbinden einen ausreichenden Luftaustausch. Darum wird Lüften wichtiger für euch und das Gebäude. Hier gilt (ohne kontrollierte Lüftungsanlage): Alle zwei bis drei Stunden bei komplett geöffnetem Fenster kurz stoßlüften. Dabei das Fenster komplett öffnen (nicht auf Kipp) und vorher das Thermostatventil schließen.

Die richtige Raumtemperatur: Im Wohnbereich genügt eine Temperatur von 20 Grad Celsius, im Schlafzimmer 16 Grad Celsius, nachts auch mal weniger. Bedenkt aber, dass die Temperatur über einen längeren Zeitraum nicht unter 16 Grad Celsius liegen sollte (sonst kühlen Wände aus, ein erhöhter Energieaufwand zum Aufheizen ist nötig und die Gefahr von Schimmelbildung droht).

Das Absenken der Raumtemperatur um ein Grad Celsius spart rund 6 Prozent der Heizkosten!

Es gibt ein paar Dinge zu beachten, wenn ihr richtig und effizient heizen wollt. Mit diesen Tipps solltet ihr für das kommende, kalte Wetter bestens gerüstet sein.

Habt ihr noch weitere Tipps oder Fragen zu dem Thema? Dann schreibt sie uns gerne hier auf GameStar in die Kommentare.

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