Technikwüste Deutschland? Wie weit kommt man mit dem Handy, aber ohne Bargeld & Karten?

Digitalisierung olé! Doch wo sind die Hürden ohne Bargeld und Ausweise?

Ich habe den Selbstversuch gemacht: Kommt man ohne Bargeld und Karten durchs Leben? (Bild: photoschmidt über adobe.stock) Ich habe den Selbstversuch gemacht: Kommt man ohne Bargeld und Karten durchs Leben? (Bild: photoschmidt über adobe.stock)

Okay, ich geb’s zu: Ich war ein Freund von Bargeld und wenn der Pizzabote klingelt, hab ich das 2-Euro-Stück immer noch parat. Doch mittlerweile zahle ich fast nur noch digital - dank meinem Handy und diesem Stück Technik, das mich zum Uhrenträger hat werden lassen.

Da habe ich mir die Frage gestellt, wieso ich überhaupt noch meinen (zugegeben: schicken) Geldbeutel mit mir herumtrage. Zücken musste ich ihn eigentlich nicht oft. Deshalb habe ich die Probe aufs Exempel gemacht: Wie weit komme ich ohne Geldbeutel?

Wo ich herkomme - gedanklich

Ein gewohntes Bild aus dem Supermarkt. (Bild: benjaminnolte über adobe.stock) Ein gewohntes Bild aus dem Supermarkt. (Bild: benjaminnolte über adobe.stock)

Natürlich ist per Karte zahlen nichts Neues. Dennoch hatte ich bisher immer ein paar Scheine im Geldbeutel. Schlimmer noch: Wenn ich kein Bargeld dabei hatte, habe ich mich unsicher gefühlt. Da Karte und Scheine sich sowieso an einem Ort befanden, war das nicht weiter tragisch, solange ich meine Börse bei mir hatte.

Zuerst gesehen hatte ich das Bezahlen per Smartphone bei meinem 60 Jahre alten Vater. Seine Sehkraft ist schlecht, Scheine zählen ist also nicht drin. Was hat er also getan? Seine Karten alle in der Apple Wallet digitalisiert.

Das ist verdammt hilfreich! Er muss nur noch ein Knöpfchen drücken, sein Handy ans Lesegerät halten und - et violá, er hat bezahlt.

Das ließ mich überlegen: Wenn Paps das kann, kann ich das auch! Die falsche Bescheidenheit und German Angst, was wäre, wenn mir das Bargeld ausgeht, muss weg. Deshalb habe ich mich einfach irgendwann getraut.

Wo ich herkomme - geografisch

(Bild: refresh(PIX) über adobe.stock) (Bild: refresh(PIX) über adobe.stock)

Ich lebe in Nürnberg, der aktuell vierzehntgrößten Stadt in Deutschland. Dementsprechend ist dieser Artikel mit seinen persönlichen Erfahrungen zu lesen. 

Da ich in einer Großstadt wohne, komme ich ohne Geldbeutel sehr viel leichter aus als jemand, der in einer Kleinstadt oder auf dem Land wohnt. Das ist allerdings auch nicht immer und überall der Fall.

Um auch die Erfahrung aus anderen Städten und Gegenden abzudecken, habe ich die Kollegen um ihre Erfahrung gebeten. Mehr dazu am Ende des Artikels.

Die meisten Aufgaben, die mein Geldbeutel erledigt hat, habe ich übrigens mit der Apple Watch ersetzt.

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Alltag ohne Geldbeutel: Einkaufen

Handy ans EC-Gerät, NFC machts möglich. (Bild: marozzau über adobe.stock) Handy ans EC-Gerät, NFC macht's möglich. (Bild: marozzau über adobe.stock)

Wenn ich einkaufe, dann wie die meisten bei Supermarkt-Ketten und Discountern. Kartenzahlung ist da gang und gäbe, dementsprechend bin ich auf keine Hürden gestoßen. Meine Apple Watch regelt als verlängerter Arm des Handys die Bezahlung. 

Da ich Payback nutze, habe ich anstatt der Plastikkarte die App benutzt und an der Kasse gescannt. 

Wichtig zu wissen: Kleinere Läden haben manchmal eine 10-Euro-Grenze, die ihr überschreiten müsst, wenn ihr mit Karte zahlen wollt. Das liegt daran, dass das bargeldlose Bezahlen mit Aufwand und Kosten verbunden ist.

Wie sieht es bei Bäckern, Metzgern und der Post aus? Das sind Geschäfte, in denen wir gegebenenfalls nur Kleckerbeträge bezahlen. 

Die gute Nachricht vorweg: Bei Ketten-Bäckern kann ich auch mein Schokocroissant mit der Uhr bezahlen. Regional große Bäcker sind so modern und weit verbreitet, dass auch Kleinstbeträge per Karte abgerechnet werden. 

Schwieriger wird’s bei inhabergeführten Läden. Hier greift gegebenenfalls die 10-Euro-Grenze oder es geht womöglich nur Barzahlung. Mein Metzger hat neulich erst auf bargeldloses Zahlen aufgerüstet, bis vor Kurzem nahm er nur Scheine und Münzen.

Doch gerade die Deutsche Post hat es mir schwer gemacht. Eigentlich dachte ich, dass man ausgerechnet dort mit der Smartwatch bezahlen kann, aber Pustekuchen: Karte oder Bargeld. Zum Glück konnte mir meine Frau aushelfen, als der Postbeamte meine Uhr ablehnte.

Ob es schließlich am hauseigenen Gerät lag, kann ich abschließend nicht sagen, da ich für viele Sendungen eine nahegelegene Packstation verwende - und für die brauche ich nur mein Handy und keinen Geldbeutel.

Alltag ohne Geldbeutel: Essen & Trinken

Die Smartwatch war bei diesem Experiment meine wichtigste Begleiterin. Die Smartwatch war bei diesem Experiment meine wichtigste Begleiterin.

Die größten Überraschungen habe ich in Restaurants und Bars erlebt, denn hier war das Bezahlen ohne Geldbeutel ein Glücksspiel. Die zwei folgenden Beispiele zeigen den Hickhack des deutschen Bezahlsystems wunderbar.

Zusammen mit meiner Frau war ich in einem Restaurant essen, bei dem man nicht nur per Tablet bestellt, sondern auch von einem Roboter bedient wird. Hier sollte man doch problemlos mit der Apple Watch bezahlen können, richtig?

Leider falsch. Zweimal habe ich es versucht und das EC-Gerät zum Absturz gebracht. Auch das Handy zeigte keine Wirkung, also musste am Ende eine Plastikkarte her (nicht meine, so ganz ohne Geldbeutel).

Im nächsten Szenario hatte ich einen Live-Auftritt mit meinem Podcast. In der Bar, in der dieser stattfand, wollte ich mir zum Abschluss einen Gintonic gönnen und natürlich mit der Smartwatch bezahlen.

Das ging, aber es gab eine seltsame Einschränkung. Der Betreiber des Lesegeräts hat die Sparkasse ausgeschlossen, weil die angeblich gewisse Sicherheitsstandards nicht erfüllt, aha. 

Bezahlt habe ich meinen Drink dann mit der Kreditkarte einer Online-Bank. Hätte ich also nur meine EC-Karte der Sparkasse im Apple Wallet gehabt, wäre ich durstig nach Hause gegangen.

Ergo: Meistens kann ich auch in Restaurants mit dem Handy oder der Smartwatch bezahlen. Meinen Geldbeutel mitnehmen würde ich allerdings nur dann, wenn ich wüsste, dass es ohne nicht geht.

Alltag ohne Geldbeutel: Öffentlicher Nahverkehr

In Nürnberg haben wir eine App namens Egon, mit der ich spielend per Handy meine U-Bahn-, S-Bahn- oder Busfahrt bezahle - und damit auch noch Geld spare. Dazu habe ich bereits einen Artikel geschrieben:

Kurz und gut: Mit einem Fingertipp in der App der VGN checke ich mich in ein Verkehrsmittel ein und bezahle das, was ich fahre. Keine Fahrkarte, kein Bargeld.

Erfahrungen von Kollegen aus anderen Teilen Deutschlands

Da ich ja nun in einer Großstadt lebe, bin ich auf Stimmenfang unter den Tech-Kollegen gegangen. Wie verhält es sich außerhalb Nürnbergs?

Patrick Poti wohnt in München-Giesing und obwohl die bayerische Hauptstadt bedeutend größer ist als das beschauliche Nürnberg, stößt er auch da ohne Geldbeutel schnell an seine Grenzen.

Cappuccino und Bienenstich, sagt er, gönnt er sich gerne beim Konditor nebenan - und da funktioniert auch nur Bargeld. Das Gleiche gilt für seinen favorisierten Pizza-Lieferdienst.

Patrick gibt aber zu: Sobald er zwei, drei U-Bahn-Stationen bis zur Frauenhoferstraße fährt, bekommt man das Eis an der Eisdiele auch mit dem Computer am Handgelenk.

Mit der Uhr zum Eis: In deutschen Großstädten kein Problem. (Bild: Viktoriia über adobe.stock) Mit der Uhr zum Eis: In deutschen Großstädten kein Problem. (Bild: Viktoriia über adobe.stock)

Nils wohnt ebenfalls im Dunstkreis einer Großstadt: Essen. Dönerbuden gibt es dort viele, aber ausgerechnet seine Stamm-Döneria funktioniert nur mit Bargeld. Er gesteht, dass er immer vorher Bargeld holen muss, bevor er dort essen geht.

Das bestätigen meine Erfahrungen. Da man in Deutschland Kartenzahlung nicht anbieten muss, bleibt die bargeldlose Bezahlung in kleinen Klitschen ein Glücksspiel.

Ins selbe Horn stößt Mirco. Er lebt in einem sächsischen Dorf und dort ist Kartenzahlung außerhalb von Supermarktketten nicht zu erwarten.

Das Gegenteil ist der Fall. Mirco berichtet von einem sehr gut besuchten Imbiss, der ganz sicher von Kartenzahlung profitieren würde. Laut seiner Aussage weigert man sich aber, bargeldloses Bezahlen einzurichten.

Fazit des Autors

Maxe Schwind

Schlüssel, Handy, Geldbeutel: Ohne geht man nicht aus dem Haus. Auf Letzteres werde ich aber künftig verzichten. Solange man zumindest sein Mobiltelefon in der Tasche hat, ist man auf (fast) alles vorbereitet.

Die einzigen Stolpersteine, auf die ich gestoßen bin, sind kleine, inhabergeführte Geschäfte und Restaurants, die womöglich keine Kartenzahlung anbieten, oder länger kein Upgrade durchgeführt haben, sodass man nicht mit der Smartwatch oder dem Handy bezahlen kann.

Möglicherweise werde ich eines Besseren belehrt, wenn ich mich mal vor der Polizei ausweisen muss und ich meinen Perso nicht zur Hand habe. In den USA arbeiten Apple und die Behörden übrigens zusammen, aber hierzulande gilt nur die echte Karte als Ausweis.

Abseits solcher Ausnahmefälle sehe ich allerdings keinen Grund, den dicken Geldbeutel mit mir herumzutragen. 

Und vielleicht kann ich dem Haustürschlüssel ja auch noch abspenstig werden …

Alles mit’m Handy: Wer sich sein mobiles Endgerät entsprechend einrichtet, kommt zumindest in Deutschlands Großstädten weitestgehend ohne Geldbeutel aus. Wie ist es bei euch? Bezahlt ihr schon seit Jahren mit der Smartwatch? Oder ist für euch nur Bares Wahres? Gibt eure Infrastruktur eventuell nichts anderes her als den ollen Geldbeutel? Tauscht euch gerne in den Kommentaren aus!

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