Das älteste uns bekannte Objekt ist auf Abschiedstournee, unser Sonnensystem bot ihm eine seltene Pause von der Schwärze des Kosmos – so könnt ihr es fotografieren

Nach einigen Monaten in unserem Sonnensystem, erreicht das älteste uns bekannte Objekt, 3I/Atlas, den erdnächsten Punkt. Von hier aus ist seine Reise bereits vorgezeichnet.

Der Komet 3IAtlas streift derzeit durch unser Sonnensystem – und kommt der Erde bald relativ nah. Wobei die Betonung auf »relativ« liegt, dennoch können ihn selbst Astronomie-Amateure fotografieren.
(Bildquelle: Adobe Firefly, generative KI) Der Komet 3I/Atlas streift derzeit durch unser Sonnensystem – und kommt der Erde bald relativ nah. Wobei die Betonung auf »relativ« liegt, dennoch können ihn selbst Astronomie-Amateure fotografieren. (Bildquelle: Adobe Firefly, generative KI)

Wir waren dem Anbeginn der Zeit so nah wie nie zuvor. Repräsentiert durch 3I/Atlas, einen uralten Giganten auf Besuch im Sonnensystem, sein Ziel: die ewige Schwärze, die schiere Unendlichkeit des Kosmos.

Doch am 19. Dezember 2025 erreichte der interstellare Komet zuvor endlich seine nächste Annäherung an die Erde – und zwar gegen 7 Uhr morgens deutscher Zeit.

Wir ordnen dieses historische Ereignis für euch ein und geben euch mithilfe eines Experten wertvolle Tipps, wie Hobbyastronomen selbst einen Blick auf den Metusalem-Brocken aus Eis, Kohlenstoff und Staub erhaschen können.

Video starten 2:54 Wir zeigen euch den Kurs des interstellaren Kometen 3I/Atlas mithilfe von Universe Sandbox

Ein Gigant zu Besuch bei Trockennasenaffen

Wir sind nur ein x-beliebiger von Zufall und Gravitation bestimmter Wegpunkt auf seiner Reise. Der Komet 3I/Atlas entstand lange, bevor im Sonnensystem auch nur ein Gesteinsbrocken auf dem anderen lag. Seine Reise dauert eventuell schon mehr als 11 Milliarden Jahre an – rund 6 Milliarden Jahre vor der Geburt unserer Sonne.

Weshalb er sein Heimatsystem verließ, wissen wir nicht. Irgendetwas hat dazu geführt, dass er auf eine hyperbolische Bahn geriet. Hyperbolisch steht im Altgriechischen für »Übertreibung« oder »hyperballein« – heißt übersetzt »über das Ziel hinaus werfen«.

Nichts anderes geschieht bei einem hyperbolischen Orbit. Das Objekt trägt genügend kinetische Bewegungsenergie in sich, um der Anziehungskraft aller Körper eines Sternensystems zu entkommen – also vor allem der des Sternes. Letztere(r) trägt oder sie tragen gemeinsam im Falle von multistellaren Konfigurationen weit mehr als 95 Prozent der Masse in sich.

Kerndaten zu 3I/ATLAS (C/2025 N1) – Stand Dezember 2025

  • Entdeckung: 1. Juli 2025, ATLAS-Teleskop, Rio Hurtado, Chile
  • Objekttyp: Komet
  • Zusammensetzung: Kohlenstoff(dioxid)-Eis, Wassereis, carbonyl sulfide (OCS), Cyanid, Methanol
  • Größe: Kern-Durchmesser ca. 0,44 bis 5,6 Kilometer, wahrscheinlich 1 bis 2 Kilometer
  • Herkunft: Thick Disk der Milchstraße (niedrige Metallizität, ältere Sterne). Je jünger die Sterne, desto mehr Metalle enthalten sie, da jene durch Prozesse in Sternen sowie insbesondere während Supernovae in einer kosmischen Fusionsschmiede geschaffen werden. Die ältesten Sterne enthalten quasi nur Wasserstoff und Helium, alles Schwerere gilt für Astronomen als ein Metall.
  • Alter: Geschätzt mindestens 7,6 und bis zu 11 Milliarden Jahre. Damit auf jeden Fall älter als das Sonnensystem, mehr dazu hier in diesem Artikel.
  • Kleinste Distanz zur Sonne (Perihel): 29. Oktober 2025, 1,36 AE (um die 203 Millionen km).
  • Geringster Erdabstand: 19. Dezember 2025, ca. 1,8 AE (etwa 269 Millionen km).
  • Geschwindigkeit: Eintritt: 58 km/s; Perihel: bis zu 68 km/s (relativ zur Sonne). Durchschnittliche Geschwindigkeit des Merkur als schnellster Planet 47,9 km/s
  • Koma: CO₂-dominierte Koma mit grünem Glow, Durchmesser ca. 348.000 km
  • Schweif: Zwei Schwänze (Ionenschweif und Staubschweif); Anti-Schweif (sonnenwärts, durch schwere Partikel), länger als 60.000 km

Dieser damals eingeschlagene, hyperbolische Kurs entriss ihm dem Schwerkraftfeld seiner damaligen Heimat und lässt 3I/Atlas seitdem für mehrere Milliarden (X.000.000.000 zur symbolisch-beziffernden Verdeutlichung) Jahre durch die Milchstraße rasen – bis zum 1. Juli 2025 nach der Zeitmessung des dritten Planeten eines mehrheitlich von Wasser bedeckten Planeten.

Hier erspähte ihn das ATLAS-Teleskop in Rio Hurtado (Chile) und er bekam von einer Gattung Trockennasenaffen auf dem Planeten Erde deshalb den Namen 3(.)-interstellares-(Objekt)/Atlas, also 3I/Atlas. Sein Name in wissenschaftlichen Katalogen lautet: C/2025 N1.

Von hier an stürzte er durch die Orbits der äußeren Planeten gen inneres Sonnensystem – immer in die Gravitionsmulde hinab, die die Sonne auf ihrer Reise durchs Universum in die Raumzeit gräbt.

Am 29. Oktober erreichte er den sonnennächsten Punkt. Seitdem befindet sich der wahrscheinlich mindestens rund zwei Kilometer durchmessende Brocken wieder auf dem Weg zurück nach draußen. Sein Schwung reicht problemlos aus, um wieder in den interstellaren Raum zu entkommen. Doch zuvor berührt er am 19. Dezember 2025 die geringste Distanz zur Erde, rund 1,8 AE (ca. 269 Millionen km). 1 AE entspricht dem mittleren Abstand zwischen Erde und Sonne.

So beobachtet ihr 3I/Atlas

Leider erfordert eine aktive Live-Beobachtung durch Menschen sogar am 19. Dezember moderne Technik. Nur leistungsstärkste Anlagen könnten ihn direkt auflösen – für alles andere ist er zu klein und zu leuchtschwach.

Mit bloßem Auge besteht keinerlei Chance, ihn zu sehen, allerdings eröffnet sich auch für Amateure eine Option. Unser Experte Andreas Vogel gibt wertvolle Hinweise, worauf es ankommt.

Wenn ihr selbst ein Mittelklasse-Teleskop euer Eigen nennt, dürftet ihr zumindest ein Foto von 3I/Atlas schießen können. Laien fragen sich jetzt vielleicht, wie soll ich von etwas Unsichtbarem ein Foto machen? Diese verständliche Frage berührt den Kern der optischen Astronomie. Fotoapparate oder auch Teleskope machen vereinfacht nichts anderes, als Licht zu sammeln.

Je länger die Linse auf einen Punkt zeigt, desto mehr Photonen sammeln sich von dort auf dem Sensor an – selbst die wenigen, die der Komet emittiert oder reflektiert (Sonnenlicht). Auf diesem Wege baut ihr durch längere Belichtung ein Foto zusammen.

Wo muss ich hinschauen? Sternbild Löwe (östlicher Nachthimmel gegen Mitternacht deutscher Zeit). Ihr findet es hier:

Die gelbe Linie zeichnet den Kurs des Kometen. In Blau ist der Löwe dargestellt. Regulus ist unten rechts nahe der gelben Linie zu finden.
Bildquelle: Erstellt mit Stellarium durch Andreas Vogel Die gelbe Linie zeichnet den Kurs des Kometen. In Blau ist der Löwe dargestellt. Regulus ist unten rechts nahe der gelben Linie zu finden. Bildquelle: Erstellt mit Stellarium durch Andreas Vogel

Weitere Hilfestellungen beim Blick gen Himmel findet ihr hier bei der Astrokramkiste. Der Stern Regulus strahlt als heller Stern am Erdfirmament und dient als passable Hilfe. Er repräsentiert das Herz des Löwen. Am 27. Dezember steht 3I/Atlas aus unserer Perspektive besonders nah, südlich von dem 79 Lichtjahre entfernten Riesenstern – am 19. Dezember etwas weiter entfernt südöstlich davon.

  • Was für ein Teleskop brauche ich mindestens? Um 3I/Atlas zu fotografieren, solltet ihr ein Teleskop mit mindestens 8 Zoll (ca. 20 cm) Öffnung besitzen.
  • Was sehe ich wahrscheinlich auf meinen Fotos? Ein unscharfes, diffuses Objekt, das grünlich leuchtet. Wobei es größer erscheint, als es in Wirklichkeit ist, denn die Koma aus Gasen bläht ihn quasi optisch auf. Der Lichtschein geht von den durch das Sonnenlicht angeregten Kohlenstoffmolekülen aus. Sie sublimieren (siehe unten) direkt aus der gefrorenen Kometenoberfläche. Wenn ihr noch länger belichtet, tritt der fahle Schleier zutage.
  • Bis wann kann ich 3I/Atlas halbwegs einfach aufnehmen? Bis etwa Januar/Februar, danach wird sich die Distanz erheblich vergrößert haben und es braucht zunehmend größere Teleskope.

3I/Atlas als stummes Erzählgenie

3I/Atlas verlässt uns wieder, da gibt es keine Alternative. Aber ein Teil seines uralten Materials, das alle Materie im Sonnensystem in den Schatten stellt, bleibt zurück. Kometen sublimieren nämlich, wenn sie der Sonne nahe kommen – und dieses Exemplar stellt wahrlich beeindruckende Schweife von ausgeworfener Materie zur Schau.

Dabei handelt es sich um gefrorenes Kohlenstoffdioxid oder Wassereis, welches direkt von seiner festen Form in die gasförmige übertritt, das nennt sich Sublimation. Der Grund hierfür findet sich im fehlenden Druck im Vakuum des Weltalls, hier schmilzt nichts einfach.

Derweil ist 3I/Atlas ein stummes Erzählgenie, denn selbst ohne Kontakt zu uns offenbart er Beachtliches: Eine Milliarden Jahre alte Geschichte, die die Milchstraße eindrucksvoll ins rechte Licht rückt. Denn obschon der Komet schier ewig unterwegs ist, demonstriert er uns etwas über unsere Heimatgalaxie:

Sie ist ein riesiges Meer aus Nichts mit winzigen Inseln aus Sternenlicht. Denn die Tatsache, dass 3I/Atlas reichlich Kohlenstoff in Sonnennähe verliert, zeigt vor allem eines: Er hat davon noch reichlich. Kohlenstoff geht aber bei Kontakt mit Sternen rasch als fortströmendes Gas verlustig. Folglich können wir daraus schließen, dass unser Besucher bisher auf relativ wenige Sterne getroffen ist.

Trotz seiner unsagbar langen Reise ist er nicht wirklich herumgekommen. Meistens driftete er schlicht durch die leere Schwärze. Es entzieht sich unserer Kenntnis und übersteigt unsere Fähigkeit, seine Heimat und seinen bisherigen Kurs exakt zu bestimmen, doch einem können wir sicher sein:

Auch in Zukunft erkundet 3I/Atlas einsam die Milchstraße, stets auf den Zufall pochend, ihm erneut den Weg zu einer Oase rund um einen Stern im Nichts zu weisen. Vielleicht schauen ja irgendwann einmal wieder Lebewesen empor und fragen sich: Wo kamst Du her und wo willst Du hin?

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