Manch einem muss es wie die Geburt einer Gottheit erschienen sein, als im Jahr 1054 nach Christus ein neuer Stern auftauchte. Weiß bis bläulich gefärbt, stand er selbst am helllichten Tag sichtbar am Himmel.
Doch hat nur die halbe Welt über ihn geschrieben - wir in Europa schwiegen.
- In China sind die Aufzeichnungen voll, ja selbst Felszeichnungen in Nordamerika künden von dem
Gaststern
, wie er im Fernen Osten hieß. In Europa suchen die Historiker vergebens. Die Quellen verschweigen das Phänomen – oder vielleicht doch nicht? - Eine Studie legt eine spekulative Theorie aufs Tableau, die sich an der Schnittstelle zwischen Religion, Astronomie, Geschichte und Archäologie bewegt.
- Denn nach langer Fahndung sind metallene Zeugen aufgetaucht: Münzen aus dem Byzantinischen Reich. Sie erhärten einen uralten Verdacht: Der Westen hat weder vergessen noch übersehen – er wollte wohl das Offensichtliche nicht wahrhaben.
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Wir zerstören das Sonnensystem und entfesseln eine gigantische Supernova in Universe Sandbox
Indiz für Galaktisches im Geldbeutel
Das Licht, welches 1054 die Erde erreichte, kündete von einem gewaltsamen Sternentod, einer Supernova. Einen einstigen Riesen, rund 6.500 Lichtjahre entfernt, zerriss es. Seine Plasmahülle barst als letztes Aufwallen des zusammenfallenden Fusionskernes und wurde gewaltsam ins All geschleudert.
Das Ergebnis war ein Objekt am Himmel der Erde, das laut historischen Berichten aus Asien für 23 Tage lang selbst tagsüber mit bloßem Auge beobachtet werden konnte.
In Größe und Erscheinung übertraf es die Venus wohl deutlich. Seine extreme Leuchtkraft sowie die weißlich-blaue Färbung erhielt die Nova von der hocherhitzten Materie (mehrere Millionen Grad Celsius), die von den urgewaltigen Schockwellen fortgerissen wurde.
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Das Leben eines Sternes als kosmisches Fusionskraftwerk endet, wenn die Kernfusion an ihr physikalisches Limit stößt. Das heißt, die Elemente haben eine Masse erreicht, bei der durch Verschmelzung zweier Kerne keine Energie mehr frei wird - beim Eisen als Ausgangsprodukt.
In der Folge setzt ein im Detail komplexer Prozess ein, der davon geprägt ist, dass die Schwerkraft der Sternenmasse den Druck durch Strahlung (freie Energie durch Fusion) aus dem Inneren übertrumpft.
Denn ein Stern - auch unsere Sonne - ringt in jeder Nanosekunde mit dem eigenen Tod. Die Schwerkraft will den Stern zusammendrücken, aber die Fusion drückt nach außen dagegen.
Verliert ein Riesenstern mit etwa acht Sonnenmassen diesen Kampf, kommt es zu einem höchst dramatischen Ende: Der Stern fällt zusammen und komprimiert den Kern extrem.
Das dem Tode nahe, aufgeblähte Gebilde wirft seine Hülle erst schichtweise und in letzter Instanz dann ruckartig ab - die Supernova bläst alles bis auf einen kleinen Rest weg. Der innerste Kern des Sternes bildet entweder einen Neutronenstern oder bei ausreichender Masse ein schwarzes Loch.
Novas gehören zu den energetischsten Ereignissen, sie setzen in wenigen Sekunden mehr Energie frei als unsere Sonne während ihrer gesamten Existenz von wohl etwa 13 Milliarden Jahren.
Als Sternenleiche bleiben zwei der annormalesten, extremsten Objekte des Universums zurück: Extrem dicht oder quasi Nichts.
Sie schaffen es, die Natur der Raumzeit bis ans äußerste Limit zu krümmen (Schwarzes Loch). Oder es entsteht mit dem Neutronenstern die dichteste, uns bekannte Struktur im Universum. Ein Teelöffel an seiner Materie wiegt etwa so viel wie ein durchschnittlicher Berg auf der Erde.
Selbst als die eigentliche Supernova verblasst, die einstige Hülle sich ein stückweit vom Zentrum entfernt und der Weltraum etwas zur Ruhe gekommen war, blieben ihre glühend heißen Restschwaden noch zwei Jahre lang ohne optische Hilfsmittel nachts erkennbar.
Dennoch finden sich in europäischen Aufzeichnungen kaum bis nichts zu der Nova - bis auf einigen Münzen.
- In einer neuen Studie im
European Journal of Science and Theology
präsentieren Forscher ihren Fund: Auf einigen späten Münzen der Herrschaft des byzantinischen Kaisers (bzw. Basileos) Konstantin IX Monomachos haben sie den Gaststern entdeckt. - Auf ihnen taucht neben der zeitgenössisch erwartbaren Venus als Morgenstern sowie dem Antlitz des Herrschers als Sonne ein weiterer Strahlenkranz auf. Geprägt wurde das Zahlungsmittel wahrscheinlich zwischen 1054 und 1055.
- Als besonders spannend, da auffällig, hat sich die Veränderung des Sterns herausgestellt: Auf den insgesamt 36 untersuchten Münzen, die weltweit verteilt in Museen liegen, zeigt sich eventuell eine handfeste Dokumentation der Supernova von 1054.
So schrumpfte laut den Forschern das Erscheinungsbild des zweiten Sternes mit der Zeit.
Dies würde dem erwartbaren Verhalten des Spektakels am Himmel entsprechen. Zuerst erschien sie groß und hell, um in den kommenden zwei Jahren schrumpfend zu verglühen. Ab etwa 1056 müsste sie fürs bloße Auge vollständig verblasst sein. Der Gaststern hatte seinen Besuch beendet.
Was ist 1.000 Jahre später von der Supernova übrig?
Heutzutage ist mittels leistungsstarker Anlagen und spezieller Filter der Krebsnebel an der ehemaligen Position der Nova auszumachen. Die ionisierten Gase und der Staub sind das, was von der hoch erhitzten Materie übrig ist, die einst die äußeren Schichten des Sternes bildete.
In den letzten Augenblicken seiner Existenz entstand durch die hochenergetischen Vorgänge eine Vielzahl schwerer Elemente. Sie prägen heute unser Bild des Nebels – buchstäblich.
Denn die Stoffe absorbieren unterschiedliche Wellenlängen des Lichts. Mit einem kleineren Teleskop von der Erdoberfläche erscheint er als diffuser, nebliger Fleck mit faserigen Strukturen.
Derzeit misst das feinst zerstäubte, durch Filamente geprägte Gebilde etwa 11 Lichtjahre und es dehnt sich weiter aus, mit etwa 1.500 km/s.
In seinem Zentrum verbirgt sich der Neutronenstern, genauer ein Pulsar (PSR B0531+21). Letzteren Titel erlangt der Sternenrest durch seine Rotation – 30-mal pro Sekunde.
Das Ergebnis sind extrem starke Magnetfelder. Die intensiv rotierenden Pulsare steigen in die Klasse der Magnetare auf. Diese rufen die mächtigsten, uns bekannten Energiefelder dieser Art im Universum hervor.
In spätestens 100.000 Jahren wird der Pulsar aber das Letzte sein, was an den ehemaligen Stern und sein farbenprächtiges Ende erinnert. Denn bis dahin wird der Krebs-Nebel derart expandieren und dadurch ausgedünnt erscheinen, dass er nicht mehr auffindbar ist.
Vereinzelt wabern dann die über zehntausende Lichtjahre verteilten Teilchen umher, ohne sich ihrer einstigen stellaren Heimstatt zuordnen zu lassen. Der ehemalige Riesenstern hat sich dann im interstellaren Medium aufgelöst, es dabei aber verändert.
Denn die schweren Elemente können, sobald sie mit genügend anderer Masse zusammenkommen, ihren Beitrag zur Geburt eines neuen, jungen Sternes leisten: Kommt genügend zusammen, summiert sich die Schwerkraft, bis irgendwann im Inneren einer Gaskugel die stellare Fusion zündet.
Warum hat der Westen derart laut geschwiegen?
Die geläufigste Begründung, die Historiker seit Jahrzehnten für das unüberhörbare Schweigen geben, lautet schlicht: Eine Veränderung am Himmel quasi amtlich in Aufzeichnungen einzugestehen, hätte die religiöse Stabilität gefährdet – sowohl im Osten (Byzanz) als auch im Westen (Rom).
Und dieser Theorie verleihen die Münzen sogar neues Gewicht.
Denn im Jahr 1054 erschütterte ein Streit die christliche Kirche, der sie bis heute entzweit (lange vor der Reformation durch Luther und Kohorten).
Das große Schisma betonierte endgültig die Trennung der katholischen Kirche unter dem Papst in Rom sowie der heute griechisch-/russisch-/ukrainisch-orthodoxen Kirchen in Südosteuropa.
Die Münzen können deshalb für zweierlei stehen, wenn der zweite Stern die Supernova darstellt:
- Einen Seitenhieb auf westliche Kirche. Die Hypothese hierfür lautet, dass der normale Stern die stabile Venus und die Ostkirche symbolisiert und der zweite die mit der Zeit schrumpfende, untergehende Westkirche.
- Oder die Forscher sind hier dem Zeugnis eines stillen Aufbegehrens von Gelehrten und Handwerkern auf die Schliche gekommen, die dem Phänomen am Himmel unbedingt auf ihre Art huldigen wollten.
Auf zufällige Aufzeichnungen durften wir auch nicht hoffen. Denn sicher haben die Europäer die Nova gesehen, niemand verstand wirklich, was er oder sie da sah, aber sie war unübersehbar.
Doch abseits religiöser Zirkel vermochte kaum jemand zu schreiben oder geschweige denn die Niederschriften auch noch für Jahrhunderte aufzubewahren.
So hatte bestimmt jemand privat eine Zeichnung angefertigt, doch ging sie unzweifelhaft verloren. Hätte sich die Nova 500 Jahre später ereignet, sähen unsere heutigen Bibliotheken zu dem Thema sicher anders aus – sowohl aus religiösen als auch aus praktisch-literarischen Gründen.
Spekulativ - aber Stoff für einen Historien-Thriller
Auch wenn die Studie spekulativer Natur ist und komplett danebenliegen könnte, stellt sie einen beachtenswerten Versuch dar, einem uralten Rätsel auf den Grund zu gehen.
Eventuell haben die Forscher ja eine der raren Spuren in Hinterlassenschaften westlicher Zivilisationen gefunden, die von der Supernova von 1054 erzählen.
Wenn es eine ist, dann haben wir endlich die fast 1.000 Jahre alte Botschaft aus der Vergangenheit verstanden – welche Nachricht auch immer exakt dahintersteckt. Ob politisch, religiös oder sonst wie motiviert, wahrscheinlich bleibt die Geschichte dahinter auf ewig ein Rätsel.
Vielleicht haben wir ja tatsächlich einen mutigen Vorstoß weniger an der Wissenschaft Interessierter entdeckt. Aber egal, was letztes Ende stimmt, Stoff für einen Thriller im frühen Hochmittelalter gäbe es allemal ab.
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