Es gibt in der IT-Welt vermutlich kaum ein zweites Unternehmen, das man so sehr mit Design und Innovation in Verbindung bringt wie Apple. Aber auch in Cupertino greift man manchmal ins Klo. Lasst uns mal einen Blick auf die größten Fehlgriffe und fragwürdigen Designentscheidungen werfen.
Eine Sache möchte ich an dieser Stelle direkt klarstellen: Es geht in diesem Artikel nicht um Apple Bashing, ich schätze die meisten Produkte des Herstellers sehr und verwende sie selbst auch privat.
Mac Pro: Aschenbecher oder Urne?
Den Anfang macht der Mac Pro der zweiten Generation, der von 2013 bis 2019 gebaut wurde. Besaß der Vorgänger noch ein wunderschönes und zeitloses Tower-Gehäuse aus Aluminium, hatte sich Apple beim Nachfolger für ein radikal anderes Design entschieden. Optisch ähnelte das Gerät einer Mischung aus einem Flugzeugtriebwerk und einer New-Age-Urne
. Es gab damals nicht wenige, die den Rechner auch spöttisch als Aschenbecher bezeichneten.
Die zweite Generation des Mac Pro war technisch top aber optisch sehr gewöhnungsbedürftig. (Quellen: Apple & iFixit)
Was den Hersteller zu so einem radikalen Stilbruch bewegt hat, ist nicht ganz klar. Fakt ist aber, dass man dem Spitzenmodell in Apples Produktportfolio rein technisch nichts vorwerfen konnte. Dennoch, wirklich geliebt wurde das kontroverse Design des zweiten Mac Pro nur von wenigen. Das erklärt dann auch, warum Apple beim Nachfolger wieder auf einen klassischen Tower setzte.
Mac Mini: Kleiner Rechner mit kreativ platziertem Power-Taster
Der seit 2024 gebaute Mac Mini ist ein toller Rechner. Mehr Leistung in einem so kleinen Gehäuse muss man schon lange suchen. Markentypisch fällt das Design sehr puristisch aus, eben genauso wie Fans des Herstellers ihre Macs haben möchten. So schön und leistungsstark das Gerät auch ist, ich werde nie verstehen, wie, Apple den Power-Knopf auf die Unterseite packen konnte.
Die Ausrede, dass man einen Mac nur alle Schaltjahre mal ein- beziehungsweise ausschalten soll, lasse ich dabei nicht gelten. Noch unpraktischer und uninspirierter kann man einen Taster zum Einschalten eines Rechners einfach nicht platzieren. Dieses Beispiel zeigt sehr deutlich, was passiert, wenn sich die Designabteilung gegen die Techniker durchsetzt.
Magic Mouse: Die Designer-Maus für die Vitrine
Ich habe der Magic Mouse mehr als einmal eine Chance gegeben. Ich wollte sie mögen, aber letztlich ist sie immer wieder in der Schublade gelandet. Es ist sicherlich eine Frage des persönlichen Geschmacks, aber für mich ist das die unergonomischste Maus, die ich je in den Fingern hatte. Jede 3-Euro-Maus vom Wühltisch liegt besser in der Hand als Apples 80 Euro Nager.
Aber die quasi nicht vorhandene Ergonomie ist nicht einmal das Schlimmste an diesem Eingabegerät. Wie zum Henker kommt man nur auf die Idee, die Ladebuchse bei einer kabellosen Maus auf der Unterseite zu platzieren? Ist der Akku leer, kann man die Maus während des Ladevorgangs nicht mehr benutzen, ganz großes Tennis!
Für den Preis, den Apple für das Teil haben möchte, wäre auch eine formschöne Ladeschale eine Option gewesen. Wie auch immer, in Cupertino scheint man mit der Magic Mouse (eigentlich ist es ja schon die Magic Mouse 2) sehr zufrieden zu sein, anders lässt es sich nicht erklären, dass das Eingabegerät bereits seit 2015 im Programm ist.
Zwar wurde der betagte Lightning-Anschluss zwischenzeitlich gegen USB-C getauscht, an der Position der Ladebuchse hat sich allerdings nicht geändert. Letztlich macht die Magic Mouse in jeder Vitrine eines Design-Museums eine hervorragende Figur, für den produktiven Einsatz ist sie dagegen, vorsichtig ausgedrückt, suboptimal.
iPhone 4: Wie der Death Grip
Telefonate beendete
Bisher habe ich nur Dinge angesprochen, die man noch unter persönlicher Geschmack
einordnen kann. Jetzt wird es aber richtig ärgerlich: Schon kurz nach dem Verkaufsstart des iPhone 4 beschwerten sich zahlreiche Nutzer über plötzliche starke Einbrüche beim Empfang und abgebrochene Telefonate.
Der Grund dafür lag im radikal neuen Design aus Glas und einem markanten Edelstahlrahmen, bei dem der Metallrahmen selbst als Antenne diente. Das Problem lag an einer kleinen, schwarzen Trennfuge am linken unteren Rand des Gehäuses.
Wenn Nutzer das Smartphone ganz normal in der linken Hand hielten, überbrückte die Haut genau diese Nahtstelle zwischen der Mobilfunk- und der WLAN-/Bluetooth-Antenne. Dadurch wurde das Signal massiv gedämpft, was im Netz schnell als Death Grip
bezeichnet wurde.
Der damalige CEO Steve Jobs reagierte auf Kundenbeschwerden zunächst ziemlich lässig und schrieb in einer E-Mail den heute legendären Satz: Vermeiden Sie es einfach, es so zu halten.
Den Shitstorm, den diese Aussage damals auslöste, könnt ihr euch sicher vorstellen.
Gelöst hat Apple das Problem auf seine eigene Weise: Das Unternehmen spendierte allen iPhone-4-Käufern eine kostenlose Silikon-Schutzhülle, welche den Metallrahmen isolierte. Wirklich behoben wurde die Problematik erst eineinhalb Jahre später mit der Einführung des iPhone 4S.
iPhone 6: Das unerwartet flexible Smartphone
Kurz nach dem Verkaufsstart der iPhone-6-Generation im September 2014 häuften sich Berichte von Nutzern, deren Geräte sich im Alltag dauerhaft verbogen. Besonders befeuert wurde das Thema damals durch ein virales YouTube-Video des Kanals Unbox Therapy. Darin zeigte der YouTuber, dass sich das größere iPhone 6 Plus mit bloßen Händen und mit relativ geringem Kraftaufwand irreversibel verformen ließ.
Das Problem lag im besonders dünnen Design und dem verwendeten Material. Apple setzte auf Aluminium der 6000er-Serie, das vergleichsweise weich und biegsam ist. Dazu gesellte sich noch eine konstruktionsbedingte Schwachstelle: Die Gehäuse knickten fast immer direkt unterhalb der Lautstärketasten ein. An dieser Position war das Aluminium durch die Aussparungen für die Knöpfe besonders dünn und das interne Gehäuseskelett nicht ausreichend verstärkt.
Apple wiegelte lange Zeit ab, erst 2018 kam im Zuge einer Sammelklage heraus, dass der Hersteller sehr wohl frühzeitig von der Problematik wusste. Die internen Tests des Konzerns ergaben, dass sich das iPhone 6 rein rechnerisch 3,3-mal (das iPhone 6 Plus sogar 7,2-mal) leichter verbiegen ließ als das Vorgängermodell iPhone 5s.
Beim iPhone 6s (2015) veränderte Apple die interne Struktur an der Schwachstelle und wechselte auf das deutlich robustere 7000er-Aluminium und beseitigte so das Problem.
MacBook: bye bye Butterfly
Im Jahr 2015 dachte man sich bei Apple, man dass man eine bessere Version für den bewährten Scheren-Mechanismus bei Tastaturen hätte. Im selben Jahr führte Apple beim ultradünnen 12-Zoll-MacBook den sogenannten Butterfly-Mechanismus
ein. Später folgten das MacBook Pro und das MacBook Air.
Laut Apple sollten die Tasten durch den neuen Mechanismus viermal stabiler sein als bei herkömmlichen Tastaturen mit bewährter Scheren-Mechanik. Dazu versprach der Konzern einen extrem kurzen Tastenhub, mit dem es möglich werden sollte, künftige Laptops noch dünner zu bauen.
Das revolutionäre Design entpuppte sich im Alltag allerdings schnell als extrem fehleranfällig. Wegen des minimalen Spielraums unter den Tasten reichten schon kleinste Schmutzpartikel oder Staubkörner aus, um die empfindliche Mechanik komplett zu blockieren.
Da die Tastatur fest mit dem oberen Gehäuseteil, dem Akku und den Anschlüssen verklebt war, fiel die Reparierbarkeit zudem verheerend schlecht aus. Fiel auch nur eine einzige Taste aus, musste Apple gleich die halbe Unterseite des Laptops austauschen.
Der Hersteller versuchte über drei Generationen hinweg, das Problem zu lösen, unter anderem durch den nachträglichen Einbau von dünnen Silikon- beziehungsweise Gummimembranen als Staubschutz, jedoch ohne Erfolg.
Ende 2019 ruderte Apple beim 16-Zoll MacBook Pro endgültig zurück und kehrte mit dem Magic Keyboard
zur robusten, klassischen Scherenmechanik zurück. Bis Mitte 2020 wurde das fehlerhafte Design komplett aus dem Sortiment verbannt.
Fazit
Apples Verdienste in der Tech-Welt sind absolut unbestritten. Ohne das Unternehmen und visionäre Köpfe wie Steve Jobs gäbe es heute vielleicht nicht das Smartphone, wie wir es heute kennen und schätzen. Apple hatte häufig den Mut, Neues zu wagen und da kann es eben auch mal passieren, dass man auf die Nase fällt.
Der Konzern hat daraus in vielen Fällen gelernt und seine Produkte kontinuierlich verbessert. Es ist davon auszugehen, dass ein zweites Antenna- oder Bendgate so schnell nicht mehr vorkommen wird. Bleibt für mich nur die Frage, wann Apple endlich erkennt, dass man die Ladebuchse für eine schnurlose Maus nicht an der Unterseite anbringt.
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