Das wertvollste Emoji der Welt: Wie der heutige GameStop-Chef mit einem Mondgesicht 68 Millionen Dollar verdiente

Welche Geschichte steckt hinter dem vermutlich wertvollsten Emoji der Welt in Form eines lächelnden Mondgesichts?

»To the moon«: Ein Mondgesicht-Emoji kann offenbar von Aktionären als unterschwelliges Signal gedeutet werden. (Bild: Photoshop Kerbal Space Program) »To the moon«: Ein Mondgesicht-Emoji kann offenbar von Aktionären als unterschwelliges Signal gedeutet werden. (Bild: Photoshop / Kerbal Space Program)

Ein Lächeln, das Millionen wert ist. Nein, wir reden nicht von der Mona Lisa, sondern von einem Emoji. Einem Emoji, das Ryan Cohen, der jetzige GameStop-CEO, auf Twitter gepostet hat und das ihm 68 Millionen Dollar einbrachte.

Wie es dazu kommen konnte, was eine Möbelkette damit zu tun hat und warum er jetzt verklagt wird, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Wie ein Emoji 68 Millionen Dollar einbringen konnte

Wie alles begann: Ryan Cohen ist Mitbegründer von »Chewy«, einem Online-Händler für Tierbedarf. Ende 2020 erwarb der Milliardär einen großen Anteil an GameStop-Aktien und versuchte das Unternehmen zu modernisieren und zu digitalisieren. Seine Anhänger auf Reddit und in anderen sozialen Medien sahen in ihm einen Retter für GameStop, das von Hedgefonds massiv leerverkauft wurde.

Der GameStop-Short-Squeeze: Die Nutzer des Wallstreetbets-Subreddit kauften daraufhin massenhaft GameStop-Aktien, um den Preis in die Höhe zu treiben - der Start des Meme-Aktien-Hypes. Ryan Cohen war zwar nicht der Verursacher, das war der Reddit-Nutzer Keith Gill, aber ein Katalysator für diese Bewegung.

Der YouTuber ColdFusion hat die Ereignisse im folgenden Video ausführlicher zusammengefasst:

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Nach GameStop kam ein Möbelhändler: Im Jahr 2022 erwarb Cohen einen bedeutenden Eigenkapitalanteil am angeschlagenen Möbeleinzelhändler »Bed Bath & Beyond«. Sein Ziel war die Revitalisierung des Unternehmens und die Installation von Verbündeten im Vorstand. Sein Vorhaben wurde von Hunderttausenden seiner Follower verfolgt.

Der Emoji-Wendepunkt: Am 12. August vom besagten Jahr veröffentlichte CNBC einen Artikel über das Bed Bath & Beyond mit der Aussage, dass ein Comeback des Unternehmens unwahrscheinlich sei. Die Aktie sei auf dem Weg zur 1-Dollar-Marke.

Im Artikel ist außerdem eine Dame im besagten Geschäft mit einem vollen Einkaufswagen abgebildet. Cohen kommentierte das mit einem scherzhaften Tweet, der eine Lawine in Gang setzen sollte: 

»At least her cart is full 🌝«. 

Das entscheidende Detail in diesem Post ist nicht die Tatsache, dass der Einkaufswagen der Dame voll ist, sondern das Emoji mit dem lächelnden Mond. 

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Das Emoji setzt eine Lawine in Bewegung: Der Tweet wurde schnell zum Gesprächsthema unter seinen Followern. Weil Cohen ein Emoji mit Mondgesicht gewählt hat, ahnten Aktionäre, dass die Aktie in Kürze in die Höhe schießen wird - zum Mond sozusagen. 

Sie interpretierten das Mond-Emoji als Signal dafür, dass Cohen weiterhin Vertrauen in Bed Bath & Beyond hat und fingen an, zu handeln. Getrieben von diesem großen Handelsvolumen stieg der Aktienkurs von knapp 10 auf 30 Dollar - und das über einen Zeitraum von nur zwei Tagen. 

Kurz darauf verließ Cohen seine Position und verkaufte seine Anteile - angeblich mit einem Gewinn von 68 Millionen US-Dollar. Er besaß etwa 11,8 Prozent des Unternehmens.

Auch andere Emojis wurden für Kommunikation verwendet: Die Wallstreetbets-Redditor verwendeten auch andere Emojis, um zu kommunizieren.

Zum Beispiel signalisierte ein Diamant mit erhobener Hand, dass man halten und nicht verkaufen soll. Eine Rakete signalisiert, dass eine Aktie »zum Mond« fliegen wird.

Cohen wird verklagt

Die Aktionäre fühlten sich getäuscht und reichten eine Sammelklage wegen Wertpapierbetrugs ein. Die zentrale Frage war, ob ein Cartoon-Emoji als handlungsrelevante Fehldarstellung betrachtet werden kann. Das Gerichtsurteil von Richter Trevor McFadden aus Washington, D.C., fiel zugunsten der Aktionäre aus.

McFadden entschied, dass Cohens lächelndes Mondemoji im Kontext des »Meme-Aktien«-Handels eine bedeutende Rolle einnahm. Mond-Emojis sind mit dem Ausdruck »to the moon« verbunden, den Anleger verwenden, um anzuzeigen, dass eine Aktie steigen wird. Daher könnten Investoren Cohens Tweet als Zeichen seines Vertrauens in Bed Bath & Beyond interpretieren, so wohl der Gedankengang.

Der heutige CEO von GameStop muss nun die meisten Betrugsansprüche der Aktionäre akzeptieren. Die Verteidigung argumentierte, ein Emoji könne keine Profitabilitätszusage darstellen. McFadden widersprach und betonte, dass Emojis genauso wie Wörter Ideen ausdrücken und im Kontext Bedeutung haben.

Die Entscheidung hat möglicherweise Auswirkungen auf zukünftige Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit der Verwendung von Emojis in der Finanzkommunikation. Ein finales Urteil wurde allerdings noch nicht gefällt. 

Ein anderer Fall: In Kanada musste ein Richter entscheiden, ob ein Emoji rechtskräftig ist oder nicht. Das Ergebnis war, dass das Daumen-Hoch-Emoji einen Vertragsabschluss darstellen kann. 

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Hättet ihr gedacht, dass Emojis so viel Bedeutung haben können? Würdet ihr zum Beispiel das Daumen-Hoch-Emoji als rechtlich bindende Zusage betrachten? Und glaubt ihr, dass Ryan Cohen mit Absicht den Markt manipuliert hat, um viel Geld mit einem Tweet zu verdienen, den man zunächst als bedeutungslosen Witz interpretieren könnte? Schreibt uns eure Meinung zu dem Thema in die Kommentare! 

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