120 Kilometer Reichweite, starker Mittelmotor: Aldis günstigstes City-E-Bike im Preischeck

Aldi startet im Onlineshop in die Radsaison und bietet ein richtig günstiges City-E-Bike für 777 Euro an. Taugt das etwas? Ich mache den Check.

Aldi bietet im Onlineshop aktuell ein sehr günstiges City-E-Bike von Fischer an. Taugt das etwas? (Bild: GameStar Tech Aldi Fischer) Aldi bietet im Onlineshop aktuell ein sehr günstiges City-E-Bike von Fischer an. Taugt das etwas? (Bild: GameStar Tech / Aldi / Fischer)

Solltet ihr für dieses Jahr nach einem neuen E-Bike Ausschau halten, dann findet ihr im Onlineshop von Aldi bereits diverse Angebote. Aktuell läuft beim Discounter ein großer Bike Sale mit bis zu 33 Prozent Rabatt.

Heraussticht im Ausverkauf vor allem das sehr günstige Fischer Cita 1.5 für 777 Euro, das Aldi auch in seinem aktuellen Prospekt bewirbt. Zuletzt verlangte der Händler noch knapp 900 Euro für das City-Bike.

Klingt erst einmal verlockend, oder? Wie gut das Angebot wirklich ist, ordne ich für euch ein.

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Spezifikationen und Daten

  • Preis: 777 Euro
  • Motor: Mittelmotor von Bafang mit 65 Newtonmetern Drehmoment
  • Maximale Reichweite: 120 Kilometer
  • Akku: 522 Wattstunden
  • Bremsen: Mechanische Felgenbremsen
  • Schaltung: 8-Gang-Kettenschaltung von Shimano
  • Federgabel: 40 Millimeter Federweg
  • Rücktritt: Nein
  • Reifengröße: 28 Zoll
  • Rahmenhöhe: 44 Zentimeter
  • Rahmen: Aluminiumrahmen mit Tiefeinstieg
  • Maximale Belastung: 135 Kilogramm
  • Gewicht: 27 Kilogramm

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Ausstattung

Bei einem Preis von unter 800 Euro dürft ihr das E-Bike vom Discounter nicht mit Rädern für 2.000 bis 3.000 Euro vergleichen.

Wie gewohnt gibt es im unteren Preisbereich einige Abstriche, die ihr in Kauf nehmen müsst. Das bezieht sich vor allem auf die eingesetzten Komponenten:

Bremsen

Das E-Bike bietet im Gegensatz zu höherwertigen Modellen nur mechanische Felgenbremsen und keine hydraulischen Scheibenbremsen. Sie haben einige Nachteile gegenüber diesen, unter anderem:

  • Felgenbremsen bieten eine geringere Bremskraft bei Nässe, was gerade im Hinblick auf das Gewicht des Fahrrads nicht unterschätzt werden sollte. Das E-Bike ist mit 27 Kilogramm kein Leichtgewicht. Wer zügig unterwegs ist – vielleicht auch noch bergab – kommt mit mechanischen Felgenbremsen im Zweifel später zum Stehen als mit hydraulischen Scheibenbremsen. Zudem braucht es bei hydraulischen Scheibenbremsen weniger Kraftaufwand, um stark zu bremsen.
  • Felgenbremsen sorgen für einen Verschleiß an der Felge. Anstatt die Bremsscheibe auszutauschen, muss irgendwann ein neues Laufrad her. 
  • Felgenbremsen lassen sich nicht so fein dosieren wie Scheibenbremsen. Gerade bei der Vorderbremse kann das mitunter gefährlich sein. Wer zu stark den Bremshebel betätigt, riskiert einen Überschlag.

Motor

  • Positiv hervorzuheben ist der Einsatz eines Mittelmotors. Er sorgt gegenüber einem Vorderrad- beziehungsweise Hinterradmotor für eine bessere Gewichtsverteilung.
  • Mit einem Drehmoment von 65 Newtonmetern bewegt ihr euch problemlos auch in bergigen Regionen. Die Motorkraft ist auch für steilere Anstiege aus meiner Sicht völlig ausreichend.
  • Der chinesische Hersteller Bafang ist bereits seit Jahrzehnten im E-Bike-Bereich tätig und genießt durchaus einen guten Ruf.

Akku und Reichweite

  • Mit 522 Wattstunden bewegt sich der Akku des City-Bikes inzwischen eher im unteren Bereich. Viele E-Bikes setzen inzwischen auf Akkus mit einer Kapazität von 600 bis 700 Wattstunden und mehr.
  • Die maximale Reichweite von 120 Kilometern solltet ihr nicht zu ernst nehmen. Ihr erreicht sie nur auf der untersten Unterstützungsstufe und auch dann nur bei Idealbedingungen. Realistischer sind aus meiner Erfahrung eher zwischen 50 und 70 Kilometer – je nach Unterstützungsstufe.
  • Der Akku sitzt bei diesem Modell unter dem Gepäckträger. Bei hochwertigeren E-Bikes ist er meistens in den Rahmen integriert. Freiliegend ist er anfällig gegen Schmutz und Wasser – prinzipiell ist das aber auch kein großer Nachteil. Ihr müsst ihn gegebenenfalls häufiger abwischen.

Sonstige Merkmale

  • Die Kettenschaltung stammt von Shimano, es handelt sich aber um ein preiswertes Modell. Acht Gänge sind aus meiner Sicht ausreichend, wenn ihr nicht so steile Anstiege und Abfahrten bewältigen müsst. Hier wären entsprechend zehn oder zwölf Gänge besser.
  • Die Federgabel von SR Suntour siedelt sich ebenfalls im unteren Preissegment an. Sie bietet beim Fahren mehr Komfort als eine starre Federgabel, ist aber nicht vergleichbar mit hochwertigeren Modellen. Das bezieht sich vor allem auf das Ansprechverhalten, immerhin lässt sich die Gabel aber ans Fahrergewicht anpassen (Federspannung).
  • Es gibt keine Rücktrittbremse. Ihr bremst ausschließlich über die Bremshebel am Lenker mithilfe der mechanischen Felgenbremsen.
  • Das E-Bike bietet eine Schiebehilfe, bei der euch der Motor beim Schieben unterstützt. Gerade bei dem hohen Gewicht ist das sinnvoll.

Preis-Leistungs-Verhältnis und Alternativen

Die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) des Herstellers Fischer liegt bei diesem Modell bei stolzen 1.749 Euro. Dieser Preis ist meiner Meinung nach überzogen, denn dafür bekommt ihr schon deutlich bessere E-Bikes.

Bei 777 Euro muss ich allerdings sagen, dass das Gebotene dafür gut ist – zumal beispielsweise Media Markt aktuell noch über 1.200 Euro für dieses Modell verlangt.

Mich überzeugt beim E-Bike von Fischer vor allem der Mittelmotor von Bafang mit seiner Leistung. Auch die Akkukapazität mit 522 Wattstunden empfinde ich alles völlig in Ordnung.

Andere E-Bikes in diesem Preissegment bieten häufig weniger Kapazität und meist auch keinen Mittelmotor.

Ein deutlicher Minuspunkt ist aus meiner Sicht die mechanische Felgenbremse. Jedoch ist sie in diesem Preissegment durchaus üblich.

Selbst teurere Alternativen im Onlineshop von Aldi bieten mitunter ein schlechteres Preis-Leistungs-Verhältnis, gerade im Hinblick auf Motor und Akku.

Aldi bietet beispielsweise für 799 Euro das Entdecker 1.3 von Prophete an. Dieses bietet zwar die besseren hydraulischen Scheibenbremsen. Dafür gibt es jedoch einen schwächeren Hinterradmotor und einen kleineren Akku.

Zu einem ähnlichen Preis eine deutlich bessere Alternative zu finden, ist schwierig.

Solltet ihr noch etwas Budget haben, dann würde ich euch folgendes Modell empfehlen:

  • Das Fischer Viator 3.0 gibt es bei Aldi aktuell für 1.099 Euro.
  • Das Trekking-E-Bike bietet hydraulische Scheibenbremsen, einen starken Mittelmotor mit 80 Newtonmeter Drehmoment sowie einen Akku mit einer Kapazität von 557 Wattstunden. 
  • Auch die weiteren Komponenten sind etwas besser als die des 777-Euro-Modells. Mit 25 Kilogramm ist es außerdem zwei Kilogramm leichter.

Zielgruppe

Das City-E-Bike von Fischer eignet sich meiner Meinung nach für kleine Ausfahrten – in den Schrebergarten, zum Einkaufen oder für eine kleine Tour am Wochenende.

Wer nur kurze Strecken fährt und das mitunter auch nicht täglich, für den sollte auch dieses preiswerte Modell ausreichen.

Ich sehe das E-Bike allerdings eher in Regionen, die flach oder leicht hügelig, aber nicht sehr bergig sind. Bei steilen Abfahrten würde ich persönlich hydraulische Scheibenbremsen bevorzugen, gerade wenn man auch mal bei Regen unterwegs ist.


Empfehlung

Euer Budget ist knapp, ihr fahrt ohnehin nicht viel und bei euch ist es auch nicht sehr bergig? Dann könnt ihr beim Aldi-Angebot zugreifen.

Spartipp

Zum Preis von 777 Euro kommen noch einmal Speditionskosten von knapp 40 Euro hinzu. Wenn ihr euch die sparen wollt, bekommt ihr das E-Bike aktuell zum gleichen Preis auch bei Amazon.

Ihr seid öfter unterwegs und plant auch etwas längere Touren?

Wenn es irgendwie möglich ist, gebt knapp 300 Euro mehr aus und kauft das Fischer Viator 3.0. Es ist die bessere Wahl und mit 1.100 Euro auch noch preiswert für ein E-Bike.

Interessiert ihr euch für die aktuellen E-Bike-Angebote bei Aldi? Wie hoch ist euer Budget bei solchen Rädern? Würdet ihr ein so günstiges Modell kaufen oder greift ihr lieber zu höherpreisigen Modellen? Schreibt es gerne in die Kommentare.

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