Im Zuge der Speicherkrise, bei der Kits in den vergangenen Monaten im Preis um hunderte Prozent nach oben schossen, sind vielerorts kreative Ideen gefragt. Während manch einer sich seinen Arbeitsspeicher selbst zusammenbastelt und andere entweder beim DDR4-Vorgänger bleiben oder gleich auf ein Upgrade verzichten, gehen Bastler in China einen Schritt weiter zurück: Hier kommt es zur Renaissance von DDR3-RAM.
Insbesondere Bundles mit DDR3-Mainboards und älteren Intel-CPUs der sechsten bis neunten Generation sollen sich demzufolge großer Beliebtheit erfreuen. Konkret soll die Nachfrage um 200 bis 300 Prozent angestiegen sein, wie das Board-Channels-Forum berichtet. Einen genauen Vergleichszeitraum nennt der Bericht allerdings nicht.
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3.000€ für eine Grafikkarte? Die Hardware-Krise ist zurück – und sie ist schlimmer!
Der Gebrauchtmarkt macht's möglich
Ein wesentlicher Grund für die DDR3-Rückkehr liegt laut Videocardz in der Verfügbarkeit gebrauchten Speichers. Unzählige stillgelegte Office-PCs und ältere Unternehmensrechner setzen auf DDR3 oder DDR4. Käufer können so kompatible Speicherkits ohne Mehrkosten für Neuware zusammenstellen.
Ein weiterer Nachfragetreiber ist die Beliebtheit von Budget-HEDT-Mainboards im X99-Format im chinesischen Raum. Diese Boards unterstützen DDR3 und werden oft mit überschüssigen Xeon-Prozessoren kombiniert – eine Kombination, die hohe Kernzahlen und umfangreiche I/O-Funktionen zu einem vergleichsweise niedrigen Gesamtpreis ermöglicht.
- Auch ohne Speicherkrise sind DDR5-Riegel schlicht teurer als ihre Vorgänger. Die Speichermodule benötigen selbst eigene Stromversorgungskomponenten auf dem Modul und müssen strengere Signalvorgaben einhalten, was Design- und Qualifikationskosten für Hersteller erhöht.
- Die große Krux ist allerdings natürlich die weltweite Nachfrage nach DRAM durch Hyperscaler, Cloud-Provider und große Sprachmodelle, die weiterhin massiv Produktionskapazitäten bindet.
- Für den klassischen Endkundenmarkt bleibt in letzter Konsequenz weniger – oder im Falle von Micron: gar kein – Volumen zur Verfügung.
Verkehrte Welt auch bei anderen Herstellern
Für größere Spiele oder professionelle Anwendungen dürfte der DDR3-Speicher mitsamt den möglichen CPU- und Mainboard-Kombinationen allerdings nicht ausreichen. Zumindest Standardanwendungen wie klassische Office-Arbeiten dürften aber noch machbar sein.
Kurioserweise blickt aber nicht nur der RAM-Markt nach hinten, um die Speicherkrise abzufedern: Auch Nvidia und AMD haben bereits öffentlich (via PC Games Hardware) erwogen, ältere CPU- und GPU-Generationen neu aufzulegen, um zumindest für ein wenig Entlastung zu sorgen.
Die wird auch dringend benötigt, denn aktuell ist nicht davon auszugehen, dass eine »natürliche« Preisentspannung in diesem Jahr zu sehen sein wird – kreative (und auch etwas charmante) Lösungen wie dem DDR3-Comeback hin oder her.
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