Lange Zeit mussten hungrige Grafik-Fanatiker auf neues Futter warten: Nvidia lässt sich mit der Ankündigung neuer Grafikkarten Zeit und auch um AMD war es in letzter Zeit eher ruhiger an der GPU-Front.
Doch nun gibt es immerhin ein Trostpflaster: Die 2025 für den asiatischen Markt erschienene RX 9070 GRE gibt es jetzt auch in Europa.
Die Grafikkarte soll das Bindeglied zwischen der RX 9060 XT und der RX 9070 sein. AMD vergleicht die 9070 GRE mit Nvidias bei 300 bis 350 Euro Straßenpreis angesiedelter RTX 5060 Ti und gibt an, dass ihr neues Modell günstiger und rund 20 Prozent schneller sein soll als die Konkurrenz. In unseren Tests übertrifft sie die 20 Prozent sogar häufiger.
Die GRE macht allerdings auch Sorgen. Immerhin ist die 9070 GRE die einzige aktuelle Karte von AMD, die nur 12 GB VRAM besitzt, während die Modelle RX 9070 XT, RX 9070 und RX 9060 XT alle auf 16 GB setzen.
Transparenzhinweis: AMD hat uns die RX 9070 GRE für den Test kostenfrei zur Verfügung gestellt. AMD hatte keinen Einfluss auf den Artikelinhalt und bekam keine Einsicht vor Erscheinen des Tests. Es bestand keine Verpflichtung zu einem Testbericht.
Das Testsystem
- Mainboard: MSI MPG X870E Carbon Wifi
- Prozessor: AMD Ryzen 7 9800X3D
- Arbeitsspeicher: 2x 16 GByte DDR5-6000 Kingston Fury RGB
- Speicher: 1 TByte Solidigm P44 Pro PCIe 4.0 NVMe-SSD, 4 TByte Kingston Fury Renegade PCIe 4.0 NVMe-SSD
Treiber
Für den Test hat uns AMD den Treiber 26.5.2 zu Verfügung gestellt.
Preis und Verfügbarkeit
Die AMD RX 9070 GRE soll seit dem 01. Juni 2026 weltweit verfügbar sein. Der Preis soll bei 549 US-Dollar liegen. Das entspricht rund 470 Euro vor Händleraufschlägen und Steuern.
Die RX 9070 GRE im Vergleich
| Spezifikation | RX 9070 GRE | RX 9070 | RX 9070 XT | RTX 5060 Ti (16GB) | RTX 5070 |
| Architektur | RDNA 4 (TSMC 4nm) | RDNA 4 (TSMC 4nm) | RDNA 4 (TSMC 4nm) | Blackwell (TSMC 4N) | Blackwell (TSMC 4N) |
| Recheneinheiten | 48 CUs | 56 CUs | 64 CUs | 36 SMs | 48 SMs |
| Shader-Einheiten | 3.072 | 3.584 | 4.096 | 4.608 | 6.144 |
| Boost-Takt | Bis zu 2.790 MHz | Bis zu 2.850 MHz | Bis zu 2.970 MHz | Bis zu 2.572 MHz | Bis zu 2.512 MHz |
| Grafikspeicher (VRAM) | 12 GB | 16 GB | 16 GB | 16 GB | 12 GB |
| Speichertyp | GDDR6 | GDDR6 | GDDR6 | GDDR7 | GDDR7 |
| Speicheranbindung | 192-bit | 256-bit | 256-bit | 128-bit | 192-bit |
| Speicherbandbreite | 432 GB/s | 640 GB/s | 640 GB/s | 448 GB/s | 672 GB/s |
| Leistungsaufnahme (TDP) | 220 Watt | ~250 Watt | 304 Watt | 180 Watt | 250 Watt |
| UVP (Launch-Preis) | 549 USD | ~549 USD | 699 USD | 429 USD | 549 USD |
| Momentaner Marktpreis (Stand: 01. Juni 2026) | Europäische Preise stehen aus | Ab circa 550 Euro | Ab circa 640 Euro | Ab circa 530 Euro | ab circa 600 Euro |
Ein Disclaimer noch, bevor wir so richtig einsteigen: In unserem Home-Office-Testlabor stand uns kurzfristig nicht die volle Palette an Grafikkarten zum Vergleich zur Verfügung. Ein direkter Vergleich mit Nvidias nächst teurerem Modell, der RTX 5070, war uns so etwa noch nicht möglich.
Die vorhandenen Vergleichsmodelle erlauben uns unserer Meinung nach aber ein ausreichend differenziertes Fazit, um euch die Karte zum weltweiten Marktstart sinnvoll einordnen zu können.
Synth-Bench
Steel Nomad
- Ø FPS
- 0,00
- 30,00
- 60,00
- 90,00
- 120,00
- 150,00
Die RX 9070 GRE steigt im Steel Nomad Synth Bench stark ein und übersteigt ihren von AMD anvisierten Konkurrenten, die RTX 5060 Ti, um 43 Prozent.
Damit siedelt sich die heruntergedampfte RX 9070 den Platz zwischen der RX 7900 XTX und der RTX 5060 Ti.
Im Vergleich mit anderen Grafikkarten platziert sich die RX 9070 GRE mit ihren 5.235 Punkten knapp über einer RTX 3090 und knapp unter der RX 7900 XT (via Computerbase).
Rasterperformance pro Auflösung
FPS-Spieledurchschnitt (1.920 x 1.080p - FullHD)
Durchschnitt und 1% Low
- Ø FPS
- 1% Low
- 0
- 42
- 84
- 126
- 168
- 210
Die RX 9070 GRE will sich vor allem einen Platz in den Herzen der WQHD-Spielern (2.560 x 1.440p) erkämpfen und lässt 4K-Spieler (3.840 x 2.160p) links liegen.
Insgesamt haben wir sechs grafisch aufwendige Spiele getestet und die RX 9070 GRE schafft es im Schnitt auf 99 FPS beim Spielen in WQHD-Auflösung.
Rasterperformance pro Spiel
007: First Light
Durchschnitt Pro Auflösung
- 1.920 x 1.080p (FullHD)
- 2.560 x 1.440p (WQHD)
- 1% Low (FullHD)
- 1% Low (WQHD)
- 0
- 32
- 64
- 96
- 128
- 160
Die RX 9070 GRE setzt sich je nach Spiel mal mehr, mal weniger von der RTX 5060 Ti ab. Insgesamt schwankt der Leistungszuwachs zwischen 20 und 48 Prozent.
Doom: The Dark Ages und 007: First Light profitieren dabei am meisten von der AMD-GPU.
Upscaling und Frame Generation
Crimson Desert
- Ø FPS (1.920 x 1.080p - FullHD)
- Ø FPS (2.560 x 1.440p WQHD)
- 0
- 158
- 316
- 474
- 632
- 790
Wie sieht es aus, wenn wir Upscaling und Frame Generation anwerfen?
Wenig überraschend und doch interessant: Die RTX 5060 Ti schafft es in unseren Tests sonst nie, die RX 9070 GRE zu überholen. Nur mit Frame Generation 6x kann sie sich über unserem momentanen Testmodell platzieren.
Dank FSR 4, das mittlerweile immer weiter verbreitet ist, sieht das Upscaling von AMD mittlerweile sogar ziemlich brauchbar aus. Es ist zwar noch nicht auf dem Niveau von Nvidia DLSS, doch die Aufholjagd geht weiter.
Raytracing-Performance
Durchschnitt aus Cyberpunk 2077, Crimson Desert und Forza Horizon 6
Ø FPS
- Ø FPS (1.920 x 1.080p - FullHD)
- 1%-Low (FullHD)
- Ø FPS (2.560 x 1.440p WQHD)
- 1%-Low (WQHD)
- 0
- 22
- 44
- 66
- 88
- 110
Aktivieren wir Raytracing, verringert sich der Abstand zwischen der RX 9070 GRE und der RTX 5060 Ti spürbar. Die Vorsprünge von teils über 40 Prozent aus den Raster-Benchmarks sind verschwunden, im Schnitt liegt die GRE jetzt nur noch rund 20 Prozent vorne.
Ein Grund dafür dürfte Nvidias weiterhin sehr starke Raytracing-Architektur sein. Zwar verfügt auch AMD über dedizierte Hardware für Raytracing und die sit mit RDNA 4 deutlich besser geworden, doch die RT-Cores von Nvidia arbeiten in vielen Spielen effektiver. Dadurch schrumpft der Vorsprung der RX 9070 GRE gegenüber der RTX 5060 Ti deutlich.
Doch das ist nicht der einzige Grund.
Das alte Leid: der VRAM
Die abgespeckte Version der hierzulande bereits erschienenen 9070-Modelle von AMD muss mit gerade einmal 12 GB GDDR6 VRAM auskommen, und das spürt man immer wieder deutlich.
Zwar reicht der VRAM auch bei speicherhungrigen Spielen größtenteils aus, doch wer die eben erwähnten Raytracing-Kapazitäten der RX 9070 GRE nutzen will, wird das nicht immer ohne Probleme können.
In Forza Horizon 6 wurde uns bereits in Full-HD mit Raytracing etwa die folgende Fehlermeldung um die Ohren gehauen, um uns auf den vollen Grafikspeicher aufmerksam zu machen. Danach lief Forza Horizon 6 in dem Fall zwar immer noch mit über 100 FPS, doch die teils heftigen Ruckler sind einfach unschön. Ein paar Gigabyte Speicher mehr würde die RX 9070 GRE aber definitiv auf ein angenehmeres Level heben – und beim Spielen das ein oder andere graue Haar ersparen.
Fazit der Redaktion
Jan Stahnke: Die RX 9070 GRE ist eine grundsolide Grafikkarte, die in der erwarteten Preisklasse eine sehr gute Raster-Leistung und eine gute, wenn auch nicht weltbewegende Raytracing-Performance bieten dürfte. Wenn ihr allerdings richtige Raytracing-Fans seid, seid ihr mit Nvidia-GPUs wohl immer noch besser bedient.
Immerhin: Dank FSR 4.1, das mittlerweile immer häufiger implementiert wird, müsst ihr euch keine Gedanken mehr machen, am aktuellen Upscaling-Standard komplett vorbeizulaufen. Zwar ist AMDs Upscaling nicht auf dem Stand von Nvidia, doch FSR holt auf. Nicht zuletzt weil AMD und Sony in den letzten Monaten und Jahren die Köpfe zusammengesteckt haben, um besseres Upscaling zu liefern.
Das wohl größte Manko der RX 9070 GRE ist der relativ geringe Grafikspeicher von 12 GB. Er bildet in grafikhungrigen Spielen einen Flaschenhals, der die Karte unnötig zurückhält.
Da zum Redaktionsschluss noch kein genauer Preis für Europa bekannt ist, ist eine Kaufempfehlung momentan schwierig. Zudem tummeln sich im 500- bis 600-Euro-Bereich einige Grafikkarten, die ähnlich stark oder gar leistungsfähiger sind. Die gilt es preislich zu umschiffen, wenn sich die Karte attraktiv positionieren soll.
Sollte der RX 9070 GRE das klar gelingen, dann können WQHD-Spieler getrost zugreifen. Ansonsten schaut ihr euch am besten nach Modellen mit etwas mehr Grafikspeicher um.

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