Augen in der Luft: Die neue Drohne von Antigravity nimmt mich mit ins Cockpit und liefert einzigartige Aufnahmen

Die Antigravity A1 liefert im Test beeindruckende Aufnahmen. Wem kann ich sie empfehlen?

Die sogenannte Vision Goggle der Antigravity A1 bringt ein Außendisplay mit. Außerdem gibt es eine Option zum Lüften, falls die Gläser beschlagen. (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech – alinamd, Adobe Stock) Die sogenannte Vision Goggle der Antigravity A1 bringt ein Außendisplay mit. Außerdem gibt es eine Option zum Lüften, falls die Gläser beschlagen. (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech – alinamd, Adobe Stock)

GameStar Plus Logo

Artikel auf einer Seite lesen

50% Rabatt auf euer erstes Jahr GameStar Plus

Jetzt nur für kurze Zeit: die ersten sechs Monate im Jahresabo mit dem Code »NEU50« sparen. Deine Vorteile:

Zugriff auf alle Artikel, Videos & Podcasts von GameStar
Exklusive Tests, Guides und Reportagen
Von Experten, die wissen, was gespielt wird
Keine Banner und viel weniger Werbespots
Jederzeit online kündbar

Du hast bereits GameStar Plus? Hier einloggen.

Neuheiten wie die Antigravity A1 sind der Grund, warum ich montagmorgens vor der Arbeit so unbeschwert aus dem Bett komme: Ich gehöre zu den Ersten, die etwas ganz Neues in Augenschein nehmen dürfen.

Und wir Techies lieben Neues! Ganz egal, ob wir die (vermeintliche) Errungenschaft eines Herstellers cool finden oder den Hype kleinreden. Hauptsache, es gibt Zündstoff, um in der großen Runde mit Gleichgesinnten herzhaft darüber zu diskutieren. Was gibt es Schöneres?

Und über die Drohne von Antigravity möchte ich sehr gerne diskutieren! Dafür nehme ich euch jetzt mit in den Test.

Transparenzhinweis: Antigravity hat mir die Drohne für den Test kostenfrei zur Verfügung gestellt. Der Hersteller hatte keinen Einfluss auf den Artikelinhalt und bekam keine Einsicht vor dem Erscheinen des Tests. Es bestand keine Verpflichtung zu einem Testbericht.

Antigravity A1
Antigravity A1
Mit seiner ersten Drohne gelingt Antigravity der Eintritt in die Drohnenwelt. Der Spaß ist garantiert, die Aufnahmen für Urlaub und Social Media sind ausreichend und der Hersteller zeigt mit vielen Funktionen und Optionen seine Liebe zum Detail. Das richtige Stichwort ist hier »Liebe«, denn für einen stolzen Preis von 1.400 Euro muss man das Fliegen von Drohnen sowie die Flexibilität von 360-Grad-Aufnahmen zu schätzen wissen.
  • 360-Grad-Aufnahmen erlauben enorme Flexibilität
  • Enormer Spaß beim Fliegen dank Motion Tracking
  • Steuerung ist sehr durchdacht und natürlich
  • Viel Liebe zum Detail
  • Studio-Software und App sind intuitiv und einsteigerfreundlich
  • Zum Fliegen wird eine zweite Person benötigt (Spotter)
  • Fotoaufnahmen sind zum Teil unscharf
  • Sehr teuer
Wissenswertes zum Test
Inhaltsverzeichnis
Spezifikationen

MerkmalSpezifikation
KlassifizierungEU C0 (mit Flugakku) / EU C1 (mit Hochleistungs-Flugakku)
Startgewicht249 Gramm (mit Flugakku) / 291 Gramm (mit Hochleistungs-Flugakku)
Abmessungen (L×B×H)Gefaltet: 141,3 × 96,2 × 81,4 mm
Ausgeklappt (Propeller ausgefahren): 308,6 × 382,3 × 89,2 mm
Max. Flugzeit24 Minuten (mit Flugakku) / 39 Minuten (mit Hochleistungs-Flugakku)
Max. Flugdistanz (pro Ladung)13 km (mit Flugakku) / 23 km (mit Hochleistungs-Flugakku)
Max. Aufstiegsgeschwindigkeit8 m/s (S Modus) / 6 m/s (N Modus) / 3 m/s (C Modus)
Max. Abstiegsgeschwindigkeit8 m/s (S Modus) / 6 m/s (N Modus) / 3 m/s (C Modus)
Max. horizontale Geschwindigkeit (auf Meereshöhe, windstill)16 m/s (S Modus) / 12 m/s (N Modus) / 3 m/s (C Modus)
Max. Windwiderstand10,7 m/s (Stufe 5)
Max. Starthöhe4.000 m (mit Flugakku) / 3.000 m (mit Hochleistungs-Flugakku)
Globales NavigationssatellitensystemGPS + Galileo + Beidou
SchwebegenauigkeitVertikal: ±0,1 m (mit visueller Positionierung) / ±0,5 m (mit GNSS-Positionierung)

Horizontal: ±0,1 m (mit visueller Positionierung) / ±0,5 m (mit GNSS-Positionierung)
Betriebstemperatur−10∘C bis 40∘C
Interner Speicher20 GByte
Internes DateisystemexFAT
Unterstützter SpeichermicroSD (bis zu 1 TB)
ObjektivblendeF2.2
Videoauflösung8K: 7680×3840@30/25/24fps
5.2K: 5248×2624@60/50/30/25/24fps
4K: 3840×1920@100/30/25/24fps
4K Zeitlupe: 3840×1920@30/25/24fps
Fotoauflösung55MP (10496×5248) / 14MP (5248×2624)
VideoformatINSV (Export über Antigravity App oder Antigravity Studio)
FotoformatINSP (Export über Antigravity App oder Antigravity Studio), DNG
Video-ModiStandard-Video, Zeitlupe
Foto-ModiStandard-Foto, HDR, Burst (Serienbild), AEB (Belichtungsreihe)
Video-KodierungsformatH.264, H.265
Max. Video-Bitrate170 Mbit/s
ISO-Bereich100–6400
Verschlusszeit14MP Foto: 1/8000–1/2 s / 55MP Foto: 1/8000–1/20 s
Sensor-TypBinokulares Vorwärts- und Abwärts-Sichtsystem, ergänzt durch einen 3D-Infrarotsensor an der Unterseite.
Vorwärts-SensorikMessbereich: 0,5–18 m / Effektive Erfassungsgeschwindigkeit: Fluggeschwindigkeit ≤12 m/s / Sichtfeld (FOV): Horizontal 93∘, Vertikal 104∘
Abwärts-SensorikMessbereich: 0,3–7,5 m / Effektive Erfassungsgeschwindigkeit: Fluggeschwindigkeit ≤6 m/s / Sichtfeld (FOV): Vorne & Hinten 107∘, Links & Rechts 90∘
BetriebsumgebungVorwärts: Oberflächen mit erkennbaren Mustern und ausreichender Beleuchtung

Abwärts: Oberflächen mit erkennbaren Mustern, diffuser Reflektivität >20% (z. B. Zementbelag, kräftige Bäume) und ausreichender Beleuchtung (lux>15)
VideoübertragungssystemOmniLink 360
Live-View-Qualität2K@30fps
Betriebsfrequenz2.400–2.4835 GHz, 5.170–5.250 GHz, 5.725–5.850 GHz
Max. Übertragungsdistanz (offen, störungsfrei)10 km (FCC) / 8 km (SRRC) / 6 km (CE) / 4 km (MIC)
Max. Übertragungsdistanz (offen, mit Störung)Starke Störung: ca. 1–4 km / Mittlere Störung: ca. 3–6 km / Geringe Störung: ca. 5–10 km *
Max. Übertragungsdistanz (behindert, mit Störung)Geringe Störung/Gebäude: ca. 0,1–0,5 km / Geringe Störung/Bäume: ca. 0,5–3 km
Max. Übertragungsrate30 Mbit/s
Durchschnittliche LatenzCa. 150 ms
Antenne4 Antennen, 2T2R
Wi-Fi Protokoll802.11 a/b/g/n/ac
Bluetooth ProtokollBluetooth 5.0
Sendeleistung2.4 GHz:<20 dBm / 5.1 GHz:<20 dBm / 5.8 GHz:<20 dBm (FCC/SRRC)
Kapazität2360mAh (Flugakku) / 4345mAh (Hochleistungs-Flugakku)
Energie16,9 Wh
AkkutypLi-ion 2S
LadezeitFlugakku: ca. 45 Min. (Hub) / ca. 58 Min. (Drohne)
Hochleistungs-Akku: ca. 60 Min. (Hub) / ca. 103 Min. (Drohne)

Preise und Verfügbarkeit

Die Drohne kann ab dem 04. Dezember 2025 vorbestellt werden.

Preise:

  • Standard Bundle: 1.400 Euro
  • Explorer Bundle: 1.600 Euro
  • Infinity Bundle: 1.700 Euro
Drohnenführerschein und Spotter

Wichtiger Hinweis beim Fliegen mit VR-Brillen: Ein FPV-Flug (First Person View) mit VR-Brille gilt rechtlich als Flug außerhalb der Sichtweite, da der Pilot die Drohne nicht direkt mit eigenen Augen sieht.

Zum Fliegen von Drohnen mit einer VR-Brille ist eine weitere Person als »Spotter« erforderlich, die die Drohne jederzeit im Blick hat, um den Piloten im Ernstfall zu warnen. Für Mitglieder anerkannter deutscher Modellflugverbände gelten hier Sonderregelungen, die etwa den FPV-Flug ohne Spotter unter 30 Metern Flughöhe erlauben.

Davon abgesehen gilt grundsätzlich eine maximale Flughöhe von 120 Metern und die Drohne muss immer in Sichtweite des Piloten oder des Spotters bleiben.

Warum sich der Drohnenführerschein selbst in der offenen Kategorie, in die auch die Drohne von Antigravity fällt, mehrfach lohnt: Drohnen fühlen sich schnell wie ein Spielzeug an, das sich aus extrem weiter Ferne steuern lässt und obendrein ansehnliche Luftaufnahmen ermöglicht.

Mit der Drohne greift ihr allerdings in den Luftraum ein, was Risiken mit sich bringt. Daher empfehle ich, den EU-Kompetenznachweis A1/A3 (oft »kleiner Drohnenführerschein« genannt) zu absolvieren, auch wenn die Drohne aufgrund ihres Gewichts (unter 250 Gramm) keinen Nachweis zum Fliegen benötigt.

Der kleine Drohnenführerschein vermittelt wichtige Kenntnisse im Umgang mit der Drohne sowie die Rahmenbedingungen, die mit einem Flug einhergehen. Dazu gehören beispielsweise: Versicherung, Pflichten, Flugverbotszonen, Abstandsregeln zu Menschen und Objekten, Verhalten bei Notfällen oder Verlust der Steuerung und vieles mehr.

Für das Ablegen der Prüfung verlangt das LBA eine Gebühr von 45 Euro, die gut investiert sind. Die Registrierung als Betreiber beim Luftfahrt-Bundesamt ist übrigens für alle verpflichtend, unabhängig von der Drohne. Ebenfalls verpflichtend ist eine entsprechende Haftpflichtversicherung.

Antigravity A1: Aufbau, Design und Verarbeitung

Zu Beginn war ich leicht überfordert. So viele Teile! Neben der Drohne selbst gibt es je nach Paket einiges auszupacken. Das Infinity-Bundle enthält unter anderem:

  • Die Drohne selbst
  • Das Headset
  • Die Batterie für das Headset
  • Eine Schlaufe für die Batterie
  • Die Fernsteuerung
  • Drei Akkus
  • Noch ein Akku
  • Ein Start- beziehungsweise Landeplatz
  • Ein Kit, um bei Schaden die Linsen auszutauschen
  • Ersatzpropper samt Werkzeug
  • Die Tragetasche
  • Irgendwas habe ich sicherlich vergessen

Die einzelnen Komponenten sind im Unboxing-Video im Detail zu sehen. Darin hört ihr meine Verwunderung und Verwirrung gleich mehrfach heraus.

Video starten 16:22 Unboxing: Antigravity A1

Nachdem alles ausgepackt und aufgeräumt ist, müssen noch die Akkus, das Headset und die Fernsteuerung aufgeladen werden. Zu Beginn gibt es einige Sortier- und Wartungsaufgaben zu erledigen. Anschließend muss noch die App installiert, die Geräte gekoppelt und Firmware-Updates heruntergeladen werden.

»Wann geht es endlich los auf die Startbahn?« Diese Frage habe ich mir mehr als einmal gestellt. Immerhin funktionierte alles reibungslos.

Die Verarbeitung: Sie ist … zweckmäßig. Der Hersteller möchte alle potenziellen Drohnenpiloten ansprechen, auch diejenigen ohne entsprechenden Führerschein, der für die Schwergewichte unter den Drohnen zwingend erforderlich ist.

Damit die A1 die notwendige Grenze von 250 Gramm unterschreitet, kann kein robustes Material verwendet werden. Die Vision Goggle darf nicht schwer auf dem Kopf lasten. Dementsprechend sind Drohne, Brille und Fernsteuerung zum Großteil aus Kunststoff gefertigt.

Antigravity A1: Hands-on und Tutorial

Der Vorgeschmack: Bevor es losgeht, steht zunächst noch das Tutorial an. Leider gab es keine Möglichkeit, das Tutorial aufzunehmen (oder ich habe diese Möglichkeit nicht gesehen).

Zunächst gilt es, die Brille an meinen Kopf und ebenso wichtig an meine Augen anzupassen. Hierfür gibt es einen Klettverschluss, dessen Handhabung sich von selbst versteht. Unter der Brille befinden sich zudem zwei Rädchen.

  • Dreht ihr daran, passt ihr den Sehkorrekturbereich an.
  • Schiebt ihr die Rädchen zur Seite, könnt ihr die Micro-OLED-Gläser an die Position eurer Augen anpassen. Fast wie beim Optiker.

Zwischen den Brillen befindet sich ein Fach für die microSD-Karte. Wofür das gut ist? Damit könnt ihr Bildschirmaufnahmen von der Brille speichern oder Videos darauf abspielen. Zwischen den Brillen befindet sich ein Fach für die microSD-Karte. Wofür das gut ist? Damit könnt ihr Bildschirmaufnahmen von der Brille speichern oder Videos darauf abspielen.

In dem Tutorial werde ich gefragt, ob die Ränder scharf sind und Elemente nicht verschwimmen. Die Brille muss dafür wenig überraschend perfekt sitzen. Nur sehr wenige Millimeter entscheiden darüber, wie scharf oder unscharf visuelle Elemente dargestellt werden, besonders zu den Seiten hin.

Brillenträger stoßen auf Hürden: Das Gerät lässt sich auf einen weiten Bereich von Sehfehlern einstellen, nämlich von +2,0 Dioptrien (Weitsichtigkeit) bis -5,0 Dioptrien (Kurzsichtigkeit).

Dioptrienlinsen müssen separat erworben werden, wenn der Sehkorrekturbereich überschritten wird, so der Hersteller.

An den Rädchen müsst ihr drehen und schieben, um die Gläser an eure Augen anzupassen. (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech) An den Rädchen müsst ihr drehen und schieben, um die Gläser an eure Augen anzupassen. (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech)

Erstes Herantasten: In der Einführung werde ich mit der Menüsteuerung vertraut gemacht. Vereinfacht ausgedrückt funktioniert das Ganze wie ein Laserpointer. Ich ziele mit der Fernbedienung auf visuelle Elemente und bestätige mit dem kleinen schwarzen Hebel auf ihrer Rückseite.

In den Einstellungen der Drohne beziehungsweise Brille gibt es eine Vielzahl von Optionen und Funktionen. Die ganze linke Spalte ist im Grunde nur während des Fluges interessant. (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech) In den Einstellungen der Drohne beziehungsweise Brille gibt es eine Vielzahl von Optionen und Funktionen. Die ganze linke Spalte ist im Grunde nur während des Fluges interessant. (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech)

Nach wenigen Minuten fühle ich mich mittendrin, klicke selbstsicher durch die Einführung und habe bereits das Gefühl, im Cockpit zu sitzen.

  • Unten links zeigt mir das System die Akkulaufzeit der einzelnen Geräte und die maximale Aufnahmedauer für Filmmaterial an.
  • Rechts stehen Informationen zu Höhe, Distanz, Geschwindigkeit sowie Signalstärke.
  • Oben rechts sind wiederum die aktuellen Aufnahmeeinstellungen zu sehen.

Das virtuelle Cockpit trifft auf jeden Fall meinen Geschmack. Die Beine der Drohne sieht man beim Fliegen übrigens nicht. Die fahren sich ein, sobald es losgeht, und fahren zur Landung wieder aus. (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech) Das virtuelle Cockpit trifft auf jeden Fall meinen Geschmack. Die Beine der Drohne sieht man beim Fliegen übrigens nicht. Die fahren sich ein, sobald es losgeht, und fahren zur Landung wieder aus. (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech)

Antigravity setzt voll auf Immersion: Während des Flugs befindet sich euer Körper am Boden, eure Augen aber in der Luft. Das heißt, ihr nehmt von der direkten Umgebung nahezu nichts wahr.

Im Notfall könnt ihr mittels Shortcut an der Brille auf die Live-Ansicht wechseln, die nur einen kleinen Ausschnitt der Umgebung zeigt.

Habt ihr die Brille auf, müsst ihr also (fast) blind steuern. Einige Tasten verfügen über geriffelte Elemente, sodass ihr ohne hinzuschauen genau wisst, welche Taste ihr drückt.

Wenn ihr die Brille aufhabt, seid ihr praktisch blind! Zum Glück gibt es die Live-Ansicht. Damit seht ihr eure direkte Umgebung wieder einigermaßen. (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech) Wenn ihr die Brille aufhabt, seid ihr praktisch blind! Zum Glück gibt es die Live-Ansicht. Damit seht ihr eure direkte Umgebung wieder einigermaßen. (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech)

Aufgrund dieser Besonderheit ist eine zweite Person gesetzlich Pflicht. Als Wingman hält sie den Luftraum beziehungsweise die Umgebung für euch im Auge. Ausnahme: Mitglieder eines Verbandes dürfen mit Brille solo fliegen, allerdings nur bis zu einer Höhe von 30 Metern.

Da ich kein Verbandsmitglied bin, begleitet mich meine Freundin als Copilotin.

Ich hebe mit der Antigravity A1 ab

Das Abheben mit der Drohne ist definitiv das Highlight und sorgt für ein Kribbeln im Bauch wie bei einer Achterbahnfahrt. (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech) Das Abheben mit der Drohne ist definitiv das Highlight und sorgt für ein Kribbeln im Bauch wie bei einer Achterbahnfahrt. (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech)

Jetzt steht dem Abheben in der freien Luftbahn wirklich nichts mehr im Wege. Tasche packen und los geht's zu einem abgelegenen Ort. Der Landeplatz ist vorbereitet, die Drohne ist platziert und der Start wird initiiert.

Ich bin in der Luft.

Die Steuerung funktioniert überraschend intuitiv, das Laserpointer-Prinzip scheint dafür die goldrichtige Wahl zu sein. Ich ziele einfach dorthin, wo die Drohne hinfliegen soll, und reguliere die Geschwindigkeit mit dem schwarzen Hebel. Das erweist sich als absurd clever und überraschend natürlich.

Das Prinzip ist wirklich simpel: Ihr müsst nur dorthin zielen, wo ihr hinfliegen möchtet. Mehr gibt es dazu fast nicht zu sagen. (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech) Das Prinzip ist wirklich simpel: Ihr müsst nur dorthin zielen, wo ihr hinfliegen möchtet. Mehr gibt es dazu fast nicht zu sagen. (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech)

Auf dem kleinen Steuerknüppel sind allerhand Knöpfe angebracht:

  • Das große Rad dreht die Drohne horizontal um 360 Grad.
  • Direkt darunter befinden sich der Aufnahme-Knopf sowie die Umschaltung zum Foto- beziehungsweise Videomodus.
  • Durch einmaliges Drücken des roten Knopfes bremst die A1 ab.
  • An der Seite befindet sich der für Drohnen typische Umschalter, um die Fluggeschwindigkeit zu erhöhen oder zu reduzieren.
  • Die restlichen Tasten sind für das Menü, den Start sowie die Landung und für spezielle Modi.

Gewöhnt euch besser an die Steuerung! Ich musste hin und wieder auf die Live-Ansicht umschalten, um zu sehen, wo die Knöpfe liegen. (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech)q

Das Fluggefühl: Der erste beengte Start auf der IFA löste noch ein mulmiges Gefühl in mir aus. Der tatsächliche Jungfernflug behielt zwar das Kribbeln wie auf einer Achterbahn, fühlte sich aber gänzlich anders und unvergleichlich freier an.

In 80 Metern Höhe drehe ich mich im Kreis und bestaune den Wald, die Tiere, die Wiese und den Sonnenaufgang bei Eiseskälte – alles ohne Schwindelgefühl. Die Idee der 360-Grad-Ansicht geht in großer Höhe voll auf und ich fühle mich wie ein Mini-Pilot, der aus seinem Cockpit die Welt um sich herum bestaunt.

Ich schaue also nicht nur in Flugrichtung, wie bei FPV-Drohnen. Das geht mit der Antigravity A1 aber auch. Für diesen eingeschränkten Blickwinkel gibt es zudem Spielereien wie das Fliegen auf einem Drachen.

Was soll ich sagen?

Gimmick: Wahlweise könnt ihr auf einen Drachen reiten – oder zumindest so tun als ob. (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech) Gimmick: Wahlweise könnt ihr auf einen Drachen reiten – oder zumindest so tun als ob. (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech)

Unabhängig von der Sicht löst das Bild in der Brille mit 2K bei 30 FPS auf. Das klingt nach wenig, und ein Rauschen durch die Videoübertragung von der Drohne zur Brille ist definitiv zu sehen. Es reicht jedoch aus und tut dem Flugspaß wenig Abbruch.

Währenddessen sieht meine Copilotin im Außendisplay das, was ich durch die Brille sehe. Ein nettes und in meinen Augen detailverliebtes Feature!

Damit es dem Spotter nicht langweilig wird, kann er oder sie das sehen, was ihr seht. Aber behaltet dabei den Luftraum im Auge! (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech) Damit es dem Spotter nicht langweilig wird, kann er oder sie das sehen, was ihr seht. Aber behaltet dabei den Luftraum im Auge! (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech)

Übrigens seht ihr im Live-Bild und in der späteren Aufnahme nichts von der Drohne. Hier kommt die bewährte Stitching-Technologie zum Einsatz, wie sie unter anderem bei den 360-Grad-Kameras von Insta360 verwendet wird.

Vereinfacht ausgedrückt verbindet diese Technik die beiden 180-Grad-Bildausschnitte der beiden Linsen zu einem 360-Grad-Bild.

Wie gut sind die Aufnahmen der Antigravity A1?

Der Hersteller bewirbt die Antigravity A1 als 8K-Drohne. Die Auflösung bezieht sich jedoch auf die gesamte 360-Grad-Ansicht. Das in der Software zugeschnittene fertige Bild beträgt maximal 4K bei 30 FPS.

Das Live-Bild während des Flugs ist nicht mit den gespeicherten Aufnahmen zu vergleichen. Auflösung, Schärfe und Details sind letztlich also wesentlich höher.

Wie das Filmmaterial schließlich aussieht, seht ihr im folgenden Video.

Video starten 3:41 Antigravity A1: FIlmmaterial in 4K mit 30 FPS

Dennoch muss ich an dieser Stelle bestimmte Erwartungen dämpfen: Kinoreifes Filmmaterial werdet ihr aus der Drohne nicht pressen können. Farbprofile wie LOG oder 10-Bit-Farbtiefe sind bei der Antigravity A1 nicht verfügbar. Für leichte Farbanpassungen müsst ihr euch mit 8-Bit-Farbtiefe begnügen.

Die verbauten Sensoren (1/1,28 Zoll, f/2,2) sind zudem deutlich kleiner als die von anderen bewährten Drohnen, etwa von DJI. Ihr müsst daher mit einem geringeren Dynamikumfang rechnen. Helle Himmelspartien können schneller ausbrennen, während Schattenbereiche potenziell absaufen.

In solchen Fällen habt ihr die Möglichkeit, Belichtung, Weißabgleich, Verschlusszeit und ISO manuell einzustellen, um etwas gegenzusteuern. Derartige Einstellungen helfen allerdings nicht gegen unschönen Lensflare. Hier zeigt sich die altbekannte Schwäche vieler Drohnen-Kameras.

Keine Spur von schönen Sonnensternen. Der Lens-Flare ist alles andere als schick. (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech) Keine Spur von schönen Sonnensternen. Der Lens-Flare ist alles andere als schick. (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech)

Die wahre Stärke: Die Drohne ist dafür äußerst flexibel und eröffnet dadurch eine Vielzahl kreativer Möglichkeiten.

  • Egal, ob ihr das Video im Hoch- oder Querformat aufnehmen oder es auf YouTube oder Instagram teilen möchtet: Dank der 360-Grad-Aufnahme könnt ihr das Bild in der Software an eure Anforderungen anpassen.
  • Der allumfassende Blickwinkel erlaubt zudem coole Kamerafahrten, die sich mit der Software schnell und leicht erstellen lassen – ganz ohne Vorkenntnisse.

Die Drohne ist somit ein hilfreiches Werkzeug für den nächsten Strandurlaub, wenn ihr die Küste mit ihren Felsen und dem Sand wie nie zuvor filmen möchtet. Oder ihr seid im nächsten Bergurlaub mit majestätischen Gipfeln und tiefen Täler. Sofern dort das Fliegen natürlich erlaubt ist.

Auf Reisen spielt die Drohne ihren Trumpf besser aus und schafft potenziell einzigartige Aufnahmen für die Erinnerungsdatenbank. Übrigens: Ganz nebenbei wird der Ton vom Headset gleich mit aufgenommen.

Bild #1 Mit der 360-Grad-Drohne lassen sich auch skurrile Szenen aufnehmen. Solche Bilder treffen allerdings nicht jeden Geschmack. (Bild: Aus Video extrahiert, Patrick Schneider, GameStar Tech)

Bild #2 Zum Landeanflug fliegt die Drohne 100 Meter hoch. Das kann in den Einstellungen angepasst werden. (Bild: Aus Video extrahiert, Patrick Schneider, GameStar Tech)

Fotografie: Neben Videos ermöglicht die Drohne auch Fotoaufnahmen in 360 Grad mit bis zu 55 Megapixeln. Diese sind allenfalls dann nützlich, wenn ihr die Fotos in der Brille in ebendieser Ansicht anschauen möchtet.

Aus der Software exportiert, wirken diese leider sehr kontrastarm und zum Teil matschig an den Seiten.

Möglicherweise liegt es am Export aus der Software, die in Zukunft ohnehin noch verbessert wird. (Bild: 55-Megapixel-Modus, Patrick Schneider, GameStar Tech) Möglicherweise liegt es am Export aus der Software, die in Zukunft ohnehin noch verbessert wird. (Bild: 55-Megapixel-Modus, Patrick Schneider, GameStar Tech)

Starke Ergänzungen für die Aufnahmen

Die Antigravity A1 kann mehr als nur einfache Foto- und Videoaufnahmen. Unterwegs und in der Luft habt ihr Zugriff auf verschiedene Flugmodi. So kann die Drohne beispielsweise eine bestimmte Person oder ein ausgewähltes Objekt umkreisen. Dazu müsst ihr lediglich mit der Steuerung ein Rechteck über einen Bereich ziehen.

Alternativ bewegt sich die A1 automatisch in einem bestimmten Winkel von euch weg. Derartige Programme sind besonders hilfreich, um schnell und unkompliziert Videoszenen zu drehen.

Derartige Funktionen sind bereits von anderen Drohnen bekannt. Im obigen Video habe ich die Umkreisungsfunktion verwendet, damit die Drohne meine Position umfliegt. Das klappt denkbar einfach. (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech) Derartige Funktionen sind bereits von anderen Drohnen bekannt. Im obigen Video habe ich die Umkreisungsfunktion verwendet, damit die Drohne meine Position umfliegt. Das klappt denkbar einfach. (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech)

Im Menü gibt es außerdem die Option, eine eigene Flugroute zu erstellen. Dazu setzt ihr per Fernbedienung Marker in die Landschaft, die die Drohne anschließend automatisch abfliegt.

Das hat gleich zwei Vorteile:

  • Ihr habt anschließend eine fertig gefilmte Route, die ihr in der Software nur noch mit den gewünschten Blickwinkeln, Effekten und Übergängen zusammenschneiden müsst.
  • Wenn Freunde oder Familienmitglieder interessiert sind, aber selbst nicht das Steuer übernehmen möchten, bietet sich dafür die Flugwegplanung an.

Mein Highlight ist jedoch etwas anderes: Ihr steckt die SD-Karte der Drohne in die Brille und erlebt die Videoaufnahme vom letzten Strand - oder Bergurlaub noch einmal.

Dabei wird auch das Head-Tracking unterstützt, sodass ihr den Flug genießen könnt, während ihr die aufgenommene Umgebung um euch herum erneut erkundet. Ideal, falls das Fernweh wieder zuschlägt.

Wie lange bleibe ich in der Luft?

Der Hersteller gibt eine Flugzeit von 24 Minuten an. Mit der größeren Batterie erhöht sich diese auf 39 Minuten.

  • In meinen Tests betrug die Akkukapazität nach einer 21-minütigen Aufnahme in 8K sowie einer zweiminütigen Aufnahme in 5,7K 39 Prozent.
  • In einem anderen Fall betrug die Akkukapazität nach knapp 30 Minuten in 8K nur noch 19 Prozent.

Die Praxiswerte stimmen also zumindest in Bezug auf die größeren Akkus mit den Herstellerangaben grob überein. Wenn der Akku der Drohne leer ist, fliegt diese automatisch zum Landeplatz zurück. Die Rückkehr zum Startplatz funktioniert im Test tadellos, wie im Video oben am Ende zu sehen ist.

Die Hinderniserkennung

Entsprechende Kameras und Sensoren zur Hinderniserkennung sind vorne sowie unten angebracht.

  • Vorwärts: 0,5 bis 18 Meter.
  • Abwärts: 0,3 bis 7,5 Meter (für Start, Landung und Tiefflug).

Im Test hat das zuverlässig funktioniert und die Drohne schlägt großzügig Alarm, sobald sie ein Hindernis erkennt. Kommt die Drohne einem Hindernis zu nahe, bremst sie ab und bleibt schweben.

Wie bei anderen Drohnen sind Äste und Hochspannungsleitungen die natürlichen Feinde. Die Hinderniserkennung hat Schwierigkeiten mit feingliedrigen Strukturen. Zudem entfällt die Erkennung im schnellen S-Modus, was ihr zwingend beachten solltet.

Aufbereitung der Aufnahmen: Einfach und intuitiv

Nun komme ich endlich auf die Software zu sprechen. Antigravity Studio ist ein eigenes, speziell für Drohnenaufnahmen entwickeltes und kostenloses Schnittprogramm für Mac und Windows. Besitzer einer 360-Grad-Kamera von Insta360 werden sich sofort zurechtfinden.

Wenig überraschend ähneln sich die Programme deutlich. Damit schneidet man das Videomaterial, legt lizenzierte Musik darunter, setzt Übergänge sowie Text und passt das Bild an.

Selbst wenn ihr noch nie mit einem Schnittprogramm gearbeitet habt, braucht es nur wenig Einarbeit. (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech) Selbst wenn ihr noch nie mit einem Schnittprogramm gearbeitet habt, braucht es nur wenig Einarbeit. (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech)

Mit »Deep Track« könnt ihr außerdem einen Bereich auswählen, der als Verfolgung verwendet werden soll. Oder ihr aktiviert die Kopfverfolgungsansicht. Damit fügt das Programm automatisch Keyframes (Ankerpunkte für den Blickwinkel der Kamera) basierend auf den Kopfbewegungen zum Zeitpunkt der Videoaufnahme hinzu.

Über die App für iOS und Android kann der Clip sogar automatisch aufbereitet werden. Das Programm sucht mit dieser Option geeignete Blickwinkel und fügt Musik hinzu – das ist praktisch, wenn die Oma das zehnte Mal binnen 10 Minuten nach Urlaubsaufnahmen fragt.

In einem einminütigen Clip hat das weitaus besser funktioniert, als ich zunächst angenommen hatte. Es fehlen lediglich schöne Übergänge und abwechslungsreichere Kameraschwenks. Dennoch kommt für weniger als drei Minuten Arbeit ein passables Ergebnis zustande, das man direkt teilen könnte.

Theoretisch könnt ihr das ganze Video auch dem Handy schneiden. Hier stehen sogar noch ein paar mehr Optionen offen. (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech) Theoretisch könnt ihr das ganze Video auch dem Handy schneiden. Hier stehen sogar noch ein paar mehr Optionen offen. (Bild: Patrick Schneider, GameStar Tech)

Beide Programme sind definitiv für Einsteiger konzipiert, die mit wenig Zeit ein gutes Ergebnis erzielen möchten. Allerdings stehen in der Mobile-Version zumindest aktuell mehr Optionen offen, wie die zuvor erwähnte automatische Erstellung von Clips. Diese Features dürfen gerne noch zur Desktop-App wandern.

Auf der nächsten Seite erfahrt ihr, was das größte Problem an der Drohne ist und wem ich sie empfehlen kann.

1 von 2

nächste Seite


zu den Kommentaren (5)

Kommentare(5)
Kommentar-Regeln von GameStar
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.