Nach drei Flügen mit der Drohne: Die Einschränkung macht sich bemerkbar
In den letzten vier Wochen bin ich dreimal mit der Antigravity A1 abgehoben. Nach anfänglicher Begeisterung machte sich zunehmend die Einschränkung durch die Brille bemerkbar.
Ich bin auf die Zeit meiner Freundin angewiesen.
Man darf nicht alleine losziehen, ein Spotter wird gesetzlich vorausgesetzt. Wenn das Wetter super ist, meiner Copilotin aber die Zeit fehlt (oder schlicht die Motivation), muss ich leider passen und frustriert aus dem Fenster schauen. Blöd.
An dem einen oder anderen Tag hätte ich mir zusätzlich zur Brille eine herkömmliche Fernbedienung mit Display gewünscht, um alleine in die Luft zu steigen.
Ja, das würde die Philosophie hinter diesem Produkt untergraben und den Preis vermutlich weiter in die Höhe treiben. Aber ich wäre somit nicht auf andere Personen angewiesen und wesentlich flexibler.
Kaufentscheidung: »Nur« eine Frage des Geldes?
Damit bin ich bei der finalen Frage: Für wen ist diese Drohne eigentlich geschaffen? Die Antwort hängt natürlich in erster Linie von eurem Budget ab.
- Der Hersteller verlangt satte 1.400 Euro für das kleinste Bundle, das die notwendige Hardware und vier austauschbare Propeller enthält.
- Für 1.600 Euro erhaltet ihr zusätzliche Batterien sowie eine Tragetasche.
- Im mir vorliegenden Infinity-Bundle für 1.700 Euro ist weiteres Zubehör in Form eines SD-Kartenlesegeräts und größerer Batterien enthalten.
Besitzt ihr keinen Kompetenznachweis A1/A3, fällt das letzte und teuerste Bundle weg. Denn damit überschreitet die Antigravity A1 das Gewicht von 250 Gramm und ihr benötigt den kleinen Drohnenführerschein. Außer, ihr holt diesen natürlich nach, was ich generell jedem ans Herz lege.
Unabhängig vom Bundle verlangt der Hersteller eine ordentliche Stange Geld, das sinnvoll investiert werden will. Wenn ihr vorrangig alleine unterwegs seid, wurde euch die Kaufentscheidung ohnehin abgenommen.
Für alle anderen sieht meine Empfehlung wie folgt aus:
- Als Zweitdrohne ideal: Ihr habt bereits eine Drohne, die euch glücklich macht, und möchtet unbedingt etwas Neues in diesem Bereich fliegen? Dann könnte die Antigravity A1 spannend für euch sein.
- Wenn ihr als Drohnenpilot durchstarten wollt, ist eine herkömmliche Drohne möglicherweise die bessere Wahl. Viele Einsteigermodelle sind technisch sehr gut ausgestattet, deutlich günstiger und bringen viele Features mit.
- Ausnahme: Ihr filmt nur noch mit 360-Grad-Kameras und eine Drohne für diesen Anwendungsbereich komplettiert euer Repertoire an Content-Werkzeugen. Dann wird euch die Antigravity A1 sehr wahrscheinlich nicht enttäuschen.
Mein erstes Fazit zur Antigravity A1
Antigravity hätte auch einfach eine normale Drohne auf den Markt bringen und damit sein Produktportfolio ergänzen können. Dessen bin ich mir sicher.
Das haben sie aber nicht getan – und das rechne ich dem Hersteller hoch an. Stattdessen bringt Antigravity eine erste Version davon auf den Markt, die in Zukunft sicherlich nur noch besser wird, aber bereits jetzt schon sehr beeindruckend funktioniert.
- Die Drohne, die Brille und die Software funktionieren im Test mit einem Vorserienmodell fast ohne Probleme. Lediglich in einer Aufnahme konnte ich einen kleinen Fehler erkennen. Die Studio-Software ist einmal abgestürzt.
- Der Hersteller zeigt viel Liebe zum Detail, was einen extrem vollwertigen und durchdachten Eindruck vom Produkt hinterlässt. Dazu gehören das konfigurierbare Außendisplay der Brille, die Entnebelung der Brillengläser, die Filmwiedergabe direkt in der Brille, die clevere Steuerung, Virtual Cockpit und vieles mehr.
- Und letztlich bieten die 360-Grad-Aufnahmen Hobby-Filmern und Content Creatorn viele kreative Möglichkeiten.
Auf der anderen Seite muss sich der Hersteller angesichts des hohen Preises die Kritik gefallen lassen.
Zwar bieten mir die Aufnahmen in der Postproduktion enorme Flexibilität, doch beim Fliegen bin ich auf eine zweite Person angewiesen und somit wiederum extrem unflexibel – zumindest in Deutschland (und innerhalb der EU). Das muss jedem klar sein.
Neben dieser Einschränkung ist die Zielgruppe mitunter gering. Die Aufnahmen sind für den Urlaub und Social Media ausreichend. Wer mehr möchte oder gar professionelle Farbprofile erwartet, muss sich anderweitig umschauen. Dafür ist die Antigravity A1 schlicht nicht ausgelegt.
Dennoch sprechen wir von einem Erstlingswerk, das heute den Standard für 360-Grad-Aufnahmen aus der Luft setzt. Diese Messlatte wird der Hersteller in Zukunft vermutlich noch weiter nach oben treiben, worauf ich mich jetzt schon freue.
Die Zukunft der Film-Drohnen wird noch extrem spannend!
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