Man kann Apple wirklich nicht vorwerfen, dass sie es nicht versuchen würden. Seit Jahren gilt der Hersteller mit seinen iPads als die mit Abstand beste Option auf dem Tablet-Markt. Und für 2024 soll das Unternehmen aus Cupertino gleich drei große Neuerungen für die Pro-Modelle seiner Tablet-Reihe geplant haben.
Aber so sehr man sich bei Apple auch ins Zeug legt: Ich glaube, dass all die Arbeit an den Tablets vergebliche Liebesmüh ist. Und das liegt nicht einmal daran, dass die Software von iPadOS bei weitem nicht so mächtig ist wie MacOS für MacBooks. Und auch nicht daran, dass die Konkurrenz in Form von Android- und Windows-Tablets nicht Schritt hält und damit der Innovationsdruck fehlt.
Dass der Tablet-Markt nicht nur für Apple, sondern auch für andere Unternehmen seit Jahren stagniert und im zweiten Quartal 2023 sogar massiv geschrumpft ist, liegt neben der wirtschaftlichen Lage für mich vor allem an einer Sache: dem Tablet an sich.
iPad und Co.: Das Tablet steckt in einer Sinnkrise
Denn das Tablet steckt in einer Sinnkrise. Wie Jitesh Ubrani, Research Manager bei der International Data Corportation (IDC), schreibt, spaltet sich die Tablet-Kundschaft immer stärker in zwei Lager auf:
- Solche, die im teuren Segment der iPads und Samsung Tab Ultras unterwegs sind
- Solche, die günstigere Alternativen von Xiaomi und Lenovo kaufen.
Die preisliche Mittelklasse hingegen schrumpft.
Das deckt sich mit meiner persönlichen Erfahrung: Die einen suchen im Tablet eine Multimedia-Zentrale fürs Wohnzimmer, auf der man Nachrichten lesen oder die Kinder in stressigen Momenten mit YouTube bespaßen kann. Die anderen suchen einen vollwertigen Arbeits-Ersatz zum Notebook.
Gerade bei letzteren ist der Weg aber noch nicht zu Ende gegangen worden. Vor allem bei der Software wurden Tablets lange stiefmütterlich behandelt.
Mahmoud Itani hat das im vergangenen Jahr in einem Kommentar auf XDA-Developers schön zusammengefasst:
[...] Ich bestreite nicht, dass das iPad ein konkurrenzloser, leistungsstarker Glasblock und eines der meistverkauften Tablets aller Zeiten ist. Allerdings steckt es offenbar in einer Identitätskrise. [...] Heute passt das iPad nirgendwo mehr in meinen Arbeitsablauf - es ist ein bisschen von allem, aber nichts Eigenes.
Und nun könnte es zu spät sein, um dieses Versäumnis nachzuholen. Denn Himani Mukka, Research Manager beim Marktanalyse-Unternehmen Canalys, vermutet, dass Laptops und Desktops den Tablets dank neuerer KI-Entwicklungen bald bei der Produktivität deutlich den Rang ablaufen könnten.
Die Lösung könnte also stattdessen sein, sich stärker auf die andere Personengruppe zu fokussieren, die weniger hohe Ansprüche an das Tablet stellen - dafür aber auch deutlich weniger Geld ausgeben möchten.
Wie das aussehen könnte, hat etwa Google mit dem Pixel Tablet vorgemacht.
Denn das Gerät ist bereits für unter 700 Euro zu haben. Und auch, wenn man bei Kamera und Display klare Abstriche machen muss, scheint man bei Google die Idee des Tablets sinnvoll weitergedacht zu haben. Das Pixel Tablet kommt mit Docking-Station, wodurch das Gerät einen festen Platz im Wohnzimmer hat - und auf Wunsch auf als Schaltzentrale fürs Smart Home dienen kann.
2:26
Trailer zeigt, wie das Pixel Tablet dank Standfuß zur Smart-Home-Zentrale wird
Ein Blick in die (mögliche) Zukunft
Meine Vermutung lautet: Auch von Apple werden wir in den kommenden Jahren Schritte in diese Richtung sehen. Ich hoffe, dass der Entwickler aus Cupertino sich bei seinen iPads in Zukunft entsprechend umorientiert. Denn der stetige Drang, das Apple-Tablet immer mehr zur Produktivitäts-Maschine zu formen, scheint mir ein Holzweg zu sein.
Stattdessen eine (für Apple-Verhältnisse) günstige Alternative anzubieten, mit der sich die eigenen vier Wände steuern lassen und das einfache Unterhaltung auf der heimischen Couch bietet, erscheint mir so viel sinnvoller.
Und wenn das dann noch wie für Apple typisch in den eigenen Software-Kosmos eingebunden ist, hat man hier auch wieder ein Alleinstellungsmerkmal, das die iPads von anderen Tablets abgrenzt - und so auch irgendwo den gewohnten Apple-Aufpreis rechtfertigt.
Die besten Tablets, die ihr für weniger als 600 Euro bekommt
Wie seht ihr das? Stimmt ihr mir zu, dass Apples Versuch, das iPad zu einer vollwertigen Laptop-Alternative zu entwickeln, zum Scheitern bestimmt ist? Oder bin ich es, die mit ihrer Meinung auf dem Holzweg ist, weil ich eine einzigartige Stärke des Tablets nicht ausreichend wertschätze? Wohin wird sich das Tablet als Gerät künftig hinentwickeln? Ich freue mich auf eure Einschätzungen und Meinungen in den Kommentaren!

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