Stellt euch vor, ihr könntet euch in Zukunft den Kauf eines Fernsehers oder mehrerer Bildschirme einfach sparen. Stattdessen setzt ihr euch eine AR-Brille auf und die projiziert euch große Bildschirme einfach direkt vor die Augen.
Genau dies versprechen Brillen wie die Asus AirVision M1. Ihr könnt sie einfach mit jedem beliebigen Gerät verbinden, das Bildausgabe über USB-C unterstützt. Ich habe mit der Brille gespielt, gearbeitet und mich unterhalten lassen. In zwei von diesen Szenarien hat sie mich überzeugen können.
Update 18.02.2025: Ich habe die Akkulaufzeit von einem Gaming-Handheld mit und ohne Brille getestet und die Information unten ergänzt.
Transparenz-Hinweis: Asus hat mir die AirVision M1 für den Test kostenfrei zur Verfügung gestellt. Der Hersteller hatte keinen Einfluss auf den Artikelinhalt und bekam keine Einsicht vor dem Erscheinen des Tests. Es bestand keine Verpflichtung zu einem Testbericht.
Was ist die Asus AirVision M1?
Die AirVision M1 von Asus ist eine AR-Videobrille, die per USB-C mit anderen Geräten verbunden wird. In der Brille seht ihr einen oder sogar mehrere große Bildschirme, die direkt vor die Augen projiziert werden. Die maximale Bildschirmdiagonale liegt bei 100 Zoll.
Es handelt sich bei solchen Brillen also nicht um Stand-Alone-Geräte, sondern um Accessoires für
- Gaming-Handhelds,
- Laptops,
- Handys,
- und alle anderen Geräte, die Bildausgabe über USB-C unterstützen.
Die Bedienung ist vergleichsweise einfach. Einfach das USB-C-Kabel anstecken und schon erkennt euer Quellgerät ein neues Display. Die Brille selbst hat keinen eingebauten Akku und bezieht Strom über den USB-Anschluss.
Wie spielt es sich damit? Gaming, Arbeiten und Entertainment
Einer der besten Anwendungsfälle für die Asus AirVision M1 ist der Einsatz an einem Gaming-Handheld, wie dem Steam Deck, der Asus ROG Ally oder dem Lenovo Legion Go S. Die Vorteile liegen wortwörtlich auf der Hand:
- Handheld-Gaming mit großem Bildschirm.
- Der Handheld kann locker, wie ein Controller gehalten werden, was bei besonders schweren Geräten praktisch ist.
- Schutz vor neugierigen Blicken beim Spielen in der Öffentlichkeit.
Die Bildqualität ist auf einem sehr hohen Level. Für jedes Auge steht ein 0,5-Zoll großer Micro-OLED-Bildschirm mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixel zur Verfügung.
Es ist etwas schwer, das auf einem Foto möglichst realitätsnah zu präsentieren. Setzt man die Brille selbst auf, wirkt der Bildschirm riesig.
An der Vorderseite lässt sich eine Verdunklungs-Blende magnetisch anbringen, die Licht von vorn blockiert. So verbessert sich der Kontrast und aus der Augmented-Reality-Erfahrung wird eher eine, die Virtual Reality ähnelt. Es sieht in etwa so aus, als hätte man einen Kinosaal für sich selbst.
Die Transparenz der Anzeige ist auch abhängig von der eingestellten Helligkeit. Je heller eure Einstellung ist, desto weniger seht ihr durch die Anzeige hindurch. Die maximale Einstellung von 1.100 Nits ist äußerst hell und nur selten notwendig.
Gaming auf 100 Zoll
Wenn ihr schon einmal eure Spiele in einem Kinosaal spielen wolltet, dann ist so eine AR-Videobrille die bestmögliche Alternative, ohne gleich besagten Saal mieten zu müssen.
Es stehen sogar die Ultrawide-Bildformate 32:9 und 48:9 zur Verfügung. Dann müsst ihr allerdings den virtuellen Sitzabstand zum Bildschirm vergrößern, um den gesamten Inhalt auf einmal sehen zu können. Ist dieser zu gering, sind Teile vom Bild abgeschnitten und ihr müsst ihr den Kopf seitlich schwenken.
Die Brille eignet sich perfekt für das Spielen mit einem Handheld. Unabhängig von diesem Modell, das ich hier getestet habe, kann ich euch so eine AR-Videobrille sehr weiterempfehlen, wenn euch der Bildschirm von eurem Gerät manchmal zu klein oder wenn euch der Handheld zu schwer ist, um ihn stundenlang vor das Gesicht zu halten.
- Ferner kann eine Brille wie diese die Akkulaufzeit von eurem Handheld geringfügig verlängern, wenn ihr nur sie als Bildschirm verwendet.
- Anstatt eines großen Bildschirms mit 7 Zoll oder mehr Diagonale müssen nur zwei winzige Micro-OLED-Panels mit Strom versorgt werden.
- In meinem Test in Tekken 8 auf einem Lenovo Legion Go S, mit niedrigen Einstellungen, 30 Watt Leistung, maximaler Lautstärke und 80 Prozent Helligkeit kam ich mit der Asus AirVision M1 auf eine Spielzeit von 97 Minuten. Mit dem eingebauten 8-Zoll-Display vom Gaming-Handheld und gleichen Einstellungen kam ich auf 90 Minuten. Es ist kein großer Unterschied, aber er ist da.
Auch bei Nackenschmerzen kann so eine Brille helfen. Ich persönlich bekomme schnell Schmerzen, wenn ich für einen längeren Zeitraum nach unten blicken muss, und da hilft mir diese Brille, weil ich neutral nach vorn blicken kann. Es ist sogar problemlos möglich, im Liegen zu spielen und dabei an die Decke zu schauen. Die Brille ist mit 87 Gramm zudem äußerst leicht und komfortabel zu tragen.
Spielen mit mehreren Bildschirmen: Ihr könnt mehrere virtuelle Bildschirme vor euch fixieren. Das kann unter anderem ganz nützlich sein, wenn ihr auf einem euer Discord-Fenster platziert und auf dem anderen das Spiel läuft.
- Allerdings ist es nicht möglich, beide auf einmal zu sehen. In diesem Modus schaut ihr mit der Brille wie durch einen Tunnel und die Bildschirme passen nur einzeln in euer Blickfeld.
- Außerdem steht euch diese Funktion nur mit der AirVision-App zur Verfügung, die bisher ausschließlich mit Windows kompatibel ist.
Nachteile beim Spielen:
- Die Lautsprecher sind nicht sehr laut und klingen dünn. Für Casual-Gaming reichen sie aus. Für besseren Klang oder mehr Immersion empfehle ich euch Gaming-Earbuds zu verwenden.
- Die maximale Bildschirmwiederholrate beträgt leider nur 72 Hz. In Anbetracht des Preises hätte ich mir 120 Hz gewünscht.
- Die Brille muss korrekt sitzen und der Pupillenabstand sollte möglichst perfekt auf eure Augen eingestellt sein. Ansonsten seht ihr unscharf oder doppelt. Brillenträger haben die Möglichkeit, mitgelieferte Korrekturgläser von einem Optiker anpassen zu lassen. Ich persönlich habe die Brille mit Kontaktlinsen verwendet oder sogar über meine eigene Brille angezogen. Durch den Abstand zur Brille entstehen deswegen jedoch Randunschärfen.
Links seht ihr einen der zwei Lautsprecher, die im Bügel eingebaut sind. Rechts den USB-C-Anschluss.
Arbeit, Produktivität und Entertainment
Wie arbeitet es sich mit der Brille? Dank der Unterstützung von mehreren Bildschirmen ist es theoretisch möglich, produktiv mit der Brille zu arbeiten und sich den Kauf von mehreren teuren Monitoren zu sparen. Es gibt sogar ein besonders augenschonendes Bildprofil mit geringem Blauanteil im Licht. Für Meetings steht euch ein eingebautes Mikrofon mit Geräuschunterdrückung zur Verfügung.
Das mag praktisch klingen, aber die Brille kommt mit sehr großen Kompromissen, weshalb ich deswegen aktuell davon abrate.
- Ihr könnt wegen des »Tunneblicks« nur einen Bildschirm gleichzeitig sehen. Sie schweben vor euch, aber ihr müsst euren Kopf hin und her bewegen, wenn ihr sie sehen wollt.
- Kopfbewegungen sorgen dafür, dass die einzelnen Bildschirme »zittern«.
- Im Single-Screen-Modus existiert dieses Problem nicht, aber dafür steht euch eben auch nur ein einziger Bildschirm zur Verfügung.
- Mit aufgesetzter Brille kann es außerdem etwas schwierig sein, eure Tastatur zu sehen, wenn das wichtig für euch ist.
Wie ist Streaming und Entertainment mit der Asus AirVision M1? Fantastisch. Mit der Brille habt ihr euer eigenes Privatkino – egal, ob ihr auf dem Sofa hockt, am Schreibtisch sitzt, im Bett liegt oder es euch gemütlich auf dem Balkon gemacht habt.
- Lediglich der Sound lässt zu wünschen übrig. Ich empfehle euch, Earbuds zu verwenden.
- Ich kann mir tatsächlich vorstellen, den Fernseher mit einer solchen AR-Videobrille zu ersetzen. Alles, was zusätzlich nötig ist, ist ein Handy mit Videoausgabe über USB-C. Die Gläser sind zudem transparent genug, sodass ich meine Umgebung weiterhin sehen kann.
- Es gibt noch einen aktivierbaren 3D-Modus, mit dem ihr 3D- und VR-Inhalte anschauen könnt.
- Es gibt jedoch keine HDR-Unterstützung.
So habe ich getestet
Ich habe die Asus AirVision M1 zwei Wochen lang mit Gaming-Handhelds, Handys und Notebooks getestet. Dabei habe ich Spiele gespielt, Anrufe getätigt, gearbetet und Filme und Serien geschaut.
Spezifikationen
- Displaytechnologie: Micro OLED
- Auflösung: 1920 x 1080 pro Auge
- Bildschirmwiederhohlfrequenz: 72 Hz
- Maximale Helligkeit: 1.100 Nits
- Panelgröße: 0,49 Zoll
- Farbraumabdeckung: 95 % DCI-P3
- 3D-Modus: Ja
- Head-Tracking: Ja
- Transparenz: 60 %
- Splendid Modi: Office, Theater, Game, Standard, Low Blue Light
- Headset: Ja, mit Mikrofon mit Noise-Cancelling
- Anschlüsse: USB-C
- Maße: 17.1 x 5.3 x 17.0 cm
- Gewicht: 87 Gramm
Preis und Verfügbarkeit
- Release: seit 27.01.2025 verfügbar
- Preis: ab 700 Euro
Solltet ihr euch die Asus AirVision M1 kaufen?
Die Asus AirVision M1 ist für euch, wenn …
- … ihr eine Videobrille für Gaming und Entertainment sucht.
- … euch der Bildschirm von eurem Handheld zu klein ist
- … ihr die Idee eines mobilen Privatkinos reizend findet.
Mögliche Alternativen:
Rokid Max 2: Diese Brille ist günstiger und bietet euch sogar eine Bildwiederholfrequenz von 120 Hz. Dazu kommt eine eingebaute Korrektur für Kurzsichtigkeit bis Minus 6 Dioptrien. Die Bildschirme erreichen allerdings nur eine Helligkeit von etwa 600 Nits.
Xreal Air 2: Noch günstiger kommt ihr mit der Air 2 von Xreal weg. Auch hier findet ihr eine hohe Bildschirmwiederholfrequenz von 120 Hz. Diese Brille ist allerdings noch dunkler und bietet euch nur 500 Nits.
Preis-Leistung: Für einen Preis von über 700 Euro bietet euch die Asus AirVision M1 zwar ein ausgezeichnetes Gesamtpaket, aber zu einem sehr hohen Preis. Wenn man damit allerdings Fernseher oder sogar Monitore ersetzen kann, relativiert sich der Preis wieder etwas. Trotzdem gibt es auch günstigere Optionen, die euch sogar 120 Hertz bieten. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist aktuell nicht besonders gut und das Warten auf ein Angebot könnte sich lohnen.

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