Der Legion Go S verabschiedet sich von den abnehmbaren Controllern des Legion Go und setzt auf einen etwas kleineren 8-Zoll-Bildschirm. Hinzukommt ein etwas langsamerer Prozessor, aber dafür ein günstigerer Preis.
Obwohl dieser neue Handheld zu meinen neuen persönlichen Favoriten gehört, kann ich den Steam Deck-Konkurrenten nicht bedenkenlos jedem empfehlen.
Update 13.02.2025: Leistungsvergleich mit dem Steam Deck hinzugefügt.
Transparenzhinweis: Lenovo hat mir den Legion Go S für den Test kostenfrei zur Verfügung gestellt. Der Hersteller hatte keinen Einfluss auf den Artikelinhalt und bekam keine Einsicht vor dem Erscheinen des Tests. Es bestand keine Verpflichtung zu einem Testbericht.
Unboxing und erster Eindruck
Hier seht ihr mein Unboxing und meinen allerersten Eindruck des Lenovo Legion Go S:
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Lenovo Legion Go S: Unboxing und erster Eindruck
Komfort und Verarbeitung: So bequem ist kein anderer
Der Lenovo Legion Go S ist einer der komfortabelsten Gaming-Handhelds, die ich je gehalten habe. Die Griffe sind schön abgerundet und leicht texturiert. Dazu kommt, dass es keine einzige Kante gibt, die in irgendeiner Weise unangenehm in die Hände drückt.
Beim größeren Vorgängermodell, dem Lenovo Legion Go, hatte ich große Probleme mit der Ergonomie. Die Griffe waren vorne recht kantig und unbequem, der Handheld war sehr schwer und die Trigger konnte ich nicht drücken, ohne mit den Fingern gegen das Plastikgehäuse der Controller zu stoßen.
Beim Legion Go S existieren diese Probleme nicht. Zudem verteilt sich das Gewicht von 740 Gramm schön auf beide Hände.
Über die Verarbeitung des Handhelds kann ich mich nicht beschweren. Das Gehäuse besteht wie bei anderen Handhelds aus Kunststoff, fühlt sich aber nicht billig an.
Damit ihr den Handheld sicher transportieren könnt, wäre jedoch eine Tasche oder ein Hardcase nützlich gewesen. Das gab es beim Lenovo Legion Go, aber nicht bei dieser S-Variante.
Bedienung: Controller und Trackpad
Der integrierte Controller übernimmt Features, die man sonst von Premium-Controllern kennt.
Die Analog-Sticks verwenden Hall-Effekt-Technologie. Also wird die Position über Magneten bestimmt, und sie sollten somit deutlich resistenter gegenüber Stick-Drift sein als herkömmliche Modelle.
Außerdem verfügen beide über Glättungsringe, weshalb sie sich sehr weich und flüssig in der Bedienung anfühlen.
Die Trigger verfügen über eine Instant-Trigger-Funktion. Das heißt, ihr könnt den Aktivierungsweg mit zwei kleinen Schaltern auf der Rückseite verkürzen, damit sie schneller auslösen. Aktiviert ihr die Instant-Trigger-Funktion, drückt ihr mit R2 und L2 sogar gegen Mikroschalter mit zufriedenstellendem Klicken.
Das ist nützlich in Spielen, die keine analogen Trigger benötigen und bei denen eine schnelle Reaktion hilfreich ist, wie zum Beispiel bei Shootern oder Fighting-Games.
Unter dem rechten Analog-Stick befindet sich ein winziges Trackpad, das man für einen Fingerabdrucksensor halten könnte. Zu meiner Überraschung lässt sich damit die Maus in Windows 11 befriedigend steuern.
Das Spielen von Strategie-Spielen würde ich jedoch nicht empfehlen – vor allem Echtzeit-Strategie. Ihr müsst den Daumen ziemlich oft neu aufsetzen, weil das Trackpad so klein ist und die Präzision ist nicht die beste, weil eine hohe Empfindlichkeit fast schon ein Muss ist bei dieser Größe.
Mit der kommenden SteamOS-Variante vom Lenovo Legion Go S sollte das Betriebssystem zuverlässig mit dem Controller steuerbar sein. Dadurch verliert das Trackpad etwas seine Daseinsberechtigung.
Auf der Rückseite befinden sich zwei Makro-Tasten, die ihr frei belegen könnt. Sie sind so platziert, dass die Mittelfinger natürlich darauf liegen. Ich kann mir vorstellen, dass unbeabsichtigte Eingabe möglich sind, was mir aber beim Spielen bisher nicht passiert ist. Die Tasten sind sehr taktil – man hört und spürt, wenn sie auslösen.
Das D-Pad: Laut Lenovo wurde das Steuerkreuz für »Kampfspiel-Enthusiasten« entwickelt – also praktisch für mich. Ich bin mit Spielen wie Street Fighter und Tekken groß geworden. Und ich bin mir nicht sicher, ob Lenovo dieses D-Pad wirklich mit echten Fighting-Game-Spielern kreiert hat.
- Die scheibenförmige Form sorgt zwar dafür, dass der Daumen angenehm von einer Richtung zur nächsten gleiten kann. Fighting-Game-Eingaben sind dadurch etwas ergonomischer.
- Die Richtungen haben kein taktiles oder hörbares Feedback – vor allem, wenn man von einer Richtung zur nächsten wechselt. Das fühlt sich nicht nur ungenau an, es führt auch zu Fehleingaben.
- Das D-Pad erinnert mich sehr an das vom Xbox 360-Controller.
- Für Fighting-Games auf einem Handheld empfehle ich euch eher das Steam Deck oder den Zotac Zone.
Tabletop und gedocktes Spielen: Der Lenovo Legion Go S hat keinen eingebauten Kickstand, weshalb ihr für Tabletop-Gaming einen separaten Ständer benötigt. In der Verpackung befindet sich immerhin einer aus Karton, der die Lüftungsschlitze nicht blockiert.
Ein kleiner Nachteil ist die enge Anordnung der beiden USB4-Anschlüsse oben. Wenn ihr etwa einen USB-Dongle (zum Beispiel für Headsets) oder eine externe SSD angeschlossen habt, kann es sein, dass der zweite USB-C-Anschluss verdeckt und nicht mehr verfügbar ist:
Bildschirm: Es muss nicht OLED sein
Der Bildschirm des Lenovo Legion Go S ist eines seiner stärksten Features, obwohl ein IPS-LCD und kein OLED zum Einsatz kommt.
Die Bildschirmdiagonale von acht Zoll ist zwar etwas kleiner als vom Lenovo Legion Go (8,8 Zoll), aber immer noch schön groß für alle, die sieben Zoll, wie beim Steam Deck oder der Asus ROG Ally, zu klein finden. Des Weiteren eignet sich die Größe besser für die Bedienung von Windows 11 im Desktop-Modus.
Die Auflösung beträgt 1.920 x 1.200 Pixel und ist somit hoch genug für die Displaygröße. Die Schärfe und Bildqualität ist auf einem hohen Niveau, aber eventuell hätte eine niedrigere 800p-Auflösung, wie beim Steam Deck, auch ausgereicht.
Der verbaute Ryzen Z2 Go-Chip ist ohnehin nicht so schnell, weshalb man sich bei vielen Spielen auf Upscaling verlassen muss.
120 Hz und VRR: Für flüssiges Gameplay und scharfe Darstellung bei schnellen Bewegungen unterstützt das Display eine variable Bildschirmwiederholrate von 120 Hertz.
Die Farben wirken brillant und decken laut Lenovo den sRGB-Farbraum hundertprozentig ab.
Die Displayhelligkeit von 500 Nits könnte jedoch besser sein. Sie reicht zwar aus, um das Display draußen ablesen zu können, aber es gibt inzwischen Handhelds mit deutlich helleren Bildschirmen.
Das Steam Deck OLED kommt beispielsweise auf eine maximale Helligkeit von 1.000 Nits – also doppelt so hoch.
Gaming: Performance und Lautstärke
Doch wie spielt es sich nun auf dem Lenovo Legion Go S? Vorab solltet ihr wissen, dass dieser Handheld in zwei unterschiedlichen Konfigurationen erscheint:
- 16 GByte RAM und 512 GByte Speicher
- 32 GByte RAM und 1 TByte Speicher
Ich hatte die Variante mit 16 GByte zum Testen. Beide Versionen sind laut Lenovo mit dem AMD Ryzen Z2 Go ausgestattet. Im Vergleich zum AMD Ryzen Z1 Extreme ist der etwas langsamer. Letzterer werkelt beispielsweise im Asus ROG Ally oder im Lenovo Legion Go.
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- CPU-Kerne: 4
- Threads: 8
- Maximale Taktrate: 4,3 GHz
- Durchschnittliche Taktrate: 3 GHz
- L2 Cache: 2 MB
- L3 Cache: 8 MB
- Standard-TDP: 28 Watt
- TDP-Konfiguration: 15 bis 30 Watt
- Grafik: AMD Radeon Graphics, 12 Grafik-Kerne
Es wird auch eine Variante mit dem Ryzen Z1 Extreme-Prozessor geben, die aber erst später erscheint.
Ich habe den die Gaming-Performance in fünf Spielen mit dem Lenovo Legion Go und dem Steam Deck verglichen; Alle drei Geräte besitzen 16 GByte RAM. Außerdem habe ich für eine bessere Vergleichbarkeit, diesselbe Bildschirmauflösung bei allen drei Geräten ausgewählt.
Beim meinem Steam Deck ist der DeckHD-Screen verbaut, der diesselbe Auflösung hat, wie der Bildschirm des Lenovo Legion Go S.
Bei beiden Lenovo-Handhelds ist es möglich, selbst zu bestimmen, wie viel Arbeitsspeicher als Videospeicher reserviert werden soll. Ich habe mich für »Auto« entschieden, da dies die Standardeinstellung ist.
Bei allen Spielen habe ich folgende Einstellungen gewählt:
- Native Auflösung (1.920 x 1.200) und kein Upscaling
- Niedrige Einstellungen
- Maximale TDP und maximale Lüftergeschwindigkeit (für bestmögliche Leistung)
- Bei Horizon Forbidden West und Monster Hunter World habe ich außerdem eine hundertprozentige CPU-Auslastung bemerkt. Hier macht sich die langsamere CPU bemerkbar.
| Lenovo Legion Go S | Lenovo Legion Go | Steam Deck (LCD) | |
|---|---|---|---|
| Horizon: Forbidden West | Ø 23 FPS | Ø 25 FPS | Ø 22 FPS |
| Monster Hunter: World | Ø 53 FPS | Ø 70 FPS | Ø 52 FPS |
| Control: Ultimate Edition | Ø 31 FPS | Ø 46 FPS | Ø 32 FPS |
| Tekken 8 | Ø 38 FPS | Ø 45 FPS | Ø 36 FPS |
| Like a Dragon: Infinite Wealth | Ø 25 FPS | Ø 29 FPS | Ø 21 FPS |
13:29
Horizon: Forbidden West - Test-Video zur PC-Version
Die Tests zeigen, dass ihr mit dem Lenovo Legion Go S mit Ryzen Z2 Go-Prozessor Abstriche bei der Gaming-Leistung machen müsst. Er ist in meinen Tests nur etwa so schnell wie das Steam Deck.
Der Handheld ist insgesamt etwa 20 Prozent langsamer als das erste Modell oder andere Handhelds mit Ryzen Z1 Extreme oder ähnlichem Prozessor (wie zum Beispiel Asus ROG Ally oder Zotac Zone).
In der Praxis sind die meisten Spiele dennoch sehr gut spielbar – nur eben mit niedrigeren Einstellungen oder weniger FPS.
Lüfterlautstärke: Bei maximaler Drehzahl ist der Lüfter vom Lenovo Legion Go S gut hörbar. Er klingt etwa so wie ein sich schnell drehendes CD-Laufwerk. Glücklicherweise ist der Ton aber nicht so schrill und hoch, wie beim ersten Modell und es lassen sich eigene Lüfterkurven anlegen.
Akkulaufzeit: Nicht überragend, aber auch nicht schlecht
Lenovo hat dem Legion Go S einen Akku mit einer Gesamtkapazität von 55,5 Wh spendiert. Das ist sogar etwas mehr als beim größeren Lenovo Legion Go, der nur 49,2 Wh zur Verfügung hat.
In der Praxis macht das allerdings nur wenig aus. Wie bei anderen Gaming-Handhelds in dieser Preisklasse ist beim Spielen von grafisch anspruchsvollen Titeln schnell Schluss.
In Tekken 8, mit maximaler Lautstärke, 30-Watt TDP, 80 Prozent Bildschirmhelligkeit und niedrigen Grafikeinstellungen ging der Handheld nach exakt 90 Minuten aus. Das ist ungefähr auf dem Level von anderen Handhelds mit einem Akku im 50 Wh-Bereich.
Wenn ihr ein Gerät mit langer Akkulaufzeit sucht, dann sind aktuell die Asus ROG Ally X und die MSI Claw 8 AI+ gute Optionen. Beide sind mit einem großen 80 Wh-Akku ausgestattet, allerdings auch deutlich teurer.
In meinem Test konnte ich beim Asus ROG Ally X vereinzelt tatsächlich doppelt so lange Akkulaufzeiten verzeichnen als beim Vorgänger mit dem 40 Wh-Akku.
Software und Bedienung: Windows 11 ist okay, Legion Space nicht
Die Bedienung von Windows 11 auf einem 8-Zoll-Handheld geht für mich absolut in Ordnung. Dank des kleinen Trackpads ist der Desktop weniger umständlich.
Wenn ihr einfach nur eure Spiele spielen wollt und schon einmal einen Windows-Laptop oder PC bedient habt, dann solltet ihr auch mit dem Lenovo Legion Go S zurechtkommen.
Für eine Controller-optimierte Erfahrung, würde ich euch den Steam Big Picture-Modus empfehlen und nicht das vorinstallierte Legion Space. Schon auf dem alten Lenovo Legion Go fand ich die Bedienung umständlich und extrem langsam.
Die Schnelleinstellungen-Taste auf der rechten Seite muss fast immer doppelt und dreifach gedrückt werden, bis das Menü endlich erscheint. Und ist es mal da, reagiert es äußerst langsam auf eure Eingaben.
Ich hatte gehofft, dass die Software bei diesem Modell besser ist, aber sie ist gleich, also genauso langsam wie beim ersten Lenovo Legion Go.
Wählt eure Einstellungen am besten so, dass ihr sie nur selten verändern müsst und nutzt die Windows- oder Steam-Oberfläche.
Sollte euch Windows 11 gar nicht zusagen, könnt ihr auch auf die Version mit SteamOS warten, die im April erscheinen soll und sogar günstiger wird. Oder ihr installiert schon jetzt ein ähnliches Linux-Betriebssystem, wie Bazzite OS oder Chimera OS.
Spezifikationen
- Prozessor: AMD Ryzen Z2 Go (3,00 bis 4,30 GHz)
- Grafik: AMD Radeon Graphics
- Arbeitsspeicher: 16 oder 32 GByte LPDDR5X bei 6.400 MT/s
- Speicher: MicroSD-Karte, 512 GByte M.2 2242-SSD oder 1 TByte M.2 2242-SSD
- Display: 8 Zoll, 1920 x 1200, IPS, Touch, 100 % sRGB, 500 Nits, 120 Hz mit VRR
- Akku: 55 Wh mit 65 Watt Ladeleistung
- Konnektivität: Wi-Fi 6E, Bluetooth 5.3
- Farbe: Glacier White
Preis und Verfügbarkeit
- Release: Bereits erfolgt. (Seit 06.02.2025 erhältlich)
- Preis:
- 16 / 512 GByte: 630 Euro
- 32 / 1 TByte: 800 Euro
So habe ich getestet
Ich habe den Lenovo Legion Go S zwei Wochen lang als meinen Handheld für PC-Spiele verwendet. Dabei habe ich ihn sowohl gedockt, als auch als Handheld verwendet.
Solltet ihr euch den Lenovo Legion Go S kaufen?
Obwohl mir der Lenovo Legion Go S ordentlich gefällt, kann ich ihn nicht jeden von euch empfehlen. Für viele Fans von PC-Handhelds ist die Gaming-Leistung besonders wichtig und ausgerechnet in diesem Punkt überzeugt der Legion Go S nicht – zumindest in Relation zu seinem jetzigen Kaufpreis.
Für 630 Euro erhaltet ihr einen äußerst ergonomischen Handheld mit exzellenten Controller-Features, einem schönen Bildschirm, aber niedrigerer Gaming-Leistung als Geräte, die günstiger sind, wie zum Beispiel die Asus ROG Ally mit Z1 Extreme-Prozessor.
Der Lenovo Legion Go S passt zu euch, wenn …
- … euch ein hoher Spielkomfort wichtig ist.
- … ihr Wert auf hochwertige Controller-Komponenten legt.
- … ihr nicht die beste Gaming-Leistung bei einem Handheld benötigt.
Alternativen:
Asus ROG Ally: Der ROG Ally mit Ryzen Z1 Extreme-Prozessor ist inzwischen immer wieder für Preise um die 500 Euro erhältlich. Ihr erhaltet mit dem Gerät einen Handheld mit besserer Gaming-Leistung, aber mit kleinerem Bildschirm, weniger Controller-Features und einem kleineren Akku.
Zotac Zone: Wenn euch Controller-Features wie Hall-Effekt-Sticks, Instant-Trigger und Trackpads wichtig sind, dann könnte der Zotac Zone eine geeignete Alternative sein, solange ihr bereit seid, 850 Euro auf den Tisch zu legen. Dafür verfügt der Handheld über einen schönen AMOLED-Bildschirm und einen schnelleren AMD Ryzen 8840U-Prozessor.
Für noch mehr Alternativen schaut in meinen Handheld-Ratgeber:
Preis-Leistung: Der Lenovo Legion Go S mit Windows 11 ist ein schöner Handheld, den ich gerne in die Hand nehme. Spielkomfort ist mir wichtig und der große Bildschirm mit VRR überzeugt. Aber dafür müsst ihr eine etwas geringere Gaming-Performance hinnehmen.
Ich halte den Preis von 630 Euro für das 16 GByte-Modell für fair, wenn euch dieser Punkt nicht so wichtig ist. Das Modell mit 32 GByte RAM kostet ganze 800 Euro und obwohl die Gaming-Leistung wohl etwas höher sein sollte, halte ich diesen Preis für zu hoch.

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