Wer wirklich wissen will, was im Schlaf passiert, braucht keine Smartwatch – sondern ein Stirnband

Mit einer Smartwatch statt mit einem Stirnband ins Bett gehen? Was zunächst seltsam klingt, ergibt durchaus Sinn.

Das Muse S Athena ist das richtige Gadget, um den Schlaf zu tracken. Aber das Teil hat seinen Preis. (Bild: Patrick S. – GameStar Tech) Das Muse S Athena ist das richtige Gadget, um den Schlaf zu tracken. Aber das Teil hat seinen Preis. (Bild: Patrick S. – GameStar Tech)

In den vergangenen vier Jahren habe ich zahlreiche Wearables und Health-Gadgets getestet. Smart Ringe, Armbänder – mit einer Uhr war ich sogar mehr oder weniger beim Arzt.

Auf Platz eins der kuriosesten Gadgets schafft es ohne Mühen das Muse S Athena. Ein Stirnband für Meditation und Schlaf. Das klingt zunächst seltsam, ergibt aber Sinn.

Während Smartwatches den Schlaf anhand von Bewegungen und der Herzfrequenz schätzen, misst das Stirnband die Gehirnaktivitäten. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Elektroenzephalografie (EEG).

Vier entlang der Stirnlinie angebrachte Sensoren messen die elektrischen Signale, die die Nervenzellen erzeugen (vereinfacht ausgedrückt).

Somit lassen sich Gehirnwellen in Echtzeit erfassen. Das ist im Grunde die Basis, die in medizinischen Schlaflaboren eingesetzt wird, natürlich in abgespeckter Form und ohne die hochgradige Präzision klinischer Geräte.

Ich habe mir das Band um die Stirn geschnallt und genauer angeschaut.

Transparenzhinweis: Muse hat mir das Stirnband kostenfrei für den Test zur Verfügung gestellt. Der Hersteller hatte keinen Einfluss auf den Artikelinhalt und bekam keine Einsicht vor Erscheinen des Tests. Es bestand keine Verpflichtung zu einem Testbericht.

Muse S Athena
Muse S Athena
Das Muse S Athena ist eines der kuriosesten und spannendsten Gadgets überhaupt. Es misst Schlafdaten aktiv per EEG, nicht geschätzt wie bei einer Smartwatch, und trägt sich dank des geringen Gewichts und der guten Polsterung überraschend angenehm. Allerdings ist eine längere Eingewöhnungszeit zum Schlafen nötig. Die Fokusübungen überzeugen auch ohne Meditationserfahrung: Das Gamification-Prinzip macht das Training zugänglich und die Auswertungen liefern spannende Einblicke. Das größte Problem bleibt der Preis. 450 Euro plus 50 Euro Jahresabo sind schlicht zu viel. Wer bereit ist, diesen Betrag in mentale Fitness zu investieren, erhält eines der technisch interessantesten Wearables auf dem Markt.
  • Echte EEG + fNIRS-Messung
  • Tragekomfort überraschend gut
  • Zuverlässige Schlafphasen-Ergebnisse
  • Fokusübungen machen Spaß und liefern interessante Einblicke
  • Detaillierte Auswertung nach Schlaf und Fokusübungen
  • Ziemlich teuer
  • Vollumfänglich nur mit Premium-Abo nutzbar (50 Euro pro Jahr)
  • App ausschließlich auf Englisch
  • Probleme mit der richtigen Positionierung führt zu Frust
Wissenswertes zum Test
Inhaltsverzeichnis
Spezifikationen

MerkmalSpezifikation
ProdukttypNeuro-/Schlaf-Headband für EEG- und fNIRS-Tracking
Sensorik5 EEG-Sensoren, fNIRS-Optik, PPG, Beschleunigungssensor, Gyroskop
MesswerteGehirnaktivität, Gehirnoxygenierung, Herzaktivität, Atmung, Bewegung, Schlafphasen und Körperhaltung
BluetoothBluetooth 5.3
AkkuBis zu 10 Stunden Laufzeit
Ladezeit2 bis 3 Stunden
Gewicht41 Gramm
Größe / PassformVerstellbares Headband, Größenbereich etwa 43–63 Zentimeter
MaterialStoffband, erhältlich in Carbon und Opal
App-KompatibilitätMuse-App für iOS und Android
Unterstützte GeräteiOS 16.1 und höher
Android 8 und höher
Preisab 450 Euro
AboOptionales Jahresabo für Zusatzfunktionen, 50 Euro pro Jahr (aktuell)

Wie habe ich das Stirnband getestet?

Ich habe das Stirnband drei Nächte lang zum Schlafen getragen und die Ergebnisse mit denen des Oura Rings 4 verglichen, der für seine akkuraten Schlafdaten bekannt ist. Zudem habe ich mit dem Stirnband mehrere Meditations- und Fokusübungen durchgeführt.

Design und Tragekomfort

Ein Stirnband beim Schlafen tragen?! Goldrichtig, und ich mache euch nichts vor: Ich wollte mich nicht daran gewöhnen. Das liegt nicht an diesem Gadget speziell, sondern an seiner Natur.

Mit einem Sensor am Kopf schläft es sich für mich einfach nicht bequem. Zudem hatte ich Angst, dass das Band verrutscht und die Messungen fehlerhaft sind (was zum Glück nicht der Fall war).

Dabei kann ich dem Hersteller keinen Vorwurf machen:

  • Das S Athena wiegt lediglich 41 Gramm. Dadurch entsteht kein störendes Gewichtgefühl auf dem Kopf.
  • Das Band am Sensor ist weich und gut gepolstert, sodass nichts zwickt oder juckt.

Ja, das Muse-Stirnband ist nicht gerade der Inbegriff von »Stylish«. (Bild: Patrick S. GameStar Tech) Ja, das Muse-Stirnband ist nicht gerade der Inbegriff von »Stylish«. (Bild: Patrick S. GameStar Tech)

Allerdings ist das korrekte Feinjustieren auf der Stirn mehr als gewöhnungsbedürftig. Denn die Sensoren müssen optimal aufliegen. Haare, Schweiß oder Gesichtscreme können dabei Probleme verursachen.

Bei den ersten Versuchen wollten die Sensoren einfach nicht grün werden. Der Frust ließ schnell grüßen, bis die optimale Position gefunden war.

Die Sensoren müssen eng genug an der Haut anliegen. Leider gibt es stellenweise Probleme, sodass das Signal nicht fehlerfrei durchkommt. Dann heißt es, das Band auf der Stirn zu verschieben, auszuprobieren und zu warten, bis es klappt. Das kann ordentlich am Nervenkostüm zerren. (Bild: Skymakers Design) Die Sensoren müssen eng genug an der Haut anliegen. Leider gibt es stellenweise Probleme, sodass das Signal nicht fehlerfrei durchkommt. Dann heißt es, das Band auf der Stirn zu verschieben, auszuprobieren und zu warten, bis es klappt. Das kann ordentlich am Nervenkostüm zerren. (Bild: Skymakers Design)

Die Sensorik — hier liegt der Mehrwert

Wie eingangs erwähnt, bietet das S Athena einen deutlichen Vorteil gegenüber Smartwatches und Co. Das Band liefert dank EEG echte Gehirnwellendaten.

Noch interessanter ist seine zweite Kerntechnologie, die funktionelle Nahinfrarot-Spektroskopie (fNIRS). Fünf Infrarotsensoren messen die Durchblutung und Sauerstoffversorgung im präfrontalen Kortex. Das ist der Bereich direkt hinter der Stirn.

Die besagten fünf Sensoren. (Bild: Patrick S. - GameStar Tech) Die besagten fünf Sensoren. (Bild: Patrick S. - GameStar Tech)

Dieser Bereich ist maßgeblich für Konzentration, Entscheidungsfindung und die kognitive Kontrolle verantwortlich. Anders formuliert: Damit lässt sich messen, wie stark das Gehirn gerade arbeitet. Bislang kommt diese Technologie hauptsächlich in Laboren zum Einsatz.

Das S Athena ist eines der ersten Consumer-Geräte, die diese Technologie zugänglich machen.

Zusätzlich ist das Band mit einem PPG-Sensor zur Überwachung der Blutsauerstoffsättigung sowie mit MEMS-Bewegungssensoren (Bewegungsmesser und Gyroskop) ausgestattet. Diese messen die körperliche Ruhe während der Übungen. Außerdem zeichnen sie Schlafpositionen auf.

Was bedeutet das alles für die Praxis?

Video starten 16:02 Smart-Ring als Alternative zur Smartwatch? Das müsst ihr unbedingt vorher wissen!

Schlaftracking im Praxistest

Die Kombination aus EEG und fNIRS liefert ein vollständigeres Bild als es mit einer Smartwatch (oder einem Smart Ring) möglich ist.

Das zeigt sich in der App-Auswertung: Neben den klassischen Schlafphasen (Leicht, Tief, REM) liefert das Stirnband Daten, die kein Wearable fürs Handgelenk messen kann. Dazu zählen die Intensität der Tiefschlaf-Aktivität, die Schlafposition, die Körperruhe und die rohen Gehirnwellen aufgeschlüsselt nach Delta, Theta und Alpha.

Besonders interessant ist die Funktion, die mir durch die Bewegungssensoren anzeigt, wie lange ich in der jeweiligen Schlafposition gelegen habe. Das vervollständigt das Bild eines (un)ruhigen Schlafs.

Delta-Wellen zeigen, wie dominant der Tiefschlaf war. Theta treten beim Einschlafen und in leichten Schlafphasen auf. Alpha sind typisch für entspannte Wachheit, etwa kurz vor dem Einschlafen. (Bild: Skymakers Design) Delta-Wellen zeigen, wie dominant der Tiefschlaf war. Theta treten beim Einschlafen und in leichten Schlafphasen auf. Alpha sind typisch für entspannte Wachheit, etwa kurz vor dem Einschlafen. (Bild: Skymakers Design)

Im Test habe ich das Stirnband testweise eine Nacht lang zusammen mit zwei smarten Ringen getragen, darunter der Oura Ring 4 und der Luna Ring.

Bei einer einfachen Schlafbewertung liegen Oura und Muse nah beieinander. Der entscheidende Unterschied liegt in der Methode: Es wird gemessen statt geschätzt. Ich vertraue daher dem Stirnband.

GerätGesamtLeichtTiefRemWach
Oura Ring 406:5703:1401:1601:3300:55
Muse S Athena06:5703:0001:3801:3400:45
Luna Ring06:2803:1302:0901:0200:04

Für die Nacht hat das S Athena außerdem zwei Funktionen im Repertoire:

  1. Smart Wake: Anstatt mich zu einem festen Zeitpunkt zu wecken, analysiert das Stirnband meine Schlafphasen und weckt mich im optimalen Moment, beispielsweise im Leichtschlaf. Das Ziel ist es, mich nicht aus dem Tiefschlaf zu reißen.
  2. Deep Sleep Boost: Sobald das Stirnband erkennt, dass ich in den Tiefschlaf übergehe, spielt es nahezu unhörbare Pink-Noise-Impulse ab. Diese synchronisieren sich laut Hersteller mit den vergleichsweise langsamen Hirnwellen des Tiefschlafs und verstärken diesen aktiv.

Smart Wake hat mich nicht geweckt, weil der Wecker schneller war. In meinem Fall hat sich der Deep Sleep Boost nicht bemerkbar gemacht. Ich habe schlicht keinen Unterschied festgestellt. Vermutlich braucht es mehr Zeit, vielleicht war mein Schlaf aber auch gut genug.

Zum Schluss sei noch der Akku erwähnt: Er hält laut Hersteller bis zu zehn Stunden durch. Für eine Nacht sollte das für die meisten Menschen ausreichend sein.

Meditation und Fokus

Mit Meditation bin ich bislang kaum in Berührung gekommen. Mit dem Muse-Stirnband habe ich mich darauf eingelassen, immerhin ist dies der zweite Schwerpunkt des Gadgets.

Also habe ich das Stirnband angelegt und eine Sitzung auf dem Handy gestartet. Während der Sitzung spielt das Smartphone über die App Umgebungsgeräusche ab, zum Beispiel den Klang eines Regenwaldes oder Meeresrauschen.

Der Clou: Sind Körper und Geist ruhig und fokussiert, sind auch die Geräusche ruhig und angenehm. Wenn man abschweift und unruhig wird, werden die Umgebungsgeräusche lauter. Das funktioniert als eine Art Live-Feedback ziemlich gut. Am Ende der Sitzung wird zudem schön aufgeschlüsselt, ob und wie man zur Ruhe gekommen ist.

Die Vögel, die während der Sitzung »auf mir landen«, zeigen bildlich, wie ruhig ich über eine längere Zeitspanne war.

Mir fallen die Meditationsübungen tatsächlich schwer. Einfach in Ruhe sitzen und entspannen. Zusammen mit Fokus und Schlaf bildet sich ein Kreislauf, der das Gehirn fit hält. (Bild: Skymakers Design) Mir fallen die Meditationsübungen tatsächlich schwer. Einfach in Ruhe sitzen und entspannen. Zusammen mit Fokus und Schlaf bildet sich ein Kreislauf, der das Gehirn fit hält. (Bild: Skymakers Design)

Konkreter wird es beim Fokus-Training: Eine Eule fliegt, solange ich mich aktiv darauf konzentriere. Sie verlangsamt sich, sobald meine Konzentration nachlässt. In diesem Fall wird das also nicht durch Entspannung, sondern durch kognitive Anstrengung gesteuert, die per fNIRS gemessen wird.

Schlaf und Meditation greifen beim S Athena also ineinander: Erholung und Fokus sind zwei Seiten derselben Medaille.

Anfangs fiel es mir schwer, mich zu konzentrieren. Erst später konnte ich mich auf die Eule fokussieren und alles andere ausblenden. Es hat funktioniert. (Bild: Skymakers Design) Anfangs fiel es mir schwer, mich zu konzentrieren. Erst später konnte ich mich auf die Eule fokussieren und alles andere ausblenden. Es hat funktioniert. (Bild: Skymakers Design)

Im Nachhinein hatte ich an diesen Sessions den meisten Spaß, da ich mir dadurch Zeit für eine Pause und bewusste Ruhe genommen habe. Ja, das funktioniert ohne Gadget genauso gut oder sogar besser.

Das Stirnband macht es hingegen messbar, was seinen Reiz hat.

App und Premium-Funktionen

Das S Athena ist schnell und unkompliziert verbunden und eingerichtet. Die App ist größtenteils übersichtlich aufgebaut. Lediglich der Reiter »Train« wirkt mit zu vielen Übungen überwältigend.

Der Coach Enso kann beispielsweise dabei helfen, Gehirnaktivitäten zu interpretieren. Leider ist auch diese Ausgabe nur auf Englisch verfügbar. (Bild: Skymakers Design) Der Coach Enso kann beispielsweise dabei helfen, Gehirnaktivitäten zu interpretieren. Leider ist auch diese Ausgabe nur auf Englisch verfügbar. (Bild: Skymakers Design)

Zu Beginn lassen sich immerhin die Übungen zu »Start Your Muse Journey« absolvieren, die wie ein roter Faden wirken. Leider sind sämtliche Übungen sowie die App selbst nur auf Englisch verfügbar. Eine deutsche Übersetzung fehlt.

Schade ist auch, dass wie bei vielen Wearables bestimmte Funktionen dem Premium-Abo vorbehalten sind. Zu den einmaligen 450 Euro kommen also noch einmal 14 Euro pro Monat oder 50 Euro im Jahr hinzu.

Dann steht euch in der App etwa der KI-Coach Enso mit Fragen zur Verfügung. Der Coach ist vor allem dann hilfreich, um die komplizierten Informationen nach einem Training zu verstehen oder ein Gefühl dafür zu bekommen, was das Training genau aussagt.

Ebenfalls im Abonnement enthalten sind »über 500 geführte Meditationsübungen«. Meiner Meinung nach sollten die Übungen und der Coach angesichts des hohen Preises nicht hinter einer Bezahlschranke versteckt werden.

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Für wen lohnt sich das Muse S Athena?

Das Muse S Athena lohnt sich für euch, wenn ihr …

  • absolute Meditations-Fans seid.
  • euch vorstellen könnt, mit einem Stirnband einzuschlafen.
  • schon immer mal in euren Kopf schauen wolltet.
  • bereit seid, tief in die Geldbörse zu greifen.

Mein Fazit zum Muse S Athena

Für mich zählt das Muse S Athena zu den kuriosesten und spannendsten Gadgets überhaupt. Sowohl auf dem Papier als auch in der Praxis überzeugt das Band mit akkuraten Schlafdaten, die nicht geschätzt, sondern aktiv gemessen werden.

Dank der bequemen Bauweise lässt es sich überraschend gut tragen. Trotzdem ist eine längere Eingewöhnungszeit zum Schlafen nötig. Ich bin jedenfalls nicht der Typ dafür.

Vielmehr sehe ich den Nutzen bei den Fokus-Übungen. Obwohl ich keine Berührungspunkte mit Meditation habe, machen mir die Übungen dank Gamification viel Spaß. Es war eine Art Ritual, nach dem Arbeitstag fünf bis zehn Minuten bewusst für Ruhe zu nutzen.

Die Umgebungsgeräusche und das Live-Feedback machen die Übungen rund und die Auswertung nach dem Training offenbart spannende Details. Mit der Zeit wurde ich ruhiger und die ersten Vögelchen sind auf mir gelandet.

Allerdings steht und fällt das Ganze mit dem Preis. 450 Euro sind zu viel und das zusätzliche Abonnement macht das Produkt leider unattraktiv.

Daher bleibt das S Athena ausschließlich für diejenigen spannend, die sich von dem hohen Preis nicht ansatzweise abschrecken lassen.

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