Wie meine größte Fehleinschätzung zehn Jahre später meinen PC-Alltag verändert

Wer hätte das gedacht? Asus gelingt es mit dem ROG Flow Z13 doch tatsächlich, unseren Tablet-Skeptiker Nils quasi eine Kehrtwende machen zu lassen.

von Nils Raettig,
28.04.2022 15:17 Uhr

Aus drei mach eins: Genau das kann im Falle unseres Autors Nils Raettig mit dem Gaming-Tablet Flow Z13 gelingen. Aus drei mach eins: Genau das kann im Falle unseres Autors Nils Raettig mit dem Gaming-Tablet Flow Z13 gelingen.

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Ich kann mich noch gut an das Aufkommen der Tablets im Jahr 2010 erinnern. Meine erste Reaktion drauf war in etwa Das sind doch nur zu groß geratene Handys, die Idee wird sich nie durchsetzen!. Eine klare Fehleinschätzung, die im ROG Flow Z13 von Asus etwa zwölf Jahre später ihren Höhepunkt findet.

Ich kann mir sogar vorstellen, nur noch auf dieses Tablet zu setzen und meine anderen drei Rechner in Rente zu schicken, weil das Konzept dahinter für mich voll aufgeht. Es gibt zwar auch gewichtige Probleme (hat da jemand Preis gesagt?), aber der Reihe nach. Oder ihr nutzt die Schnellnavigation, um direkt zum Artikelabschnitt mit den größten Schwächen zu springen:

Diese Hardware nutze ich aktuell

Computer in unterschiedlichster Form sind aus meinem Alltag seit langer Zeit nicht mehr wegzudenken. Aktuell verwende ich neben meinem geliebten Smartphone mit vollständiger Tastatur hauptsächlich drei verschiedene Arten von Rechnern, die das ROG Flow Z13 alle ersetzen kann:

  • Rechner #1: Ein schneller Desktop-PC mit Windows für die Arbeit und für Spiele mit hohen Hardware-Anforderungen
  • Rechner #2: Ein langsames Notebook ohne Lüfter mit Windows für das Zocken von Spielen mit niedrigen Hardware-Anforderungen im Bett und im Urlaub
  • Rechner #3: Ein Tablet mit Android für das Surfen auf der Couch und für das Schauen von Serien und Filmen unterwegs

Links das Z13 mit Tastatur, rechts meine drei aktuellen Rechner. Links das Z13 mit Tastatur, rechts meine drei aktuellen Rechner.

Es gibt zwar Überschneidungen in den Einsatzgebieten dieser drei Geräte, jedes davon hat aber mindestens einen entscheidenden Vorteil gegenüber den anderen.

So ist das Tablet durch die Reduzierung auf den Bildschirm und das mobile Betriebssystem in der Handhabung am schlankesten. Es bietet mir durch Android aber nicht die gewohnte Spieleunterstützung.

Spielen ist Dank Windows bei dem Notebook grundsätzlich wie gewohnt möglich, außerdem kann ich es durch den Verzicht auf Lüfter genau wie das Tablet abends im Bett nutzen, ohne meine Frau oder die Kinder zu stören. Komponenten, die keine Lüfter zur Kühlung brauchen, sind aber ziemlich lahm.

Ganz anders sieht das bei meinem Desktop-PC aus, der mit vollwertiger Gaming-Hardware wie einer GTX 1080 Ti viel Performance bietet. Trotz kompaktem Mini-ITX-Gehäuse (Fractal Design Node 202) ist er in diesem Vergleich aber am unflexibelsten und primär für den stationären Einsatz gedacht.

Wie das Z13 meine Hardware ersetzen kann

Dieser Adapter ist ein entscheidendes (und aktuell leider kaum lieferbares) Extra, um das Flow Z13 als Ersatz für einen Desktop-PC zu nutzen, weil er nicht nur deutlich mehr GPU-Leistung bietet, sondern auch wichtige zusätzliche Anschlüsse. Dieser Adapter ist ein entscheidendes (und aktuell leider kaum lieferbares) Extra, um das Flow Z13 als Ersatz für einen Desktop-PC zu nutzen, weil er nicht nur deutlich mehr GPU-Leistung bietet, sondern auch wichtige zusätzliche Anschlüsse.

Asus sorgt mit dem Z13 dafür, dass ein Gerät meine anderen drei Rechner ersetzen kann. Das hat es der Tatsache zu verdanken, dass es entweder von Haus aus auf den jeweiligen Einsatzzweck angelegt ist oder sich dafür anpassen lässt:

  • Rechner #1: Ist mir die (ordentliche) GPU-Leistung der RTX 3050 Ti im Z13 nicht hoch genug, kann ich per XG-Mobile-Adapter eine deutlich schnellere Grafikkarte wie die RTX 3080 verwenden (siehe das Bild oben). Fast noch wichtiger sind aber die zusätzlichen Anschlüsse des Adapters wie Displayport, LAN und USB, da das Tablet selbst nur über sehr wenige Anschlüsse verfügt (dazu später mehr). Um den Akku im Netzbetrieb zu schonen, gibt es außerdem per MyAsus-Software die Möglichkeit, den höchsten Ladestand auf 80 oder 60 Prozent zu begrenzen.
  • Rechner #2: Das Kühlsystem des Flow Z13 erlaubt bei Spielen mit geringem Hardware-Anspruch einen lautlosen Betrieb ohne rotierende Lüfter, und zwar trotz RTX 3050 Ti und flotter Intel-CPU in Form des Core i9 12900H. Je nach Titel kann ich dabei die zusätzliche Tastatur samt Touchpad an der Unterseite andocken oder auch nur den Touchscreen nutzen. Letzteres hat beispielsweise beim Spielen von Into The Breach im Bett sehr gut funktioniert.
  • Rechner #3: Um abends noch mal schnell auf der Couch etwas zu recherchieren, genügt der Tabletmodus völlig. Das Z13 ist dabei mit etwa 1,2 Kilogramm zwar ungefähr doppelt so schwer wie typische Tablets und dementsprechend nicht so leicht in der Handhabung, dafür ist das Display mit 13,4 Zoll aber auch angenehm groß. Außerdem kann das Z13 beim Surfen und beim Schauen von Videos genau wie beim Zocken genügsamer Spieler mit einem lautlosen Betrieb punkten.

Rechner, Laptop und Tablet in einem

Diese Flexibilität wird von einer sehr guten Haptik unterstützt. Das Z13 wirkt äußerst hochwertig und stabil, was auch für den ausklappbaren Standfuß gilt. Das Andocken der Tastatur funktioniert reibungslos und schnell, das Touchpad fühlt sich geschmeidig und präzise an.

Mir persönlich gefällt auch der nicht zu aufdringliche Gaming-Look mit Elementen wie dem Sichtfenster auf der Rückseite samt RGB-Beleuchtung - das ist aber Geschmackssache. Insgesamt macht es mir jedenfalls sehr viel Freude, das Z13 auf verschiedene Art und Weise zu nutzen.

Das Sichtfenster auf der Rückseite ist ein Hingucker, es verhindert allerdings auch, dass das Tablet ohne Cover plan aufliegt. Das Sichtfenster auf der Rückseite ist ein Hingucker, es verhindert allerdings auch, dass das Tablet ohne Cover plan aufliegt.

Performance-Eindrücke des Z13

Zur besseren Einordnung der Leistung im Vergleich zu meinem PC habe ich das Z13 mit RTX 3050 Ti in Cyberpunk 2077 gegen mein aktuelles System antreten lassen. Ein XG-Mobile-Adapter mit deutlich schnellerer GPU stand mir nicht zur Verfügung.

Erwartungsgemäß ist mein Desktop-Rechner mit GTX 1080 Ti ein gutes Stück schneller unterwegs (siehe auch unsere große Übersicht mit 14 GPU-Leistungsklassen), obwohl ich hier die Leistung der Grafikkarte und der CPU (Core i5 8600K) zu Gunsten einer geringeren Lautstärke reduziert habe.

Mein Mini-ITX-System ist damit unter Last wenig überraschend klar leiser, allerdings bleibt die Lautstärke des Z13 für meinen Geschmack immer in einem akzeptablen Bereich. Das ist bei kompakten Mobilgeräten mit einer gewissen Gaming-Leistung alles andere als selbstverständlich.

Die Armoury Crate Software bietet viele Einstellungsmöglichkeiten, ist aber recht unübersichtlich. Die Armoury Crate Software bietet viele Einstellungsmöglichkeiten, ist aber recht unübersichtlich.

In mittleren Details erreicht das Gaming-Tablet je nach Betriebsmodus - zur Wahl stehen im Netzbetrieb, wie im Screenshot oben am unteren Bildrand zu sehen, fünf verschiedene Energieprofile - bei der nativen Auflösung von 1900x1200 etwa 30 bis 40 FPS, mein PC liegt eher bei 50 Bildern pro Sekunde.

Gerade in solchen Szenarien mit niedrigen FPS kommt dem Display des Z13 sehr zugute, dass es Nvidias G-Sync-Technologie unterstützt. Durch die Synchronisation der Bildausgabe von Grafikkarte und Display wirkt das Spielerlebnis gerade aus der Ego-Perspektive spürbar flüssiger. Für Szenarien mit hohen FPS ist es dank Unterstützung von 120 Hertz ebenfalls sehr gut gerüstet.

Die größten Schwächen des Gaming-Tablets

Klingt fast so, als hätte ich die perfekte Rundum-Sorglos-Lösung für meinen PC-Alltag gefunden, ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. Es gibt einige Störfaktoren beim Z13, die ihr beachten solltet:

  • Hoher Preis: Das Z13 startet in Deutschland zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels bei einem Preis von etwa 1.900 Euro (Core i7 12700H, RTX 3050, 512 GByte SSD, 1920x1200), mein Testmodell liegt bei ungefähr 2.150 Euro (Core i9 12900H, RTX 3050 Ti, 1 TByte SSD, 1920x1200). Notebooks mit vergleichbarer Gaming-Leistung gibt es deutlich günstiger. Wer die Leistung per XG-Mobile-Adapter erhöhen will, zahlt außerdem deutlich mehr. Der ist zwar aktuell nicht lieferbar, die Variante mit RTX 3070 lag aber lange Zeit im Bereich von 1.000 Euro, das Modell mit RTX 3080 zu besten Zeiten bei 1.400 Euro.
  • Niedrige Akkulaufzeit: Für weniger anspruchsvolle Aufgaben verfügt das Z13 neben der RTX 3050 (Ti) auch über eine Intel-Iris-GPU, die in die CPU integriert ist. Ein Laufzeit-Monster lässt sich daraus dennoch nicht machen. Bei mittlerer Helligkeit komme ich während des Schauens eines Youtube-Videos in Dauerschleife im Leistungsprofil nur auf knapp dreieinhalb Stunden. Beim Spielen sinkt im Akkubetrieb nicht nur die Leistung, sondern es ist auch nach weniger als einer Stunde Schluss.
  • Geringe Anschlussvielfalt: Ohne die zusätzlichen Anschlüsse des XG-Mobile-Adapters stößt man beim Z13 in Sachen Anschlüsse, wie im Bild unten zu sehen, schnell an seine Grenzen. So ist beispielsweise nur ein einziger USB-A-Anschluss vorhanden, auf den Peripherie, wie Mäuse und Tastaturen, immer noch in der Regel von Haus aus setzen. Einen externen Monitor könnt ihr ausschließlich per USB-C anschließen und einen LAN-Anschluss gibt es nicht. Etwas unverständlich ist außerdem, dass sich der Thunderbolt-4-Anschluss im USB-C-Format nicht zum Aufladen eignet, das geht nur über den USB-C-Anschluss vom XG-Mobile-Interface.
  • Diverse Kleinigkeiten: Abseits der größten Ärgernisse gibt es so manche Kleinigkeit, die mich stört. So ist die Rückseite der Tastatur, die auch als Abdeckung für das Display verwendet werden kann, sehr staubanfällig. Durch das Sichtfenster auf der Rückseite liegt das Z13 nur dann gleichmäßig auf, wenn das besagte Cover zum Einsatz kommt und das Netzteil begrenzt die Leistung der Hardware etwas. Die vorinstallierte Asus-Software bietet außerdem viele Einstellungsmöglichkeiten, die Software jedoch nicht gerade übersichtlich.

Einmal USB-A, ein Klinken-Anschluss und zweimal USB-C (beziehungsweise einmal Thunderbolt 4 und einmal das XG-Mobile-Interface) - mehr Anschlüsse hat das Z13 abseits eines SD-Karten-Slots im Standfuß nicht zu bieten. Einmal USB-A, ein Klinken-Anschluss und zweimal USB-C (beziehungsweise einmal Thunderbolt 4 und einmal das XG-Mobile-Interface) - mehr Anschlüsse hat das Z13 abseits eines SD-Karten-Slots im Standfuß nicht zu bieten.

Neben dem hohen Preis ist für mich aktuell der größte Knackpunkt, dass der XG-Mobile-Adapter hierzulande momentan nur in Kombination mit dem Vorgänger X13 geliefert werden kann, der auf die abnehmbare Tastatur verzichtet.

Sollte Asus am XG-Mobile-Interface festhalten und in Zukunft auch neue GPUs damit verfügbar sein, ohne dass die Anschlussart (zu) große Performance-Einbußen mit sich bringt, könnte das Gaming-Tablet aber tatsächlich eine Allround-Lösung für mich sein, an der ich lange Zeit viel Freude habe.

Hätte mir jemand im Jahr 2010 erzählt, dass ich mir mal vorstellen kann, meinen geliebten Desktop-PC (und meine anderen Computer) durch so ein Gerät zu ersetzen, hätte ich ihn wohl für verrückt erklärt. Aber wie man an diesem Beispiel einmal mehr sieht, sind zwölf Jahre in der Welt der Technik eine sehr lange Zeit, in der viel passieren kann.

Das Fazit von Nils

Nils Raettig: Als ich vom ersten Gaming-Tablet der Welt gehört habe, kamen zugegebenermaßen alte Anti-Tablet-Reflexe in mir auf. Völlig zu Unrecht, wie der Praxistest mit dem ROG Flow Z13 zeigt.

Klar, völlig neu ist es nicht, was Asus hier macht. Die Surface-Pro-Geräte von Microsoft gehen beispielsweise seit Jahren in eine ähnliche Richtung. Mich überzeugt beim Z13 aber besonders die sehr gut auf verschiedene Einsatzzwecke und vor allem auf das Spielen abgestimmte Hardware.

Die Leistung ist auch ohne XG-Mobile-Adapter durchaus ordentlich, Spielen macht auf dem Display dank immerhin 13,4 Zoll mit 120 Hertz und G-Sync sehr viel Spaß und wenn ich mal anspruchslose Titel zocke oder nur ein Video schaue, höre ich keinerlei Lüfterrauschen – sehr gut!

Ohne Abstriche geht es aber nicht, etwa mit Blick auf die geringe Akkulaufzeit und Anschlussvielfalt sowie die Tatsache, dass der XG-Mobile-Adapter aktuell nicht verfügbar ist – von den hohen Anschaffungskosten mal ganz abgesehen. Das Konzept überzeugt mich insgesamt aber dennoch, zumal es einfach Spaß macht, das hochwertig verarbeitete Z13 zu benutzen.

Wie gefällt euch das Konzept des Asus ROG Flow Z13? Käme so etwas für euch infrage oder bleibt ihr lieber beim klassischen Desktop-PC, einem Gaming-Notebook oder der Kombination verschiedener Geräte? Schreibt es gerne in die Kommentare!

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