Vergangenen Sonntag war es endlich so weit: Nach langer Zeit habe ich mir in meinem Heimkino wieder Avatar in 3D angesehen. Und obwohl ich generell sehr viele 3D-Filme schaue – ja, ich gestehe, ich bin ein glühender 3D-Fan – schlägt James Camerons Meisterwerk von 2009 sie alle um Längen.
Die Tiefenwirkung in Pandoras Dschungel hat mich regelrecht aus den Schuhen katapultiert. Besonders die Szene, in der Neytiri zum ersten Mal Jake Sully begegnet und die quallenartigen Atokirina um ihn herumschweben, fühlte sich an, als stünde ich selbst mitten in diesem Traum aus Licht und Bewegung.
Und genau hier wurde mir wieder bewusst: Avatar gehört zu jenen Filmen, die die Geschichte des Kinos nachhaltig geprägt haben. Immer wieder gab es Werke, die unsere Sehgewohnheiten auf Dauer verändert haben: Alien im Jahr 1979, Terminator 2 im Jahr 1992, und dann eben Avatar im Jahr 2009.
Letzterer spielte nicht nur astronomische Summen ein und hob CGI-Animation auf ein neues Level, sondern entfachte auch einen regelrechten 3D-Rausch, der zumindest auf der großen Leinwand eine ganze Dekade lang anhielt und immer noch vor sich hinglimmt.
Und doch behaupte ich: Avatar ist 15 Jahre zu früh erschienen.
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Der erste Trailer zu Avatar 3 ist da: Fire and Ash dürfte deutlich brutaler werden als The Way of Water
Wie komme ich zu dieser abstrusen These?
Um das zu erklären, muss man das Pferd von hinten aufzäumen und fragen: Warum ist der 3D-Boom wieder abgeebbt?
Im Kino hielt er sich, wie bereits erwähnt, erstaunlich lang und ist bis heute nicht völlig erloschen. Zu Hause jedoch verschwand er fast so schnell, wie er gekommen war. Seit 2017 produziert kein mir bekannter Hersteller mehr 3D-Fernseher. Die ersten Geräte kamen 2010 auf den Markt – ein kurzes Strohfeuer also.
Die Gründe dafür sind vielfältig:
- Kleine Bilddiagonalen: 3D entfaltet seine Magie erst auf der großen Leinwand. Auf Fernsehern wirkt es oft flach wie ein Bühnenbild ohne Tiefe. Nur wenige Filme wie Avatar schöpfen auch auf kleineren Bildschirmen ihr Potenzial zumindest einigermaßen aus.
- Technische Limitierungen: Heimkino-3D war und ist auf Full HD bei 24 Bildern pro Auge und Sekunde begrenzt. Was bei 2D für den typischen Kinolook sorgt, führt bei 3D oft zu deutlich sichtbarem Ruckeln.
- Helligkeitsverlust: Shutter- und Real-3D-Technik rauben dem Bild dramatisch an Leuchtkraft. Fernseher und Projektoren um das Jahr 2010 waren schlicht zu lichtschwach. Im 3D-Betrieb kam oft weniger als ein Drittel der Helligkeit an. Dunkle Szenen
sumpften
ab, Details versanken in Schwarz. - Die Brillenfrage: Viele empfinden die Brillen als störend, zusätzliches Gewicht auf der Nase, eingeschränkter Komfort.
Ich selbst habe diesen letzten Punkt allerdings nie als Problem gesehen. Als Brillenträger bin ich ohnehin daran gewöhnt. Auch das Laden der Shutter-Brillen stört mich nicht: Mit oftmals beinahe 100 Stunden Laufzeit pro Ladung ist das kaum der Rede wert.
Doch die anderen Kritikpunkte wiegen schwer und stützen meine These, dass Avatar seiner Zeit zu weit voraus war.
Warum die Zeit heute reifer wäre
Heute ist die Technik an einem Punkt, an dem 3D zum durchschlagenden Erfolg werden könnte:
Moderne Fernseher und Projektoren bieten oft 120 Hertz oder mehr. Mit dem HFR-(3D-)Standard (High Frame Rate, 48 oder 60 Bilder pro Auge und Sekunde), der durch die hohe verfügbare Bildwiederholrate mittlerweile auch in den heimischen vier Wänden möglich wäre, ließe sich das Ruckeln problemlos ausbügeln.
Die Bildgrößen sind deutlich gewachsen: 2010 war ein 40-Zoll-TV Standard, heute sind 55 bis 65 Zoll normal. Und selbst 75 Zoll sind keine Seltenheit. Erst ab solchen Dimensionen fängt 3D im Wohnzimmer langsam an, richtig zu wirken.
Zudem sind Projektoren erschwinglicher geworden: Während gute Beamer einst Luxus waren, bekommt man heute für unter 1.000 Euro ein Setup aus 3D-Full-HD-Beamer, 120-Zoll-Leinwand, Blu-Ray-Player und mehreren Shutter-Brillen.
Ich selbst hatte 2016 einen BenQ TH681, der mit 3.000 ANSI-Lumen (kalibriert waren es etwas weniger) für mein damaliges Heimkino hell genug strahlte und mir unvergessliche Kinoabende bescherte. Für denselben Preis bekommt man heute Geräte, die doppelt so viel leisten. Oder eben dieselbe, wenn nicht gar besser Qualität zum halben Preis.
Fazit
Feierte Avatar erst heute Premiere, stünden die Chance meiner Meinung nach gut, dass der 3D-Hype nicht nur im Kino, sondern auch in unseren Wohnzimmern lange Bestand hätte.
Natürlich wäre es nicht der erste 3D-Boom der Filmgeschichte. Bereits in den 50er-, 70er- und 80er-Jahren gab es kurze Wellen, die jedoch im Analglyph-Verfahren (Rot-Grün-Brillen) steckenblieben. Doch James Cameron ging mit seinem eigens entwickelten Fusion-Camera-System neue Wege, verband Realfilm und CGI in nie dagewesener Qualtität – und schuf damit den bis heute wohl besten 3D-Film überhaupt.
Selbst Avatar: The Way of Water kann in meinen Augen nicht an die Wucht des ersten Teils heranreichen.
Als Sammler zahlreicher 3D-Filme weiß ich jedoch: Es gibt viele würdige Vertreter. Marvel hat uns mit Guardians of the Galaxy, Thor und Avengers einige Highlights geschenkt, ebenso die Animationswelt mit Zootopia, Rio oder Das magische Haus.
Doch an Avatar kommt keiner heran, dieser Film ist und bleibt das Maß aller Dinge, auch wenn er 15 Jahre zu früh erschienen ist.

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