»Was schenken wir Mama?«
Dieses Jahr wusste ich genau, was ich meinen Geschwistern antworte. Anstatt uns den Kopf über Dinge zu zerbrechen, die vielleicht praktisch für unsere Mutter sein könnten, sollten wir ihr etwas schenken, das weitaus wertvoller ist, als alles, das man kaufen kann: Erinnerungen.
In den letzten zwei Jahrzehnten haben sich haufenweise Familienfotos angesammelt, die eigentlich viel zu schade dafür sind, ihr Dasein auf Festplatten und Handys als Nullen und Einsen zu fristen. Weil ich sozusagen der Fotograf unserer Familie bin, liegen vor allem bei mir viele Fotos, die meine Mutter nur einmal oder sogar gar nicht gesehen hat.
Als wir noch alle bei ihr gewohnt haben, haben wir oft gemeinsam durch alte Fotoalben geblättert. »Schau mal, was du da anhast!« oder »Ach, da waren wir auf diesem hohen Berg und haben kaum etwas gesehen, weil es zu bewölkt war.« – solche Abende fehlen.
»Ich habe doch einen Fotodrucker. Lass uns dieses Jahr gemeinsam Familienfotos der letzten 20 Jahre sammeln und sie in ein Album packen!«, war meine Antwort.
Mein Bruder und meine Schwester stimmten euphorisch zu.
Ein Fotoalbum als gemeinsame Zeitreise
Für diejenigen, die etwa genauso alt sind wie ich: Erinnert ihr euch an die Abende, an denen ihr gemeinsam die Fotos aus dem letzten Urlaub betrachtet habt, der schon einige Wochen zurücklag?
Damals war es üblich, die analogen Filme zur Drogerie oder zum Fotohandel zu bringen, um etwa eine Woche später die Abzüge abzuholen. Bis dahin ist der Urlaub schon ein Stück weit in die Vergangenheit gerückt, doch das gemeinsame Betrachten der Fotos versetzt uns in diesen zurück.
Dieses Gefühl einer kleinen Zeitreise wollten wir mit dem Album verschenken – nur in einer größeren Dimension: 20 Jahre Familienfotos statt nur einen einzigen Urlaub.
»Das beste Geschenk, das ich je bekommen habe«
Wir haben uns für ein Album entschieden, bei dem man die Fotos selbst einkleben muss. Das ist zwar deutlich aufwändiger, aber es ermöglicht mehr kreative Freiheit bei der Gestaltung. So konnten wir auf jeder Seite ein anderes Layout wählen oder auch mal ein oder zwei Fotos einer ganzen Seite widmen.
Auf Text, der in so einem Album eine Option gewesen wäre, haben wir ganz verzichtet; die Fotos sollen für sich stehen.
An ihrem Geburtstag haben wir zuerst alle gemeinsam gegessen. Unsere Mutter hatte noch einige ihrer Freundinnen eingeladen und sie feierten und lachten ausgiebig. Am Abend kehrte Ruhe ein und es war Zeit, die Geschenke auszupacken.
Es war ein wunderschöner Moment, als sie das Album auspackte und zuerst dachte, wir hätten ihr nur ein leeres Fotoalbum geschenkt und sie sich dennoch freute. »Ah, das kann ich für all die schönen Fotos von heute verwenden«, sagte sie, mit einem Lächeln im Gesicht.
»Nein, das brauchst du nicht. Das Album ist voll.« Überrascht von der Antwort meiner Schwester öffnete sie die erste Seite und erblickte ein Gruppenfoto von vor einigen Jahren.
Den Rest des Abends verbrachten wir damit, gemeinsam durch das Album zu blättern, in Erinnerungen zu schwelgen und über lustige Fotos zu lachen.
Für sie war dieses Album und dieser Familienabend »das beste Geschenk, das sie je bekommen hat.«
Für mich war es außerdem der Beweis, dass sich der technische Aufwand im Vorfeld gelohnt hat. Damit die Überraschung gelingen konnte, musste mein treuer Begleiter der letzten anderthalb Jahre Höchstleistungen erbringen.
Die Technik hinter den Prints
Zum Drucken der Fotos kam mein Canon Selphy CP1500 zum Einsatz. Ich verwende den kleinen Mini-Drucker seit etwa 18 Monaten und bin mit der Qualität der 10x15-cm-Prints absolut zufrieden.
Der CP1500 ist kein klassischer Tintenstrahldrucker, sondern verwendet die sogenannte Thermosublimation.
Tintenstrahldrucker schießen über winzige Düsen flüssige Tintentröpfchen auf das Papier. Um Farben oder Verläufe zu erzeugen, setzt er viele mikroskopisch kleine Punkte extrem nah nebeneinander. Diese Rasterung nehmen wir aus der Entfernung dann als Mischfarbe wahr.
Thermosublimationsdrucker, wie mein Canon Selphy CP1500, funktionieren ganz anders. Solche Geräte drucken nicht mit flüssiger Tinte, sondern mit einer Farbfolie, die meistens aus drei Grundfarben besteht, wie etwa Gelb, Magenta und Cyan.
- Der Druckkopf besitzt Heizelemente, die die festen Farbpigmente auf der Folie blitzschnell so stark erhitzen, dass sie sofort gasförmig werden (Sublimation), ohne vorher flüssig zu werden.
- Das Gas dringt in die Spezialbeschichtung des Fotopapiers ein und wird dort wieder fest.
- Je heißer das Element wird, desto mehr Farbe verdampft und desto dunkler wird der Farbton an dieser Stelle.
Der größte Vorteil von solchen Druckern: Gegenüber dem Druck mit flüssiger Tinte hat das Thermosublimationsverfahren entscheidende Vorteile für Fotos.
- Echte Farbverläufe: Da die Gaswolken der verschiedenen Farben auf dem Papier nahtlos miteinander verschmelzen, gibt es keine sichtbaren Druckpunkte oder Raster. Das Ergebnis sieht exakt so aus wie ein klassisch im Labor entwickeltes Foto aus analogen Zeiten.
- Sofort trocken und wischfest: Da die Farbe im Papier eingeschlossen wird und nicht oberflächlich trocknen muss, ist das Bild sofort nach dem Auswurf bereit zum Anfassen. Es gibt kein Verschmieren.
- Die Schutzschicht: Im letzten Druckdurchgang wird eine transparente Schutzschicht über das Bild gelegt. Diese versiegelt das Foto. Dadurch wird es wasserabweisend, unempfindlich gegen Fingerabdrücke und UV-beständig. Laut Canon sollen die Fotos über 100 Jahre ohne Verblassen halten.
Das größte Problem von diesem Mini-Drucker
Müll. So viel Müll.
Damit meine ich nicht den qualitativen Ausschuss der eigentlichen Prints (alle Fotos sehen echt toll aus), sondern wortwörtlich den Müll, der durch die Verwendung des Canon Selphy CP1500 entsteht.
Für den Drucker müssen spezielle Patronen-Papier-Packs gekauft werden. Eine Packung für ungefähr 30 Euro enthält alles, was ihr für 108 Fotos benötigt – jedes Foto kostet also etwa 27 Cent.
Allerdings ist das Papier in mehrere kleinere Packungen unterteilt, jede davon in Plastik umhüllt, und für 108 Prints sind zwei Patronen notwendig, die ebenfalls erst aus einer Kunststoffverpackung befreit werden müssen.
Ferner müssen bei jedem Foto die Ränder von Hand abgetrennt werden; das ist wichtig für den randlosen Druck. Leider entsteht dadurch noch mehr Müll. Ich habe noch nie so viele Bilder hintereinander gedruckt und am Ende sah mein Tisch wie ein Müllberg aus.
Aus ökologischer Sicht fällt es mir daher schwer, diesen Drucker bedenkenlos weiterzuempfehlen.
Die Bedienung ist hingegen sehr einfach: Ich kann alle Fotos einfach von meinem Handy per App zum Drucker senden. Allerdings können pro Druckauftrag immer nur 20 Fotos ausgewählt werden und bei über 300 Bildern, bei denen jeder Druckvorgang etwa eine Minute dauert, waren wir ziemlich lange beschäftigt.
Aus der rein qualitativen Sicht habe ich nichts zu beanstanden – immerhin hat der Drucker ein unvergessliches Geburtstagsgeschenk ermöglicht.
Passend zum Thema Fotografie: Tausende Euro günstiger als Leica: ein ganz besonderer Hersteller ist uns heute immer noch viel zu unbekannt
Die Bedeutung eines Fotos
Obwohl wir heute so viele Fotos schießen wie noch nie, Smartphones sei Dank, ist das Füllen von echten Fotoalben keine Selbstverständlichkeit mehr. Die meisten landen in der Cloud, auf einer Festplatte oder bleiben sogar auf dem Handy.
Das ist ein starker Kontrast zu früher. Jede 35-mm-Kamera konnte etwa 36 Fotos schießen, bevor der Film gewechselt werden musste. Die Menge der Fotos war deutlich geringer als heute, aber dafür war jedes Foto umso bedeutungsvoller. Viele davon wanderten in Alben.
Die Bedeutung eines Fotos ist heute jedoch nicht verloren gegangen – sie ist nur durch die schiere Menge etwas verwässert.
Durch das Drucken von Fotos verleihen wir den digitalen Momenten die Bedeutung, die sie verdienen.
Und durch das Kreieren von echten Alben schaffen wir kleine Zeitmaschinen – in die wir mit unseren Liebsten zusammen einsteigen können.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.