Wer PC-Spiele unterwegs spielen möchte, holt sich ein Steam Deck oder einen anderen PC-Handheld, richtig? Oder gibt es noch andere Möglichkeiten?
Was wäre, wenn ihr stattdessen einfach das Handy nehmt: Ihr öffnet eine App, wählt ein Spiel aus eurer Steam-Bibliothek und startet es nativ und ganz unkompliziert.
Das klingt nach Zukunftsmusik, ist aber bereits 2026 näher an der Realität, als man denkt. Ungefähr so läuft es ab, wenn ich heute ein PC-Spiel auf meinem Android-Handheld starte.
Ich habe meinen Ayn Odin 2 Mini selbst zu einer Art Steam Deck Lite verwandelt und bin beeindruckt, wie gut das heute schon funktioniert.
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2026: Das Schicksalsjahr für Gaming-Handhelds
Was ist der Ayn Odin 2 Mini?
Der Ayn Odin 2 Mini ist in erster Linie ein Handheld mit Android-Betriebssystem. Für so ein kompaktes Gerät steckt erstaunlich viel Leistung drin.
Snapdragon 8 Gen 2 statt 08/15-Chip: Der Qualcomm Snapdragon 8 Gen 2 hat schon in High-End-Smartphones wie dem Samsung Galaxy S23 Ultra gezeigt, was er kann. In einem aktiv gekühlten Handheld wie diesem kann er seine Leistung noch besser halten, weil er nicht ständig drosseln muss. Unterstützt wird er von 8 GByte RAM.
Mini-LED statt 08/15-LCD: Ayn setzt auf ein Mini-LED-Panel mit hoher Helligkeit und gutem Kontrast; das ist praktisch ein kleiner, sehr heller Fernseher im Handheld-Format.
Optisch eine Liebeserklärung an die PS Vita: Der eigentliche Grund, warum ich über 300 Euro für den Ayn Odin 2 Mini ausgegeben habe, ist aber viel simpler: Er sieht aus wie eine PS Vita. Formfaktor, Ergonomie und selbst die Tasten erinnern mich an Sonys Handheld. Ich habe früher mehrere PSPs und PS Vitas besessen und jetzt fühlt es sich an, als hätte ich eine moderne Neuauflage in der Hand.
Weitere Highlights des Ayn Odin 2 Mini:
- Full-HD-Auflösung und 60 Hertz
- Hall-Effekt-Sticks, die resistenter gegenüber Stick-Drift sind
- Präzises D-Pad mit klickenden Schaltern
- Analoge Trigger
- Extrem laute Lautsprecher (sie sind wirklich sehr laut – im besten Sinne)
- Mit Micro-HDMI-Ausgang; der USB-C-Anschluss unterstützt auch Videoausgabe
- Android 13-Betriebssystem
In erster Linie habe ich mir den Ayn Odin 2 Mini zum Spielen von alten Konsolenspielen und zum Streamen von PS5 und PC gekauft. Doch dann bin ich über Game Hub, FEX und Winlator gestolpert.
Ihr müsst nicht unbedingt wissen, was hinter diesen komischen Namen steckt. Nur eine Sache ist wichtig: Sie alle erlauben es, PC-Spiele auf Android zu spielen – nativ!
Also habe ich es selbst ausprobiert.
PC-Spiele nativ auf Android? Wie ist sowas möglich?
Für diesen Test habe ich Game Hub vom Controller-Hersteller Gamesir verwendet. Deren Gamepads nutze ich schon seit Jahren und einige sind offiziell Xbox-lizenziert. Deshalb hatte ich genug Vertrauen, die App auszuprobieren.
Ganz naiv sollte man bei einem kostenlosen Produkt trotzdem nicht sein. Hinter Game Hub vermute ich vor allem zwei Absichten:
- Gamesir möchte mehr von seinen Mobile-Controllern verkaufen.
- Gamesir sammelt Daten und verwendet sie potenziell auf eine für uns nicht sichtbare Weise weiter.
Da auf meinem Android-Handheld keine sensiblen Daten gespeichert sind, habe ich damit kein Problem. Ob ihr die App nutzen wollt, müsst ihr selbst abwägen.
Die Einrichtung ist kinderleicht: PC-Spiele auf Android lauffähig zu machen klingt technisch kompliziert, ist aber in der Realität überraschend einfach. Nach der Installation der App musste ich nur mein Steam-Konto verbinden und schon konnte ich durch meine eigene Spiel-Bibliothek browsen.
Einige Spiele besitzen sogar schon eine Verifizierung, ähnlich wie bei Valve und dem Steam Deck; Titel mit einem grünen Haken sollen mit mindestens 40 FPS lauffähig sein.
Das Herunterladen der Spiele funktioniert ähnlich wie bei anderen Launchern, mit einem kleinen Nachteil: die App darf während des Downloads nicht geschlossen werden oder der Bildschirm ausgeschaltet werden.
Nach dem Download werden die Spiele ganz einfach gestartet. Game Hub synchronisiert lokale Spielstände mit denen in eurer Steam Cloud.
ARM-Gaming steckt noch in Kinderschuhen, aber sie werden schneller erwachsen als wir denken
Ich habe Game Hub bisher mit einer ganzen Reihe von Spielen ausprobiert und stelle fest, dass PC-Gaming auf ARM-Architektur noch in den Kinderschuhen steckt. Trotzdem hat es mich schwer beeindruckt, was heute schon geht.
Ich spiele echte PC-Spiele auf einem Android-Handheld!
Hier sind einige Beispiele: Zuerst habe ich Coral Island gestartet, weil es das Spiel ist, in dem ich gerade die meisten Stunden verbracht habe (Bei allen Spielen habe ich die niedrigsten Grafikeinstellungen und 720p-Auflösung ausgewählt) .
Coral Island: Der Farming-Simulator ist spielbar, aber es ist nicht die beste Erfahrung. In Innenräumen habe ich beim Spielen oft 50 bis 60 FPS. In Außenbereichen fällt die Bildwiederholrate in den Bereich zwischen 20 und 30 FPS. Das ist zwar spielbar, aber viel Spaß macht das nicht.
Spelunky: 2D-PC-Spiele wie diese laufen hervorragend auf Android. Hier sind stabile 60 FPS gar kein Problem.
The Great Ace Attorney: Auch Visual Novels laufen hervorragend auf dem Ayn Odin 2 Mini. Dieser hier verwendet 3D-Modelle und ist somit etwas leistungshungriger. Die Bildwiederholrate bleibt jedoch zuverlässig über 30 FPS.
Kathy Rain 2: Dieses Retro-Point-and-Click-Adventure läuft hervorragend auf dem kleinen Handheld: 60 FPS und der Touchscreen fungiert als großes Trackpad für die Steuerung des Mauszeigers.
Slime Rancher 2: Hierbei handelt es sich um einen Farming-Sim aus der Ego-Perspektive. Die Bildwiederholrate ist stark davon abhängig, wie viele »Slimes« gleichzeitig sichtbar sind. Meistens bewegt sich die Bildwiederholrate zwischen 20 und 40 FPS. Es ist spielbar, aber es ruckelt.
Alice Madness Returns: Das Action-Hack-and-Slash von EA ist zwar schon sehr alt, aber eben gut gealtert. Auf meinem Android-Handheld ist es mit festen 30 FPS spielbar.
Guilty Gear Strive: Das Fighting-Game besitzt in Game Hub sogar einen grünen Haken, weshalb ich besonders gespannt war, als ich es auf dem Android-Handheld gestartet habe. Es läuft zwar mit den versprochenen 40 FPS, aber das reicht nicht: Fighting Games fühlen sich nur mit 60 FPS wirklich spielbar an, weil ihr Timing komplett daran hängt.
»But can it run Crysis?«
Leider nicht. Zumindest weigert sich Crysis 2 überhaupt erst zu starten. Das ist auch der Fall bei anderen Spielen, die ich ausprobiert habe, wie etwa Borderlands 2 und Monster Hunter Rise.
Es gibt die Möglichkeit, bei jedem Spiel eine andere Kompatibilitätsschicht auszuwählen (etwa Proton oder Wine) und sogar den GPU-Treiber. Meine Experimente haben aber noch keinen Erfolg bei den Spielen geliefert, die bisher nicht starten.
Unterm Strich ist die Kompatibilität aktuell eine Lotterie: Manche Spiele starten gar nicht, andere laufen nur mit Abstrichen, wieder andere überraschen mit fast schon PC-Niveau.
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Ich habe eine mögliche Zukunft gesehen
Auch wenn die Kompatibilität von PC-Spielen auf ARM-Handhelds noch ganz am Anfang steht, sehe ich jetzt schon großes Potenzial.
Android-Handhelds waren lange vor allem Retro-Maschinen für alte Konsolenspiele. 2026 könnten sie sich aber zu echten »Lite-Alternativen« zu Steam Deck und Co. entwickeln:
- Kompatibilitätsschichten ermöglichen das native Spielen vieler PC-Spiele.
- Cloud-Gaming- und Remote-Play-Apps wie Moonlight, Steam Link, Chiaki oder GeForce Now sind 2026 besser denn je.
- ARM-Chips sind sehr energieeffizient – ein großer Vorteil für Handhelds.
Und die Entwicklung hört nicht bei Handhelds auf: Microsoft hat gerade erst mit der eigenen Kompatibilitätsschicht »Prism« gezeigt, dass sich über 85 Prozent der Spiele in der Xbox-App auf ARM-Windows-Laptops spielbar machen lassen.
Valve wiederum arbeitet mit FEX an einer Kompatibilitätsschicht für die Steam-Frame-VR-Brille, auf der SteamOS mit einem Qualcomm-Snapdragon-Chip laufen wird.
Die Zukunft von PC-Gaming auf ARM: Ich halte den Prototyp dafür schon in der Hand.
Jetzt fehlt nur noch, dass jemand sie in ein offizielles Steam Deck Lite gießt.

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