Asus hat bestätigt: Der Tech-Riese aus Taiwan wird vorerst keine neuen Smartphone-Modelle mehr entwickeln. Asus nennt das eine Phase der »langfristigen Observation«.
Auf den ersten Blick geht diese Meldung kaum jemandem an, oder habt ihr schon einmal ein Asus-Smartphone in freier Wildbahn gesehen? Viele wussten nicht einmal, dass der Hardware-Hersteller seit Jahren auch Handys macht.
Asus' Ausstieg betrifft uns allerdings mehr, als der erste Blick vermuten lässt. Das Bittere daran: Der Hersteller steigt ausgerechnet in dem Moment aus, in dem sich abzeichnet, dass Gaming auf der Chip-Architektur von Smartphones plötzlich deutlich mehr Sinn ergeben könnte.
ROG Phone verschwindet ausgerechnet jetzt, wo mobiles Gaming erwachsener wird
Asus war einer von zwei großen Herstellern von Gaming-Handys. Mit dem Ausstieg aus der Sparte bleibt nur noch Redmagic übrig. Ayaneo, ein Hersteller von Handhelds, hat bekannt gegeben, auch in diesen Markt einzusteigen, jedoch liegen die Pläne vom Pocket Play gerade auf Eis, weil der Hersteller sich auf die Auslieferung von angekündigten Produkten fokussieren will.
Obwohl Mobile-Gaming zu den umsatzstärksten Segmenten im Gaming-Markt gehört, haben sich Gaming-Handys nie wirklich durchsetzen können. Für besonders beliebte Spiele wie Arena of Valor oder League of Legends: Wild Rift ist eben keine High-End-Hardware mit aktiver Kühlung notwendig.
Dennoch ist gerade zum jetzigen Zeitpunkt das Aus der ROG Phones besonders bitter. Aktuell arbeitet Valve an dem Steam Frame, einer VR-Brille mit ARM-Chip und SteamOS. Parallel dazu wird die Entwicklung an Kompatibilitätsschichten wie FEX, Proton und Wine angeheizt (unter anderem von Valve und dem Controller-Hersteller GameSir).
Einfach gesagt: Es wird unkomplizierter, PC-Spiele auf ARM-Geräten laufen zu lassen, also auf derselben Chip-Architektur, die auch in Smartphones steckt.
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Valve stellt drei neue Hardware-Produkte vor, darunter die Steam-Machine – einen winzigen Gaming-PC
Ich selbst habe schon einige PC-Spiele auf Android über GameSirs Game Hub ausprobiert und sehe das große Potenzial dahinter. Ausgerechnet jetzt, wo ein Raum für Android-Handys mit starker Hardware und effektiver Kühlung geschaffen wird, verschwindet einer der größten Player vom Markt.
Zenfone war der Gegenentwurf – jetzt wird der Markt noch gleicher
Die Zenfone-Serie von Asus war schon immer etwas anders und erinnerte mich stark an die frühen Tage von OnePlus. Sie boten Flaggschiff-Niveau in einem verhältnismäßig kompakten Gehäuse für weniger Geld, als Samsung und Co. verlangten.
Das Asus Zenfone 10 war ein erfrischender Take in einem Markt voller Smartphones, die sich kaum voneinander unterscheiden. Es hatte einen für heutige Verhältnisse winzigen Bildschirm mit 5,9-Zoll-Diagonale und trotzdem High-End-Hardware.
Ich halte es für bedauerlich, dass große Hersteller immer weniger eine Nische bedienen wollen. Denselben Weg schlug Asus schließlich mit den Nachfolgern Zenfone 11 Ultra und Zenfone 12 Ultra ein – große Smartphones, die sich kaum von Geräten anderer Hersteller unterscheiden.
Stattdessen wurden dutzende KI-Funktionen integriert, die auf dem Papier nett sind, aber selten der Grund sind, genau dieses Modell zu kaufen.
Was wir mit den Asus Zenfones verloren haben, ist ein Gegenentwurf zu etablierten Herstellern, die sich selten trauen, etwas Neues auszuprobieren – und es könnte nur der Anfang sein.
Warum der Smartphone-Markt 2026 so gnadenlos geworden ist
Speicherkrise. Ja, ich kann es selbst auch kaum noch hören.
Das Thema zwingt leider viele Hersteller zur »Umstrukturierung«, wie man so schön im Corpo-Speak sagt.
Der Smartphone-Markt ist schon immer gnadenlos kompetitiv. In jeder Preisspalte gibt es unzählige Optionen für ein Gerät, das wir einmal alle paar Jahre kaufen und nur selten ein Zweites notwendig ist. Hinzu kommt, dass es richtig schwer ist, in dieser großen Masse mit einem Gerät hervorzustechen, das die Käufer und Käuferinnen davon überzeugt, über den von Apple und Samsung geschaffenen Tellerrand hinauszublicken.
Gerade für viele große Hersteller sind Smartphones inzwischen nicht mehr als eine Nebenquest, bei der die Belohnungen eher gering ausfallen. In Zeiten von steigenden Hardware-Preisen überlegt man sich als Unternehmen dann zweimal, ob man Ressourcen nicht lieber in die momentane Hauptquest steckt? Auch wenn diese bei vielen Herstellern aktuell den Namen »KI« trägt.
Der Ausstieg von Asus könnte also nur ein Vorbote für das sein, was uns dieses Jahr noch erwartet. Welcher Hersteller kommt als Nächstes? Nachdem Sony seine TV-Sparte an TCL abgibt, hoffe ich sehr, dass ihre Smartphones nicht bald an der Reihe sind.
Sonys Smartphones sind schmal, schnell und haben tolle Kameras, die sich an Enthusiasten und Profis richten. Sie sind anders.
Und »anders« ist das, was Smartphones so spannend macht.
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