Vor wenigen Tagen teilte Will Smith auf Instagram folgenden Clip vom Set seines neuesten Films »Bad Boys 4«.
Zu sehen ist der Schauspieler, wie er mittels einer Kamera-Konstruktion spontan zwischen Nahaufnahmen und Ego-Perspektive wechselt.
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Will Smith zeigt auf seinem Instagram-Kanal, wie die Action-PoV bei Bad Boys 4 gedreht wurde
Diese Ego-Shooter-Szenen nennen sich »Action-POV« (POV steht für »Point Of View«, also sinngemäß »Betrachtungswinkel«).
Keine Frage, die Szene und der Dreh sind beeindruckend. Aber was, wenn ich euch sage, dass es einen ganzen Film aus der Action-POV gibt, den nur wenige kennen?
Ego-Shooter als Film
Eine der bekanntesten Ego-Shooter-Szenen kennen wir aus der 2005er-Verfilmung von »Doom«. Ich will jetzt hier kein Fass aufmachen, aber es ist gerecht zu behaupten, dass das die beste Szene im Film ist.
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Fast fünf Minuten ohne Schnitt, das ist beeindruckend – doch es geht noch besser.
Der Action-Streifen »Hardcore Henry« – in Deutschland nur »Hardcore« betitelt (vermutlich, um thematische Verwechslungen mit Sachsen-Paule vorzubeugen) – bietet zehn Jahre später einen ganzen Film aus der Ich-Perspektive.
Darum geht’s in »Hardcore«: Der russische Regisseur Ilya Naishuller erzählt die Geschichte eines Mannes, der als kybernetischer Supersoldat aufwacht und aus ihm unbekannten Gründen verfolgt wird. Ab da tritt der Henry getaufte Cyborg von einem actionreichen Fettnäpfchen ins nächste.
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Hardcore - Neuer Trailer zum Ego-Shooter-Film - Neuer Trailer zum Ego-Shooter-Film
Im Grunde genommen ist der Film rund 90 Minuten lang pures Actionfeuerwerk aus der Sicht eines stummen Parcours-Läufers, mit einer guten Prise Humor und einem sehr gut aufgelegten Sharlto Copley in einer Nebenrolle.
Doch wie wurde der Film eigentlich gedreht?
Mit Masken und GoPros.
So wurde »Hardcore« gedreht
Schaut man sich nur obigen Trailer an, wird klar, dass eine Konstruktion, wie sie Will Smith nutzt, für die rasanten Szenen aus »Hardcore« nicht geeignet wäre.
Bevor ich euch erkläre, wie genau Regisseur Naishuller den Traum vom Action-POV-Streifen wahr gemacht hat, schaut euch dieses Bild an.
Das Geheimnis steckt in der Kameramaske. Und ja, die muss vor dem Mund sitzen, sagt der Maskenerfinder Sergey Valyaev zu fxguide.
2008 hatte ich zunächst ein System für Aufnahmen aus First-Person mit einer Mütze, einer Überwachungskamera und einem Archos-Videorecorder zusammengebaut, mit dem wir ein analoges Signal in ein digitales umwandeln konnten, allerdings in einer überragend schlechten Qualität.
Das Problem: Die an der Stirn fixierte Kamera wackelte viel zu stark und brachte durch ihren zu hohen Sitz nicht dieselbe Immersion, denn man sieht weniger vom Körper selbst – und das macht den entscheidenden Unterschied beim Zuschauen.
Je deutlicher der menschliche Körper im Bild zu sehen ist, desto intensiver ist das Geschehen auf dem Bildschirm.
Die Lösung: Die Kamera vor den Mund nehmen. Valyaev beobachtete viele Extremsportler, die bessere und vor allem stabilere Bilder mit der Action-Kamera im Mund schossen.
Aber die Kamera die ganze Zeit im Mund zu behalten, war keine Option.
- Der Schauspieler konnte nicht sprechen.
- Der Kiefer tat nach einiger Zeit weh.
- Der Schauspieler sabberte (kein Witz!).
Recht schnell kam man auf Helme als Lösung und probierte direkt mehrere aus: Motorradhelme, Hockey- oder Rugbyhelme.
Aber auch die engten die Schauspieler zu sehr ein, vor allem durch das Visier respektive den Sichtschlitz, der zu wenig vom Sichtfeld offen ließ.
Aus purer Verzweiflung bauten Valyaev und sein Team schließlich die Kameramaske.
»Hardcore« wurde hauptsächlich mit den eigens erfundenen Kameramasken gedreht, die mit jeweils zwei GoPro Hero 3-Action-Kameras bestückt waren (GoPro stellte seine Geräte zur Verfügung und nicht wenige davon sind während des Drehs kaputtgegangen).
Doch warum eigentlich zwei Kameras? Das hat mehrere Gründe:
- Mehrere Belichtungsstufen während des Drehs
- Als Backup, sollte eine ausfallen
- Zur WiFi-Übertragung an den Regisseur, der so bessere Anweisungen geben konnte.
Während des Drehs wurde noch ein magnetisches Stabilisierungssystem an die jetzt »Adventure Mask« genannte Konstruktion gepackt, um Rüttler geschmeidiger zu machen.
Ihr könnt eine solche Maske sogar kaufen. Der Erfinder selbst bietet sie an.
In »Hardcore« steckt noch deutlich mehr Arbeit als bloß die Adventure Mask. Ich empfehle euch daher den Artikel von fxguide.
Bonus: Was war eigentlich der erste Action-POV-Film?
So viel sei verraten: Die Doom-Verfilmung von 2005 ist es nicht. Auch die Szenen aus »Terminator«, als Arnie die Umgebung scannt, sind es nicht.
Der erste voll aus der Perspektive des Protagonisten gedrehte POV-Film ist sage und schreibe 75 Jahre alt! 1947 erschien »Lady In The Lake« und setzte zum ersten Mal die sogenannte subjektive Kamera ein.
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Hierzulande konnten wir den Film übrigens erst 1977 im Fernsehen sehen.
Ihr wollt weitere interessante Geschichten und Trivia zur Technik in Filmen und Serien. Dann schaut euch gern folgende Artikel an:
- The Shining: Wie Stanley Kubrick den Film damals drehte, ist heute undenkbar
- Wieso ist Fallout die Ausnahme, wenn es um CGI geht? Disneys neue Animatronics zeigen, warum das echt schade ist
Den Film »Hardcore« gibt es bei den meisten Streaming-Anbietern zum Leihen, zum Beispiel Prime Video, Sky oder Apple TV. Auf Amazon Freeve könnt ihr ihn mit Werbung sogar umsonst sehen.
Kanntet ihr den Film vor dem Artikel? Wenn ja, wie hat er euch gefallen? Schreibt es gern in die Kommentare.

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