Batteriespeicher werden immer erschwinglicher und damit interessanter als Erweiterung für ein Balkonkraftwerk. Statt den Sonnenstrom direkt zur Erntezeit verbrauchen zu müssen, kann die Energie so für die Zeit vor oder nach dem Feierabend angespart werden.
Wer zockt schließlich schon gerne in der prallen Mittagshitze, im Sommer verschieben sich die Gamingsessions doch eher in die kühleren Nachtstunden. Hersteller wie Anker, Zendure und Ecoflow bieten daher Nachrüstakkus für Balkonkraftwerke oder gleich ganze Sets aus Wechselrichter, Solarpanels und Akku an.
Seit so ziemlich genau einem Jahr nutze ich ein Set von Ecoflow, das aus dem Wechselrichter namens Powerstream, mehreren Solarpanels und der Powerstation Delta 2 Max mit 2 Kilowattstunden besteht. Lässt sich damit überhaupt Geld sparen, so teuer wie Akkus sind?
Rechnet sich ein Akku beim Balkonkraftwerk?
Die (fast) eindeutige Antwort ist: Es kommt darauf an. Natürlich spielt der Preis des Akkus eine Rolle, denn auch wenn die Preise in den letzten Jahren stark gefallen sind, kostet der Energiespeicher eigentlich immer mehr als das restliche Balkonkraftwerk.
Heute kostet die von mir seit einem Jahr eingesetzte Delta 2 Max mit 2 kWh Speicherkapazität und LFP-Akkuzellen im Sale unter 1.000 Euro, vor einem Jahr lag der Preis doppelt so hoch. Bei gleichzeitig von durchschnittlich 40 auf 28 Cent gesunkenen Strompreisen (pro kWh, Preisregion Kreis Pinneberg bei Hamburg) muss also schon viel Strom durch die Zellen fließen, damit sich die Investition rechnet.
Für die Ungeduldigen unter euch ein Spoiler: Bei einem traditionellen Stromvertrag mit günstigen Konditionen und wenn ihr den Akku ausschließlich fürs Balkonkraftwerk einsetzt, liegt eine Amortisation in so weiter Ferne, dass vorher ein Defekt der Powerstation zu befürchten ist.
Nicht, weil die Akkuzellen zu schnell verschleißen, das Problem war bei Lithium-Ionen-Akkus deutlich stärker ausgeprägt als bei Lithium-Eisenphosphat-Zellen. Sondern aufgrund der restlichen Steuer- und Wandlerelektronik, die permanent unter großer Hitze arbeiten muss.
Etwas anders sieht es aus, wenn ihr euch sowieso eine Powerstation anschaffen wollt, um beim nächsten Festival oder Campingurlaub mit deutlich mehr Komfort in den Tag zu starten. Warmer Kaffee zur Bekämpfung des Festivalkaters taucht sonst ja auch in keiner Amortisationsrechnung auf.
Dynamischer Stromtarif und Akku
Interessanter wird ein Balkonkraftwerkakku bei der Nutzung eines dynamischen Stromtarifes. Ab 2025 soll jeder Stromanbieter einen solchen Tarif anbieten müssen aber auch jetzt schon gibt es Anbieter wie Tibber, die stundenaktuell die Kilowattstundenpreise der Strombörse weitergeben.
Üblicherweise ist Strom dabei ausgerechnet dann immer besonders günstig, wenn das Balkonkraftwerk am meisten Energie erzeugt - Mittags und Nachmittags. In den Morgen- und Abendstunden kostet Strom am meisten, teils doppelt so viel.
Den Verbrauch also in die teuren Stunden lenken ist die Lösung für diese Preisprobleme und das kann ein Akku. Bei mir lädt das Balkonkraftwerk den Akku ab Mittag voll und speist danach den Strom weiter und wie gewohnt ins Haus ein.
Eine Automatisierung in der Ecoflow-Software schaltet den Akku dann in den teuren Stunden dazu. Wie viel eingespeist wird, muss ich noch von Hand regeln. Es gibt aber eine Automatisierungsoption wenn ein Shelly-Stromwächter wie der 3EM eingesetzt wird, so dass eine Nulleinspeisung realisiert werden kann – kein selbst erzeugter oder gespeicherter Strom fließt ins öffentliche Stromnetz.
Eine Tibber-Integration für kleinere Ecoflowakkus wäre mein Traum, existiert bisher aber nur für große und teure Hausanlagen. Aber trotzdem rechnet sich der Akku auf einmal viel schneller wenn die Kilowattstunde um 20 Uhr auf einmal 50 statt 19 Cent kosten soll.
Und dann war da noch der 26. Juni 2024, der Tag, an dem durch eine Panne an der Strombörse die Kilowattstunde über 3 Euro kostete – dank eines für einen Test frisch gelieferten Akkus mit 5 kWh Speicherkapazität wurde das trotzdem der insgesamt günstigste Tag seit Start des dynamischen Tarifes.
Wie viel habe ich gespart?
Diese Frage ist aufgrund des dynamischen Tarifes schwer zu beantworten. Würde ich weiterhin den alten Strompreis von 40 Cent pro Kilowattstunde zahlen, hätte ich laut der App-Statistik des Wechselrichters 245,30 Euro in einem Jahr eingespart.
Durch den Akku entfällt das lästige unvergütete Einspeisen ungenutzter Energie ins Stromnetz, so dass hier nichts abzuziehen ist.
Beim aktuellen Durchschnittspreis von 28 Cent pro Kilowattstunde sinkt die Ersparnis auf knapp 170 Euro. Da ich durch den dynamischen Tarif aber oft die besonders teuren Stunden mit dem Akku abgepuffert habe, dürfte die reale Ersparnis auch eher um die 200 Euro liegen.
Das ist der gleiche Wert, den das Balkonkraftwerk vor dem Akku-Upgrade aber mit höherem Strompreis im Jahr erzeugte. Letzten Endes dürfte die Powerstation also gut 50 Euro im Jahr real reingespart haben - um die fast 2.000 Euro Anschaffungskosten zu amortisieren, dauert es zu lange und selbst bei gelegentlichen Angebotspreisen ist es ein Liebhaberprojekt.
Für mich rechnet sich die Anschaffung trotzdem, schon weil ich die Powerstation auch abseits des Balkonkraftwerkes sehr gut nutzen kann. Und Tage mit extrem hohen dynamischen Strompreisen bereiten mir keine Sorgen mehr.
Ein kleiner Baustein in der Energiewende und zum Entlasten des Stromnetzes ist ein solcher Akku trotzdem, erwartet nur besser keine spürbaren finanziellen Vorteile.



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