Ich habe ein Balkonkraftwerk seit 12 Monaten – Das habe ich gelernt

Im Sommer 2023 habe ich mir ein Balkonkraftwerk von Yuma zugelegt. Zeit für ein Fazit nach dem ersten Jahr: Was ich gespart und gelernt habe - und heute anders machen würde.

Im August 2023 habe ich mir ein Balkonkraftwerk-Komplettset von Yuma für mein Garagen-Flachdach zugelegt. Damals berichtete ich über meinen Erfahrungen nach 30 Tagen. Mittlerweile ist ein Jahr vergangen und ich habe viele neue Erkenntnisse gewonnen.

Grund genug, ein Langzeitfazit zu ziehen: Wie sind meine Erfahrungen mit dem Hersteller Yuma nach zwölf Monaten? Was habe ich gespart? Und was würde ich heute anders machen?

Meine Ausgangssituation

Zur Einordnung für euch zunächst ein paar Eckdaten zu mir:

  • Ich habe 2023 das Yuma Flat 800 Pro-Set bestehend aus zwei 400-Watt-Modulen installiert
  • Ich lebe in einem 3-Personen-Haushalt (Ich habe einen 3-jährigen Sohn)
  • Unser Stromverbrauch liegt selbst ohne Solarkraftwerk unter 2000 kWh pro Jahr

Die Module habe ich auf dem Flachdach meiner Garage aufgestellt. Mein Ziel war es, möglichst viel Eigenstrom zu produzieren und dadurch Energiekosten zu senken.

Das habe ich nach einem Jahr gelernt

Die Ausrichtung der Module ist wichtig

  • Überlegt euch, wann ihr die Energie braucht: nachmittags, wenn ihr nach der Arbeit zu Hause seid, oder doch über den gesamten Tag verteilt, weil ihr wie ich im Homeoffice arbeitet?
  • Ich hatte meine Module fast ein Jahr lang nach Südost und Südwest ausgerichtet, um über den ganzen Tag verteilt von der Sonne zu profitieren, dann aber gemerkt, dass eine Südost-Süd-Kombination bis zu 25 Prozent mehr Ertrag in meiner Homeoffice-Zeit bringt.
  • Ich habe mir mittlerweile einen Speicher sowie ein drittes Modul zugelegt und alle drei Panels nach Süden ausgerichtet. So lade ich im Sommer meinen Akku bis mittags auf und kann die gespeicherte Energie bis zum nächsten Morgen nutzen.

Schatten ist der Feind Nummer 1

  • Die perfekte Ausrichtung bringt nichts, wenn wie in meinem Fall ein dicker Baum neben der Garage steht, der die komplette Abendsonne blockiert.
  • Schaut, welche Hindernisse in eurer Umgebung Schatten werfen und plant die Aufstellung entsprechend oder nutzt zur Kompensation mehr Module.
  • Bedenkt, dass der Schattenwurf sich durch den Sonnenstand je nach Jahreszeit verändert.

Dieser Baum direkt neben meiner Garage raubt mir täglich viel Sonnenenergie. Dieser Baum direkt neben meiner Garage raubt mir täglich viel Sonnenenergie.

Die Preise sind gefallen, Eigenbau spart Geld

  • Im Vergleich zu Komplettsets von Yuma, Priwatt oder Solakon ist es in der Regel günstiger, alle Komponenten einzeln zu kaufen und zusammenzubauen.
  • Die Preise sind jedoch auch bei den großen Anbietern stark gerutscht, mein Yuma-Set kostete damals an die 800 Euro, das aktuelle Yuma Flat 880+-Set mit 80 Watt mehr Leistung kostet nur noch 499 Euro. Derzeit gibt es sogar einen Sommer-Sale. Mit dem Gutscheincode SOMMER55 bekommt ihr bis zum 8. September 55 Euro Rabatt auf alle Komplettsets.
  • Gespart habe ich beim 3. Modul: Ich habe für Panel, Ständer und 5-Meter-Kabel rund 135 Euro bezahlt. Yuma verlangt für ein einzelnes Bifazial-Modul etwa 200 Euro, Priwatt 100-130 Euro und bei Solakon werden 115 Euro fällig – jeweils ohne Halterung, die noch mal mit 35 Euro zu Buche schlägt.

Unterschätzt niemals den Wind

  • Je schräger eure Panels angebracht sind, desto größer die Angriffsfläche für den Wind. Das kann böse enden. Einem Kollegen hat es einmal mehrere Module vom Flachdach gefetzt.
  • Für mein Garagendach habe ich extra zwei Gehwegplatten mehr gekauft und somit ein höheres Gewicht, als in der Anleitung für meine Windregion empfohlen wird. Und war froh, als im Juni ein derart heftiges Unwetter losbrach, das beinahe meine halbe Terrassenausstattung wegfegte.

Der Winkel spielt eine große Rolle

  • Mich hat überrascht, welchen Effekt der Neigungswinkel der Module auf den Stromertrag hat.
  • Im August erzeugt mein 410 Watt-Panel im Schnitt 30 Prozent mehr Energie als die beiden 400 Watt-Module, weil es neben der etwas höheren Leistung einen um 30 Grad steileren Winkel hat.
  • Der optimale Winkel unterscheidet sich je nach Saison. Es kann sich daher lohnen, Ständer mit Neigungsfunktion zu kaufen.

Mein drittes Modul hat nur 10 Watt mehr Peak-Leistung, generiert aber in diesem Fall 20 Prozent mehr – dank des steileren Winkels. Mein drittes Modul hat nur 10 Watt mehr Peak-Leistung, generiert aber in diesem Fall 20 Prozent mehr – dank des steileren Winkels.

Man schärft sein Bewusstsein

  • Gerade in den ersten Wochen habe ich täglich in die Daten geschaut: Was habe ich verbraucht, wie viel produziert, wo kann ich noch optimieren?
  • Das führte dazu, dass ich meinen Grundverbrauch gemessen und somit verstanden habe, welche Geräte am meisten Energie fressen und welche ich vielleicht gar nicht ständig am Strom haben muss.
  • Ich war überrascht, wie viel Strom sich ein Backofen oder eine Kaffeemaschine gönnt, und schockiert, wie viel eine PS5 in Kombination mit einem OLED-Fernseher frisst - vor allem bei einem HDR-fähigen Spiel.

Ein Wechselrichter mit App-Funktion ist Gold wert

  • Die Voraussetzung für Optimierungen sind Messwerte. Ein Wechselrichter mit integrierter App-Funktionalität erleichtert das Monitoring erheblich.
  • Letztes Jahr legte Yuma den Komplettsets noch eine smarte Steckdose von myStrom bei, die mittlerweile aber nur gegen Abogebühren Daten über einen längeren Zeitraum bereitstellt. Mittlerweile setzt der Hersteller auf einen Hoymiles-Wechselrichter mit integriertem WLAN.
  • Empfehlenswert ist auch der Ecoflow-Powerstream sowie die in den Anker Solix-Akkus integrierten Wechselrichter.

Man passt sich der Sonne an

  • Als ich noch keinen Speicher hatte, habe ich meinen Geschirrspüler auf 13 Uhr getimt und Handys, Tablets sowie meine E-Bike-Akkus zur Mittagszeit aufgeladen.
  • Am Wochenende läuft die Waschmaschine in der Regel dann, wenn die Sonne scheint.

Der Optimierungswahn lässt nach

  • Nach der anfänglichen Optimierung gibt man sich mit einer Justierung zufrieden, statt alle paar Wochen die Module an den Sonnenstand anzupassen. So erging es jedenfalls mir, meinem Kollegen und meinen Nachbarn.
  • Sucht euch daher eine ideale Ausrichtung für das ganze Jahr oder zumindest für ein Halbjahr.

Zuerst Ost-West, dann Südost-West und zuletzt Südost-Südwest: Ich habe die beiden Module mehrmals umgestellt. Nach der anfänglichen Optimierung arrangiert man sich jedoch schnell. Zuerst Ost-West, dann Südost-West und zuletzt Südost-Südwest: Ich habe die beiden Module mehrmals umgestellt. Nach der anfänglichen Optimierung arrangiert man sich jedoch schnell.

Der Winter ist bitter

  • Die Sonne verläuft flacher und hat weniger Kraft als im Sommer, dazu wolkenverhangener Himmel und Witterung – im Winter bricht der Solarertrag gnadenlos ein.
  • Unterschätzt habe ich Schneefall, denn der liegt bei niedrigen Temperaturen trotz Sonnenschein sehr lange auf den Modulen und verhindert die Energiegewinnung. Es ist ratsam, ihn regelmäßig von den Panels zu entfernen.

Meine Langzeiterfahrungen mit Yuma nach einem Jahr

Letztes Jahr attestierte ich Yuma eine exzellente Produktqualität, erkannte jedoch Verbesserungspotenzial beim Kundenservice. Die Antworten waren freundlich und hilfreich, dauerten aber zu lange.

Das hat sich mittlerweile gebessert – wohl auch, weil der Ansturm auf Solarlösungen mittlerweile nachgelassen und Yuma im Kundensupport aufgestockt hat.

Alle Komponenten funktionieren zuverlässig wie am ersten Tag. Bei einem Stromausfall ist das gesamte System binnen 15 Minuten wieder einsatzbereit.

Ich kann Yuma auch selbst nach einem Jahr empfehlen.

Die myStrom-App funktioniert gut, zeigt Daten aber mittlerweile nur noch im kostenpflichtigen Abo. Yuma setzt aber mittlerweile ohenhin auf einen Hoymiles-Wechselrichter mit integriertem Wifi. Die myStrom-App funktioniert gut, zeigt Daten aber mittlerweile nur noch im kostenpflichtigen Abo. Yuma setzt aber mittlerweile ohenhin auf einen Hoymiles-Wechselrichter mit integriertem Wifi.

So viel habe ich gespart

Ich den letzten zwölf Monaten haben meine beiden 400-Watt-Module 720 kWh Strom erzeugt, davon wurden 201 kWh jedoch unverbraucht eingespeist.

Ich konnte somit 519 kWh verbrauchen und bei einem Strompreis von 33 Cent pro Kilowattstunde rund 171 Euro sparen.

Allerdings hätte es auch deutlich mehr sein können, wenn der verflixte Baum nicht wäre, der mir jeden Tag die Strahlen der Abendsonne raubt.

Mit dem kürzlich angeschafften Speicher sieht die Bilanz jedoch ganz anders aus. Mehr dazu im nächsten Artikel.

Was ich heute anders machen würde

Ich würde mir schneller einen Speicher zulegen. Seitdem ich einen Akku an meinem Modulen hängen habe, hat sich mein Stromverbrauch vom Netzbetreiber drastisch gesenkt. Meine Erfahrungen schildere ich in einem zukünftigen Artikel.

Wenn es nach meinem Kollegen Dennis geht, solltet ihr alle Komponenten selbst kaufen und zusammenzubauen, um Geld zu sparen. Vermutlich würde ich das heute auch so machen, statt auf ein Komplettset zurückzugreifen. Andererseits schätzte ich gerade als Neukunde mit wenig Ahnung von der Materie den Kundensupport, die Aufklärung sowie das Garantieversprechen von Yuma.

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Nach einem Jahr kann ich sagen: Das Balkonkraftwerk war für mich eine sinnvolle Investition und ich will nicht mehr zurück. Trotzdem hängt es immer von der persönlichen Situation ab, welche Konfiguration sich für euch lohnt.

Ich hoffe, ihr konntet von einigen meiner Erkenntnisse profitieren. Solltet ihr Fragen haben, stellt sie gerne in den Kommentaren.

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