Battlestar Galactica vs. Star Wars: Es wäre viel teurer, einen Kampfstern zu bauen als einen Sternenzerstörer

Wie teuer wäre eine gepanzerte, Millionen Tonnen schwere Kriegmaschine im All? Eine Rechnung zeigt: Selbst ganze Planeten wären überfordert.

So sieht die Galactica aus. (Bildquelle: Battlestar Galactica Deadlock) So sieht die Galactica aus. (Bildquelle: Battlestar Galactica Deadlock)

Die Battlestar Galactica ist eines der ikonischsten Raumschiffe der Science-Fiction. Ihr Design verzichtet bewusst auf jede Eleganz und folgt stattdessen dem Prinzip schwerer Militärtechnik: kantig, massiv, funktional.

Sie wirkt nicht wie ein futuristisches Wunderwerk à la Star Trek, sondern wie ein Schlachtschiff aus den Weltkriegen. Panzerung und Feuerkraft stehen über allem – Ästhetik wäre hier nur Ballast.

Gerade das macht die Frage so spannend: Was würde es kosten, ein solches Schiff in echt zu bauen?

Die Antwort darauf ist komplex, und führt uns in Preisregionen, in denen selbst die größten realen Megaprojekte wie Fußnoten wirken.

Die Maße der Galactica

Die Abmessungen variieren je nach Quelle leicht, doch die oft zitierten Werte von Galactica-Fandom bieten eine solide Grundlage:

  • Länge: ca. 1.440 m
  • Breite: ca. 537 m
  • Höhe: ca. 183 m

Damit ist die Galactica mehr als viermal so lang wie ein moderner Flugzeugträger des Typs USS Gerald R. Ford (337 m). Das Volumen von geschätzt 55 bis 60 Millionen Kubikmetern übertrifft alles, was heutige Marinen zu Wasser lassen.

Die größte Besonderheit ist aber nicht die Größe, sondern die Masse.

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Das unglaubliche »Gewicht« der Galactica

Die Gesamtmasse von rund 121 Millionen Tonnen wird dem Buch The Science of Battlestar Galactica zugeschrieben (via Reddit).

Der Grund für diesen gigantischen Wert, der sogar den der Imperial-I-Klasse Sternenzerstörer aus Star Wars um ein Vielfaches übertrifft, liegt in der Außenhülle: mehrere Meter dick, in Schichten aufgebaut und konstruiert, um selbst nukleare Einschläge wegzustecken.

Hier geht es nicht um Science-Fiction-Ästhetik, sondern um Material als Schutzwall und Waffe:

  • dichte Wolframlegierungen
  • tragende Strukturen aus hochfestem Stahl oder Titan
  • Keramik- und Kompositschichten zur Aufnahme kinetischer Energie durch Einschläge

Das alles verteilt über eine geschätzte Fläche von knapp zwei Millionen Quadratmetern. Die Galactica ist kein Raumschiff wie aus anderen Science-Fiction-Universen, das sich mit unsichtbaren Schilden schützt, sie ist eine fliegende Festung.

Materialaufteilung: Eine Hülle, schwerer als ganze Flotten

Wie die Masse verteilt ist, lässt sich nur grob abschätzen. Angelehnt an Kriegsschiffe, aber angepasst an die außergewöhnliche Panzerung, ergibt sich folgende Verteilung:

KategorieAnteilMasse
Struktur & Panzerung 68 Prozent82.280.000 t
Antrieb & Energie11 Prozent13.310.000 t
Innenausbau & Ausrüstung8 Prozent9.680.000 t
Bewaffnung & Sensorik5 Prozent6.050.000 t
Hangars & Flugbetrieb3 Prozent3.630.000 t
Flüssigkeiten & Verbrauchsstoffe3 Prozent3.630.000 t
Leitungen & Kabel1 Prozent1.210.000 t
Reserven & Margen1 Prozent1.210.000 t

Der Rumpf dominiert alles: über 82 Millionen Tonnen.

Transportkosten: Der größte Brocken

Im Battlestar-Universum entstehen Kampfsterne in Orbitalwerften, der Rohstoff stammt von Asteroiden. Wir bleiben jedoch auf der Erde, und damit bei Raketen.

121 Millionen Tonnen müssen in den Orbit. Hier beginnt die Rechnung zu explodieren.

Drei Szenarien:

  • A: extrem optimistisch, 10 Euro/kg = 1,21 Billionen Euro
  • B: futuristisch realistisch, 200 Euro/kg = 24,2 Billionen Euro
  • C: heutiger Stand, 1.000 Euro/kg = 121 Billionen Euro

Szenario B ist ein fairer und realistischer Kompromiss.

Materialkosten: Wolfram, Stahl, Legierungen und Reaktormaterial

Die Materialkosten fallen vergleichsweise moderat aus. Der teuerste Posten ist die Außenhülle aus einem mehrlagigen Verbund aus verschiedenen Stoffen:

  • 1 m hochdichte Wolframlegierung
  • 1,5 m hochfestem Stahl oder Titan
  • 0,5 bis 1 m Keramik-/Kompositschichten

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Daraus ergeben sich folgende Materialkosten:

  • Wolfram-Panzerung: ca. 3,63 Billionen Euro
  • Stahl/Titan: ca. 18 Milliarden Euro
  • Restmaterial: ca. 315 Milliarden Euro

In Summe rund 4 Billionen Euro. Eine Zahl, die plötzlich fast bescheiden wirkt.

Fertigungskosten: Das Zehnfache des Materials

Großprojekte im Militärbereich kosten in der Fertigung traditionell das Fünf- bis Zehnfache des reinen Materials (via RAND). Wir nehmen den konservativen Wert: rund 20 Billionen Euro

Allein die Vorstellung, Millionen Tonnen schwere Sektionen im Orbit zusammenzusetzen, macht diesen Wert nachvollziehbar.

Entwicklung & Infrastruktur

Viele der nötigen Technologien existieren heute nicht einmal als ferne Visionen:

  • Hochleistungsreaktoren für Antriebe
  • Tragwerke für Sektionen in Stadtgröße
  • orbitale Schwerindustrie
  • Trägheitsdämpfungssysteme
  • funktionsfähige Sublicht- und Überlichtsprungantriebe

Optimistisch angesetzt: 2 Billionen Euro. Aber auch nur, wenn die Grundlagenforschung abgeschlossen ist und Prototypen erfolgreich getestet wurden.

Gesamtschätzung

Unter dem realistischsten Szenario (200 Euro/kg Transportkosten) ergeben sich:

  • Material: ca. 4 Billionen Euro
  • Transport: ca. 24,2 Billionen Euro
  • Fertigung: ca. 20 Billionen Euro
  • Entwicklung & Infrastruktur: ca. 2 Billionen Euro

Also gut 50,2 Billionen Euro. Nur für den Bau. Das entspricht rund 50 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung aller Länder der Erde.

Ein Sternenzerstörer kommt dagegen auf nur 15,2 Billionen Euro.

Lebensdauerkosten

Ein Schiff dieser Größe frisst Geld wie ein schwarzes Loch Materie. Und das nicht nur beim Bau. Den weitaus größten Anteil tragen die Unterhaltskosten über eine geschätzte Lebensdauer von 50 Jahren:

  • Wartung
  • Ersatzteile
  • Strukturreparaturen
  • Personal
  • Logistik
  • Energie

Über ein halbes Jahrhundert kommt man realistisch auf das 2,5- bis 3-Fache der Baukosten. Das sind weitere 175,2 Billionen Euro – etwa 3,5 Billionen Euro jährlich.

Etwas über zwei Drittel des deutschen Bruttoinlandsprodukts für ein einziges Schiff.

Fazit: Eine Leistung einer Zivilisation, nicht einer Nation

Die Menschheit in Battlestar Galactica besteht aus den Zwölf Kolonien von Kobol – vermutlich über mehrere benachbarte Sternensysteme verteilt. Ein einziges Sonnensystem mit einem Dutzend erdähnlicher Welten ist kaum vorstellbar.

Selbst mit großzügig kalkulierten planetaren Ökonomien und mehreren zehn Milliarden Einwohnern wäre eine Flotte von Kampfsternen nur mit extremen zivilisatorischen Anstrengungen realisierbar.

Ein Kampfstern wie die Galactica ist kein Prestigeprojekt einer Regierung. Er ist ein Mammutprojekt im Maßstab einer ganzen interstellaren Zivilisation.

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