Pflanzen-Apps im Test: Der Gewinner kostet, aber es gibt verdammt gute Gratis-Alternativen

Welche App erkennt Pflanzen am zuverlässigsten? Ich habe es getestet und gemerkt: Es ist ein enges Rennen. An einer Stelle sind aber alle Apps gescheitert.

Welche App zur Pflanzen-Bestimmung schlägt sich am besten? Ich habe es getestet. Welche App zur Pflanzen-Bestimmung schlägt sich am besten? Ich habe es getestet.

Was wächst denn da? Für Gärtner, Biologinnen und Landwirte ist diese Frage wahrscheinlich kein Problem. Alle anderen stehen oft ratlos dar, wenn sie wissen wollen, welches Gewächs ihnen vor der Nase herumtanzt.

Die Lösung kommt, wie im 21. Jahrhundert üblich, in Form von Apps. Wer den App-Store seines Vertrauens öffnet und nach Pflanze bestimmen sucht, wird mit Optionen geradezu überschwemmt. Welche App also nutzen?

Um Licht ins Dunkel zu bringen, habe ich fünf der beliebtesten Pflanzenbestimmungs-Apps installiert und einem Vergleich unterzogen. Im Rennen befinden sich dabei sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige Softwares.

Falls ihr Pflanzen auch in der wildesten Natur scannen wollt, solltet ihr zudem einen Blick auf unsere Kaufberatung für die besten Outdoor-Handys werfen:

Einrichtung

Bevor es losgeht, kommt die Einrichtung. Für mich bei einer Pflanzenbestimmungs-App wichtig ist dabei, dass mich die App nicht lange aufhält und mir keine unnötigen Hürden in den Weg schmeißt.

So schlägt sich das Testumfeld auf den ersten Metern:

  • Picture This: Als erstes heißt es zahlen, danach geht es weiter. Die App begrüßt mich mit einem schnellen Tutorial, wie das Pflanzenbestimmen funktioniert und worauf ich beim Fotografieren der Pflanzen achten soll. Einen Account erstellen muss ich nicht.
  • Pl@ntNet: Zuerst wähle ich aus, in welcher Region ich mich befinde. Das geht per GPS oder Karte. Daraufhin schlägt mir die App eine passende Flora vor, in meinem Fall Westeuropa. Pl@ntNet lässt mich dann ein Konto erstellen, um Bilder speichern und teilen zu können, das lässt sich aber auch überspringen.
  • Flora Incognita: Zu Beginn habe ich die Wahl, mir ein Tutorial anzeigen zu lassen oder direkt ein Profil zu erstellen. Wer mag, kann die App aber auch ohne Speicherfunktion als Gast nutzen.
  • Plantura: Schneller geht es nicht - nach nur einem Klick komme ich direkt in die Nutzungsumgebung.
  • Blossom: Auch hier soll ich als Erstes einen Account erstellen. Der Überspringen-Button ist gut versteckt. Danach fragt die App meinen Kenntnisstand und mein zeitliches Budget für Pflanzenpflege ab. Als Kirsche auf der Sahne will die App mir dann Push-Nachrichten schicken - ich lehne ab.

Gut gefallen haben mir hier jeweils Picture This und Plantura. Flora Incognita und Pl@ntNet schlagen sich passabel. Lediglich Blossom konnte bei der Einrichtung wenig überzeugen.

Obwohl er noch sehr klein ist, wurde der spanische Pfeffer von fast allen Apps erkannt. Und direkt nach dem Scannen habe ich ihn gegossen - es geht ihm also gut. Obwohl er noch sehr klein ist, wurde der spanische Pfeffer von fast allen Apps erkannt. Und direkt nach dem Scannen habe ich ihn gegossen - es geht ihm also gut.

Oberfläche

Nach der Einrichtung lande ich bei jeder der Apps in einer Art Hauptmenü. Dort kann ich dann auch stets mit einem Klick die Erkennen-Funktion auswählen.

So schlägt sich die Nutzungsoberfläche der Apps:

  • Picture This ist übersichtlich aufgebaut und sieht auch noch verdammt schick aus. Zudem kann ich hier erkannte Pflanzen abspeichern, per Kamera auf ihren Gesundheitszustand überprüfen lassen und die App sogar diagnostizieren lassen, was mit der Pflanze nicht stimmt.
  • Pl@ntNet bietet ebenfalls einen logischen, übersichtlichen Aufbau. Die App sieht aber etwas in die Jahre gekommen aus. Neben der Pflanzenbestimmung gibt es auch einen Social Feed, in dem sich die Entdeckungen der Community einsehen lassen.
  • Flora Incognita ist im Design verspielter als der Rest, dadurch aber auch etwas weniger übersichtlich. Neben einer Erkennungsfunktion können auch alte Entdeckungen gespeichert und angesehen werden.
  • Plantura gibt mir viel, aber nicht unbedingt, was ich suche. Die Startseite besteht aus einem Guide zum Balkonkasten bepflanzen und Shop-Angeboten. Die Erkennungsfunktion wird auf die Bodenleiste degradiert.
  • Blossom: Hier werden die eigenen Pflanzen in den Fokus gestellt. Blossom präsentiert sich eher als Pflege- denn als Erkennungs-App. Die Elemente der App wirken etwas wirr angeordnet, was dem eigentlich cleanen Look schadet.

Auch hier hat mit PictureThis wieder überzeugen können. Der Funktionsumfang ist groß, und trotzdem finde ich schnell, was ich suche. Pl@ntNet schafft es mit seinem Social-Feed gut, sich von der Konkurrenz abzuheben.

Der Benchmark

Zeit für harte Fakten: Wie gut erkennen die Apps unbekannte Pflanzen?

Der Test-Benchmark umfasst einen Teil meiner eigenen Hauspflanzen. Fünf verschiedene Gewächse habe ich dafür auserkoren: Geldbaum, Glücksfeder, Efeutute, spanischer Pfeffer und eine Schmetterlings-Orchidee.

Um es den Apps nicht zu leicht zu machen, hat sich zudem eine Plastik-Pflanze unter das Test-Grün gemischt.

PictureThisPl@ntNetFlora IncognitaPlanturaBlossom
Geldbaum
Crassula ovata
richtigrichtigrichtigrichtigrichtig
Glücksfeder
Zamioculcas
zamiifolia
richtigrichtigrichtigrichtigrichtig
Efeutute
Epipremnum
aureum
richtigrichtigrichtigrichtigrichtig
Spanischer Pfeffer
Capsicum anuum
richtigfalschrichtigrichtigrichtig
Schmetterlings-
Orchidee
Phalaenopsis
richtigrichtighalb-richtigrichtigrichtig
Plastik-Pflanzefalschfalschfalschfalschfalsch
ERGEBNIS5/64/64,5/65/65/6

Insgesamt machen alle Apps beim Erkennen eine gute Figur. Echte Pflanzen werden zum Großteil richtig erkannt.

Ausnahmen sind:

  • Pl@ntNet hält meinen spanischen Pfeffer für eine Habanero-Chili.
  • Flora Incognita bleibt bei meiner Schmetterlingsorchidee ungenau: Für Orchidaceae (das umfasst alle Orchideengewächse) vergebe ich einen halben Punkt.

Bei der Plastik-Pflanze, die ich fieserweise in meinen Testparkour aufgenommen habe, scheitern die Apps aber alle: Laut PictureThis ist es eine Bartnelke (Dianthus barbatus), laut Pl@ntNet ein Krummstielmoos (Campylopus introflexus). Terra Incognita, Blossom und Plantura meinen alle: Hier ist ein gemeines Weismoos (Leucobryum glaucum) zu sehen.

Fake und fies: Die Plastik-Pflanze wird von keiner App als solche erkannt. Fake und fies: Die Plastik-Pflanze wird von keiner App als solche erkannt.

Kosten

Bleibt noch zu klären, was ihr für das Erkennen der Pflanzen hinblättern müsst. Die erfreuliche Nachricht: Viele der getesteten Apps sind kostenlos:

  • PictureThis lässt sich nur gegen Bezahlung nutzen. Die App stellt einen siebentägigen Probezeitraum zur Verfügung, danach heißt es zahlen: 3 Euro pro Woche, 6 Euro pro Monat oder 30 Euro im Jahr. (Abo beenden!)
  • Pl@ntNet ist kostenlos. Der Anbieter bietet lediglich die Option, bei Wunsch zu spenden. Der Button dafür ist recht gut versteckt und lässt sich nur in den Einstellungen finden.
  • Terra Incognita ist als Universitätsprojekt ebenfalls kostenlos.
  • Plantura ist ebenfalls kostenlos, wirft euch aber direkt Kauf-Links entgegen, sobald ihr die App öffnet.
  • Blossom gibt es ebenfalls nur gegen Abo. Ein kostenloser Testzeitraum beträgt 3 Tage, danach werden 4 Euro im Monat oder 27 Euro pro Jahr fällig. (Abo beenden!)

Fazit

Mein Gewinner ist PictureThis. Nicht nur hat die App alle echten Pflanzen im Testparkour erfolgreich erkannt. Auch gefällt mir sowohl die Einrichtung als auch das Design der App. Und neben dem reinen Erkennen gibt es viele Zusatzfunktionen, die Pflanzen-Liebhaber schätzen dürften.

Allerdings kostet die App auch regelmäßig. Am günstigsten kommt ihr mit einem 30 Euro teuren Jahresabo. Ob es euch das wert ist, müsst ihr selbst entscheiden.

Sucht ihr nach einer kostenlosen Alternative zu PictureThis, kommt jede der drei Gratis-Varianten meines Tests infrage. Allerdings ist jede der Apps mit einem Kompromiss verbunden. Es hängt also davon ab, was ihr sucht:

  • Plantura gibt euch genauso gute Ergebnisse wie PictureThis, gestaltet aber die Einrichtung unnötig kompliziert und bombardiert euch direkt mit Kauflinks.
  • Terra Incognita hat in den Ergebnissen nicht so gut abgeschnitten wie Plantura, ist dafür aber auch kein mäßig gut getarnter Online-Shop.
  • Pl@ntNet schneidet im Test am schlechtesten ab, bietet euch dafür aber einzigartige Community-Funktionen.

Lust auf noch mehr App-Empfehlungen? Diese sechs Apps habe ich draußen immer dabei:

Jetzt seid ihr an der Reihe! Nutzt ihr eine der hier vorgestellten Apps selbst? Oder habt ihr einen Geheimtipp, der im Testlauf gar nicht auftaucht? Wärt ihr bereit, für eine gute Pflanzenbestimmungs-App Geld in die Hand zu nehmen? Oder kommen für euch nur Gratis-Softwares infrage? Ich freue mich auf eure Meinung zu den Apps in den Kommentaren!

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