Dieser Gaming Chair ist für unter 500 Euro der beste, den ich in 10 Jahren getestet habe

Was man hier für 430 Euro bekommt, ist nicht nur fair, sondern auch überaus wertig für seinen Preis. Erwartet jedoch keinen Schnickschnack.

Dieser Stuhl ist mein neuer Goldstandard bei Gaming Chairs bis 500 Euro. (Bildquelle: Maxe S., GameStar) Dieser Stuhl ist mein neuer Goldstandard bei Gaming Chairs bis 500 Euro. (Bildquelle: Maxe S., GameStar)

Gaming- und Schreibtischstühle spalten die Gemüter. Den einen ist das durchschnittliche Sitzmöbel zum Spielen zu teuer, den anderen kommt unter vierstellig nichts unter den Pobbes.

Für mich als Tester steht der Preis stets in Verbindung mit dem, was man dafür bekommt. Im Fall des Boulies Masters sind das vor allem die Verarbeitung und Haptik für einen mehr als fairen Preis. Schnickschnack sucht ihr allerdings vergebens; irgendwo muss der Rotstift ja angesetzt werden.

Preis-Leistungs-Tipp
Boulies Master
Boulies Master
Wüsste man nicht, welchen Preis der Boulies Master aufruft, könnte man ihn spielend leicht einer höheren Klasse zuordnen. Was man für 430 Euro bekommt, ist überaus fair.

In Sachen Verarbeitung und Qualität steckt der Gaming Chair teilweise teurere Konkurrenz in die Tasche. Dicker Stoff trifft auf Nähte, wo kein Fädchen absteht. Rahmen und Bauweise sind überaus robust – aber auch schwer. Für den Preis ist vor allem die Lordosenstütze ein echter Mehrwert. Über zwei Rädchen lässt die sich granular einstellen, ein echter Mehrgewinn für den Rücken.

Erwartet allerdings auch keinen Schnickschnack. Für viele sicher kein Problem, aber eine rückenschonende Synchronmechanik fehlt. Auch das Band am Kissen wird über kurz oder lang ausleiern. Nichtsdestotrotz ist der Boulies Master mein neuer Goldstandard in seiner Preisklasse unter 500 Euro.
  • Überragender Verarbeitungsgrad
  • Hohe Qualität verwendeter Materialien
  • Sehr solide Konstruktion
  • Granular einstellbare Lordosenstütze
  • Faires Preis-Leistungsverhältnis
  • Kein Schnickschnack
  • Schwer

Boulies Master: Aufbau und Ersteindruck

Einen Gaming-Stuhl aufzubauen, empfinde ich als zweischneidiges Schwert.

  • Zum einen macht es Spaß, einen Blick unter die Haube zu werfen. Man sieht, welche Materialien verwendet wurden und »arbeitet« mit dem Gerät, bevor man es benutzt.
  • Zum anderen kann es sehr frustrierend sein, wenn die Bohrlöcher nicht korrekt sitzen, die Anleitung nicht klar formuliert ist oder der Aufbau schlicht Probleme macht.

Beim Boulies Master war ich aufgrund des Preises – 430 Euro – auf Letzteres eingestellt – und wurde positiv überrascht. Auch allein ging mir der Aufbau leicht von der Hand. Bohrlöcher saßen und ich musste mich beim Festschrauben nicht wie eine Brezel verbiegen. Der größte Wermutstropfen: Wahnsinnig viel Plastik in Form von Tüten und Polster beim Auspacken.

Auch auf der Unterseite leistet sich der Boulies Master kein Fauxpas: hochwertige Materialien und jede Schraube an ihrem Platz. Das kenne ich auch anders. (Bildquelle: Maxe S:, GameStar) Auch auf der Unterseite leistet sich der Boulies Master kein Fauxpas: hochwertige Materialien und jede Schraube an ihrem Platz. Das kenne ich auch anders. (Bildquelle: Maxe S:, GameStar)

Und so steht der Gaming Chair zum Schluss exzellent da. Das habe ich bei doppelt so teuren Exemplaren schon ganz anders erlebt.

  • Rahmen und nicht sichtbare Materialien wirken extrem wertig; sie verleihen dem ganzen Konstrukt hohe Stabilität.
  • Haptisch hat mich der Stuhl schon beim Auspacken überrumpelt: feste Polster und dicker, engmaschiger Stoff. Das fasst sich schlichtweg hervorragend an.
  • Jede Naht sitzt und das ist keine Selbstverständlichkeit. Wo andere bei der Verarbeitung sparen, setzt Boulies noch einen drauf. So lob ich mir das.

Was mir optisch gefällt: Der Stuhl brüllt mir »Gaming Chair« nicht ins Gesicht. Die hellen Nähte und schwarzen Applikationen sind genau die richtige Menge spielerisches Design, ohne langweilig oder eintönig zu wirken. Weniger ist mehr, daran hat sich Boulies gehalten.

Wenn ich etwas an Optik und Haptik auszusetzen habe, dann ist es das Kissen. Also, nicht das Kissen selbst, sondern das Band, mit dem man es am Rückenteil befestigt.

Hier wurde der einfachste Weg gewählt. Mittels eines Gummibandes wird die Stütze am Kopfteil angebracht. Aus Erfahrung weiß ich jetzt schon, dass das Band nach geraumer Zeit ausleiern wird. Die Königslösung wäre ein magnetisches Kissen gewesen, das bei vielen Modellen leider noch ein Unikum ist.

Immerhin: Das Futter im Kissen lässt sich austauschen, falls man es praller (oder weniger prall) haben möchte. (Bildquelle: Maxe S., GameStar) Immerhin: Das Futter im Kissen lässt sich austauschen, falls man es praller (oder weniger prall) haben möchte. (Bildquelle: Maxe S., GameStar)

Boulies Master: So sitzt es sich

Genauso wichtig wie das Äußere ist bei einem Schreibtischstuhl das Innere, sprich die Einstellungsmöglichkeiten. Kleiner Spoiler vorweg: Viel gibt es hier nicht zu sehen, aber das, was da ist, gibt sich keine Blöße.

Verstellen lässt sich der Stuhl in allen gängigen Positionen, die ihr womöglich von eurem Exemplar zu Hause kennt.

  • Höhe
  • Wippfunktion
  • Die Rückenlehne lässt sich fast bis in die Horizontale kippen.

Auch bei den Armlehnen gibt es keine Überraschungen. Die lassen sich wie gewohnt bei der 4D-Version in alle erdenklichen Richtungen schieben oder drücken.

Eine Überraschung gibt es dafür bei der Lordosenstütze. Nochmal: Der Stuhl berappt 430 Euro UVP, mit entsprechenden Erwartungen bin ich an den Test herangegangen; die Lordosenstütze hat die übertroffen.

Die Lordosenstütze lässt sich auf Wunsch sehr hart einstellen. (Bildquelle: Maxe S., GameStar) Die Lordosenstütze lässt sich auf Wunsch sehr hart einstellen. (Bildquelle: Maxe S., GameStar)

Was mich begeistert, ist, wie granular sich die Lordosenstütze über zwei Rädchen am Rückenteil einstellen lässt.

  • Der Härtegrad spielt eine zentrale Rolle, denn ist die Stütze nicht fest genug, bringt sie kaum etwas. Im Falle des Boulies Masters geht sie auf Wunsch richtig schön ins Kreuz.
  • Die Passform lässt sich ebenfalls justieren und das ist das Besondere. Nicht einmal bei teureren Modellen ist das immer gegeben.

Das war’s auch schon an Features. Der Stuhl bietet lediglich den absoluten Standard, den aber auf einem Niveau, wie ich es für diesen Preis nicht erwartet hätte.

Was den Komfort angeht, macht der Gaming Chair grundsätzlich alles richtig und nichts falsch.

  • Die Polsterung auf dem Sitz und am Rücken ist schön stabil und gemütlich. Dadurch – und dank der vielseitig einstellbaren Lordosenstütze – sitze ich beim Arbeiten und Spielen stets aufrecht. In Sachen Ergonomie hakt der Stuhl damit alles Wichtige ab.
  • Durch das stufenlose Verstellen der Rückenlehne kann man auf dem Modell auch gut lümmeln. Die lässt sich soweit nach hinten klappen, dass ich mich fast horizontal hinlegen kann (so ich denn wollte).

Um es im Sinne des Boulies Master zu betonen: Ich habe hier besser gesessen als auf so manchem teurerem Exemplar, schlichtweg, weil der Fokus auf Ergonomie liegt und nicht auf unnötigem Firlefanz.

Der Gaming Chair beweist beeindruckend, dass es gar nicht viele Features braucht, um ein ergonomisches Sitzerlebnis zu bieten. Den Löwenanteil daran haben die Verarbeitung und Materialqualität als auch die feinjustierbare Lordosenstütze. Mehr braucht's am Ende gar nicht.

Ein Hinweis noch. Hin und wieder musste ich zu meinem Herman Miller Aeron wechseln. Der Boulies Master ist nämlich recht hoch, wodurch meine Knie nicht im 90-Grad-Winkel auf dem Boden standen. Bedenkt das also bei Interesse, wenn ihr wie ich keine langen Beine habt.

Wissenswertes zum Test
So habe ich getestet

Über sechs Wochen hinweg habe ich auf dem Boulies Master mehrere Stunden am Tag gesessen und ihn sowohl zum Arbeiten als auch Lümmeln verwendet.

Spezifikationen
  • Material: Wasserabweisender Stoff oder PU-Leder
  • Neigungswinkel: Rückenlehne bis 165°; zusätzlich 15° Wippfunktion mit Arretierung
  • Rahmen: Stahl
  • Lordosenstütze: Integrierte, höhen- und tiefenverstellbare Lordosenstütze
  • Armlehnen: 4D-Armlehnen
  • Kissen: Nacken mit Gummiband
  • Empfohlene Größe: 155–200 cm
  • Empfohlenes Gewicht: bis 135 kg
Preis und Verfügbarkeit

Der Boulies Master ist erhältlich und kostet auf der Webseite 430 Euro. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Tests war der Stuhl rabattiert auf 370 Euro.

Der Boulies Master ist für euch, wenn …

  • … ihr keine Unsummen für einen hochwertigen Schreibtischstuhl ausgeben möchtet.
  • … euch Schnickschnack egal ist und ihr einen ordentlichen Gaming Chair wollt.
  • … das Preis-Leistungs-Verhältnis für euch eine wichtige Rolle spielt.

Mögliche Alternativen zum Boulies Master:

  • Hivar Skylar: Dieser Stuhl schlägt in eine ganz ähnliche Kerbe. Simples, aber hübsches Design, kein Schnickschnack und ohne Verarbeitung. Allerdings besitzt dieses Modell eine Synchronmechanik, die nochmal mehr für euren Rücken tut. Auf der Straße kriegt ihr den Gaming Chair mit ein wenig Glück für 400 Euro.
  • Holludle: Dieses Exemplar ist ein Schreibtischstuhl, der mit 190 Euro den Boulies Master noch einmal preistechnisch gehörig unterschreitet. In unserer verlinkten Kaufberatung heben wir vor allem die ergonomische Flexibilität hervor.

In meinem persönlichen Ranking wird der Boulies Master als der Goldstandard für Stühle unter 500 Euro eingehen, so gut sind Verarbeitung, Haptik und Ergonomie. An ihm werden sich kommende Modelle messen lassen müssen.

Im Test habe ich eine Funktion außen vor gelassen, die für mich alternativlos geworden ist: die Synchronmechanik. Ich persönlich möchte ohne nicht mehr sitzen, ich weiß aber auch, dass die nur bei Gaming Chairs verbaut ist, die einen höheren Preis aufrufen.

Daher sei zum Abschluss gesagt: Wenn euch der Boulies Master gefällt, checkt ihn unbedingt aus. Wenn ihr euren Körper allerdings gut kennt, könnte ein etwas teurerer Stuhl mit Synchronmechanik die bessere Wahl sein.


Kommentare(1)
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