Mit Handreglern kleine Flitzer über Rennstrecken jagen; wer zu schnell fährt, fliegt raus.
Die meisten von euch haben sicher schon einmal eine Carrera-Rennbahn ausprobiert, da der Spielzeughersteller seit Jahrzehnten dafür bekannt ist.
Mit Carrera Hybrid ist das System im digitalen Zeitalter angekommen: Anstelle geführter Spuren gibt es glatte Strecken, und die Steuerung erfolgt über das Handy. Wie gut das funktioniert und wo Carrera noch nachbessern muss, erfahrt ihr jetzt.
So funktioniert Carrera Hybrid
Was ist das für ein Produkt? Carrera Hybrid kombiniert reales Rennspiel mit virtuellen Elementen. Mit dem Handy oder einem Bluetooth-Controller steuert ihr kleine Rennautos über individuell gestaltbare Strecken. In der App könnt ihr Punkte sammeln, im Rang aufsteigen und euren Wagen tunen.
Es gibt drei Sets: Carrera Hybrid Devil Drivers
, Carrera Hybrid Runway Chase
und Carrera Hybrid Speedway to Hell
. Alle kosten um die 150 Euro und enthalten jeweils zwei Autos inklusive USB-C-Ladekabel sowie 15 Streckenteile.
Der Unterschied liegt lediglich in der Farbe der Flitzer. Bei meinem Set ist ein Porsche 911 GT3 R in Grün und Gelb im Maßstab 1:50 (9,5 Zentimeter) enthalten.
Die Autos verfügen über Front- und Rücklicht und geben je nach Fahrmanöver passende Motor- und Bremsgeräusche von sich. Die Verarbeitung wirkt solide. Die Raser fühlen sich jedenfalls nicht wie billige Spielzeugautos an.
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Carrera Hybrid: Eindrücke von der Gamescom
Schnell aufgebaut
Im Lieferumfang sind zwei Links, acht Rechtskurven, vier Geraden und eine Zielgerade enthalten. Mit diesen 15 Teilen lassen sich zahlreiche Strecken gestalten.
Ihr könnt kreativ werden und eigene Strecken bauen oder die App nutzen, um vorgegebene Layouts auszuwählen und sogar eure Teile einzugeben. Das Programm schlägt euch dann mögliche Strecken vor. Cool!
Die Teile sind dank Stecksystem kinderleicht und flott zusammengebaut, ziehen aber schneller Staub an als mein Saugroboter. Durch die glatte Oberfläche lassen sie sich zwar leicht reinigen, in meinem Haushalt mit Kind und Katze ist mir das dennoch störend aufgefallen.
Die 15 Teile reichen als Starterset für zwei Spieler locker aus. Wer mehr Kumpels einladen oder größere Strecken bauen will, kann sich zwei Erweiterungssets für jeweils 50 Euro kaufen.
Das Track Pack 1 beinhaltet zwei Links- und Rechtskurven sowie sechs Geraden, beim Track Pack Speed
sind es hingegen acht Geraden.
Zusätzliche Autos werden bei mehr Spielern ebenfalls fällig. Jeder Flitzer kostet noch einmal 50 Euro. Ein teurer Spaß.
So fährt es sich in der Praxis
Damit der Porsche losbraust, ist die App zwingend nötig. Hier müsst ihr euch zunächst ein Konto anlegen sowie eure beiden Autos im Nutzerprofil hinterlegen. Habt ihr eine Strecke zusammengebaut, fährt euer Auto diese einmalig ab. Ist der Scan abgeschlossen, kann es losgehen.
Bei der Steuerung habt ihr mehrere Optionen: Gas und Bremse bedient ihr mit dem Daumen auf einer Touch-Fläche, während ihr das Handy wie ein Lenkrad haltet. Alternativ könnt ihr virtuelle Joysticks im Cockpit einblenden oder einen Bluetooth-Controller verwenden.
Für die Jüngsten gibt es zudem einen Fahrassistenzmodus, bei dem das Auto automatisch lenkt – ähnlich wie bei den alten Carrera-Bahnen, wo man sich nur auf die Dosierung des Gases konzentrieren musste.
Allerdings gibt es einen Haken: Im KI-Modus wird die Strecke (vielleicht auch wegen des Staubs) manchmal nicht korrekt erkannt und der Flitzer rollt von der Piste, was frustrierend sein kann.
Überholmanöver sind überall möglich, doch Vorsicht: Aufgrund der gewöhnungsbedürftigen Touch-Steuerung fliegt man schneller von der Piste als man denkt.
Die Autos lassen sich generell ohne merkliche Latenz manövrieren. Die Handysteuerung ist jedoch stark gewöhnungsbedürftig. Für meinen vierjährigen Sohn war sie zu kompliziert, obwohl er mit den klassischen Handreglern von Carrera gut klarkommt.
Der 11-jährige Nachbarsjunge hatte schon mehr Spaß. Auch ich brauchte eine Weile, um mit der Steuerung warmzuwerden – wirklich anfreunden konnte ich mich mit der Touch-Steuerung jedoch nicht (was auf nahezu alle Handy-Rennspiele zutrifft). Die optionale Controller-Steuerung (via Handy-Kopplung) hat für mich am besten funktioniert.
Ohnehin ist Carrera Hybrid deutlich fordernder als die klassischen Carrera-Bahnen, denn ihr könnt nicht nur in Kurven aus der Spur fliegen, sondern auch auf Geraden jederzeit von der Strecke abkommen.
Für einige von euch dürfte aber gerade das den Reiz ausmachen. Zusätzlich hat auf Wunsch sogar der Reifenabrieb Einfluss auf das Fahrverhalten – der digitale Ansatz macht es möglich.
Tuning hui, Karrieremodus pfui
Apropos: Für jedes Rennen sammelt ihr Punkte, mit denen ihr anschließend eure Karre aufbrezeln könnt. Mehr Grip, schnellerer Motor, Nitro-Pack oder bessere Lenkung: Das Tuning motiviert und wirkt sich spürbar aufs Fahrverhalten aus.
Es dauert zwar eine gefühlte Ewigkeit, bis man ein neues Teil freischaltet, dann freut man sich aber umso mehr darauf, es einzubauen.
Übrigens, keine Sorge: In den Renneinstellungen könnt ihr Tuning auch verbieten, damit niemand einen unfairen Vorteil hat.
Ganz im Gegensatz zum Tuning ist der Karrieremodus erschreckend langweilig. Er richtet sich an Solisten und umfasst verschiedene Stufen, in denen ihr bestimmte Strecken nachfahren müsst und euch an Herausforderungen wie Rundenbestzeiten versuchen dürft.
Die Krux:
Es dauert einfach viel zu lange, neue Rennen freizuschalten.
Nach fünfzehn Rennen, also etwas mehr als einer Stunde Herumgurkens auf der einfachsten Rundstrecke, hatte ich immer noch nicht Stufe 2 des Karrieremodus freigeschaltet. Absurd! Ich habe den Solomodus daher schnell ignoriert.
Wesentlich mehr Spaß macht der freie Modus, in dem ihr beliebige Strecken auswählen und mit bis zu 32 Spielern über eure Strecke brettern dürft.
Runden- oder Zeitrennen sind dagegen auf 16 Spieler beschränkt. Mit mehr Leuten kommt auch gleich mehr Spaß auf. Allerdings auch nur rund 40 Minuten, dann ist der Saft alle und die Flitzer müssen kurz ans Ladekabel.
Fazit
- Einfacher Aufbau
- Hochwertige Flitzer
- Cooler Tuning-Aspekt
- Zahlreiche Strecken und Einstellungen
- Gewöhnungsbedürftige Touch-Steuerung
- Zäher Karrieremodus
- KI-Fahrassistent mit Aussetzern
- Teure Zusatzpakete
Carrera Hybrid verfolgt einen spannenden Ansatz. Vor allem der Tuning-Aspekt und die zahlreichen Anpassungsoptionen haben ihren Reiz. Die Strecken sind schnell zusammengebaut und die Autos flott geladen. Die coolen Motor- und Bremsgeräusche sowie anschaltbaren Lichter tragen zur Rennatmosphäre bei. In der Praxis stören aber immer wieder kleine Ungereimtheiten.
Die Steuerung ist trotz Fahrassistentstufen eine Herausforderung für sich, die Streckenerkennung fehleranfällig und die Akkus relativ flott leer. Richtig Spaß kommt zudem erst mit mehreren Spielern auf (logisch!), was teure Zusatzkäufe nach sich zieht.
Carrera hat allerdings den Vorteil, per Softwareupdate weitere Features nachzureichen und die Steuerung noch weiter zu verbessern. Aktuell reizt das Hybrid-Konzept sein Potenzial aber nicht vollständig aus.

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