Über zwei Jahre lang war ChatGPT mein täglicher Begleiter im privaten Alltag, mein Second Brain
und oftmals einfach nur Berater für persönliche Gedanken.
Ob ich Kochideen für ein schnelles Mittagessen im Homeoffice brauchte, Ausmalbilder für meinen Sohn generiert habe oder (natürlich!) lange Texte zusammenfassen ließ – ChatGPT war sowohl am Laptop als auch am Handy omnipräsent. Das Tool half mir aber nicht nur bei privatem Kram, auch für berufliche Slides oder Brainstormings war ChatGPT lange Zeit mein Favorit.
Bis jetzt.
Denn in den letzten Monaten hat sich etwas verändert. Das Gefühl, für knapp 23 Euro im Monat einen echten Mehrwert zu bekommen, schwand immer mehr. Und so habe ich ChatGPT Plus letztlich gekündigt.
Doch es war keine Entscheidung über Nacht, sondern ein schleichender Prozess. Und es kamen mehrere Gründe zusammen.
Zahlreiche Features, aber...
OpenAI hat in letzter Zeit ein starkes Tempo vorgelegt, was neue Funktionen angeht. Ständig ploppte etwas Neues auf: Projekte mit Ordnern, Gruppen-Chats, Funktionen zum Lernen und für Quizze, in Chats integrierte Audiogespräche, ein Shopping-Assistent und nicht zuletzt Sora zur Videoerstellung
Aber: Die Qualität hielt oft nicht mit der Quantität Schritt. Es wirkte fast so, als würde man einfach alles an die Wand werfen, um zu sehen, was kleben bleibt.
Ein perfektes Beispiel dafür ist der Shopping Assistent. Die Idee ist genial, die Ausführung jedoch mangelhaft. Egal, ob ich mich über gebrauchte E-Autos, ein neues iPhone oder Saugroboter informieren wollte – das Ergebnis war enttäuschend.
Zum einen, weil mir der Assistent zwar nützliche Fragen stellt, etwa zum Budget oder meinen Vorlieben, hier aber stets oberflächlich bleibt. Zum anderen, weil ChatGPT selbst in Version 5.2 nicht korrekt recherchiert – und mir somit falsche Empfehlungen vorschlägt.
Ein Beispiel: ChatGPT sollte mir ein neues, möglichst günstiges (gern gebraucht) iPhone vorschlagen, das besser ist als mein iPhone 13 mini und ausdrücklich Apple Intelligence unterstützt. Das Ergebnis? In der Auswahl fehlte ausgerechnet das Budget-freundliche iPhone 16e, weil es angeblich kein Apple Intelligence beherrsche – was schlicht falsch ist.
Zugegeben: Eine gute Recherche mit zuverlässigen, aktuellen Fakten ist für viele KI-Tools eine Herausforderung. Doch genau diese Recherche ist doch die Basis für einen vernünftigen Einkaufshelfer. Hier muss OpenAI erst einmal an der Basis arbeiten, bevor es lauter halbgare Features anbietet.
Auch die Bildgenerierung mit DALL-E, die ich früher geliebt habe, ließ qualitativ nach. Gerade für die Ausmalbilder meines Sohnes war das Tool früher Gold wert. Zuletzt waren die Ergebnisse aber oft inkonsistent oder stilistisch nicht mehr das, was ich gewohnt war.
Doch das war noch nicht alles.
Der Ton macht die Musik – und der nervt gewaltig
Vielleicht kommt euch das bekannt vor: Ihr stellt eine klare, pragmatische Frage und bekommt erst einmal einen Absatz Lobhudelei zurück. ChatGPT hat sich eine Tonalität angewöhnt, die mir zuletzt tierisch auf die Nerven ging.
Dieses ständige: Oh, das ist eine ausgezeichnete Frage, lass uns diesen Aspekt einmal genauer auseinandernehmen!
ist vielleicht nett gemeint, geht mir aber spätestens dann auf den Keks, wenn die Floskel das dritte mal innerhalb eines Gesprächs kommt.
Ich brauche keinen digitalen Cheerleader, der meine Fragestellung bewundert. Ich brauche Antworten, Fakten und Lösungen – gern in knackigen Bullets. Und genau das habe ich auch seit Tag Eins als Anweisung in meinen Personalisierungseinstellungen hinterlegt.
Möglich, dass es zum Teil am langen Wissenskontext oder meiner Interaktion mit der KI liegt, doch meine Anweisung in den Einstellungen wird von ChatGPT mittlerweile ignoriert.
Aber ich sehe im Internet, dass es auch anderen Nutzern so geht. Bereits mit der Einführung vom o4-Modell beschwerten sich viele User auf Reddit über ChatGPTs Ton – was sich mit GPT5 noch einmal zugespitzt hat.
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Gemini 3: Google stellt bisher leistungsstärkstes KI-Modell vor
Warum Gemini den Platz in meinem Dock erobert hat
Während ich mich also immer öfter über ChatGPT ärgerte, hat die Konkurrenz nicht geschlafen. Ich nutze Google-Produkte beruflich sehr intensiv, und es ist beeindruckend, wie stark Google Gemini in den letzten Monaten aufgeholt, nein, überholt hat.
Denn der Fortschritt der neuen Modelle, Gemini 3 Pro und Nano Banana Pro (Bilderstellung), ist immens. Die Antworten wirken frischer, auf den Punkt und weniger schmeichelnd wie bei ChatGPT. Bilder wirken nahezu echt, sind konsistenter und lassen sich vielseitig editieren (etwa im Format), auch wenn das nicht immer zuverlässig klappt.
Der größte Vorteil ist aber die nahtlose Integration in meinen Workflow. Da ich ohnehin viel in Google Docs und Sheets arbeite, ist es ein Segen, die KI direkt in diesen Tools über die Seitenleiste nutzen zu können. Zudem kann ich in Gemini generierte Tabellen oder Slides direkt in Google Docs überführen. Kein Copy-Paste mehr, kein ständiges Tab-Wechseln. Ein echter Produktivitäts-Booster.
Natürlich muss das nicht zwangsweise auf euch zutreffen. Meine Kollegen Nils und Jakob etwa greifen je nach Anwendungsfall lieber zu ChatGPT, weil es Inhalte besser
aufbereitet oder mehr Kontext begreift. Das ist zum Teil höchst subjektiv.
Für mich deckt Gemini aber alle meine bisherigen Einsatzzwecke ab – vom Brainstorming bis zur Bilderstellung – und lässt mich aktuell kein Feature vermissen. Zumindest noch.
Kündigung mit Reue? OpenAI legt nach
Natürlich kam es, wie es kommen musste: Kaum war mein Plus-Abo gekündigt, haute OpenAI ein Update nach dem anderen raus. Neue Bildgenerierungsstile, eine deutlich schnellere Bilderstellung (sogar mehrere Bilder parallel möglich!) und der lang erwartete App Store sind da.
Und ja: Ein bisschen Reue empfand ich schon. Gerade die neuen visuellen Features sind ein Gamechanger, weil sie nicht nur dabei helfen, neue Stile zu entdecken, sondern auch bessere Prompts zu schreiben.
Es ist fast ironisch, dass diese Funktionen genau dann kamen, als ich das Handtuch geworfen hatte.
Was mich schockierte: Der Wechsel von Plus zu Free ist mit stärkeren Einschränkungen verbunden, als ich dachte. Ich kann innerhalb von 24 Stunden nur drei einfache Bilddateien anhängen, ernsthaft? Wer einmal an das Plus-Abo gewöhnt war, für den fühlt sich der kostenlose Zugang an wie ein Sportwagen mit angezogener Handbremse.
Für schnelle Analysen oder Inspirationen ist das ein echtes Hindernis. Man merkt schnell: OpenAI will mich zurück. Und sie wissen genau, wo sie die Schmerzgrenze ziehen müssen.
Übrigens: ChatGPT wird nicht so genutzt, wie erwartet
Trotzdem bleibe ich vorerst standhaft. Gemini liefert mir aktuell das bessere Gesamtpaket für meinen Alltag. Aber wer weiß, ob sich das Blatt nicht bald wieder wendet. Die KI-Tools entwickeln sich rasant; die Hersteller liefern sich ein ewiges Kopf-an-Kopf-Rennen. Sollte sich bei mir etwas ändern, erfahrt ihr es hier auf GameStar Tech.
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