CO2-Ausstoß der Xbox kollidiert mit Microsofts Klimazielen

Microsoft möchte eine negative CO2-Bilanz ausweisen, die eigenen Konsolen könnten dem aber im Weg stehen. So soll die Xbox One X für über eine Tonne CO2-Emission verantwortlich sein.

von Alexander Köpf,
28.01.2020 16:39 Uhr

Ist die Xbox One X ein Klimakiller? Und wie sieht es mit dem PC aus? Ist die Xbox One X ein Klimakiller? Und wie sieht es mit dem PC aus?

Microsoft will bis 2030 nicht nur klimaneutral sein, sondern sogar eine negative CO2-Bilanz vorweisen. Das heißt, der Konzern will mehr Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre entfernen als ausstoßen.

Die eigenen Konsolen könnten den gesetzten Zielen jedoch in die Quere kommen, wie das amerikanische Online-Magazin Grist in Berufung auf einen Microsoft-Unternehmenssprecher berichtet.

Wie setzen sich die Emissionen zusammen?

Jede Xbox One X trägt in ihrer durchschnittlich achtjährigen Lebensspanne demnach das Äquivalent von mehr als einer Tonne Kohlenstoffemission bei und verursacht somit den größten CO2-Fußabdruck aller Microsoft-Geräte.

Die harten Fakten einmal in aller Kürze:

  • Xbox One X ist in acht Jahren Lebenszeit für über eine Tonne CO2-Ausstoß verantwortlich
  • 86 Prozent der Emission werden durch den Betrieb (Spielen) verursacht
  • 14 Prozent der Emission werden von Herstellung, Verpackung, Versand und Recycling verursacht

Die Xbox One X hat dabei eine Leistungsaufnahme von rund 150 Watt während des Spielens von 3D-Titeln. Ein High-End PC mit Intel Core i7 7820X und Nvidia RTX 2080 Ti kommt bei Red Dead Redemption 2 auf rund 480 Watt Leistungsaufnahme unter Alltagsbedingungen (viele offene Fenster, Browser, Schreibprogramme, usw.).

Wie ist der CO2-Ausstoß einzuordnen?

Ein Auto mittleren Alters und mit durchschnittlichem Benzinverbrauch kommt laut dem CO2-Rechner von Quarks auf 18,9 Kilogramm Kohlenstoffdioxid-Emission pro 100 gefahrener Kilometer. Bei 14.000 Kilometern Fahrleistung - was allgemein als realistischer Mittelwert gesehen wird - werden so 2.647 kg CO2 ausgestoßen.

Der Energieverbrauch und damit einhergehend die Emission einer Xbox One X liegt also deutlich unter dem eines Kraftfahrzeugs. Das heißt allerdings nicht, dass diese nicht ebenso ins Gewicht fällt.

Eine Studie des Lawrence Berkeley National Laboratory (Paywall, via Grist) aus dem Jahr 2019 kommt zu dem Schluss, dass alle US-amerikanischen Spieler - also auf PC, Konsolen und mobilen Geräten - zusammengenommen so viel Klima-relevante Emission verursachen wie 85 Millionen Kühlschränke oder 5 Millionen Fahrzeuge.

Was kann Microsoft tun?

Ab 2030 will Microsoft mehr CO2 aus der Atmosphäre entfernen als ausstoßen - ist das realistisch? (Bildquelle: Microsoft) Ab 2030 will Microsoft mehr CO2 aus der Atmosphäre entfernen als ausstoßen - ist das realistisch? (Bildquelle: Microsoft)

Vor wenigen Wochen kündigte Microsoft an, nicht nur in der Produktion, in den eigenen Büros oder Rechenzentren Energie sparen zu wollen, sondern auch vor Ort bei den Spielern.

Welche Möglichkeiten dazu gibt es für Konsolen?

  • Änderung des Konsumverhaltens
  • Einsatz energieeffizienter Komponenten (Prozessoren, Grafikchips, Speicher)
  • Firmwareupdates / Verbesserungen des Energiehaushalts

Ende des Jahres wird Microsofts Next-Gen-Konsole Xbox Series X erwartet. Dort soll eine Ryzen-APU verbaut werden, die durch die 7-nm-Fertigung Energieeffizienz verspricht. In der Regel wird diese jedoch auf ein sattes Leistungsplus umgelegt, weshalb es fraglich ist, ob Microsoft vor Ort tatsächlich etwas ändern kann.

Plausibler scheint da der Ansatz mit großangelegten CO2-Filteranlagen, um die selbstgesteckten Ziele zu erreichen. Microsoft plant derzeit, eine (weitere) Milliarde US-Dollar in die Entwicklung von Technologien zur Reduktion und Entfernung von CO2 zu investieren.


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