Noch keine Wertung? In diesem Testartikel bewerten wir nur die Kampagne von CoD Modern Warfare 4. Den Multiplayer testen wir nach Release unter Live-Bedingungen, erst dann gibt's eine finale Wertung.
»Ich ziele nicht auf Unschuldige!«
»Dann machst du deinen Job nicht richtig!«
Dass Call of Duty schockieren will, ist nichts Neues. Frühestens seit der Hinrichtung von Präsident Yasir Al-Fulani oder der Atombombe im ursprünglichen Modern Warfare und spätestens seit »No Russian« in MW2 gehören Schläge unter die Gürtellinie genauso zur Serien-DNA wie Ninja-Turtle-Multiplayer-Skins und »Boots on the ground«-Beteuerungen seitens Activision.
Und selbst wenn ich nur ab der jüngsten Modern-Warfare-Ära nach 2019 rechne: Wir hatten Gasangriffe gegen Unschuldige, darunter Kinder, Sprengwesten auf Londons Piccadilly Circus, ein Flugzeugattentat in Modern Warfare 3, es wurden Familien gefoltert, Gefangene erschossen, Grenzen in wörtlichem und bildlichem Sinne überschritten.
Jetzt ist Call of Duty kein komplexes Anti-Kriegsdrama à la Im Westen Nichts Neues, sondern vor allem Popcorn-Spektakel – viele Schockmomente sollen in erster Linie deine Mutter auf die Palme bringen, Marketing halt. Aber wenn ich in der jüngeren Modern-Warfare-Saga nach irgendeinem Subtext wühle, dann ist es wohl der: In modernen Kriegen wird so dreckig gekämpft, dass der Zweck fast alle Mittel heiligt. Feuer mit Feuer, »Wir ziehen die Grenze, wo wir sie brauchen«, »die Samthandschuhe sind aus« – alles Zitate aus Modern Warfare (2019).
Und das ... war's dann aber auch. Keine tiefere Einordnung, kein Kommentar, nur ein »Guckt mal, wie krass Task Force 141 sein muss, um Terroristen wie Vladimir Makarov zu besiegen, heftig, oder?«
Call of Duty: Modern Warfare 4 bricht damit. Es bricht so sehr damit, dass nach dem Abspann der etwa 5- bis 7-stündigen Kampagne so ziemlich kein Stein mehr auf dem anderen bleibt. Ich bezweifle, dass es danach jemals ein Modern Warfare 5 geben wird, wohl eher ein weiteres Reboot. MW4 reißt alles ein, was die Vorgänger seit 2019 aufgebaut haben.
Und das ist nicht der einzige Grund, der diese Kampagne so verdammt interessant macht. Aber Obacht: »Verdammt interessant« heißt nicht überall automatisch »verdammt gut«.
- brachial inszenierte Kampagne mit überraschend spannender Geschichte.
- schlägt den Bogen zum 2019er Modern Warfare.
- nach wie vor hervorragendes Gunplay
- abseits der Ballerbude kaum frische Ideen.
- lachhaft eindimensionale Schurken.
- letztlich belanglose Open-World-Mission.
Eine Kampagne, zwei Erzählstränge
Der zweite Grund ist die Erzählweise: Modern Warfare 4 bietet nach dem desaströsen Quasi-Addon MW3 von 2023 nicht nur wieder eine richtige Kampagne, sondern gleich zwei Erzählstränge.
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