Ich teste beruflich Controller und bin deshalb immer auf der Suche nach besonderen Modellen, die irgendetwas anders machen als der Massenmarkt. Bei meiner Recherche stieß ich neulich auf das rund 18 Jahre alte Studienprojekt einer Studentin.
Was nach einem Sexspielzeug klingt, dient in Wahrheit rein der Wissenschaft. Jennifer Chowdhury aus New York hat zwei spezielle Gaming-Controller entwickelt. Einen, der in einem BH und einen, der in eine Boxershort eingenäht ist.
Damit sollen Paare eine Kombination aus Gameplay und Intimität
erleben, so die Erfinderin der anziehbaren Gamepads. Kreiert hat sie diese 2007 im Rahmen ihrer Masterarbeit.
Chowdhury betont, dass es sich bei den Geräten, die sie Intimate Controller
genannt hat, um keine Sexspielzeuge handelt. Auf der Seite zum Projekt schreibt sie:
Mit der Einführung von Spielen und ganzen Konsolen mit neuartigen Controllern wie der Nintendo Wii, Guitar Hero und Dance Dance Revolution habe ich mich dafür interessiert, wie Spieloberflächen die Art und Weise verändern können, wie Spieler außerhalb des Bildschirms miteinander interagieren.
Die Umsetzung ist simpel: Sowohl in dem BH als auch in den Boxershorts befinden sich jeweils sechs Sensoren, die auf Berührung reagieren. Diese sind so auf den Kleidungsstücken verteilt, dass sie verschiedene Intimitätsstufen schaffen sollen.
Wer also annimmt, er oder sie könne direkt zur Sache kommen, wird enttäuscht sein. Beim BH-Controller starten wir zunächst mit den Sensoren in den Trägern, auf den Schultern. Bei der Boxershorts-Bedienung verhält es sich ähnlich.
Im Verlauf des Pong-artigen Spiels können sich die Spielenden aber vorarbeiten – zumindest, wenn sie sich beide zusammen positiv im Gameplay schlagen.
Es ist also nicht wirklich, wie in unserem Forum vor einigen Jahren mit Grapschen zum Spielen
getitelt wurde.
Noch etwas, worauf manche in der Diskussion gehofft haben und was nicht möglich ist: Ihr könnt die Controller-Kleidung bis heute nicht kaufen. Offenbar existieren bis dato nur die Vorführmodelle, die Chowdhury eigenhändig gefertigt hat.
21:06
9 PC-Controller im Vergleich: Lohnen sich 200 Euro für ein Gamepad?!
Es gibt einfachere Lösungen
Tatsächlich scheint die Erfindung in der Praxis nicht besonders sexy zu sein. Beide Interagierenden drücken zwar auf einigermaßen intime
Körperstellen, diese sind aber nicht bloß von Stoff, sondern auch von einem Sensor bedeckt. Letzterer muss offenbar recht fest betätigt werden, sodass das Ganze eher wirkt, als würde man in der U-Bahn angerempelt werden.
Fraglich ist auch, wie funktional die Erfindung ist, wenn beide Personen das gleiche Controller-Modell tragen, also beide einen Controller-BH oder eben beide die Shorts.
Vermutlich wäre die Person, die vorn steht, in beiden Szenarien im Nachteil, denn das ist sie selbst, wenn sie (wie im Ablauf von Chowdhury vorgesehen) den BH und die Person dahinter die Shorts trägt.
11:19
Split Fiction ist schon jetzt eines der besten Spiele des Jahres!
Hintergrund: Der Mensch vorn muss seine Hände zum Tasten nach hinten strecken und umdrehen. Das sieht nicht sonderlich komfortabel aus und einige der Sensoren, wie die auf dem Gesäß, sind von dort aus ohnehin schwer zu erreichen.
Wer mag, kann sich in dem Video zum Projekt ansehen, wie das Spielen mit den Controllern aussieht.
Das, was hier zusammenschweißt, ist vermutlich schlichtweg, dass Zeit miteinander verbracht wird, während man sich körperlich nahe ist.
Ich finde, es gibt simplere Methoden, Gaming und Beziehung zu verbinden. Zumal ich auch anzweifeln würde, ob Pong wirklich so spannend ist, dass man es für ein bisschen Petting durch Kleidung spielen möchte. In den meisten Beziehungen (hier werden ja immerhin konkret Paare angesprochen) bekommt man das vermutlich auch ohne Sensoren im Stoff.
Manchen reicht es bereits, jeweils ihren unterschiedlichen Hobbys im selben Raum nachzugehen oder schlichtweg zusammen einen Koop zu spielen.
Titel wie A Way Out, It Takes Two, Split Fiction oder auch jetzt, passend zu Halloween, die The Dark Pictures-Spiele, sind prädestiniert, um sich näherzukommen. Und zwar so nah, wie man möchte, und mit ordentlicher Peripherie in den Händen, die nicht aus reinen Tastschaltern besteht.
An guten und schlechten Koop-Spielen mangelt es nicht. Da dürfte wirklich für jeden etwas dabei sein. Wenn es dabei kuschelig wird, kann man die Geräte auch einfach weglegen.
Dennoch halte ich die Idee mit den Intimate Controllers
für interessant, bloß an der Umsetzung sollte die Forschung noch weiter arbeiten.
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