Videospiele dienen längst nicht mehr nur dem schnellen Nervenkitzel oder dem simplen Zeitvertreib. Wer nach Feierabend den PC hochfährt, sucht mitunter auch etwas ganz anderes als den Wettbewerb mit anderen Spielern. Die Medienforschung widmet sich deshalb zunehmend einem Phänomen mit antiken Wurzeln: eudämonische Emotionen.
Eine Untersuchung der Universität Antwerpen zeigt, welche psychologischen Mechanismen greifen, wenn Cozy Games wie Stardew Valley über den Monitor flimmern, und warum das Verlangen nach Sinnsuche eine zentrale Rolle spielt.
Was sind eudämonische Emotionen
In der Psychologie wird zwischen zwei Formen des Erlebens unterschieden. Auf der einen Seite steht das hedonische Vergnügen: Zerstreuung, oberflächlicher Spaß und das Vertreiben von Langeweile.
Dem gegenüber steht das eudämonische Erleben, ein von Aristoteles geprägter Begriff. Eudaimonia beschreibt das Streben nach persönlicher Reifung, ethischer Reflexion und echtem Lebenssinn.
Auf Spiele übertragen bedeutet das: Eine Erfahrung muss nicht zwingend heiter sein, um zu bereichern.
Eudämonische Momente entstehen, wenn eine Spielwelt berührt, nachdenklich stimmt oder Bewunderung weckt. Melancholie, Trauer oder das Gefühl moralischer Verbundenheit wirken oft nachhaltiger nach als der nächste gewonnene Wettkampf.
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Spiele wie der Cozy Camping-Trip Outbound haben eine besondere Wirkung
Was die Wissenschaftler herausgefunden habe
Die belgischen Forscher Rowan Daneels und Kato Maes untersuchten dieses Phänomen bereits 2025 anhand von 277 Spielern sogenannter Cozy Games. Diese Titel setzen auf gewaltfreie Welten, lösbare Aufgaben und ein entschleunigtes Tempo.
Die Studie begann mit der Annahme, dass solche Wohlfühlspiele vor allem als Ersatz für soziale Kontakte dienen. Hier kamen die Wissenschaftler zu einer anderen Erkenntnis: Das soziale Motiv, also der Wunsch nach Kontakt mit anderen Menschen, belegte den letzten Platz aller untersuchten Beweggründe.
Es war der einzige Faktor, der deutlich unter dem Durchschnitt lag. Stattdessen dominieren ganz andere Antriebe.
Spitzenreiter war das Bedürfnis nach moralischer Selbstreflexion, gefolgt von:
- individueller Handlungsfreiheit
- klassischem Eskapismus
- emotionaler Ergriffenheit
Spieler wählen diese Titel vor allem, um selbstbestimmt zu handeln und Aktivitäten nachzugehen, die sie als moralisch sinnvoll wahrnehmen.
Welche Titel betroffen sind und wer sie spielt
Gefragt nach den Favoriten der 277 Spieler, belegte die Farmsimulation Stardew Valley Platz 1. Fast die Hälfte der Befragten nannte das Spiel als Lieblingstitel, gefolgt von Animal Crossing: New Horizons.
Beide Titel bieten Raum für stetigen Aufbau und Fürsorge in einem sicheren Umfeld ohne existenziellen Druck. Mit deutlichem Abstand folgen Minecraft, Palia und Die Sims sowie Disney Dreamlight Valley.
Eudämonische Emotionen beschränken sich jedoch nicht auf ländliche Idyllen. Auch ernstere Werke wie das Plattformspiel Gris berühren ähnliche Facetten, indem sie Trauer und emotionale Heilung thematisieren.
Zudem analysierten die Forscher Persönlichkeitsmerkmale. Die befragten Personen neigen überdurchschnittlich stark zu Merkmalen der »Hellen Triade«, insbesondere zu Humanismus. Wer den Wert anderer Menschen schätzt, sucht am Bildschirm gezielter nach herzerwärmenden Momenten.
Für Spieler ergibt sich aus der Studie die Bestätigung einer langen bekannten Tatsache: Spiele sind kein simpler Zeitkiller, sondern eröffnen einen geschützten Raum für Emotionen und Sinnfragen.
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